Gesamtwertung79 %/10 |
Grafik9 Sound9 |
LanzeitspaßUngenügend Spieleinstieg10 |
Bedienung9 |
Während der Markt für die Next-Generation-Konsolen mit guten und schlechten Beat 'em Ups geradezu überfüllt ist, gibt es für den dafür eigentlich geradezu prädestinierten Sony Handheld nur eine Handvoll echter Prügelspiele. Mit Dissidia: Final Fantasy und Soul Calibur: Broken Destiny erwarten uns diesen Monat aber zwei wirkliche Hitkandidaten und während Ersterer uns bereits zeigte, was in ihm steckt, muss Namcos Klopporgie nun als zweiter Titel durch den Looki-Test. Ob der neuste Teil der legendären Soul Calibur-Reihe ebenso durchschlagskräftig, wie seine großen Brüder ist, klären wir auf den folgenden
Zeilen.
Veteranen der Serie werden sich nachdem gigantischen Introvideo erst einmal genauso zu Recht finden müssen, wie alle Neueinsteiger. Denn Namco hat Broken Destiny in Sachen Spielmodi scheinbar völlig umgekrempelt. Da gibt es keinen Arcade-Modus, keine Survival-Hatz, keinen Weapon Master-Modus und kaum Einstellungsmöglichkeiten. Eine Onlinefunktion ist ebenfalls nicht vorhanden. Was also kann uns ein Prügler ohne diese markanten, in so gut wie jedem Beat 'em Up vorhandenen Spielmodi bieten?
Die Antwort ist eine einfache: Ein "Schnelles Spiel", einen Prüfungsmodus und nicht zu letzt den Spießrutenlauf. Ganz richtig, den Spießrutenlauf. Wer so mutig ist, ihn als erstes auszuwählen, der wird nicht enttäuscht und ist auf dem richtigen Weg. Das Spielen dieses Modus' ist nämlich so etwas wie ein ewig andauernder Lernprozess. Vor jedem Kampf wird erläutert, was man zu tun hat. Dabei werden bestimmte Angriffskombinationen oder Verteidigunsarten gefordert. Nach und nach bekommt man so fast jede Einzelheit in der Kampfführung eines jeden Charakters mit.
Das ist durchaus löblich, aber auf Dauer auch etwas eintönig. Glücklicherweise werden die Tipps, die anfangs noch ziemlich umfangreich daherkommen, später spärlicher, so dass man seine Skills und auch sein Hirn benutzen muss, um die immer stärkeren Gegner mit perfekten Combos aus dem Weg zu räumen. Durch Siege kann man jede Menge Dinge für den gigantischen Editor, der übrigens aus Soul Calibur 4 übernommen wurde, freischalten. Wählt man ihn im Menü an, bietet sich eine Vielzahl an Gestaltungsmöglichkeiten, die man in anderen Beat 'em Ups wohl noch lange vergeblich suchen wird. Insgesamt kann man bis zu 16 eigene Kämpfer anlegen.
Zwar müssen deren Kampfstil und somit auch deren Stimmen an einen bereits existierenden Fighter angepasst werden, aber das Aussehen des eigenen Kämpfers kann vollkommen frei bestimmt werden. Und Soul Calibur wäre nicht Soul Calibur, wenn es sich furchtbar ernst nehmen würde. So hat man die Auswahl zwischen den skurrilsten äußerlichen Eigenschaften. Ein pinker Afro gefällig? Kein Problem. Einen gelben, sechs Meter langen Bart? Wird gemacht.
So kann man mit dem Editor viel Spaß haben, leider fehlt an dieser Stelle wirklich der Onlinemodus, um seine Kreationen auch allen auf die Nase binden zu können. Dieses ärgerliche Phänomen wird umso deutlich, wenn man erst einmal ins "Schnelle Spiel" einsteigt. Im Gegensatz zum altbekannten und einfach guten Arcade-Modus-Prinzip, bei dem man ja mit einer Anzahl von Startcharakteren die anderen freispielen und dabei jeweils einige Gegner und dann am Ende einen Boss platt machen muss, stehen dem Spieler in Soul Calibur: Broken Destiny bereits zu Beginn alle 28 Kämpfer zur Verfügung.
Wählt man sich seinen Kämpfer und Gegner, beginnt das Spielchen. Nach einem ersten Sieg, darf man sich erneut einen Gegner wählen und so weiter und so fort. Dabei begegnet man aber höchst selten, den eigentlichen Charakteren, die werden nämlich jedes Mal aufs Neue durch Zufall komplett neu gestaltet, so dass man auf die krassesten und lustigsten Varianten etwas von Ivy trifft, die dann auch schon einmal als alter Mann daherkommt. So werden quasi Online-Kämpfe simuliert. Etwa um den fehlenden Modus auszublenden? Logischer wäre es gewesen, eben diesen noch mit einfließen zu lassen. Aber das würde ja Entwicklungskapazitäten fressen.
Die beiden Neuzugänge, Kratos und Dampierre passen sich immerhin optimal ins Kämpferfeld ein. Vor allem das Zugpferd aus der God of War-Reihe weiß zu überzeugen. Viele bekannte Moves und Waffen, wie die Blitzattacke mit den Chaosklingen oder das Schwert des Zeus machen ihn neben seinem Aussehen unverwechselbar. Aber auch sein Konterpart, Dampierre, weiß zu überzeugen. Der bewegt sich vor allem am Boden, weicht meist aus und greift dann in den unpassensten Situationen mit seinen Messern an.
Wenn's dann erst einmal in den Kampf geht, zeigt Soul Calibur: Broken Destiny seine wahre Stärke.
So gut wie alle Charaktere sind hervorragend ausbalanciert, so dass es keinen wirklichen Überflieger und auch keinen Underdog gibt. Die Bewegungen wirken realistisch und nachvollziehbar und die Masse an möglichen Moves, Schlägen, Tritten, Kontern und Abwehrhaltungen ist unglaublich, so dass man eigentlich immer nur am Lernen ist. Das Ganze wird dann noch technisch stark präsentiert, nicht nur durch die grandiose Optik, sondern auch durch viele kleine, aber für den Kampf wichtige Details, wie etwa das mögliche Durchbrechen der Rüstung. Viel wurde aus dem vierten Teil der Reihe übernommen, so dass uns spielerisch ein echter Hammer ins Haus steht.
Hätte Namco es nur bei den alten Spielmodi belassen und uns nicht mit einer sinnfreien Geschichte, doofen Charakternamen und fragwürdigen neuen Szenarien belästigt. Ein weiteres Beispiel hierfür ist der Prüfungsmodus, der in drei verschiedene Teile untergliedert ist. Im Endlosspiel muss man sich, wie im Survival-Modus üblich, so lang wie möglich auf den Beinen halten. Im Angriffsmodus so viel Schaden wie möglich in einer bestimmten Zeit anrichten und im Verteidigungsmodus Gegner ausschalten, ohne selbst große Verletzungen davon zu tragen. Das motiviert zwar, wird aber ebenfalls durch die Tatsache, dass es quasi kein Ziel gibt, untergraben. Schade.
Immerhin gibt es aber so etwas wie "Ehre". Gewinnt man etwa 10 Kämpfe hintereinander oder hat sonst irgendwelche Leistungen vollbracht, wird man dafür mit einem Achievement belohnt. Toll, aber wenig wirkungsvoll in Sachen Langzeitmotivation.
Soul Calibur: Broken Destiny ist eine technische Bombe. Selten hat man auf der PlayStation Portable solch detaillierte Charaktere und Umgebungen gesehen, selten stockte einem der Atem ob grandioser Bewegungsabläufe häufiger. Aber im gleichen Atemzug muss man sich auch eingestehen, dass man selten solch einen undurchdachten Spielaufbau vor die Nase gesetzt bekam. Wer sich einzig auf das Herzstück des Spiels, den Kampf, konzentrieren kann und sich von bescheuert aussehenden Charakteren, doof inszenierten Spielmodi und einer beknackten Geschichte, die ihres Gleichen sucht, nicht stören lässt, darf ohne zu überlegen zugreifen. Der Rest sollte darüber nachdenken, ob er nicht lieber zum alterwürdigen Tekken-Ableger greift.
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Soul Calibur: Broken Destiny im Test.
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