Gesamtwertung83%/10 |
GrafikBefriedigend SoundGut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Man müsste schon lügen, wenn man behaupten würde, die diesjährigen Pro Evolution Soccer-Versionen hätten ähnliche Fortschritte gemacht, wie deren Vorgänger. Sowohl im Spielerischen, wie auch im Bereich der Präsentation hat sich leider nur wenig geändert. Der total verbuggte Onlinemodus setzte dem eher flauen Auftritt, vor allem der Next-Generation-Ablegern die Krone auf. Glücklicherweise schiebt Konami nicht einfach eine an die Wii angepasste Version mit einem halben Jahr Verspätung nach, sondern machte sich die Mühe, die komplette Steuerung und somit beinahe das ganze Gameplay an Nintendos Zauberkasten anzupassen. Die Frage, die sich stellt, ist natürlich, ob sich der Titel nun besser oder nur spaßiger zockt.
Die Wii-Variante der besten Fußballsimulation hebt sich nicht nur in spielerischer Hinsicht von seinen Namensvettern ab, sondern auch in Sachen Inhalt. So hat man zwar die Auswahl aus all den bereits bekannten Teams, die einzelnen Modi sind dafür teilweise verschieden. Natürlich gibt es die obligatorischen schnellen Spiele, Pokale und auch die Ligen, den eigentlichen Karrieremodus aber gibt es in der bekannten Form nicht mehr.
Dieser wird durch die Road-Tour ersetzt. Entweder erstellt man ein neues, eigenes Team und stattet es mit dem passenden Namen und einem Logo aus oder greift zu einem nicht lizenzierten Team, das bereits fertig auf den Spieler wartet, aber trotzdem umgestaltet werden kann.
Dann die schwachen Spieler schnell begutachtet und eventuell an der Aufstellung herumgefummelt und schon kann die wilde Fahrt losgehen. Auf der Road-Tour hat man die Möglichkeit, mit seiner Mannschaft den Globus zu bereisen und an ausgewählten Veranstaltungen teilzunehmen. Am Anfang schlägt man sich durch ein Übungsturnier, um durch mehrere Auswahlmöglichkeiten ein Gefühl der Entscheidungsfreiheit vermittelt zu bekommen. Gestaltet man seine Reise erfolgreich, so kann man nicht nur sein Spielerfeld bezahlen, sondern auch neue Fußballer hinzugewinnen und die Werte der Alteingesessenen verbessern. Besiegt man einen Gegner, so darf man in einem lustigen Minispiel einen Spieler auswählen, der mit sofortiger Wirkung das Team wechselt.
Da die Fußballer aber nicht direkt zu sehen sind, sondern als Karten dargestellt und lediglich mit deren besten Eigenschaft überschrieben werden, muss man ein wenig auf sein Glück vertrauen. Nebenbei erhält man nach jedem Spiel auch noch neue Herausforderungen, die es zu erledigen gilt. Dies kann anfangs etwa die Aufgabe sein, fünf Kurzpässe zu spielen und später etwa, fünf Tore ohne zwischenzeitliches Gegentor zu erzielen. Natürlich gibts für das Erfüllen der einzelnen Herausforderungen auch den ein oder anderen Bonus.
Während die Wii-Version grafisch am ehesten mit der des PlayStation 2-Ableger zu vergleichen ist und daher keinen Schönheitspreis gewinnt, weiß die bereits bekannte musikalische Untermalung wieder zu begeistern. Tolle, auf die einzelnen Mannschaften abgestimmte, Fangesänge tragen genauso zur gelungenen Stationatmosphäre bei, wie die Soundeffekte, die das Spiel begleiten. Einzig der unveränderte Kommentar von Wolf Fuß und Co. passt nicht so richtig zum Gameplay, wenngleich die Herren ihre Sprüche wenigstens einmal zur richtigen Zeit klopfen.
Übrigens hätte man vielleicht sogar überlegen können, die knuffigen Miis, die die Startaufstellung symbolisieren, auch im Spiel einzusetzen. Der realistische Look wird dem ein oder anderen anfangs im Weg stehen, wenn er ins Spiel eintauchen will.
Und das liegt ganz einfach an der auf die Wii angepassten Steuerung. Die will sich nämlich nicht wirklich mit dem Look des Spiels vereinigen. Nichtsdestotrotz stellt sie sich nach einer kurzen Eingewöhnungsphase als äußerst spaßig und vor allem als anspruchsvoll und motivierend heraus. Während man durch Schütteln des Nunchuks zum Abschluss kommt, steuert man mit der Mote eine Art Fadenkreuz über den Bildschirm. Durch drücken der B-Taste kann man dann, sofern man sich logischerweise im Ballbesitz befindet, auf einen anvisierten Mitspieler passen. Natürlich sind auch Pässe in den freien Raum möglich. Durch Drücken und Halten der A-Taste kann man anvisierten Spielern dann Laufbefehle geben. Dies wirkt anfangs durchaus umständlich. Viele werden das Steuerungsprinzip aber schnell zu schätzen wissen.
Wer dachte, dass normale Pro Evolution Soccer würde bereits an Rasenschach erinnern, der wird nun eines Besseren belehrt. Die taktischen Möglichkeiten, die der Wii-Titel im Spiel bietet sind durch die Bedienung beinahe unbegrenzt. Da kann man in der Verteidigung die Räume so fest verschließen, dass nicht einmal ein Staubkorn durchfliegen könnte.
Im Angriff wiederum kann man strategische Finten antäuschen und dann etwa mit einem Verteidiger aus dem Halbfeld an die Grundlinie durchlaufen, diesem den Ball zu spielen und eine Flanke in die sichtlich überraschte Hintermannschaft des Gegners schlagen. Dem Ideenreichtum aller Fußballstrategen sind keine Grenzen gesetzt.
Einzig die Verfolgung eines Ball führenden Spielers stellt sich als recht nervig heraus. Dazu muss man diesen nämlich unentwegt anvisieren und durch wiederholtes Drücken der A-Taste den Mitspielern befehlen, dass er doch bitte angegriffen werden soll. Dies funktioniert in der Endkonsequenz jedoch recht einfach, wenngleich es für ermattete Finger sorgt. Warum?
Weil man in der Wii-Version von Pro Evolution Soccer einfach nicht sprinten kann! Dies ist ein offensichtliches Manko, was allerdings im Gesamtkonzept verblasst, weil die Sprintfunktion das Gameplay negativ beeinflusst hätte. Trotzdem degradiert gerade dieser Fakt das Spiel zum tatsächlichen Rasenschach und verbietet jedwedes Kick & Ruth.
Pro Evolution Soccer 2008 im Test.
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