Gesamtwertung73 %/10 |
Grafik8 Sound7 |
Lanzeitspaß7 Spieleinstieg7 |
Bedienung8 |
Es ist kaum zu glauben, dass der Nintendo DS schon vier Jahre auf dem Markt ist. Eines der Launch-Spiele in Europa war damals das Adventure Another Code von Softwareschmiede Cing, welche als erste Entwickler die Fähigkeiten des Handhelds auf äußerst einfallsreiche Art bewiesen haben. So musste man den DS zum Beispiel zuklappen um manchmal des Rätsels Lösung zu finden oder in das Mikrofon hinein pusten. Dementsprechend waren die Erwartungen an den Nachfolger für die Wii ausgefallen.
Another Code auf dem DS spielte einen Tag vor Ashley Mizuki Robins 14. Geburtstag. Sie bekam einen mysteriösen Brief von Ihrem Vater, welcher sie aufforderte auf eine Insel zu kommen um mit Ihm zu reden. Denn das junge Mädchen ist bislang ohne Ihre Eltern aufgewachsen. Ihre Mutter wurde erschossen, weil sie mit dem sogenannten Projekt "Another" abgeschlossen hat und man Rache an Ihr ausüben wollte. Das Projekt Another ist dabei eine Maschine, mit der man die Erinnerungen der Menschen löschen und neu schreiben kann.
Glücklicherweise wurde der Mörder auf der Insel von Ashley und Ihrem Vater, welcher dort gekidnapped gehalten wurde, aufgespürt und gestellt. Dennoch sind viele Fragen offen geblieben, die nun in dem Wii-Spiel Another Code R: Die Suche nach der verborgenen Erinnerung aufgeklärt werden sollen.
Allerdings beginnt das Spiel ganz friedlich zwei Jahre nach den Ereignissen auf der Insel. Ash wird von Ihrem Vater zum Zelten in einen Ferienort eingeladen, denn er arbeitet seit einiger Zeit wieder für eine Firma um an Erinnerungen zu forschen. Vater und Tochter haben sich also bereits lange nicht mehr gesehen. Wäre es doch eine schöne Gelegenheit sich mal wieder auszutauschen, kommt doch wieder alles anders als man denkt. Ashleys Tasche wird geklaut, Ihr Vater muss spontan doch wieder arbeiten gehen an seinem freien Tag und dann hat der Teenager auch noch diese seltsamen Flashbacks, die sie an Ihren Besuch des Urlaubsresorts von vor 13 Jahren erinnern. Ihre Mutter hatte vor Ihrem Tod nämlich noch etwas wichtiges an diesem Ort zu erledigen und hat Ash als Kleinkind dabei gehabt.
Nebenbei lernt sie noch den dreizehnjährigen Jungen Matthew Crusoe kennen, welcher verzweifelt seinen Vater sucht, der vor fünf Jahren verschwunden ist. Schmerzlich an D, Ihren Freund aus dem ersten Abenteuer, erinnert, nimmt sich Aschley auch seinem Problem an.
Um all diese zu bewältigen, bewegt Euch wie auf Schienen durch die Umgebungen in Another Code R. Mit dem Steuerkreuz der Wiimote rennt Ashley teilweise mit Begleitung durch diverse Szenerien, denn derer gibt es im zweiten Teil wesentlich mehr als noch beim kurzen Erstling. Ihr bewegt Euch durch massenweise statische Hintergründe um von Punkt A zu Punkt B zu gelangen, seid Ihr in der Geschichte aber noch nicht weit genug fortgeschritten um einen Ort zu betreten, werdet Ihr mit dem Holzhammer darauf hingewiesen diesen Schauplatz zu verlassen. Leider ist Another Code R in dieser Hinsicht absolut linear gehalten. Selbst die typischen Adventure-Rätsel bilden dabei keine Ausnahme.
So klickt Ihr häufig Gegenstände an um sie zu untersuchen, Ashley lässt einen kurzen Kommentar dazu ab, lässt aber alles ungeachtet stehen und liegen. Die meisten Gegenstände zur Lösung eines Rätsels, kann man erst später aufnehmen, wenn ein Wink mit dem Zaunpfahl Euch geradezu darauf aufmerksam macht. Das ist insofern ärgerlich, dass Ihr anschließend häufig längere Wege zurücklegen müsst um den Gegenstand wieder aufzusammeln.
Die Rätsel sind ansonsten in den meisten Fällen Standardkost für erfahrene Adventure-Spieler. Oftmals müsst Ihr Zahlenkombinationen lösen oder simpelste Schalter drücken um Luken zu öffnen. Auf viele Lösungsansätze werdet Ihr ohnehin schnell hingewiesen, gegen Spielende nehmen die Kopfnüsse aber zu. Im Vorgänger habt Ihr noch mit dem DAS (einer DS-Nachbildung für das Spiel) gearbeitet, in Another Code R erhaltet Ihr zusätzlich zu diesem Gerät aber noch das TAS. Ein der Wiimote nachempfundenes Gerät zum knacken von Türverriegelungen. Und diese müsst Ihr im Laufe der Spielzeit häufig knacken.
Auf der Verpackung steht ein Satz, der im Falle von Another Code R sehr wahr ist: "Ein bewegender interaktiver Roman!". Nun ist es tatsächlich so, dass Ihr fast ununterbrochen mit Leuten kommuniziert, was einen krassen Gegensatz zum ersten Teil auf dem Nintendo DS darstellt.
Habt Ihr dort noch in aller Ruhe Rätsel gelöst und Eure Umgebung beobachtet, vergeht in Another Code R kaum eine Minute, wo Ihr nicht mit einem von über 20 Charakteren in Kontakt tretet. Wenn man sich darauf einlassen möchte, bekommt man hier ein wirklich entspannendes Spiel, wo fast nur Dialoge geführt werden und ab und an mal ein kleines Rätsel gelöst wird um die Story fort zu führen. Legt man hingegen wirklich mehr Wert auf anspruchsvolle Adventurekost im Stile des Vorgängers, könnte man unter Umständen enttäuscht sein.
Cing hat hier versucht eine Story im Stile von Hotel Dusk aufzuziehen, scheitert aber an einer glaubwürdigen Umsetzung, da die vielen verschiedenen Charaktere, die ja doch irgendwie alle im Zusammenhang stehen, zu konstruiert wirken. Auch sind viele Aufklärungen der Geschichte zu vorhersehbar oder werden gar nicht erst auf befriedigende Art und Weise aufgelöst. Was zurückbleibt, ist ein fader Beigeschmack, da man sich für einen Durchgang durch Another Code R gut 15 Stunden durch Dialoge wälzt, die Euch über einige Dinge im Unklaren lassen oder schlicht völlig unnötig für dieses Abenteuer sind und lediglich die Spielzeit strecken.
Dabei hätte alles so schön sein können. Hätte man nicht unbedingt versucht eine Story, die an Verwirrungen schon mit Solid Snake Konkurrenz machen könnte, zu kreieren und das Gameplay wesentlich mehr auf den Adventurepart verlegt, wäre Another Code R: Die Suche nach der verborgenen Erinnerung ein absolutes Must-Have für Wii-Besitzer. Technisch hat der Titel locker das Zeug dazu andere Adventures in den Schatten zu stellen.
Die Umgebungen haben Charme, die Charaktere sind einzigartig und liebevoll designed und auch wenn die Musik etwas uninspiriert vor sich hin dümpelt und traurigerweise bei der Flut an Dialogen keine einzige Zeile vertont ist, ist der Celshading-Look doch sehr gelungen und stimmig zum Vorgänger. So langwierig die Dialoge sich abspielen und so simpel die meisten Rätsel sich gestalten, werden eher Fans von Graphic Novels und Liebhaber des ersten Teils hier auf Ihre Kosten kommen. Und das ist wirklich schade, denn der Erstling war trotz kurzer Spielzeit rundum gut gelungen.
Another Code R: Die Suche nach der verborgenen Erinnerung ist einerseits ein konsequenter Nachfolger des sehr guten ersten Teils, weil hier die Storyfäden noch einmal neu aufgenommen und weiter gespinnt werden. Andererseits wissen wir nun, warum der Vorgänger bei zügiger Spielweise nicht länger als drei Stunden gedauert hat. Denn viel mehr Zeit verbringt Ihr innerhalb des Wii-Spiels auch nicht mit dem Lösen von Rätseln und das obwohl die Gesamtspieldauer etwa 15 bis 16 Stunden dauert. Mit der Zeit wird uns nämlich klar, dass in den Worten "Ein bewegender interaktiver Roman", die vorne auf der Verpackung prangen, mehr dran ist als wir uns erhofft haben. Wird es Euch also nicht nach kürzester Zeit zu langweilig, immer wieder die Lebensgeschichte von Ashley gegenüber wildfremden Menschen zu erzählen, habt Ihr sicher Eure wahre Freude daran Euch Stunde um Stunde durch Dialoge zu klicken. Im Vergleich zu Hotel Dusk hat Cing es hier aber noch einmal deutlich übertrieben und verleitet zum Einschlafen vor dem Fernseher.
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Another Code: R - Die Suche nach der verborgenen Erinnerung im Test.
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