Gesamtwertung68%/10 |
GrafikBefriedigend SoundGut |
LanzeitspaßBefriedigend SpieleinstiegSehr gut |
BedienungGut |
Für kurze Zeit wird alles dunkel, dann völlig weiß und ehe man sich versieht, tritt ein Terrorist effektvoll und unter viel Getöse ins Nirvana ab. Das Squad kann nun vorsichtig weiter vorrücken. Der Vorgang wiederholt sich, gehört quasi zur Routine. Ein Klicken, weiße Sicht, ein weiteres Ziel ausgeschaltet.
Doch auch wenn es so klingen mag, das Geschehene hat nichts mit Blendgranaten zu tun. Hier geht es vielmehr um die Technik einer Lightgun. Natürlich ist der Vorgang von uns ohnehin nicht wahrnehmbar und viele Geräte arbeiten heutzutage wesentlich präziser, aber wen juckt das schon, denkt man an die wunderbaren Spielerlebnisse zurück, die uns dieser wunderbare Controller in allen erdenklichen Ausführungen bereits beschert hat. Lässig aus der Hüfte oder angestrengt und präzise werden in Spielehallen auf der ganzen Welt noch bis heute Aliens vaporisiert und Zombies zerlegt. Varianten für das traute Heim waren hingegen weniger erfolgreich, sicherlich auch wegen der zusätzlichen Anschaffungskosten. Hier legt Nintendos Wii einen dramatischen Auftritt hin, schließlich eignet sich die Wiimote von Werk aus für alle möglichen Arten von Shootern. Das ist für Sega Grund genug, um ihren Arcade-Shooter Ghost Squad aus dem Jahre 2004 für die Heimkonsole zu veröffentlichen. Eines allerdings vorweg: Ghost Squad für Wii ist eine Portierung, kaum mehr und nicht weniger.
Wii in der Spielehalle
Dem internationalen Terrorismus ist es egal, ob man in Camouflage und mit Wii Zapper bewaffnet hinter der Couch hervorlugt oder sich in Jogginghose und mit der Wiimote in der Hand auf dieser breit macht. Für die Präzision ist es allerdings wichtig, dass man eine kurze Kalibrierung durchführt. Nur dadurch sitzt auch wirklich jeder gut gezielte Schuss von der gewählten Position aus. Das ist vor allem dann von besonderer Bedeutung, wenn man auf die Nutzung eines Fadenkreuzes verzichtet, wodurch nicht nur der Anspruch, sondern auch die Punktzahl für jeden platzierten Treffer steigt. Nutzt man nur die Wiimote, fühlt man sich dabei allerdings schnell wie ein billiger Cowboy-Verschnitt. Da hilft nur das virtuelle Zielkreuz oder ordentliches Zubehör, am besten mit Kimme und Korn. Zu lange sollte man sich mit der Entscheidung allerdings nicht aufhalten, schließlich hat das Ghost Squad dringende Pflichten zu erfüllen. Wobei, so dringend scheinen die drei verschiedenen Einsätze auch wieder nicht zu sein, da man sie immerhin in beliebiger Reihenfolge absolvieren darf.
Räumt man zuerst ein wenig im dichten Dschungel mitsamt Terrorcamp und beschaulicher Bootsfahrt auf, muss sich der Präsident in der gekidnappten Air Force One eben noch ein wenig gedulden. Vor, nach und während den Aufträgen bieten Cutscenes kurze Verschnaufpausen, von einer Story kann aber keine Rede sein. Die Sprachausgabe ist dabei englisch, die deutsche Übersetzung gibt es in Textform. Die unpassende Stimme des Squadleaders sorgt zudem für Erheiterung. Man stelle sich beispielsweise Jim Carrey mit dem Synchronsprecher von Bruce Willis vor.
Wählen Sie Tor 1, den blauen Umschlag oder die Zeitbombe?
Wie es sich für einen Lightgun-Shooter gehört, übernimmt das Spiel die Bewegung der Charaktere, während ihr euch mit viel Munition und drei Feuermodi um das Wohlergehen der Schurken kümmert. Die schlecht gelaunten Kerle tauchen dabei wirklich an jeder erdenklichen Ecke auf.
Es wirkt zwar ein wenig albern, wenn in einem augenscheinlich leeren Wohnzimmer plötzlich Terroristen hinter jedem noch so kleinen Möbelstück hervorspringen, für Überraschungen ist dadurch aber stets gesorgt. So bemerkt die gut ausgebildete Spezialeinheit meist ebenfalls erst im letzten Moment, dass vor ihren Füßen ein grimmiger Zeitgenosse mit geschärftem Kampfmesser zum Hieb ansetzt. Doch auch wenn einfaches Zielen und Schießen im Vordergrund steht, so darf man bei Ghost Squad nicht einfach das Hirn ausschalten und stupide in alle Richtungen ballern. Hin und wieder befinden sich nämlich Geiseln bei den Feinden, die natürlich nicht zu Schaden kommen dürfen.
Außerdem hat man an gewissen Stellen in jedem Level die Möglichkeit aus verschiedenen Vorgehensweisen zu wählen. Möchte man zunächst die Zivilisten retten oder doch lieber unter Einsatz einer Rauchgranate die Geiselnehmer ausschalten? Entscheidet man sich nun für die linke Tür, das Snipergewehr oder das Entschärfen der Bombe, schlägt das Team den entsprechenden Weg ein.
Meist unterscheiden sich diese Pfade nur kurz voneinander und laufen dann wieder in einem gemeinsamen Punkt zusammen. Häufig sind die Alternativen jedoch gepaart mit zusätzlichen Aufgaben. Fällt eure Wahl zum Beispiel auf eine Befreiungsaktion, müsst ihr eine gewisse Anzahl an Geiseln retten, indem ihr auf sie zielt und den Aktionsknopf drückt. Den Aktionsknopf sollte man dabei übrigens nicht mit dem Feuerknopf verwechseln, sonst nähme der Einsatz ein unschönes Ende. Wollt ihr euch stattdessen einem Sprengsatz widmen? In dem Fall gibt die Einsatzleitung noch vor dem Erreichen der Bombe durch, in welcher Reihenfolge die Drähte durchtrennt werden sollen. Ein gutes Gedächtnis kann hier folglich nicht schaden.
Der Ninja mit dem Schießgewehr
Doch auch wenn die unterschiedlichen Pfade mitsamt den Einschüben anfangs ein Wundermittel gegen die Monotonie sind, können sie nicht darüber hinwegtäuschen, dass Ghost Squad im Endeffekt nur aus drei Missionen besteht, zahlreiche Schwierigkeitsgrad hin oder her. Deshalb hat man bei Sega in Hinblick auf die Langzeitmotivation zu einer allseits beliebten Geheimwaffe gegriffen, den freischaltbaren Inhalten. Wer schnell und genau einen grimmigen Kerl nach dem anderen ausschaltet, kommt zügig an viele Punkte und folglich in den Genuss der Extras. Wirklich erstrebenswert sind dabei jedoch nur die alternativen Waffen. Auf dusselige Pandabären- und Cowboykostüme können die meisten Zocker schließlich gut und gerne verzichten. Wenn man aber seine Standardwaffe gegen neue Schießprügel eintauscht, zum Beispiel gegen eine deftig streuende Schrotflinte oder eine durchschlagkräftige Pistole, kommt schon ein wenig Abwechslung ins Spiel.
Besonders praktisch ist ein großes Arsenal vor allem im Multiplayer, wenn jeder Mitspieler seine favorisierte Knarre wählen darf. Bekommt man die Couch einmal nicht voll, streckt man die Terroristen eben lässig im Akimbo-Stil nieder. Als nette Beigabe unterstützt Ghost Squad im Übrigen die Wi-Fi Connection. Somit lassen sich die eigenen Highscores mit der internationalen Spitze vergleichen.
Ghost Squad im Test.
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