Gesamtwertung55 %/10 |
GrafikMangelhaft SoundMangelhaft |
LanzeitspaßUngenügend SpieleinstiegMangelhaft |
BedienungAusreichend |
Ein Rennspiel lebt von seiner Atmosphäre und diese kommt bei Moto GP auf der Wii überhaupt nicht auf. Die Streckenränder sind eine regelrechte Farce, vereinzelte Zuschauer bewegen sich gespenstisch synchron und Hintergründe, die schon zu 32-Bit-Zeiten nicht schön anzuschauen gewesen wären, ersetzen scheinbar eine schwarze Wand. Die Motorräder sind Ihren großen Originalen gut nachempfunden und auch die Rennen selbst verlaufen ständig flüssig, selbst wenn beim Start doch einmal etwas mehr Gedränge auf der Piste zu sehen ist. Ein bisschen mehr technische Spielereien wären allerdings lobenswert gewesen. Rempelt Ihr zum Beispiel beim Rennen einen anderen Fahrer an, hat das keinerlei Konsequenzen auf das Fahrzeug, ein Schadensmodell gibt es leider nicht. Die Anspannung eines richtigen Rennens kann also nicht annähernd auf das Videospiel übertragen werden.
Grundsätzlich fällt der Sound von Moto GP nicht negativ auf, aber das hat den eher unerfreulichen Grund, da es überhaupt keine Musikuntermalung in das Spiel geschafft hat. Die Rennen leben lediglich von Ihren Motorensounds, die aber bei Kennern auch für Stirnrunzeln sorgen. Ein Rennrad klingt nun einmal nicht wie ein Mopped, wobei genau das hier der Fall ist. Die einschläfernde Stimmung im Rennen wird zusätzlich noch durch fehlende Kommentatoren unterstützt. Alles in allem also eine absolut ungenügende Vorstellung von Capcom und man kann nur Besserung beim Nachfolger erhoffen. Auf anderen Konsolen kann man immerhin noch nebenbei Musik von der Festplatte streamen, bei der Wii ist das aber nicht möglich.
Spielbar sind die anderen Moto GP-Teile völlig reibungslos, nur Moto GP für die Wii macht da eine Ausnahme. Obwohl man meinen sollte, dass für jeden eine Steuerungsvariante dabei ist, die einen zufrieden stellen sollte, kommt schnell die Erleuchtung, dass hier nur sehr geduldige Menschen auf Ihre Kosten kommen werden. Wer kein Nunchuck zur Hand hat, kann nur auf die Variante zurückgreifen, in der man die Wiimote quer hält und mit seinem Motorrad durch Neigen der Fernbedienung den Absperrungen entgeht. Diese Steuerung ist allerdings dermaßen schwammig ausgefallen, dass Ihr gerne in einer tiefen Kiste nach dem Nunchuck sucht. Aber ist die Steuerung nun einfacher ausgefallen? Eher nicht, denn so sehr man sich auch Mühe gegeben hat alle wichtigsten Funktionen ohne Doppelbelegungen der Tasten auf Wiimote und Nunchuck zu verteilen, so sehr dürft Ihr nun die Finger verrenken um halbwegs heile ein Rennen zu überstehen. Die Buttonbelegung zu verändern, wäre hier eine schöne Alternative gewesen, dies bleibt uns aber vom Spiel verwehrt. Spielereien wie das Steuern per Analogstick und die Simulation des manuellen Schaltens durch eine waagerecht gehaltene Wiimote sind leider ebenso wenig spieltauglich und wirken eher aufgesetzt. Aber irgendetwas muss ja die Entwicklungszeit von Moto GP für die Wii verschlungen haben.
Moto GP für die Wii ist, wie man aufgrund des Erscheinungsdatums gar nicht vermuten würde, ein Port der PS2-Version von 2008. Alle Lizenzen der Saison des vergangenen Jahres sind im Karrieremodus eingebaut, so dass Ihr mit bekannten Motorradherstellern und Berühmtheiten der Rennsportszene Eure Rennwochenenden fahren dürft. An Spielmodi mangelt es auch nicht, denn neben der Karriere dürft Ihr auch noch Zeitrennen fahren, oder im Einzelrennen eine von fast 20 Originalstrecken befahren. Die langen Rennwochenenden stehen Euch aber leider nur bei dem Karrieremodus oder Weltmeisterschaften zur Auswahl, was sehr schade ist, falls Ihr einfach nur schnell mal eine Runde vor der Konsole entspannen wollt. Abschließend schaltet Ihr nach und nach neue Herausforderungen frei, deren Sieg Euch mit kleinen Boni in Form von Motorrad- und Streckenbildern belohnt. Der Spielmodus "Herausforderungen" unterscheidet sich nur in der Form von den anderen Rennen, dass Ihr zum Beispiel unter erschwerten Bedingungen ein Rennen gewinnen müsst. Wie praktisch, dass Ihr den Schwierigkeitsgrad dieser Missionen grundsätzlich durch das Abkürzen der Rennstrecken sehr gut aushebeln könnt, denn eine Bestrafung gibt es nicht, wenn Ihr statt der Streckenführung nachzugehen, einfach durch Wald und Wiese donnert. Am Umfang von Moto GP soll es also nicht scheitern, viel bitterer wirkt auf Renn-Veteranen, dass alle Konkurrenten stets auf der Ideallinie fahren und Ihr als Fahrer dementsprechend nur eine Chance habt, wenn Ihr Euch dem Verhalten anpasst, oder aber das Feld von hinten aufrollt, indem Ihr quer durch die anderen Fahrer durchfahrt. Das Fahrverhalten Eurer Konkurrenz ist dabei in jedem Rennen gleich und dementsprechend langweilig werden die Rennen nach kürzester Zeit. Überraschungen dürft Ihr keine erwarten, was Moto GP schnell seinen Reiz nimmt.
Auch wenn Moto GP eine Simulation sein möchte, steigt der Schwierigkeitsgrad nur wenig an im Laufe der Spielzeit und auch Anfänger haben eine Chance die Rennen mit positivem Ausgang zu beenden. Immerhin dürft Ihr ja auch Abkürzungen nehmen wie es Euch beliebt. Erklärungen, abseits der Steuerung, liefert das Spiel aber nicht, so dass Euch Taktikten zum Sieg verschlossen bleiben. Besonders fies ist aber der Gummiband-Effekt in Moto GP ausgefallen. Liegt Ihr einmal vorne an der Spitze, hängen die anderen Fahrer Euch auf einmal in den Hacken und sorgen für Stress, während sie gerade zu gemütlich fahren, wenn man den Start verpatzt hat und selbst von hinten das Feld aufrollen muss. Spannung im Rennen bleibt so, wieder einmal, leider aus.
Immerhin dürft Ihr mit einem Kumpel den Multiplayer-Modus bestreiten. Eine Meisterschaft gilt es für einen von zwei Spielern für sich zu entscheiden, während sich Online nichts tut, denn einen Online-Multiplayermodus gibt es auf der Wii nicht. So bleiben nur Multiplayer-Rennen im Splitscreen-Modus vorm Fernseher, was wenigstens etwas spannendere Rennen garantiert, da der zweite Mitspieler sich nicht wie die Klon-KI der CPU-Rennfahrer verhält.
Moto GP für die Wii kommt einem so seltsam bekannt vor... könnte es daran liegen, dass noch die gesamten Saison-Fahrer des Jahres 2008 Ihre Rennen fahren? Oder daran, dass die Grafik auf PS2-Niveau bleibt? Nicht bekannt ist uns die umständliche Steuerung, ansonsten sei gesagt, dass Moto GP auf Nintendos Heimkonsole nur ein Port der PS2-Version Moto GP 2008 ist. Da Capcom an den Arbeiten für dieses Spiel recht lang gesessen hat und nun ja schon etwas länger das Jahr 2009 am Laufen ist, wurde die Jahreszahl im Titel konsequenterweise vollkommen weggelassen. Die Verwirrung der Kunden, wenn sie zwei Moto GP-Titel Ende des Jahres im Regal des gut sortieren Videospielehändlers finden, wird man ihnen nicht verübeln können. Die Wii-Version ist aber trotz der längeren Entwicklungszeit nicht gerade positiv hervorzuheben. Die Steuerung ist, egal welche Variante man auswählt, immer ein Krampf. Die Spielmodi sind nichts außergewöhnliches für das Genre, halten aber für einige Stunden bei der Stange. Problematisch ist eben, dass die triste optische Umsetzung absolut keine Atmosphäre aufkommen lassen und die Rennen aufgrund der grundsätzlich Ideallinie fahrenden Konkurrenten sehr langweilig werden. Etwas mehr Spannung würde Moto GP also sehr gut tun, andernfalls reicht dieses Rennsimulation nur noch für abends vorm Zubettgehen als kleines Einschlafritual aus.
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