Gesamtwertung70%/10 |
GrafikGut SoundSehr gut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Nachdem Activision auf der Xbox 360 mit Call of Duty 3 einen der beeindruckendsten Titel dieses Jahres mit unglaublich dichter Atmosphäre, superber Grafik und einem fantastischen Sound abgeliefert hat, beschert der Publisher nun auch allen Wii-Besitzern ein erstes Fronterlebnis. Natürlich wird das Spiel weniger durch grafische Bombasteffekte punkten können. Doch dank der innovativen Steuerung, müsste Call of Duty 3 auch auf Nintendos Wii einen ordentlichen Eindruck hinterlassen. Ob dies so ist, verrät euch unser folgender Test.
Nicht nur eine Kinderkonsole
Wer bislang dachte, die Wii sei eine reine Spielekonsole für Familien mit jüngeren Kindern, die knallbunte, bonbonfarbene Bilder auf den heimischen Fernseher zaubert, die Opa und Enkel gleichermaßen Golfbälle einlochen lässt oder durchgedrehte Hasen zum Rhythmus vom Pulp Fiction Titelsong über den Bildschirm tanzen lässt, der irrt. Denn auch auf der Wii gibt es durchaus Titel, die ausschließlich in die Hände von Erwachsenen gehören. Einer dieser Titel ist sicherlich der WWII-Shooter Call of Duty 3.
Neben Medal of Honor gibt es wohl keine andere Reihe, die mit einer vergleichbaren intensiven und dichten Atmosphäre die Spieler in ihren Bann ziehen kann. Doch eins nach dem anderen. Im dritten Teil von Call of Duty schlüpft ihr in die Haut von gleich vier unterschiedlichen Protagonisten. So kämpft ihr abwechselnd als britischer, schottischer, kanadischer und amerikanischer Frontkämpfer in den Schlachten der französischen Normandie wie immer gegen die feindlichen Armeen der Nazis.
Eure Aufgabe ist es, nach der Invasion der Alliierten, das französische Hinterland vor der nahenden Wehrmacht zu verteidigen. Insgesamt 14 umfangreiche Missionen werden euch geboten, die in einem dramatischen Kampf um Paris gipfeln. Während eurer Einsätze funktioniert Call of Duty 3 inhaltlich wie ihr es von der Serie gewohnt seid: Gnadenlose Daueraction, knallharte Kämpfe und jede Menge gescriptete Szenen und Zwischensequenzen, die an Adrenalingehalt kaum zu überbieten sind.
Neue Aufträge erhaltet ihr innerhalb der Missionen durch knappe Briefings, die allesamt von eurem Kommandanten gegeben werden und in Spielgrafik ablaufen, um nicht den eigentlichen Spielfluss zu hemmen.
Rot gleich tot
Während in vielen Spielen ein HUD euren Gesundheitszustand anzeigt, wurde zugunsten der Dramatik bei Call of Duty 3 auf eine Anzeige verzichtet. Stattdessen färbt sich nach einem Treffer der Bildschirm rot ein. Mehr als drei Treffer bedeuten ein vorzeitiges Ableben eures Alter Egos.
Daher ist eine ordentliche Deckung oberstes Gebot. Medipacks gibt es nicht. Wer sich regenerieren will, wirft sich flach auf den Boden vorausgesetzt die Feinde sind weit genug weg oder verschanzt sich hinter Bäumen, Kisten oder in Bunkern, bis die Anzeige sich wieder normalisiert hat. Damit ihr gegen die feindliche Übermacht nicht alleine antreten müsst, erhaltet ihr Unterstützung von einigen Soldaten. In manchen Missionen trefft ihr auf Mitglieder der französischen Resistance, die euch tatkräftig zur Seite stehen.
Da knallts und zischts an allen Enden
Call of Duty 3 lebt wie kaum ein anderes Spiel von intensiver Atmosphäre. Hiervon bekommt ihr auch eine Menge geboten. Granateneinschläge, Stalinorgeln, Flakfeuer permanent knallt und zischt es, sodass ihr das Gefühl habt, euch mitten im Kampfgeschehen zu befinden. Während der orchestrale Soundtrack und die Geräuschkulisse absolut überzeugen können, mangelt es ein wenig an Abwechslung bei der Sprachausgabe.
In der englischen Fassung sprechen die Engländer Englisch und die Deutschen Deutsch. Dies ist insofern ein wesentlicher Vorteil, als ihr stets hört, wo sich euer Feind befindet. Denn auf eigene Teammitglieder zu schießen, wird mit einem Game Over vom Spiel beantwortet. Nichtsdestotrotz sind auch die deutschen Synchronsprecher, was ihre Leistungen anbelangt, gut ausgesucht worden.
Schatten gibts auch in der Sonne
Wie wir ja alle wissen, ist die Wii nicht als Grafikwunder angepriesen worden. Daher war unsere Erwartungshaltung auch bei Call of Duty nicht so hoch gesteckt, wie bei der Xbox 360 Fassung. Doch trotz der gut inszenierten Schlachten, der Daueraction und den ansehnlich modellierten Soldaten, wirkt der Titel irgendwie noch wie ein Relikt aus Gamecube-Tagen. Vielleicht hat Activision in der notwendigen Zeit noch nicht den Bogen raus, wie man mit der Wii in Sachen Grafik umzugehen hat. Hier wäre einiges mehr möglich gewesen. Die Texturen sind teilweise sehr verwaschen. Und auch die Spezialeffekte, wie sie gerade die Rauchgranaten der Xbox 360 Version liefern, oder eine enorme Weitsicht werden nicht wirklich erreicht, was aber zu erwarten war und zu verschmerzen ist. Dennoch wirkt die Grafik eher wie eine Current-Gen Fassung. Wenigstens die Framerate bleibt konstant stabil.
Doch kommen wir zum eigentlich neuen: der Steuerung. Mit dem Analog-Stick des Nunchuk bewegt ihr den Protagonisten in die entsprechende Richtung.
Der Wii-Mote ersetzt den rechten Analogstick eines Joypads. Somit könnt ihr mit dem Wii-Mote nach oben und unten blicken, und euch um die eigene Achse drehen. Auf die gleiche Weise visiert ihr Ziele an.
Wer sich an die Steuerung gewöhnt hat, was dank des Tutorials relativ flink vonstatten geht, wird mit einem zweiten, nahezu unlösbaren Problem konfrontiert.
Ihr nehmt den Wii-Mote, haltet ihn in Richtung eures Feindes und visiert diesen mittels des Fadenkreuzes an. Mit B wird geschossen. Über den A-Button könnt ihr zusätzlich die Zielvorrichtung aktivieren.
Denn der Waffenwechsel, das Nachladen eines Gewehres oder das Werfen eine Granate sind eine unzumutbare Angelegenheit. Da ihr die Plus-, Minus-, 1- oder 2-Taste benutzen müsst, um die entsprechenden Befehle auszuführen, verreißt ihr schneller das Fadenkreuz, als euch lieb ist. Granaten aus dem Laufen heraus zu werfen, ist kaum möglich, schon gar nicht auf gezielte Art und Weise. Hier hätten sich die Entwickler eine weit bessere Lösung einfallen lassen müssen. Auch die ungenaue Reaktion des Wii-Mote Controllers an einigen Stellen sorgt für mehr Frust, als Spielspaß.
Positiv hingegen sind die Möglichkeiten, durch Schütteln des Controllers einen Gegner im Nahkampf abzuwimmeln und während einer Fahrt mit dem Jeep die Fernbedienung wie ein Lenkrad einzusetzen.