Punch Out!!

Review
Plattform
WII
Vertrieb
Nintendo
Entwickler
Nintendo
Erscheinungsdatum
-
Punch Out!!

Gesamtwertung

72 %/10

Grafik

Ungenügend

Sound

Ungenügend

Lanzeitspaß

8

Spieleinstieg

7

Bedienung

7

Punch Out!!

Klassiker mit neuem Anstrich

Punch Outhat den Status eines waschechten 8-Bit-Helden, denn neben der Automatenversion von 1984 ging vor allem die fünf Jahre später veröffentlichte NES-Umsetzung in die Videospielgeschichte ein. Für die Wii wurde dem Fäusteschwinger natürlich ein nagelneues Outfit verpasst. Die Entwickler sind jedoch behutsam vorgegangen, um nicht die empfindsamen Nostalgiker zu echauffieren. Herausgekommen ist ein liebevoll gestaltetes Remake, das grafisch zwar nicht über Wii-Standardkost hinausgeht, dafür aber mit überzeichneten Charakteren und dem Flair der alten Tage aufwarten kann. Wer sich bereits auf dem NES mit Don Flamenco oder Great Tiger geprügelt hat, wird die Kollegen auf Anhieb wieder erkennen. Die statische Kulisse hätte man allerdings ruhig etwas mit Leben füllen können - das regungslose Publikum scheint auch direkt aus den 8-Bit-Tagen zu entstammen.

Töne aus der Vergangenheit

Kenner des Spiels werden die Titelmelodie sofort ins Herz schließen und schon mal die Boxhandschuhe fest schnüren. Die Reminiszenzen an die Golden Days des Gaming gehen jedoch noch weiter: Die SFX sind sofort wieder zu erkennen und haben Bling-und-Bloing-Feeling. Doch es gibt auch Neuerungen: Die jeweiligen Gegner haben inzwischen eine Sprachausgabe verpasst bekommen, auch wenn es meist nur ein paar Sätzchen zwischen den Kämpfen sind. Ihre lokalen Eigenheiten bleiben erhalten, Piston Hondo verflucht den Gegner auf japanisch, während King Hippo animalisch grunzt. Ansonsten herrscht hier Minimalismus, was oft zu Lasten der Atmosphäre geht. Aber wozu das Spiel mit unnötigem Firlefanz vollkleistern? Punch Out lebt von der Nostalgie und die bekommen Spieler auch im Sound geboten.

Wildes Fuchteln? Nein Danke

Der Spieler hat die Wahl zwischen zwei Varianten: Einmal kann er sich gepflegt über Nunchuck und Wiimote mittels körperlicher Ertüchtigung prügeln, oder er greift auf die klassische Variante zurück. Nicht nur aus Gründen des nostalgischen Flairs sollte man letztere Möglichkeit nutzen. Wie auch schon bei Mario Kart gilt: Weniger Gefuchtel bedeutet mehr Präzision. So bleibt beim Prügeln mit Wiimote und Nunchuck immer das Gefühl, eine Nanosekunde zu langsam zu sein. Zudem sind die Haken in Richtung Kinn nur durch zusätzliches Hochdrücken des Sticks auf dem Nunchuck zu erreichen - bei schnellen Bewegungen unpraktisch.

Immer mitten in die Fresse rein

Der aufstrebende Box-Star muss zwei Dinge mitbringen: Reaktionsvermögen und Beobachtungsgabe. Die gegnerischen Boxer haben alle ihre ureigenen Ticks und sind nur durch geschicktes Kontern zu knacken. So zieht Piston Hondo stets vor einem Schlag die Augenbraue hoch, während King Hippo auffällig bei seinen eigenen Schlägen die Kauleiste aufsperrt. Genau diese Momente muss man für sich nutzen und dem Gegner ordentlich eine reinsemmeln - eigene Initiativen laufen jedoch meist in's Leere. Besonders geglückte Treffer werden mit Sternchen belohnt, welche die eigene Schlagkraft erhöhen - erwischt einen jedoch ein kräftiger Hieb, sind die Sterne weg. Ebenso sollte man ein Auge auf die Ausdauer haben: Vergeigt Litt Mac ein paar Schläge oder erhält selbst ein blaues Auge, ist er erschöpft und kann sich kurzfristig nicht wehren. Punch-Outhat auch Jahre nach seinem ersten Erscheinen nicht viel an der Grundformel verändert.

Leicht zu lernen, schwer zu beherrschen

Die Steuerung ist simpel und schnell erlernt. Ausweichen, Deckung hochnehmen, Schlagen. Die ersten Gegner sind zudem eine ziemlich einfache Sache und schnell hat man die ersten drei Boxer auf die Bretter geschickt. Doch die Schwierigkeitskurve steigt durchaus rasant an und eh man sich's versieht, wird man selbst angezählt. Hier beweist Puch-Out seine Wurzeln: Nur wer die Angriffsmuster der Gegner auswendig kennt, kann sich gegen die Muskelberge durchsetzen. Dennoch dürften auch unbedarfte Spieler gerade am Anfang schnell ein paar Erfolge verbuchen.

Kein Wii-Spiel ohne Mehrspielermodus

Wie es sich für ein Wii-Spiel gehört, wurde kurzerhand noch ein Zwei-Spieler-Modus auf Punch-Outgeschraubt. Und wie bei den meisten solcher Versuche mündet auch diese Variante in einem klaren geht-so. Wildes Geboxe durfte man schon in Wii Sports abliefern, in Punch Out sieht es nicht viel besser aus - es sei denn, man greift zur traditionellen Steuerung. Insgesamt ist der Mehrspielermodus aber nur etwas für Zwischendurch und wertet das Spiel nicht wirklich auf. Das Kernstück bleibt der Solo-Modus.

Fazit

Punch Outist ein Fest für Nostalgiker. Hier gibt es alles, was es schon in Punch Out auf dem NES gab, nur in einer besseren Präsentation und mit neuen Gegnern. Dabei schlägt ein ziemlich erbarmungsloses Herz unter dem comic-haften Äußeren des Spiels: Der Schwierigkeitsgrad hat es durchaus in sich. Erfreulich: Punch Outsetzt vor allem auf die guten alten Videospieltugenden Reaktionsvermögen und Beobachtungsgabe: Nur wer zum richtigen Zeitpunkt in Deckung geht und/oder zum Angriff bläst, kann sich dem finalen Gegner stellen. Punch Out ist somit eine lohnende Anschaffung für Wii-Besitzer mit einer Passion für old-school-Spiele - wer realistisches Boxen sucht, muss sich an anderer Stelle umsehen.

Punch Out!!

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