Madworld

Review
Plattform
WII
Vertrieb
Sega
Entwickler
Platinum Games
Erscheinungsdatum
-
Genre
Action
USK
18
Madworld

Gesamtwertung

68 %/10

Grafik

8

Sound

Ungenügend

Lanzeitspaß

Ungenügend

Spieleinstieg

7

Bedienung

7

Madworld

"When people run in circles, it's a very very mad world", sangen Tears for Fears 1982. Diesen Satz scheinen sich die Macher von "MadWorld" zu Herzen genommen. Das, was der Spieler hier erlebt, ist mehr als nur einfach verrückt. Vergessen wir an dieser Stelle, dass Nintendos Wii als steriles Vorbild einer Familienkonsole gehandelt wird, vergessen wir, dass Gewalt darauf bisher eine untergeordnete Rolle spielte. Denn jetzt ist ja "MadWorld" da.

Modernes Entertainment

Heute wollen wir über das Thema Gewalt sprechen. Benutzt man sie in einem Spiel, wird dafür ein Rahmen benötigt. Gewalt ohne solchen ist schließlich sinnlos und wird von den meisten Menschen als belanglos angesehen. Als Rahmen für "MadWorld" haben sich die Schöpfer eine Kultstory ausgesucht. Denn was lohnt sich hier besser als eine freie Adaption der Stephen King-Geschichte "Menschenjagd", die 1987 im Streifen "Running Man" - vieler Aspekte beraubt - verfilmt wurde?

Die postmodernen Gladiatorenkämpfe von "MadWorld" finden in der fiktiven Metropole Varrigan City statt. Dafür wurde die Stadt von der Außenwelt hermetisch abgeriegelt - auch wenn man der Bevölkerung natürlich etwas anderes gesagt hat. Die ist den Organisatoren nämlich relativ gleich. Es geht um die Reichen und Mächtigen dieser Stadt. Um sie zu erfreuen, wurde Varrigan City nach der Abspaltung in mehrere Territorien geteilt, in der menschliche Kämpfer Jagd aufeinander machen. Dadurch sind viele Arenen entstanden, in denen nichts als Gewalt herrscht. Kameras, die überall in der Stadt verteilt sind, übertragen die Kämpfe, die Morde, das Blut und die Sieger.

In Form der an MTVs "Celebrity Deathmatch" erinnernden Sendung "DeathWatch" werden die Zuschauer mit den neuesten Bluttaten bedient. Am laufenden Band kommentieren Moderatoren die Sendung und ergötzen sich an den neuesten Möglichkeiten, wie ein Gladiator einem anderen das Leben aushaucht. Wer gut ist, kommt weiter, alle anderen gehen beim Versuch drauf. "Get rich or die trying", hätte 50 Cent jetzt gesagt.

Jack the Ripper

Natürlich mischen wir da mit. Locker, roh, bedrohlich, aber auch verdammt cool, stürmen wir als Jack - "Jack und nichts weiter" - die Bühne und bieten uns an, die zum Schlachtfeld mutierte Stadt zu betreten. Als wir uns einen Agenten für die Kämpfe suchen, sieht er in uns eine profitable Geldquelle. Jack verfolgt jedoch seine eigenen Ziele, die der Spieler nach und nach in diversen Gesprächsszenen mitgeteilt bekommt. In denen erfahren wir später auch, dass der Titel sich ein wenig komplexer mit dem Thema Gewalt auseinandersetzt, als es anfangs zu vermuten bleibt.

Die Entwickler ließen sich aber nicht nur durch Kings Roman inspirieren. Der Gesamtlook des Titels orientiert sich an einer Optik, wie sie unter anderem durch Frank Millers "Sin City"-Reihe bekannt wurde. Unser Kettensägen schwingender Jack sieht Marv aus der Comic-Adaption zum Verwechseln ähnlich - vielleicht mit einer Prise "Hellboy". Ähnlich wie im Film noir- bzw. Neo Noir-Abenteuer dominieren in "MadWorld" nur wenige Farbtöne: Weiß, Schwarz und natürlich Rot - in vielen Momenten vorzugsweise Rot.

Dabei können die Macher auf ihre reichhaltige Erfahrung in Sachen opulente Grafik zurückgreifen. Schließlich arbeiten beim 2006 gegründeten Studio Platinum Games viele Entwickler, die bereits für Capcoms Clover Studio Titel wie "Viewtiful Joe" and "Okami" realisierten. Anfangs verweilt die monochrome Hatz kaum einen Moment auf der Stelle und saugt uns förmlich in das Geschehen ein: Nachdem Jack reichlich inszeniert die Stadt betritt, beginnt "MadWorld" mit einer Art Tutorial. Hier erklärt unser frisch gebackener Agent, wie man Gegner nicht nur tötet, sondern gekonnt auf möglichst brutale und blutverströmende Weise regelrecht hinrichtet. Das hört sich stumpf an, ist es auch.

Für bestimmte Gesten erhalten wir besondere Punkte: Eines der Highlights besteht darin, sich ein Verkehrsschild zu schnappen, dies längst in den Hals eines Gegners zu rammen, ihm dann einen herumliegenden Autoreifen über den Kopf bis zum Bauch zu stülpen und den nun bewegungsunfähigen Widersacher gegen eine mit Dornen bewährte Mauer zu schleudern - mehrmals. Punkte erhalten Spieler aber prinzipiell durch jeden getöteten Gegner. Schlagen, Rammen, Werfen, Schleudern, Hacken, Kettensägen-Attacken - das Einmaleins des modernen Oberklassen-Entertainments.

Abwechslung? Fehlanzeige!

Um Abwechslung in die schnell einsetzende Monotonie des Spiels zu bringen, haben sich die Designer eine ganze Palette an Zwischenspielen ausgedacht. Sobald Aspirant Jack in einer Arena ausreichend Punkte gesammelt hat, werden beispielsweise die "Death Press", eine Presse zum Zerquetschen der Gegner, der "Turbinator", eine Flugzeugturbine, in welche Gegner geworfen werden, oder "Menschen-Dart", bei dem Gegner auf eine Dartscheibe geschlagen werden müssen, freigeschaltet. Für wenige Momente überzeugen diese Spielchen und beteuern immer wieder den Einfallsreichtum der Macher von "MadWorld". Doch kehrt die Eintönigkeit des Spiels bald wieder zurück. Das Spielprinzip ist stets dasselbe: Wir betreten eine Arena, erledigen ein paar Gegner, Zwischenspiele werden freigeschaltet und schließlich treffen wir auf den Boss. Abwechslung können auch einige Level, in denen wir die Jagd auf die Straße verlegen und uns eine Motorrad-Jagd liefern, bei der die Kettensäge natürlich weiterhin großzügig eingesetzt werden darf, nicht bieten.

Viel zu schnell nutzen sich auch Kombos und Finishing-Möglichkeiten ab. Das gesamte Kampfsystem ist zwar opulent inszeniert, wird aber sehr bald zur Routine und und weiß auf Dauer nicht zu überzeugen. Nach kurzer Spielzeit sind sämtliche Möglichkeiten entdeckt und ausgeschöpft. Neue Kombos kommen im Verlauf des Spiels kaum hinzu. Lediglich in den einzelnen Arenen auffindbare bzw. freischaltbare Waffen verändern die Finishing-Moves und Kombos. Anstatt die Gegner von hinten mit der Kettensäge aufzuschließen, können wir ihnen mit zwei aufgehobenen Messern beispielsweise chirurgisch das Rückrat entfernen. Bei rund 90 Prozent der Angriffe macht der Spieler jedoch immer dasselbe, da es einfach am meisten Punkte bringt und er sich an anderen Möglichkeiten sattgesehen hat. Vor allem, da Jack gegen die zahllosen normalen Gegner aufgrund ihrer nicht vorhandenen KI eigentlich nie in Bedrängnis kommt. Sollte er dennoch einmal ein paar Schläge kassieren, kann er mehrere Gesundheitsboni oder auch mal ein Extra-Leben nach dem Kampf gegen einen der unteren Bosse abgreifen. Davon liegen in den Arenen meist genügend herum.

Selbst wenn Jack stirbt, wird in dem Territorium begonnen, dass er zuletzt in der streng linearen Kampagne freigespielt hat. Der Stand der Kampagne wird fortlaufend gespeichert. Haben wir in einer Arena genügend Punkte gesammelt bzw. ausreichend Gegner aus den Schuhen geklopft, wendet sich Jack dem Boss zu. Diese großartig angelegten Kämpfe sind zum Teil zwar deutlich schwerer, stellen den Spieler aber ebenfalls vor keine unmöglichen Schwierigkeiten. Der schlimmste Feind im Spiel sind weniger die Feinde als die störrische Kamera. Natürlich ist "MadWorld" nicht der erste 3rd-Person-Titel, der damit zu kämpfen hat, aber hier hat der Spieler keine Möglichkeit, die Kamera separat zu steuern. So muss er sie immer wieder manuell per Geste oder Knopfdruck hinter sich zentrieren. Dadurch werden die Kämpfe - vor allem gegen mehrere Gegner - unnötig übersichtlich.

Das abwechlungsarme Spielprinzip teilt sich währenddessen mit der Spielmusik dasselbe Schicksal. Der rockige Hip-Hop-Mix kann nach wenigen Minuten getrost abgeschaltet werden, da stets dieselbe Musik durch die Boxen dudelt. Auf Dauer ebenso nervig ist das Laufgeräusch von Jacks Kettensäge, das nicht aus den Wii, sondern aus der Remote selbst kommt. Mit einem recht schrilligen Klang ertönt jedes Mal ein "Wrrrrrrruuumm....", sobald wir mit der Kettensäge einen Angriff vollführt haben. Anfangs noch recht amüsant, nutzt sich der Effekt bald ab und stört irgendwann einfach nur noch.

Ganz im Gegenteil dazu präsentiert sich die wirklich hervorragende Sprachausgabe. Beinahe sämtliche Sprecher sind vom Fach und geben den Charakteren überzeugende Stimmen.

Oberflächlich hintergründig?

Was sich anfangs als sprudelndes Actionspektakel ohne tiefergehenden Sinn und Verstand präsentiert, beschreibt im Laufe des Spiels eine angenehme Wendung. Je weiter wir Jack in das morbide Treiben hineinbringen, desto mehr wird deutlich, dass zumindest ein Funke Reflexion betrieben wird. Das mordlüsterne Handeln beschränkt sich weitestgehend darauf, minutenlang auf klonartige Gegner einzuschlagen, sie zu pfählen, anzuzünden, mit unserer Kettensäge am Arm in Teile zu schneiden, vor Züge zu werfen, in elektrisch aufgeladene Zäune zu werfen oder in Ventilatoren oder Hexlern zu Brei zu verarbeiten. Aus Zwiegesprächen, die Jack mit sich selbst oder mit seinem Agenten hält, wird allerdings deutlich, dass "MadWold" in gewisser Weise versucht, Gewalt als kritisches Stilmittel zu nutzen. Während der Spieler zunehmend abstumpft und Gegner - vor allem auch wegen deren dämlichen KI - lediglich nur noch als Punktelieferant sieht, beginnt Jack über die "DeathWatch"-Kämpfe zu philosophieren. Diese Auseinandersetzung geht zwar nicht allzu tief, lässt dem Spieler an der Wii-Remote jedoch deutlich werden, dass die Mordlüsternheit zumindest teilweise nur vorgeschoben ist und Kritik im Schema des ursprünglichen Romans "Menschenjagd" durch die bare Auslegung virtueller Gewalt geübt wird. Auch kann die Inbezugnahme von Reality-Shows wie beispielsweise "Big Brother" nicht mehr von der Hand gewiesen werden.

Fazit

Madworld versteht es, aufgrund der äußerst gelungenen Inszenierung den Spieler schnell zu packen und ihn in die makabere Welt des modernen Gladiatorenkampfes hineinzuziehen. Andererseits ließ mich der Titel auch genauso schnell wieder los. Die Elemente, die anfangs reizen, verblassen nach und nach zur stupiden Routine. Sind erst einmal sämtliche Möglichkeiten, Punkte zu erzielen, ausgeschöpft, kann die monochrome Gewalthatz nicht mehr überzeugen. Selbst die gesellschaftskritischen Aspekte geraten in Anbetracht der gezeigten Brutalität ins Hintertreffen.

Sehr schnell hatte ich das Gefühl, bereits alles einmal ausprobiert, so ziemlich alles einmal gesehen und auch jeden Kommentar der Moderatoren schon einmal gehört zu haben. Der Spielverlauf kann auf längere Sicht nicht überzeugen. Somit werde ich den Titel auch wohl nicht allzu schnell wieder anfassen. Schade, ich hatte mir mehr von dem Titel versprochen.

Madworld

Ist der Artikel hilfreich? Dann bookmarken Sie ihn bei:

Hilfe?

3D Multiplayer-Games: Seafight

In Seafight erforschst Du die abenteuerliche Karibik auf der Suche nach versteckten Schätzen und leicher Beute. 10.000 € auf den besten Spieler! zum Spiel...

Yahoo! Spiele-Forum

Madworld im Test. Was halten Sie vom neuen Spiel von Platinum Games?

Teilen Sie Ihre Meinung mit anderen Yahoo!-Usern.

Link zum Forum

Zum Games Guide-Forum · Zum Online-Spiele-Forum

 

 

 

Yahoo! Highlights:

Filmblog
Spiele Highlights
Video Suche
DFB Pokal
Autonews
Reiseplaner
Mehr...

 

Aktuelle Videospiele News:

PC: Activision möchte Online-Features vo...
PC: Auch Rage wohl ohne dedizierte Serve...
Project Natal
PS3: Brütal Legend: Erster DLC im Novemb...
X360: Neuer Alice-Trailer ist ein Fan-Pr...
X360: Einer gegen Hundert: Staffel 2 ab ...
PS3: FFXIII: US- und EU-Version fast fer...
PC: Modern Warfare 2 bricht XBL-Rekorde
Left 4 Dead
PS3: EA: MoH ist 'einfach atemberaubend'
CoD: Modern Warfare 2
Captain America & Thor
WET
Activision
X360: WET-Macher: „Weibliche Protagonist...

Weitere Spiele Reviews:

DS: Catan
PC: Tales of Monkey Island: Launch of th...
PC: Damnation
Gran Turismo
X360: Star Ocean: The Last Hope
X360: Batman: Arkham Asylum
PC: Die Sims 3
Sacred 2: Fallen Angel
PS3: IL-2 Sturmovik: Birds of Prey
PS3: Ratchet & Clank: A Crack in Tim...
NHL 10
PSP: Soul Calibur: Broken Destiny
PC: ArmA 2
Call of Juarez: Bound in Blood
IL-2 Sturmovik: Birds of Prey [DS , Mag6...

Vorschau auf neue Spiele:

PC: Borderlands
X360: Divinity 2: Ego Draconis
PC: Splinter Cell: Conviction
X360: Left 4 Dead 2
Parabellum
PC: Cities XL
X360: Battlefield 1943
PS3: Brink
GC09: James Camerons Avatar - The Game
Need for Speed: Nitro
MAG - Massive Action Game
X360: Forza Motorsport 3
X360: Brütal Legend
Serious Sam HD
GC09: First Facts - Fable 3