Gesamtwertung74 %/10 |
Grafik8 Sound8 |
LanzeitspaßUngenügend Spieleinstieg9 |
Bedienung9 |
Hilfloses, paradiesisches Tal sucht kompetenten Herrscher. Vorzugsweise nett, kann aber auch böse sein. Hauptsache plündernde Halblinge werden zum Schweigen gebracht.
Wer sich berufen fühlt, auf dieses Gesuch zu antworten, hat bereits den ersten Schritt zum Overlord getan. Strebte man im ersten Teil wie zwei bekannte weiße Zeichentrickmäuse die Weltherrschaft an, reicht beim Wii-exklusiven Ableger der Serie lediglich die Machtergreifung in der Heimat als Zielvorgabe. Die Geschichte des Spiels ist als Prequel des Vorgängers gedacht und beschreibt, wie ein kleiner, schmächtiger Junge zum dicken Overlord wird.
Es war einmal ein gutmütiger Herrscher, der im Gegensatz zu seinem bösen Vorgänger nicht verstand, sein stattliches Reich zu regieren. Dem Bankrott nahe, begab er sich auf eine lange Abenteuerreise, um die Staatskasse aufzubessern. Leider kam er nach vielen Jahren scheiternd mit leeren Händen zurück. Seine Frau verließ ihn und seine Kinder respektierten ihn nicht.
Im letzten Akt der Verzweiflung wagte er sich auf eine erneute Reise, während seine beiden ältesten und hinterhältigen Sprösslinge bereits die Thronfolge im ehrenwerten Reich Gromgard planten. Das dritte und jüngste Kind jedoch wuchs unbeachtet dieser Pläne auf und wurde von seinen Geschwistern aufgrund seiner schmächtigen Gestalt des Öfteren verspottet. Dies sollte sich jedoch ändern, als er zum 16. Geburtstag von einem kleinen Wesen namens Gnarl einen magischen Handschuh erhielt, der ihm Zugang zu den geheimen Gewölben seines blutrünstigen Vorfahren verschaffte. Dort fand er neben einem Thron die Rüstung des Overlords und Gnarl stand von nun an seinem neuem Herrn und Meister bei der Machtergreifung beratend zur Seite. Der Kampf um den Thron Gromgards hat seinen Anfang genommen. Dass dabei in Gromgard nicht alles so wie in typischen Fantasyreichen verläuft, sollte Kenner des Vorgängers nicht überraschen.
Der schwarze Humor ist ein Erkennungsmerkmal des Vorgängers und auch diesmal weiß die Parodie auf eine Fantasywelt durchaus zu gefallen. Rotkäppchen entpuppt sich als Wolfskönigin, Halblinge plündern sich durch die Welt und die Schergen des Spielers sind herrlich verrückt. So konnte ich mir ein Schmunzeln nicht
verkneifen, als der Oberscherge Gnarl einen Untertanen namens Ernst-August auffordert, das Pinkeln innerhalb des Hauses zu unterlassen. Insgesamt gesehen erreicht dieser Overlord jedoch nicht die parodistische Qualität seines Vorgängers, obwohl mit Rhianna Pratchett (der Tochter des Scheibenwelt-Schöpfers) eine durchaus talentierte Autorin Feder führte. Die Story ist nämlich auch ein kleiner Kritikpunkt. Sie verläuft stereotypisch und ohne erkennbare Highlights. Zumindest ein Höhepunkt des Spiels sind aber die kleinen Schergen, die dem Overlord dienen.
Jeder zukünftige Herrscher braucht anfangs kleine dumme Schergen, die ihr Leben für ihren Meister jederzeit opfern würden. Netterweise scharen sich auch bald fünf hilfsbereite Diener um den neuen Overlord, damit die Machtergreifung Gromgards kein Wunschtraum bleibt. Doch wer oder was sind diese Schergen? Hat man als allmächtiger Bösewicht nicht genug Zerstörungskraft? Was wäre ein Sauron ohne Orks?
Was wäre ein Gott ohne Gläubige? Was wäre Bush ohne das amerikanische Wahlverfahren gewesen? In Wirklichkeit basiert das komplette Spielprinzip auf den kleinen Helfern. Diese rülpsenden und dumm grinsenden Handlanger warten nur darauf, auf Befehl des Meisters Unruhe und Chaos zu stiften. Ihr Aussehen erinnert dabei ein wenig an eine ungesunde Mischung aus Gremlins und Gollum. Treudoof folgt eine begrenzte Anzahl von diesen Monstern dem Overlord auf Tritt und Schritt. Der Meister selbst wird dabei mit dem Nunchuck gesteuert, während die Handlanger mit der Wii-Remote durch die Welt gejagt werden. Per Tastendruck attackieren, plündern und sammeln die Schergen alles auf, was ihnen in den Weg kommt. Praktischerweise bringen sie sämtliches Gold und andere Kostbarkeiten loyal dem großen Anführer. Außerdem rüsten sie sich selbständig mit herumliegenden Waffen und Rüstungen auf, und sei es noch so skurril. So hatten doch tatsächlich einige kleine Kämpfer, nach dem erfolgreichen Säubern eines Bauernhofes, Kürbisse als Helm missbraucht, was in einer Armee, die Angst und Schrecken verbreiten soll, relativ ulkig wirkt.
Die Schergen unterteilen sich dabei in vier unterschiedlichen Gruppen, die jeweils eine andere Farbe aufweisen. Die roten Schergen beherrschen den Umgang mit dem Feuer und sind gut als Distanzkämpfer zu missbrauchen. Braune Schergen teilen gerne mit prächtigen Hieben im Nahkampf aus, während die Blauen lieber mit Magie hantieren und in der Nähe gefallene Schergen wiederbeleben. Die grünen Schergen hingegen besitzen die Fähigkeit, sich unsichtbar machen zu können und aus dem Hinterhalt anzugreifen. Zudem verstehen sie es, giftige Dämpfe geschickt zu entfernen.
Ein Wii-exklusives Feature ist der Kamikaze-Angriff, der aus einem Schergen durch heftiges Schütteln eine laufende Bombe macht. Dabei ist die Auswirkung des Angriffes bei jeder Schergengruppe unterschiedlich. Spielerische Vorteile bringt er jedoch nicht wirklich, da das Opfern eines Schergen im Getümmel nicht immer hilfreich ist.
Wer ist überhaupt dieser Herr Overlord, der sich grundlegend die Welt zum Untertan machen möchte? Er ist eigentlich die Verkörperung des abgrundtiefen Bösen, also normalerweise eine Mischung aus Pest, Migräne und Dopingsündern. Jedoch merkt man davon nichts. Ich hatte nie wirklich das Gefühl, das unsagbar Böse zu repräsentieren. Der Overlord streift eher als Held durchs Land, hilft Leuten und tötet böse Wesen. Kein Plündern, kein Bestrafen und keine bösen Taten, da der Protagonist stets nachvollziehbare Ziele hat. Die beiden bösen Geschwister haben nun mal, und da werden selbst promovierte Pädagogen zustimmen, eine Tracht Prügel verdient. Man kommt nicht um das Gefühl herum, dass "Overlord: Dark Legends" eine Verneigung vor der "Casual-Zielgruppe" der Wii ist. Denn auch weitere Elemente des Vorgängers haben es nicht in dieses Spiel geschafft.
Es ist daher durchaus nicht vermessen "Overlord: Dark Legend" als eine Light-Version des Franchises zu bezeichnen. So ist der Schwierigkeitsgrad sehr niedrig, da sich die Gegner mit ewig gleichen Taktiken besiegen lassen. Oftmals reicht es einfach nur aus, alle Schergen gleichzeitig durch ununterbrochenes Drücken auf den Feind zu schicken und zu warten bis jener zusammenbricht, damit man sich auf das nächste Opfer stürzen kann. Der Begriff "Opfer" ist in diesem Sinne wörtlich zu nehmen, da deren Intelligenz häufig einer geisteskranken Zielscheibe gleicht. Auch wenn unsere roten Schergen aus schlagbarer Distanz mit ihren Fernkampf-Fähigkeiten zuschlagen, reagieren Feinde oftmals gelassen gleichgültig und bewegen sich keinen Zentimeter, bis ihre armen Körper auf den Boden klatschen.
Dies ist doppelt schade, da das Spielsystem rund um die Schergen ein hohes taktisches Potential entfaltet, das einfach nicht genutzt wird. Dabei haben Pikmin und auch der Vorgänger vorgemacht, wie es funktionieren kann.Den geringen Anspruch unterstreicht auch die schier riesige Anzahl an Seelen, die der Spieler für besiegte Gegner erhält. Eine Seele entspricht einem neuen Schergen beliebiger Farbe. Man kommt nie annähernd in eine Phase, in der mit den Schergen sparsam umgegangen werden muss, da man einfach einen mehr als großen Vorrat ansammelt.
"Light" ist auch die Spielzeit, die gerade mal ungefähr 7 Spielstunden entspricht. Durch die Linearität ist der Wiederspielwert zusätzlich besonders klein. Die einzelnen Hauptaufträge werden zwar von einigen kleinen Nebenaufträgen bereichert, die jedoch nur wenig spielerischen Mehrwert besitzen. Zum einen ist deren Anzahl verschwindend gering und zum anderen wird das dafür verdiente Geld kaum benötigt, da man sich auch so ohne größere Anstrengung schnell alle möglichen Dinge leisten kann.
Geld beherrscht auch im Wii-Ableger die Welt. Leider wurde das aus dem Vorgänger bekannte Kaufsystem reichlich entschlackt. Eine Individualisierung des Thronsaals ist nicht mehr möglich und verhindert so eine weitere Identifikationsmöglichkeit mit der Figur. Lediglich die Rüstungen der Schergen und des Overlords sowie dessen Waffen können mit barer Münze bezahlt werden. Dabei ist es jedoch peinlich, dass nicht angezeigt wird, inwiefern die angebotene Waffe besser als die aktuelle
ist, da sämtliche Kampfwerte fehlen. Einziger Anhaltspunkt ist hierbei der Preis. Erfreulich hingegen ist die Technik, die mit Abstrichen überzeugen kann. Für ein Wii-Spiel sieht die Grafik sehr gut aus. Die Märchenwelt erstrahlt an manchen Orten geradezu malerisch. Leider wird diese Detailvielfalt durch vereinzelte Frameraten-Einbrüche bezahlt, die das Spiel an einigen Stellen unweigerlich ruckeln lassen, was jedoch noch in akzeptablen Bahnen verläuft.
Akustisch können in jedem Fall die Stimmen der Schergen hervorgehoben werden, die ihre teilweise herrlich schrägen Kommentare ablassen. Angemerkt werden muss auch, dass das Spiel in englischer Sprachausgabe mit deutschen Untertiteln verkauft wird.
Fans des ersten Overlord-Teils können sich enttäuscht die Hände reiben. Die Wii-Variante bietet nichts erkenntlich Neues. Vielmehr ist der Schwierigkeitsgrad eher für Anfänger ausgerichtet und einige Elemente des Vorgängers wurden gestrichen. Die lahme Geschichte ist ein weiterer Grund für die Nichtbeschaffung. Auch das Gefühl, das Böse zu repräsentieren, will sich im Handlungsverlauf einfach nicht einstellen, da man im Grunde Heldentaten vollbringt und den niederträchtigen Geschwistern gehörig den Hintern versohlt.
Dennoch hatte ich meinen Spaß. Warum? Es macht einfach ordentlich Laune, mit einer Schergenarmee im Nacken durch die schönen Ländereien zu stapfen und nebenbei Gegner zu zerstören. Dazu kommt der schwarze Humor, der hin und wieder für ein Schmunzeln sorgt und einem letztendlich dann doch das Gefühl verleiht, ein waschechter Overlord zu sein. Anfängern und Spielern, die keine Erfahrungen mit dem ersten Teil haben, können daher gerne einen Blick riskieren. Overlord sein macht nämlich Spaß.
Du bist Gladiator, der Held der Spiele im Kolosseum. Besiege Deine Gegner und erkämpfe Dir die Cance auf 10.000 €. zum Spiel...
Overlord: Dark Legend im Test.
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