Harvest Moon: Baum der Stille

Review
Plattform
WII
Vertrieb
Natsume
Entwickler
Marvellous
Erscheinungsdatum
-
Genre
Abenteuer
USK
0
Harvest Moon: Baum der Stille

Gesamtwertung

69 %/10

Grafik

Ungenügend

Sound

Ungenügend

Lanzeitspaß

7

Spieleinstieg

Mangelhaft

Bedienung

Ungenügend

Harvest Moon: Baum der Stille

Knapp zwei Jahre nach dem Release in Japan und ein Jahr nach dem Release in Nordamerika dürfen seit Anfang Oktober auch europäische Fans das "erste exklusiv für Wii entwickelte Harvest Moon" genießen. Exklusiv klingt gut, aber ist es auch gut?

Schon zehn Jahre? Mann, bin ich alt...

Mit dem vorliegenden Titel wird das zehnjährige Jubiläum gefeiert. Als das etwas andere RPG machte Harvest Moon vor allem auf dem Super Nintendo von sich reden und konnte seither mit vielen Sequels und Spin-offs über alle Nintendo-Plattformen überzeugen. Baum der Stille ist der erste exklusive Serienableger für Nintendo Wii, bietet aber - wie jedes Harvest Moon - die gleichen Grundmechaniken. Im Mittelpunkt steht ein zu Beginn namenloser Hauptcharakter (männlich oder weiblich), der sich an einen abgelegenen Ort verirrt (hier die Waffelinsel), auf der ein neues Leben begonnen werden soll. Da der Sozialstaat noch keinen Einzug in die kuschelige Welt gefunden hat, muss für Lebensunterhalt gesorgt werden. Ein Glück, dass gerade neue Mitbewohner gesucht werden - ein passender Bauernhof samt Ackerfläche steht bereits in den Startlöchern.

Vordergründig wird Harvest Moon - wie der Name ja auch vermuten lässt - als Bauernhofsimulation abgestempelt. Unkraut zupfen, Acker pflügen, Saat aussähen, täglich gießen und irgendwann ernten. Das ist der wahre Geist eines Kleingärtners! Den Rollenspielaspekt machen dabei Ausdauer und Stufe der Werkzeuge aus. Könnt ihr zu Beginn nur ein Teil der Ackerfläche umpflügen, bevor es wieder ins Bettchen geht, haut ihr später auf einen Schlag gleich drei Löcher und haltet dabei gleichzeitig noch länger durch!

Wer sich jedoch nur auf seinen Acker konzentriert, wird schnell in Langeweile versinken. Es geht vielmehr um die Planung des Tagesablauf, um den regelmäßigen Kontakt mit Leuten und Tieren, ein Besuch in den Geschäften oder die Teilnahme an gesellschaftlichen Ereignissen wie dem Blumenfest, wo es besonderes Saatgut zu ergattern gibt. Die Möglichkeiten sind mit jedem Harvest Moon gewachsen und Baum der Stille ist da ein kleiner Gipfel.

Heiße Erntegöttin!

Dazu gehören auch Tiere. Hühner, Seidenraupen, Pferde, Kühe, Ziegen und sogar einen Strauß dürft ihr euch irgendwann in den Stall stellen und deren Erzeugnisse gewinnbringend verkaufen. Wildtiere können zu Haustieren werden, wenn ihr sie regelmäßig besucht, im Bergbau warten Gold und Kristalle und im See Fische. Hinzu kommt die Suche nach der wahren Liebe, die nach der Hochzeit nun sogar schwanger werden kann. Das Kind lasst ihr anschließend auf dem Felde schuften oder startet mit ihm ein "Neues Spiel+". Es gibt noch viel mehr zu entdecken, denn wenn es bei Harvest Moon an einem nicht fehlt, dann an Abwechslung. Neben dem Erfolg auf der Farm und dem Glück in der Liebe gibt es ein zweites potentielles Ziel.

Die Erweckung des legendären Mutterbaums und die damit verbundene Suche nach der Erntegöttin, die dem Waffelstaat irgendwie abhanden gekommen ist. Durch das Suchen und Erschaffen der fünf Regenbogen - die Grundvoraussetzung für die Keimung des neuen Baums der Stille - findet ihr nicht nur euer persönliches Glück, sondern erlangt auch Zugang zu neuen Gebieten, die vorher nicht zugänglich waren. Hier gibt es neue Items, neue Shops und neue wilde Tiere.

So positiv es bis hierher klingt, so durchschnittlich ist die technische Seite. Dem Titel merkt man die Zeit deutlich an, gerade was die Fähigkeiten der Wii angeht - die Wii-Steuerung wird nicht einmal im Menü benutzt. Lediglich beim Arbeiten auf dem Acker dürft ihr die Wii als Ersatz für den A Knopf kurz schütteln - innovativ ist anders.

Kampf ums Überleben

Der Einstieg fällt schwer und ist für ein Wii-Spiel unüblich nur sehr sporadisch erklärt. Das Tutorial zeigt zwar die Menüs und lässt euch den einen oder anderen Dorfbewohner suchen, abseits davon klafft aber ein großes Loch. In der Anleitung und der spielinternen Steuerungshilfe ist zwar alles zu finden, aber das ist nicht Sinn und Zweck eines Tutorials über eine Stunde Spielzeit.

Gleiches gilt für die Vielfalt der Möglichkeiten, die geboten werden. Startet das Spiel richtig, habt ihr ein Haus und eine kleine Ackerfläche. Im Gepäck findet ihr Saatgut samt erstem Werkzeug, womit es sich aber auch schon hat. Keine Erklärungen, keine Hilfen, nur die ersten Teile einer Buchsammlung, die Aufschluss geben soll. Bis ein Anfänger die ganze Tiefe von Harvest Moon erkundet hat, muss viel Einsatz und Durchhaltevermögen gezeigt werden.

Auffällig ist weiterhin die starre Kamera, die sehr nah am Geschehen steht und keine anständige Orientierung zulässt. Dementsprechend planlos sind die ersten Schritte auf der Insel. Die Anzahl der Ladescreens, die ihr sehen werdet, lässt sich kaum in Worte fassen. Beim Wechsel von einem Bezirk zum nächsten, was meist nur wenige Sekunden sind, wenn ihr auf Durchreise sei, kommt es zu einer sekundenlangen Ladepause. Betretet oder verlasst ihr ein Haus, kommt wieder ein Ladescreen. Geht ihr zu Bett, wartet vor dem Aufstehen eine Ladepause. Wer solch stockendes Gameplay eher meidet, sollte einen großen Bogen um Baum der Stille machen.

Musikalisch bewegt sich der Titel auf einem ebenso dünnen Pfad. Heimatliche Melodien hämmern sich nach einigen Spielstunden so vehement in den Kopf, dass Abwechslung zum größten Wunsch wird. Eine Sprachausgabe gibt es nicht. Lediglich kleine englische Sprachfetzen werden von den Charakteren mitunter in die Runde geworfen.

Fazit

Baum der Stille hinterlässt gemischte Gefühle in mir. Auf der einen Seite steht das gewohnt gute Gameplay auf der (sehr) großen Insel mit seinen vielen Facetten. Flirten, Heiraten, Kinder kriegen, nebenbei die Farm in Stand halten, Fische sammeln, im Steinbruch arbeiten, das Haus ausbauen... Nichts ist schöner, als das größte Haus zu haben, die meisten Tiere und das meiste Geld auf dem Konto - das hat etwas vom wahren Leben! Auf der anderen Seite merkt man dem Titel in keiner Weise an, dass er "exklusiv für Wii" entwickelt wurde. Nicht mal die Menüs lassen sich Wii-gewohnt bedienen. In Kombination mit dem langatmigen Einstieg und dem miserablen Tutorial mag für Nicht-Serienkenner schnell zum Aus führen. Wer wirklich Interesse an der Harvest Moon-Serie hat und die Investition für dieses Spiel scheut, sollte sich durch Harvest Moon in der Virtual Console inspirieren lassen. Für 800 Wii Points wird mit dem Super Nintendo-Teil das etwas rundere Harvest-Moon-Erlebnis geboten.

Harvest Moon: Baum der Stille

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