Gesamtwertung80%/10 |
GrafikGut SoundGut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Schon seit Tagen liefern wir uns einen erbitterten Kampf um den Hafen. Er darf unter keinen Umständen in die dreckigen Hände der Angloinseln geraten, sonst wäre der Kampf schon jetzt verloren. Glücklicherweise hat sich die Westliche Allianz auf unsere Seite geschlagen und entsendet Truppen in benachbarte Krisengebiete. Gerüchten zu Folge sollen allerdings auch unsere Widersacher Unterstützung erhalten. Es scheint schon fast so, als befänden wir uns in einem verdammten Weltkrieg. Wenigstens sind die Truppen frohen Mutes und moralisch gestärkt durch die vergangenen Siege. Sie alle haben ein Lächeln auf den Lippen und genießen trotz Kampfausrüstung das klare Sonnenlicht. Kaum ein Wölkchen droht die Sonne zu verdecken. Ich sollte mir einen Raketenwerfer schnappen, es ist immerhin das perfekte Wetter, um ein paar Helikopter vom hellblauen Himmel zu holen. Ich könnte natürlich auch mit den Jungs im Wald wandern und mich verschanzen gehen. Oder steige ich doch lieber in einen Panzer und bretter fröhlich über das saftig-grüne Gras? Herrje, das Leben eines Kommandanten könnte so schön sein, müsste man nicht ständig solche gravierenden Entscheidungen treffen.
Gib mir den Panzer, ich gehe nicht zu Fuß!
Als Befehlshaber in Battalion Wars plant man nicht einfach das Vorgehen der eigenen Truppen auf der Landkarte und lehnt sich dann in einem bequemen Sessel zurück, man ist aktiver Teil des Kampfgeschehens. Ein echter Mann greift nunmal selbst zur Waffe und erteilt die Befehle direkt auf dem Schlachtfeld. Dieses Prinzip hat sich auf dem Gamecube bewährt und ist uns für Battalion Wars 2, auch unter BWii bekannt, erhalten geblieben. Da ihr aber kein stinknormaler Soldat seid, habt ihr das Recht jede verfügbare Einheit zu steuern. Habt ihr mal keine Lust mit der Infanterie zu marschieren, verscheucht ihr per Knopfdruck etwa einen Piloten aus dem Cockpit seines Bombers oder schmeißt einen Fahrer von seinem Spähfahrzeug, um die entsprechende Position einzunehmen. Die Truppenwahl ist vor allem dann nützlich, will man die maximale Leistung aus einer bestimmten Einheit holen oder unabhängig vom restlichen Verband agieren.
Sind die Bodentruppen beispielsweise gerade auf dem Vormarsch, könnt ihr mit einem Schlachtschiff, in BWii steht nämlich neuerdings die Marine zum Einsatz bereit, eventuell schon im Vorfeld feindliche Stellungen umgraben oder per Helikopter hinter der gegnerischen Linie für Unruhe sorgen. Ein herrliches Gefühl, wenn man seinen Jungs auf solche Art und Weise unter die Arme greift und nicht gezwungen ist ihnen teilnahmslos beim Ausführen der Befehle zuzuschauen.
Das richtige Management der eigenen Streitkräfte ist dabei dennoch essentiell. Steuert ihr beispielsweise gerade das erwähnte Schlachtschiff und ein gegnerischer Bomber nimmt Kurs auf eure Position, solltet ihr schleunigst die Luftabwehr an eure Seite rufen. Das Erteilen von Befehlen ist dabei, wie schon im Vorgänger, sehr simpel ausgefallen. Ein kurzer Knopfdruck entscheidet, ob eine Einheit an Ort und Stelle verweilen oder dem Kommandanten auf Schritt und Tritt folgen soll. Alles weitere ergibt sich aus dem Kontext. Zielt man auf einen Widersacher und drückt den Befehlsknopf, wird ein Angriff eingeleitet.
Deutet man hingegen auf eine MG-Stellung oder eine Basis, wird diese besetzt. Die eigenen Truppen lassen sich dabei in ihrer Gesamtheit oder typenweise befehligen. Schade nur, dass es nicht möglich ist eigene Gruppen zusammenzustellen. Dadurch ist es meist ein wenig fummelig, wenn man nur bestimmte Einheiten an die Front schicken möchte. Auch ein einfacher Marschbefehl wäre wünschenswert. So sind zwar die nötigsten Optionen gegeben, wirklich Herr der Lage fühlt man sich jedoch nicht und das Taktieren versinkt des Öfteren in Hektik.
Ich wäre so gern an allen Fronten
Keine Frage, die Kombination aus Agieren und Taktieren ist stressig. Doch genau das soll sie sein. Erst wenn man wie verrückt zwischen Jet, Panzer, Infanterie, U-Boot und Helikopter wechselt und dabei einen Befehl nach dem anderen gibt, wird BWii wirklich fordernd und spaßig. Hier geht es nicht um ein virtuelles Schach, sondern ein reelles Mensch ärgere dich nicht. Es klappt nunmal nicht alles nach Plan und Zeit zum Entwickeln von ausgefeilten Plänen gibt es in der Regel auch nicht.
Wer sein Vorgehen bis zum letzten Detail durchplanen möchte, der hat in der Welt von Battalion Wars nichts zu suchen. Im Getümmel einen kühlen Kopf bewahren und auf jeden Angriff die passende, metallgewordene Antwort zu geben, während man selbst deftig austeilt, dass ist hier die Essenz. Leider vergeht im Story-Modus einige Zeit, bis man an in die ersten wirklichen Tumulte gerät. Für Anfänger ist das relativ angenehm.
Sie können Steuerung, Spielprinzip und die verschiedenen Fahrzeuge in aller Ruhe kennen lernen, schließlich sind die ersten Missionen noch ein Ritt auf dem Schaukelpferd. Erfahrenere Spieler werden aber schon etwas mehr als die Hälfte der Missionen hinter sich gebracht haben, bevor sie erstmals gefordert werden. Die Motivation leidet darunter glücklicherweise kaum. Das liegt vor allem an den netten Videos vor und nach jeder Kampagne und an der wunderbaren, englischen Sprachausgabe. Die Filmsequenzen erzählen die Geschichte zum globalen Konflikt, es geht um eine geheime Superwaffe und eine fiese Verschwörungen, nicht nur anschaulich, sondern häufig auch humorvoll und mit kleinen Anspielungen gespickt. Nicht umsonst kommt der Look des Spiels so überzeichnet und comicartig daher. Hier passen die Sprecher, wie eben angedeutet, perfekt rein.
Jede der im Spiel vertretenen Nationen kann schon alleine an den Akzenten der Befehlshaber ihrem Äquivalent in der echten Welt zugeordnet werden. Die Herren der westlichen Allianz nuscheln zum Beispiel typisch amerikanisch daher, während die Aussprache der Kommandanten von Tundrana ganz offensichtlich einen russischen Einschlag hat. Da kann man eigentlich froh sein, dass man die Originalsprecher beibehalten und auf eine Synchronisation verzichtet hat. Wer aber vorsichtshalber den auf Deutsch übersetzten Text lesen möchte, wird sich etwas über die recht klein geratenen Textfenster ärgern.
Se enemy is engädsching
Sucht ihr auch nach der Kampagne noch eine deftige Herausforderung oder wollt eine Schlacht abseits des Feldzuges schlagen? Kein Problem, dank des neuen Online-Modus, der mit drei verschiedenen Spielmodi und mehreren Szenarien pro Modus erstaunlich umfangreich ausfällt. Ist man heiß auf wilde Auseinandersetzungen und viel Action, bietet sich das Gefecht an. Wer hier innerhalb eines Zeitlimits die meisten Punkte durch das Zerstören feindlicher Einheiten und das Einnehmen von Stellungen ergattert, darf seinen Sieg feiern. Ein wenig taktischer geht es beim Angriff zu. In diesen Szenarien hat einer der Spieler den Auftrag die Basis seines Widersachers einzunehmen, während der andere seine Verteidigung organisiert. Besonders geeignet für das Spiel mit Freunden ist der Koop-Modus. Klar, dass zum Bestreiten der verfügbaren Missionen ordentliches Teamwork gefragt ist. Dumm nur, dass BWii keine Chatfunktion bietet und man zur Kommunikation auf zwei einfache Signale zurückgreifen muss. Ausgefeilte Manöver fallen somit leider flach. Dabei wäre ein Voice-Chat so göttlich gewesen. Kurze Absprachen bei der Kooperation, ein niedergeschlagenes Schluchzen bei einer Niederlage und hysterisches Lachen bei einem Sieg im Gefecht würden das Spiel im Internet so viel unterhaltsamer machen.
Battalion Wars 2 im Test.
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