Gesamtwertung67%/10 |
GrafikBefriedigend SoundSehr gut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Wenn Euch kleine, dicke Engelchen entgegen lächeln und eigenartiger Kitsch die Oberhand gewinnt, dann seid Ihr entweder zu Besuch bei Oma und wartet auf ein paar leckere Rouladen oder es befindet sich Nights: Journey of Dreams im Laufwerk Eurer Wii und zaubert einige wirklich merkwürdige Bilder auf die heimische Mattscheibe. Jetzt steht nur die Frage im Raum, welche der beiden Möglichkeiten wohl die angenehmere ist. Leider würde es sich als recht schwierig erweisen treffende Aussagen über die unterschiedlichen Großmütter dieser Welt zu machen, weshalb Ihr Euch an dieser Stelle wohl oder übel mit einem Review zu besagten Videospiel begnügen müsst. Den Vergleich zu den Großeltern könnt Ihr dann bei Bedarf selbst ziehen.
Wirsch-bunte Visionen
Will und Helen, die Protagonisten des Spiels, haben im Gegensatz zu Euch keine große Wahl in Bezug auf ihren Aufenthaltsort. Die beiden alptraumgeplagten Kinder, deren Geschichten Ihr getrennt voneinander verfolgt, werden nämlich eines Nachts in die so genannte Night Dimension gesogen und finden sich in einer äußerst eigenartigen Traumwelt wieder.
Wenn man den Vorgänger zu Journey of Dreams, Nights into Dreams für den Sega Saturn, nicht kennt, kann man die Verwunderung der beiden dabei stets nachempfinden. Schon der Soundtrack bringt Euch mit ungewöhnlichen und teilweise federleichten Kompositionen in eine gefühlte Realitätsschwebe und die schräge Optik ist auch kein alltäglicher Anblick. Nur gut, dass der alte Uhu Owl direkt zur Stelle ist, um ein wenig Klarheit zu bringen und bei der Überwindung der ersten Hürden zu helfen. Dank ihm ist schnell klar, dass die gesamte Night Dimension aus zwei Reichen besteht. Eines dieser Reiche ist eben das wunderbare Nightopia, ein echtes Paradies, in dem sich die anfangs erwähnten Engelchen tummeln und knallbunte Farben das Umgebungsbild bestimmen. Dem gegenüber steht das finstere Nightmare, eine Schattenwelt voller Alpträume, die droht Nightopia zu zerstören und die Träume der Menschen somit in Finsternis zu tauchen. Hier kommt der rebellische Nights ins Spiel. Er ist als einziges Wesen in Nightopia in der Lage sich gegen Wizeman, den Herrscher von Nightmare, und seine Schergen zu wehren. Um gegen die bösartige Übermacht bestehen zu können, muss er allerdings mit Will oder Helen dualisieren, sich also mit ihnen und ihren Kräften verbinden.
Der Traum vom Fliegen
Durch das Dualisieren fällt die Kontrolle über das fliegende Traumwesen in Eure Hände. Darum solltet Ihr gut zuhören, wenn der nette Uhu erklärt, wie man sich in der Luft fortbewegt, er muss es schließlich wissen. Tatsächlich klärt er Euch sogar über die unterschiedlichen Controller auf, die Ihr dafür nutzen könnt. Hier hat Sega nämlich im Sinne der Verbraucherfreundlichkeit gehandelt und gleich mehrere Steuerungsmöglichkeiten für die unterschiedlichen Geschmäcker integriert. Greift man zum Beispiel ausschließlich zur Wiimote, weist man Nights mit dem Cursor die Richtung in die er fliegen soll, lässt ihn kleine Kunststücke durch das Neigen des Controllers durchführen und aktiviert eine schnelle Drehattacke mit einem kurzen Knopfdruck.
Diese indirekte Steuerung ist jedoch nicht gerade handlich und wirkt ziemlich aufgesetzt. Da geht die konventionelle und direkte Kontrollmethode mit dem Analogstick viel lockerer von der Hand.
Wer es also gerne klassisch mag, kann ohne Probleme zu Nunchuck und Wiimote, Classic Controller oder Gamecube Controller greifen und auf den Sensor-Firlefanz verzichten, den hatte der Vorgänger schließlich auch nicht. Das Fliegen will aber dennoch gelernt sein, zumal bei Nights: Journey of Dreams oft Tempo und Präzision gefragt sind. Zeitlimits sorgen nämlich immer wieder für Stress im Traumland.
Egal, ob Nights einem bösen Alptraum hinterher hetzt, die hilflosen Bewohner von Nightopia rettet oder der Fährte eines fliegenden Kraken folgt, die Uhr tickt unerbittlich. In der Regel gleitet er dabei innerhalb einer Ebene, die im Raum zu einem Rundparcours gekrümmt ist. Diese Strecken sind bestückt mit einer Vielzahl von Ringen, die man nach Möglichkeit durchfliegen sollte. Auf diese Weise sammelt man nämlich Punkte und lädt gleichzeitig die erwähnte Drehattacke auf. Der so genannte Drill Dash ist immerhin äußerst nützlich. Er fegt einerseits Widersacher aus dem Weg und gibt Nights andererseits einen kräftigen Geschwindigkeitsschub. Viel mehr hat das Kerlchen allerdings nicht drauf. Da wäre lediglich noch der Paraloop, mit dem Gegner und Gegenstände in ein Vakuum gesogen werden, indem man in einem Kreis um sie herumfliegt.
Doch abseits der repetitiven Aufgaben (Bösewichte verfolgen, Alpträume oder Engelchen einkreisen und lange Combos durch das Durchfliegen von Ringen und das Einsammeln von Items bilden) holt Sega noch einiges aus diesen beiden Fähigkeiten raus und lässt sie bei den außergewöhnlichen Endgegnern stets auf interessante Art und Weise zur Anwendung kommen. So stupst man einen aufgeblähten Fiesling mit dem Drill Dash über einen Hinderniskurs, der an einen skurrilen Flippertisch erinnert oder muss einen versteckten Boss mit Paraloops aufspüren, bevor man ihn attackieren darf.
Zudem erhält Nights nach manchen dieser Auseinandersetzungen Personas und somit die Fähigkeit seine Gestalt zu ändern.
Zwar verwandelt sich der Flieger in manchen Missionen automatisch und ist dann beispielsweise ein Boot, in dem Will einen reißenden Fluss hinunterschippern kann, die neuen Gestalten lassen sich aber ganz gezielt einsetzen.
Als Delfin kann sich Nights etwa unter Wasser fortbewegen und als Rakete hat er eine deftige Geschwindigkeit drauf. Doch trotz des Spaßes, den man mit den Obermackern und den Belohnungen haben kann, sollte man sich schon relativ früh auf das Erwachen einstellen. Die Abenteuer von Will und Helen sind nämlich gut in einigen Stunden zu bewältigen. Kein Wunder, dass man das Spielerlebnis ein wenig strecken wollte. Deswegen müsst Ihr, solltet Ihr an einer Aufgabe oder am Zeitlimit scheitern, stets den kompletten Level wiederholen und euch die Cutscenes, die sich leider nicht abbrechen lassen, ein weiteres mal zu Gemüte führen.
Das ist vor allem dann ärgerlich, wenn dieser Level aus mehreren Abschnitten mitsamt Endgegner besteht.
Ein schnelles Erwachen
Nichtsdestotrotz bleibt die Nacht für die beiden Kinder kurz. Wer dennoch ein wenig mehr Zeit in der oftmals bizarren Welt verbringen möchte, kann den My Dream besuchen. Dieser kleine Ort entsteht durch Eure Leistungen im Hauptspiel und beheimatet Nightopians und Nightmarens, die Ihr gerettet oder besiegt habt. Durch die Bewohner verändert sich auch die Landschaft in dieser isolierten Welt und das Wetter wird auf Wunsch mit dem Wetterkanal synchronisiert.
Doch auch, wenn man über das Internet den My Dream anderer Spieler besuchen und Geschenke tauschen kann, vermag das kleine Reich kein wirkliches Interesse zu wecken.
Man schaut einmal rein, guckt sich um und betritt es danach vermutlich nie wieder. Im Vergleich dazu ist der Multiplayer eine ganze Ecke aufregender. Über die Wi-Fi Connection oder per Splitscreen darf man sich nämlich mit einem weiteren Zocker in die Lüfte erheben und sich ein nettes Rennen liefern. Auf den Splitscreen beschränkt ist zudem ein kurzweiliger Kampf-Modus. Doch auch bei diesen Mehrspieler-Modi mangelt es an Abwechslung und Vielfalt, weshalb Nights: Journey of Dreams nach dem durchzocken doch relativ schnell im Schrank verschwindet und so schnell nicht wieder das hervorgekramt wird.
Nights: Journey of Dreams im Test.
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