Resident Evil: The Darkside Chronicles

Preview
Plattform
WII
Vertrieb
Capcom
Entwickler
Capcom
Erscheinungsdatum
-
Genre
Action
Resident Evil: The Darkside Chronicles

Resident Evil: The Darkside Chronicles

Die Wii hat sich seit ihrer Einführung den Ruf als "Familienkonsole" hart erarbeitet. Nintendo hatte stets ein kindgerechtes Auge auf die Produktionen für die Wii geworfen, was Spieleentwickler dazu bewog, "realistischere Darstellungen von Gewalt" eher auf den Konkurrenzkonsolen zu programmieren. Ausnahmen bestätigen die Regel. Ende 2007 sorgte Capcom mit dem Wii exklusiven Ableger des Resident Evil-Franchises "Umbrella Chronicles" nicht nur für überraschte Gesichter in der Spielergemeinde, sondern auch direkt für eine Indizierung in Deutschland. Dieses Schicksal wird dem direkten Nachfolger nicht betreffen, da der Titel "Resident Evil: The Darkside Chronicles" lediglich "Keine Jugendfreigabe" (Ab 18 Jahren) erhalten wird, im freien Handel aber ungeschnitten vertrieben werden darf.

Hat Capcom einen neuen Weg eingeschlagen und das Spiel des Absatzes wegen an den Massenmarkt Wii angepasst? Wurden die Tugenden des Horror-Schockers verraten? Wir durften das Spiel bereits anspielen und können beruhigt alle Sorgen vertreiben: Resident Evil bleibt Resident Evil - und das ist auch gut so. Das Spielerlebnis ist sogar intensiver als beim Vorgänger.

Zeig mir den Weg!

Da "Umbrella Chronicles" hierzulande indiziert war, ist es in unseren Gefilden dementsprechend unbekannt. Storytechnisch macht das jedoch nichts, da die beiden Titel auf Geschichten älterer Resident Evil-Spiele basieren und Plotlöcher in der langen Geschichte der Reihe stopfen sollen. Man braucht keinerlei Vorkenntnisse, um dem Handlungsverlauf folgen zu können. Erfahrene Anhänger der Reihe werden aber die Story der älteren Titel möglicherweise im neuen Licht betrachten können. "Darkside Chronicles" wird auf Geschehnisse aus "Resident Evil 2" und "Code Veronica" zurückgreifen und sich um neue Sichtweisen bemühen. Der Spieler schlüpft je nach Episode in eine von zwei auswählbaren Protagonisten.

So sind unter anderem die Geschichten der Charaktere Leon S. Kennedy, Claire Redfield und Steve Burnside nachspielbar, die es auf ihrer Flucht vor Zombie-Horden beispielsweise nach Raccoon City und Rockford Island verschlägt.

"Darkside Chronicles" wird drei unterschiedliche Episoden bieten, die zusammen die Spieldauer des Vorgängers erreichen sollen.

Beim Vorgänger handelt es sich wie bei "Darkside Chronicles" um einen Rail-Shooter, was sicherlich ein Grund dafür ist, dass die Spiele exklusiv für die Wii erscheinen. Nintendos Konsole scheint wie für das Genre gemacht. Bei Rail-Shootern hat der Spieler in der Regel lediglich die Aufgabe, die Waffen der Protagonisten zu bedienen, während sich die Figuren scriptbasiert wie auf Schienen automatisch bewegen. Dies lässt den Eindruck entstehen, man betrachte einen interaktiven Film, der dem Spieler die spaßigste Beschäftigung beim Umgang mit unfreundlichen Zombies überlässt: das Ballern.

Während Bewegungen automatisiert vonstatten gehen, wird mit der Wii-Mote wie mit einer Lightgun aus der Ego-Perspektive auf die aus allen Ecken angreifenden Kontrahenten geschossen. Das Arsenal der Waffen erstreckt sich im üblichen Rahmen von Handfeuerwaffe über Shotgun und Maschinengewehr bis hin zu Granaten.

Diese stellen ein angemessenes Werkzeug zur effektiven Zombievernichtung dar, was der Kenner schnell an Blutspritzern oder herumfliegenden Körperteilen erkennt.

Zeig mir wie man Zombies tötet

Das geht dabei kinderleicht von der Hand. Das Zeigen/Zielen mit der Wii-Mote ist sehr intuitiv. Auch die Möglichkeit, sich mit einem Freund kooperativ durch die Zombiehorden zu ballern, artet niemals im Chaos der Fadenkreuze aus. Mit dem B-Knopf wird geschossen und das Steuerkreuz ist bei der Waffenauswahl behilflich. Den A-Knopf benötigt man für das Aufsammeln diverser Gegenstände, was in der Hektik des Gefechts und der Tatsache, dass sich der Charakter automatisch bewegt, nicht immer einfach ist.

Belohnt wird man dafür unter anderem mit glitzernden Goldstücken, die nach jedem Level gegen Waffenupgrades eingetauscht werden können. Das Inventar lässt sich jederzeit per Tastendruck einblenden. Neben der Ausrüstung können dort beide Charaktere mit heilenden Items wieder aufgemöbelt werden.

Sollte trotz der Körperlöcher produzierenden Argumente seitens des Spielers ein Zombie zu nah auf Tuchfühlung gehen wollen, wechselt die Perspektive und der Angegriffene kann sich mit wildem Schütteln der Wii-Remote abermals Respekt verschaffen, indem der Untote unliebsam im wahrsten Sinne des Wortes abgeschüttelt wird. Dabei geht es freilich nicht nur Untoten an den metaphorischen Kragen. Neben den obligatorischen fetten Bossgegnern melden sich auch verrückte Fledermäuse, quakende Riesenfrösche oder Arachnophobien-fördernde Riesenspinnen zu Wort. Glücklicherweise können mit der Vielzahl heilsbringender Waffen auch diese Zeitgenossen zum Schweigen gebracht werden.

Zeig mir die Atmosphäre

Dies geschieht alles in einer unglaublich dichten Atmosphäre, die für ein durchaus intensives Spielgefühl sorgt. Im Vergleich zum indizierten Vorgänger wurde an der Präsentationsschraube gedreht. Alleine durch Kleinigkeiten wie die (endlich) sichtbare Nachladesequenz fühlt man sich näher am Geschehen. Vor allem aber der suggerierte Einsatz einer Handkamera, wie sie aus aktuellen Filmen wie "Cloverfield" oder "District 9" bekannt ist, sorgt für eine authentische und zum Teil Panik fördernde Atmosphäre. Die kurzen verschwommenen Sequenzen oder das hektisches Wackeln der Kamera haben dabei keinen Einfluss auf die Trefferquote, da man in Bewegung keine Gegner abzuschießen braucht. Sobald sich die Kamera ein wenig beruhigt, kann der Zeigefinger endlich wieder zeigen was er kann. Natürlich ist es dem Genre des Rail-Shooters geschuldet, dass Schock-Momente weniger beklemmend wirken, da man nicht wirklich die Kontrolle über die Charaktere hat. Lediglich an Weggabelungen kann sich der Spieler für einen Weg entscheiden.

Aber was bisher an scriptbasierten Ereignissen zu sehen war, macht in jedem Fall Lust auf mehr.

Zu begeistern weiß in jedem Fall die Grafik, die weit über dem Wii-Standard liegt. Obwohl es "nur" ein Rail-Shooter ist, lassen viele kleine Details wie Blutspritzer oder Regentropfen auf der Mattscheibe ein Mittendrin-Gefühl entstehen. Vor allem die Zwischensequenzen haben einen angenehm hohen Anspruch und können die Geschehnisse rund um das Gemetzel angemessen vermitteln.

Die erste der drei Episoden lässt Ereignisse des zweiten Teils von Resident Evil in der Haut von Leon und Claire nachspielen. In der zweiten Episode mischen Claire und Steven die Militärbasis von "Code Veronica" auf, während sich im letzten Akt Leon und Krauser kennen lernen und sich zusammen durch den südamerikanischen Regenwald kämpfen. Schade, dass die vielen Charaktere nicht für unterschiedliche Spielerfahrungen genutzt wurden. Sie spielen sich alle gleich.

Der Titel wird am 27.11. ungeschnitten mit englischer Sprachausgabe und deutschen Untertiteln erhältlich sein.

Ersteindruck

Der Sinn und Zweck von "Darkside Chronicles"? Ballern! Wer darauf steht, wird mit dem Titel seine wahre Freude haben. Das Rad des Genres wird nicht neu erfunden. Vielmehr handelt es sich um eine gesunde Evolution der Rail-Shooter. Dichte Atmosphäre, spannungsfördernde Elemente und kreative Zombieattacken laden zum geordneten Ballerspaß ein.

Die Wii ist für diese Art von Spiel geradezu prädestiniert und lässt im heimischen Wohnzimmer Spielhallen-Feeling aufkommen. Natürlich unterstützt das Spiel auch den Wii-Zapper, was den Spielspaß durchaus noch steigern kann. Wer sich nicht daran stört, keine komplette Kontrolle über den Protagonisten zu haben und sich damit begnügt, neben Zielen lediglich den Abzug zu betätigen, kann sich den 27.11. beruhigt vormerken.

Resident Evil: The Darkside Chronicles

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