Red Steel
Auf der Games Convention saßen wir zusammen mit Stéphanie Langlois, der für Red Steel zuständigen Projektkoordinatorin, die uns das Spiel in einer leicht verbesserten E3-Demo präsentierte. Ob wir uns huldvoll vor Ubisoft verneigen müssen und der Hype gerechtfertigt war, erfahrt ihr in unserem ersten Preview.
Big in Japan
Ihr übernehmt die Rolle eines jungen Amerikaners, welcher sich in eine hübsche Japanerin Miyu verliebt hat. Eurer Heirat steht eigentlich nur noch das ausstehende Ja-Wort eures Schwiegervaters in spe im Weg, weshalb ihr ihn in ein Restaurant nach Los Angeles einladet. Doch plötzlich wird das Gebäude von fremden Männern gestürmt, die eure Verlobte entführen und ihren Vater schwer verletzen. Auf dem Sterbebett offenbart euch dieser, dass er der Kopf einer Yakuza-Clans in Japan ist und dass die Männer nach seinem Katana trachteten, welches die Stärke des Clans symbolisiert. Er bittet euch, sein Schwert an euch zu nehmen und natürlich seine Tochter zu retten, welche nach Tokio verschleppt wurde.
Blaue Bohnen und Roter Stahl
Mit dem Wii-Remote steuert ihr wahlweise das Katana oder zielt mit eurer Handfeuerwaffe. Sogar das seitliche Kippen des Controllers wird im Spiel so dargestellt, dass ihr in bester Actionmanier die Knarre horizontal haltet. Wenn ihr nachladen wollt, müsst ihr das Nunchaku-Addon des Controllers ruckartig von oben nach unten bewegen und schon schiebt sich unser unfreiwilliger Japantourist ein neues Magazin in die Waffe. Wem der Einstieg mit der neuen Hardware schwer fallen sollte, der freut sich evt. über eine Art Bullet Time Feature in Red Steel. Per Knopfdruck wird die Zeit eingefroren und ihr könnt mehrere Gegner gleichzeitig ausknipsen oder nur entwaffnen. Leider wirkte die Steuerung des Blickfeldes noch etwas träge und es bleibt zu hoffen, dass die Empfindlichkeit des Controllers später regulierbar sein wird.
Die Umsetzung des Schwertkampfes könnte problematisch werden und es scheint noch nichts fest entschieden zu sein. Bisher war es so, dass der Spieler meist die gleiche Bewegung mit dem Remote ausführen musste, um einen Angriff einzuleiten. Mit Hilfe des Nunchaku wurde außerdem geblockt. Stéphanie Langlois von Ubisoft sagte zwar, dass es noch mehr Animationen geben würde, ging aber nicht genauer auf die Frage ein, wie sehr die Bewegungen des Schwerts den echten Bewegungen des Spielers entsprechen werden. Denn bisher fühlt sich der Spieler weniger in das Geschehen hineingezogen, weil statt einem Druck aufs Knöpfchen nur eine einzige Kampfbewegung ausreicht. Trotzdem sollen viele Fähigkeiten erlernbar sein, um das Spiel zu meistern. Deshalb sucht unser Held zwei Meister auf, die ihn jeweils in Schwertkünsten oder Fernkampf unterrichten.
Weiterer Tiefgang soll im Spiel dadurch gewährleistet werden, dass der Spieler Gegner in Duellen zwar kampfunfähig macht, aber überleben lässt. Für die ehrenvolle Handlung soll der Spieler Vorteile haben, auf die in unserer GC-Präsentation jedoch nicht weiter eingegangen wurde.
Mit mehreren Spielern kann man sich im Multiplayer via Splitscreen austoben. Einen Onlinemodus wird es jedoch zumindest zum Erscheinungstermin noch nicht geben.
Asiatische Gärten und klirrende Klingen
Die Spielgrafik basiert auf einer aufgebohrten Unreal Engine, die seit der E3 noch weiter verbessert wurde. Zwar war davon auf der Games Convention wenig zu sehen, jedoch wirkt das Spiel schon jetzt recht atmosphärisch und interaktive Umgebungen täuschen Realismus vor. Vom Soundtrack, welcher von Tom Salta (Ghost Recon: Advanced Warfighter) komponiert wird, war nichts zu hören, doch bisherige Werke Saltas lassen auf gute Arbeit hoffen. Stimmig wirken die japanischen Sätze und Beschimpfungen, die die Yakuzas bisher von sich geben, auch wenn im Spiel insgesamt keine bekannten Synchronsprecher auftauchen werden. Dafür wird der Lautsprecher des Wii-Remotes später genutzt, um Wummen krachen und Klingen klirren zu lassen.
Ersteindruck
Ich war nach viel Vorfreude für Red Steel während der Games Convention etwas enttäuscht. Die Steuerung ist noch ein wenig träge und besonders der Schwertkampf ist noch nicht so aufregend wie ihn sich jeder Wii-Fan im Kopf ausmalen würde. Hier steht Ubisoft vielleicht vor dem Problem bzw. der Frage inwiefern die realistische Steuerung den Spieler ermüden würde. Längere Gamingsessions mit wildem Schwertgefuchtel könnten zu schlaffen Armen führen. Jedoch steckt gerade hinter dem neuen Realismus, den Wii schaffen kann der große Vorteil der Konsole. Der Glaube, dass der Spieler wirklich in der Spielwelt drinsteckt, da seine Bewegungen quasi 1:1 umgesetzt werden. Mit dem Wissen, dass sich bei Red Steel beispielsweise die Lebensenergie nach einiger Zeit der Ruhe automatisch komplett regeneriert oder sich mit dem Feature, welches mit der Bullet Time zu vergleichen ist, mehrere Gegner gleichzeitig durch Anwählen ausschalten lassen, kommt die Frage auf, wo die spielerische Herauforderung bleibt. Ferner fehlen bisher Details zum weiteren Spielverlauf, dem Ehrensystem und dem Multiplayer, weswegen man Red Steel weder Spielspaß abstreiten kann, noch den Hype komplett bestätigen kann. Es wird sich noch zeigen müssen, wie genau Ubisoft die rund 30 Stunden Spielzeit mit Leben füllt.

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