Grand Slam Tennis

Review
Plattform
WII
Vertrieb
EA Sports
Entwickler
EA Canada
Erscheinungsdatum
-
USK
0
Grand Slam Tennis

Gesamtwertung

78 %/10

Grafik

Mangelhaft

Sound

Ungenügend

Lanzeitspaß

9

Spieleinstieg

8

Bedienung

8

Grand Slam Tennis

Sportspiele auf der Wii - Auf dem Papier eigentlich immer eine Garantie für Spielspaß, aufgrund meist eher mauer technischer Umsetzungen und fehlender Präzision in den meisten Fällen aber mehr oder weniger ein Schuss in den Ofen. Mit dem neuen Wii MotionPlus soll sich das jetzt aber ändern. Grand Slam Tennis ist das erste Tennisspiel, welches Nintendos neue Peripherie unterstützt und verspricht die Bewegungen des Spielers eins-zu-eins in das Spiel zu übertragen. Ob das auch in der Praxis so hinhaut?

Mit Wii MotionPlus zur Höchstform?

Ehe wir jetzt mit dem Umfang von EAs neustem Tennisgame anfangen und Euch über den Kader und die verschiedenen Spielmodi aufklären, möchten wir aber vorerst auf den wichtigsten Punkt des Spiels eingehen. Ist Grand Slam Tennis die neue Revolution in Sachen Spielbarkeit und Steuerung? Nicht ganz, nein. Aber dennoch weist der Titel schon in die richtige Richtung und spielt sich besser als alle anderen bislang für die Wii erschienenen Tennis-Titel - Die nötige Übung vorausgesetzt.

Wie in den meisten anderen Tennisspielen auf dem Markt umfasst das Schlagrepertoire in Grand Slam Tennis obligatorische Schlagvarianten wie gerade Schläge ohne Spin, Topspin-Schläge als auch die defensive Slice-Variante. Gerade bei der Erkennung der Schlagbewegungen punktet der Titel mit einer präzisen Erfassung. Soll heißen: Holt Ihr zum Schlag aus, zieht die Wiimote während der Bewegung nach oben und dreht das Handgelenk ein wenig im Uhrzeigersinn, erhält der geschlagene Ball einen Spin nach vorne, wodurch sich die Flugkurve stark verkürzt, und springt höher und weiter ab.

Führt Ihr hingegen eine Bewegung von oben nach unten mit einer Drehung gegen den Uhrzeigersinn während des Schlages aus, bekommt das Filz einen Unterschnitt verpasst und fliegt dadurch zwar langsamer, dafür weiter und präziser. Um gerade Schläge auszuführen müsst Ihr darauf achten, Eure Bewegung auch wirklich gerade auszuführen, was sich in der Praxis schnell als gar nicht mal so leicht erweist, nach einigen Runden aber ebenfalls gut funktioniert.

Diese Schläge fliegen immer sehr wuchtig über das Feld, sind allerdings auch relativ riskant, da sie gerne mal im Aus landen. Anders als in Wii Sports Tennis habt Ihr in Grand Slam Tennis die Möglichkeit, Euren Tennisrecken selbst über den Platz lenken zu können. Mit dem Nunchuk scheucht Ihr Stars wie Rafael Nadal, Andy Murray oder Tennis-Legenden wie Boris Becker, Michael Stich oder Stefan Edberg über den Platz.

Bewegung, Bewegung...

... Das ist natürlich nur die Grundlage des Spiels. Der Teufel steckt wie immer im Detail. Bis Ihr nämlich erst einmal verinnerlicht habt, wann genau Ihr zu zuzuschlagen habt, um den Ball auch wirklich in die Richtung zu schlagen, die Ihr vorgesehen habt, braucht es Zeit. Verdammt viel Zeit. Das Spiel errechnet den Schlagpunkt anhand Eurer Bewegung und der Haltung der Wiimote. Wer beispielsweise früh zuschlägt, wird in den meisten Fällen einen Crossball Richtung Schlagbewegung ausführen. Crossbälle gegen die Schlagbewegung sind allerdings sehr, sehr schwer zu meistern und erfordern erstklassiges Timing. Hier darf der Schlag erst in allerletzter Sekunde erfolgen, was zu Anfang häufig in ungewollten Schlägen oder Fehlern resultiert. Je mehr man sich aber mit dieser Form des Spielens auseinandersetzt und je mehr man versucht, Schlagbewegungen des echten Tennis authentisch nachzuahmen, desto schneller erzielt man die ersten Erfolge und desto mehr Spaß macht das Spiel. Sinnloses Rumgefuchtel wie in Wii Sports Tennis trägt jedenfalls keine Lorbeeren davon. Ab und zu kommt es vor, dass Wii MotionPlus nicht so reagiert, wie gewünscht.

Das passiert zwar äußerst selten, kann aber behoben werden, indem man die Wiimote für einige Sekunden in waagerechter Position verharren lässt. Dennoch kann dies manchmal zu ungewollten Fehler auf dem Platz und für den einen oder anderen Seufzer sorgen. Sehr schade ist allerdings die Tatsache, dass Stopps und Lobs nicht direkt über die Wii MotionPlus, sondern nur bei gehaltener B- bzw. A-Taste ausgelöst werden. Werden hier bereits die Grenzen der neuen Peripherie aufgezeigt?

Ich laufe selbst...

Damit sich Neulinge zu Anfang auch wirklich auf die eigentlichen Schläge konzentrieren können, bietet das Spiel mehrere Unterstützungsoptionen bezüglich der Steuerung. So könnt Ihr Euren Spieler auch von der CPU über den Platz steuern lassen. Das klappt die meiste Zeit auch ganz überzeugend, allerdings meint es die CPU manchmal einfach zu gut mit der Lauferei und umgeht beispielsweise so manchen Vorhand-Schlag, zwingt den Spieler zur Rückhand, eröffnet so zu viel Raum auf der eigenen Seite für einen Winner des Gegners auf der anderen.

Wer also wirklich die totale Kontrolle haben möchte, kommt um einen Nunchuk nicht herum. Hier kommt aber auch noch das Problem des Kabels hinzu, das Wiimote und Nunchuk miteinander verbindet. Im Eifer des Schlagabtauschs bleibt man nämlich durchaus mal hängen und regt sich über die viel zu kurze Länge des Kabels auf. Die Zeit ist gekommen, einen kabellosen Nunchuk anzubieten...

Second Service

Natürlich lässt sich Grand Slam Tennis aber auch ohne Wii MotionPlus spielen und das sogar gar nicht mal so schlecht. Auch hier werden die Bewegungen weitestgehend erkannt, wenn auch mit einem spürbaren Unterschied an Präzision. Sein wirkliches Potenzial entfaltet der Titel aber erst mit Wii MotionPlus. Ein wenig mehr Innovation hätten wir uns hingegen in Hinsicht auf die Handhabung des Aufschlags gewünscht. Hier bewegt man die Wiimote einfach kurz nach oben, um den Ball hochzuwerfen, und dann wieder nach unten, um zuzuschlagen. Die Richtung des Ball lässt sich mit dem Steuerkreuz beeinflussen - Das war's dann auch schon. Auf diese Weise verkommt der Aufschlag stets zu einer Sache des Timings.

Warum hat man Wii MotionPlus nicht auch hier genutzt. So wäre es doch eine feine Sache gewesen, dem Ball mit einer beispielsweise Handgelenkdrehung anzuschneiden. Naja, vielleicht beim nächsten Mal.

Im Prinzip spielt sich Grand Slam Tennis durch die gelungene Steuerung authentischer als jedes andere Spiel. Allerdings reicht dies nicht aus, um auch vollkommen zu überzeugen, denn das eigentliche Gameplay hinkt der Konkurrenz weitestgehend hinterher. Zwar hat man gute Kontrolle über seine Schläge, allerdings nicht immer über die eigentliche Schlagkraft, was sich manchmal ein wenig seltsam anfühlen kann. Auch die Ballphysik wurde gerade in Top Spin 3 weitaus besser umgesetzt, gerade was Lobs betrifft. Ein großer Minuspunkt ist aber die Steuerung der eigentlichen Spieler, welche einfach viel zu träge über den Court laufen und scheinbar Blei in den Schuhen für sich entdeckt haben.

Neben der fordernden und motivierenden Steuerung kann sich aber auch der eigentliche Umfang des Spiels sehen lassen. Grand Slam Tennis bietet einen gelungenen Karrieremodus samt netten Charaktereditor.

Hier verbessert Ihr durch das Absolvieren von Show- und Turniermatches die Eigenschaften Eures Spielers und schaltet neues Equipment, wie Klamotten und Schläger frei. Wer Wert darauf legt, kann sogar einsehen, wie viele Kalorien er nach dem Match angeblich verbraucht hat. 50 Kalorien durch fünf minütiges Armbewegen zu verbrennen klingt doch ein wenig weit hergeholt, aber vielleicht motiviert es ja den einen oder anderen Fitness-Fan.

Matches gegen Tennislegenden verschaffen Euch Zugang zu Spezialfähigkeiten wie härteren Aufschlägen, weiteren Hechtsprüngen oder einer knüppelharten Vorhand. Insgesamt könnt Ihr Euren Recken mit drei dieser Fähigkeiten ausstatten und so an Eure Spielweise anpassen. Daneben gibt es noch einen Partymode, der Euch Tennis im Doppel oder Einzel mit diversen Tweaks am Gameplay versüßen kann. Ganz nett, aber auf Dauer nur eine Dreingabe. Ganz großes Tennis wird allerdings im Multiplayer-Modus des Spiels gespielt. Gerade hier geht richtig die Post ab und je nachdem gegen welchen Gegner Ihr spielt, können wahre Tenniskrimis entstehen.

Das Gute daran ist nicht nur dass die Matches verdammt viel Spaß machen, sie benötigen auch keine Freundcodes und verlaufen die meiste Zeit ohne Lags.

Von der grafischen Seite bietet Grand Slam Tennis gerade einmal Durchschnittsniveau. Die Animationen sehen ziemlich häufig sehr holprig aus und können nur bedingt überzeugen. Der verwendete Comic-Look wirkt zwar recht stimmig, insgesamt kann der Titel aber nicht mit der Konkurrenz mithalten - Verwaschene Texturen, hässliche 2D-Zuschauer und eine mit 30 Bildern pro Sekunde relativ niedrige Framerate angesichts der eher bescheidenen grafischen Präsentation. Ebenso schade ist der Mangel an Details. Die Linienschiedsrichter bewegen sich kein Stück und auch Spuren auf Sand bekommt man nicht zu sehen. In Hinsicht auf den Sound bekommt Ihr ebenfalls nur Durchschnittskost geboten. Den Kommentator (Pat Cash), der Euch mit belanglosen zumal nur englischen Beiträgen versorgt, hätte man sich auch getrost sparen können. Gelungen sind allerdings die Reaktionen der Zuschauer, die Ballwechsel bei guten Schlägen mit passendem Getöse untermalen.

Fazit

Wenn ich ehrlich sein soll, habe ich anfangs so gut wie keinen Unterschied zwischen der normalen Wiimote und Wii MotionPlus entdecken können. Je länger man Grand Slam Tennis allerdings spielt, desto mehr zeigen sich die kleinen Finessen, die der neue Controller-Zusatz allem Anschein nach mit sich bringt. Und endlich werden authentische Bewegungen mit der Wiimote belohnt. Während es in Wii Sports Tennis vollkommen ausgereicht hat, die Wiimote ein wenig hin und her zu schütteln, erhaltet Ihr in Grand Slam Tennis erst durch originalgetreue Bewegungen die volle Ladung Präzision. Das macht in der Tat sehr viel Laune und motiviert ungemein. Doch unter dem Strich bleibt dennoch ein leicht bitterer Nachgeschmack. Die Platzierungen des Balls sind mehr vom Timing als von der Haltung der Wiimote abhängig, die Aufschläge nutzen das Potenzial von Wii MotionPlus leider gar nicht aus und die auch das eigentliche Gameplay weist einige Mängel auf. Zwar spielt sich das Spiel weitaus simulationslastiger als ein Virtua Tennis, allerdings nicht in allen Belangen. Die meisten Spieler bewegen sich einfach zu träge über den Platz und auch die Ballphysik wirkt nicht immer realistisch, gerade was die Lobs betrifft. Apropos Lobs: Warum diese ebenso wie Stopps nicht direkt durch die Schlagbewegungen übertragen werden, steht wohl irgendwo bei EA auf dem schwarzen Brett. Leider wird der Eindruck, dass die eigenen Bewegungen wirklich ins Spiels übernommen werden, durch diese Tatsache sehr getrübt. Trotz all dieser Mankos weiß der Titel insgesamt aber dennoch zu überzeugen. Die Steuerung wurde insgesamt gut umgesetzt und zeugt davon, dass mit Wii MotionPlus durchaus einiges machbar ist. Auch der Umfang von Grand Slam Tennis geht in Ordnung, wobei erst der Online-Modus auch auf lange Sicht zu begeistern weiß. Grand Slam Tennis stellt zwar nicht die neue Referenz in Sachen Tennissport - zumindest nicht plattformübergreifend - dar, bietet durch seine gelungene Steuerung einen sehr erfrischendes und vor allem Geduld belohnendes Spielerlebnis. Auf der Wii findet man aktuell nichts Besseres - Wii MotionPlus vorausgesetzt.

Grand Slam Tennis

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