Gesamtwertung83%/10 |
GrafikGut SoundSehr gut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
A mountain in your pocket
Wenn es um die actionreiche Umsetzung bekannter Sportarten ging, war die EA BIG-Reihe eine der ersten Anlaufstellen für PS2-User. Damit dies auch auf der PSP so bleibt, darf man sich nun beim ersten SSX für Sonys Handtaschenkonsole die virtuellen Bretter unterschnallen. Dabei wagt es SSX on Tour sogar die eigentlich im Coolness-Streit verkeilten Lager der Skifahrer und Snowboarder gemeinsam auf einer UMD unterzubringen. Ob das gut geht?
Zu Beginn starten wir natürlich als Snowboarder. Immerhin ist das Fahren mit mehr als einem Brett irgendwie so 20. Jahrhundert. Der moderne, hippe PSP-User ist sich und seinem Gadget schließlich etwas schuldig. Bevor wir aber auch nur einen Fuß auf den Berg setzen dürfen, heißt es warten. Die Ladezeiten kommen der notwendigen Gondelfahrt auf des Gletschers Spitze recht nahe - ohne Panoramablick. Oben angekommen gestaltet sich das Beackern der Piste gleich vertraut. Analogstick nach vorne heißt Vollgas, mittels gedrückter X-Taste werden Sprünge vorbereitet und mit dem Loslassen vollzogen.
In der Luft kann man dann mittels Tasten- und Steuerkreuzkombinationen die irresten Tricks ausführen. Je länger die Flugzeit, desto abgefahrener die Pirouetten in der Luft. Also keine Angst vor Sprüngen aus großer Höhe. Unsere Spielfigur in lässigen Baggy-Klamotten und Zipfelmütze überlebt auch den Sprung vom Dach eines Hochhauses, hat sie nur ihr vertrautes Snowboard unter den Füßen. Für gelungene Tricks gibt es natürlich auch was zurück: Punkte, und eine nach und nach gefüllte Turoboleiste. Per Druck auf die Viereck-Taste könnt ihr fortan euren irren Ritt endgültig zur alpinen Amokfahrt steigern, so lange die Leiste hält. All das geht in sehr schöner Grafik von statten. Überall gibt es Abkürzungen zu entdecken, die Strecken sind kurven- und ereignisreich. Mal gleitet ihr sanft durch den Tiefschnee, dann wieder flüchtet ihr vor einer Lawine oder jagd von einer Sprungschanze zur nächsten.
Schwierig wird dies manchmal vor allem wegen der unglücklichen Blickwinkel. Die Kameraposition im Spiel ist teilweise zu niedrig. Wie ein Fährtenleser im Koffeinrausch müsst ihr dann binnen Sekundenbruchteilen aus der Knickrichtung der Spuren im Schnee vor euch erkennen, wohin die Reise gehen soll. Meist ist die nächste Wand schneller.
Zudem ist die Steuerung für SSX-Veteranen ungewohnt. Die Laufwege des PS2-Analogsticks sind großzügiger und lassen so deutlich feinere Kurskorrekturen zu. Auf der PSP neigt man erst nach einiger Übung nicht mehr zum Übersteuern. Auch die Tatsache, dass die Rücksetztaste (Select) mit keinem Wort in der Anleitung erwähnt wird, hilft da nicht sonderlich. Ansonsten geht das weiße Programm sehr flüssig von der Hand. Die Unterschiede zwischen der Abfahrt auf einem oder zwei Brettern sind dabei nicht allzu groß. Das Kurvenverhalten ändert sich ein wenig, außerdem ist es auf Skiern natürlich auch entscheidend, wie rum ihr nach einem Sprung wieder landet. Beide Disziplinen sind wie gehabt sehr schön inszeniert und faszinieren durch die schönen Animationen der Sportler.
Nur eintöniges Schneegestöber?
Im 'on Tour' Modus dürft ihr sieben Touren bestreiten. Auf 16 Strecken, wovon leider nur sechs für Rennen zur Verfügung stehen, bestreitet ihr darin über hundert Events. Die Touren sind verschiedene Spielmodi; namentlich Board Rennen, Board Slope Style, Board Big Air, Ski Rennen, Ski Slope Style, Ski Big Air und der Profimodus namens SSX Legend.
Wer genügend Medallien und Punkte absahnt, kann neue Strecken, Boards und sogar neue Boarder freischalten. Diese zeichnen sich durch spezielle Fähigkeiten und Tricks aus.
Für alle, die sich nachdem sie die UMD ins Laufwerk geschoben haben an der Steuerung die Fingernägel abbrechen, gibt es einen Trainingsmodus, in dem man sich in den Disziplinen Rennen, Slopestyle, Big Air und Free Ride üben kann. Wem das immer noch nicht reicht, für den gibt es einen ganzen Haufen verschiedener Herausforderungen. Diese reichen von einfachen Sachen wie dem Durchspringen von Reifen mittels Sprungschanze bis hin zu Balanceakten, in denen man über alles grinden muss, was rumsteht... wer den Boden berührt verliert.
Im Multiplayer dürft ihr euch mit bis zu drei anderen Boardern und Skiläufern in den Modi Rennen, Slopestyle und Big Air messen. Leider gibt es kein Gamehosting-Feature.
Der Rock'n'Roll lebt
Als Soundtrack hat sich EA diesmal für bodenständigen Rock entschieden, ab und an von hiphoppigen Tönen durchbrochen.
Insgesammt 41 Tracks des hauseigenen Musiklables EA Trax untermalen das wintersportliche Spektakel mit Rockgrößen wie Iron Maiden und Queens of the Stone Age.
Wer auch nach dem Spielen nicht genug bekommen kann, wird sich auf das Pocket Trax Feature stürzen. Das ist ein kleiner Mediaplayer, mit dem ihr die Lieder auf der UMD auch ohne Spiel anhören könnt.
Die Grafik reicht grade so an die PS2 Grafik heran, kann aber im Detail weniger überzeugen. Gerade bei den geskripteten Ereignissen auf den Strecken wurde gespart. Auch sind die Berge nicht so gut gefüllt wie bei den großen Brüdern.
Dieses ist allerdings aufgrund der teils etwas hakeligen Steuerung und ungünstigen Kamera eher ein Vorteil.
Bei der gesammten Präsentation ist EA in eine etwas verrücktere Richtung gegangen. Das Menü gleicht dem lebendig geworden Skizzenbuch eines angetrunkenen Rock'n'Roll-Stars. Auch am Aussehen der Figuren haben die Macher getuned. Irokesenschnitte, Baggypants und Bandshirts sind da an der Tagesordnung. Leider stehen anfangs nur eine Handvoll verschiedener Designs zur Verfügung, sodass man als Fashionvictim erst später im Spiel auf seine Kosten kommt.
Besonders überrascht hat mich der Soundtrack. Bis auf die wenigen hiphoppigen Tracks finde ich die Musik durchweg super. Da das aber eher an meinem persönlichen Geschmack liegt, sei festgehalten: EA hat eine passende Musikuntermalung mit schnellen und groovigen Tracks geschaffen. Auch gefällt mir das Menü sehr gut. Die Zeichnungen sind durchweg komisch anzusehen und passen zum allgemeinen Stil des Spiels.
Alles in allem ist SSX eine Empfehlung wert. Schnell, bunt und motivierend rast man über tolle Pisten. Wer geschickt ist im Umgang mit dem Analogstick und keine Probleme mit schnellem Wechsel zwischen selbigen und so ziemlich allen übrigen Tasten hat, kann zuschlagen.