Gesamtwertung72%/10 |
GrafikBefriedigend SoundGut |
LanzeitspaßBefriedigend SpieleinstiegBefriedigend |
BedienungGut |
Mit dem eigens für Wii konzipierten Shooter Red Steel möchte Ubisoft neue Wege im Bereich der First Person-Kontrolle gehen und den Spielern ein völlig neues Spielerlebnis ermöglichen. Im Vorfeld machten die gezeigten Szenen des Titels einen sehr viel versprechenden Eindruck. Aber kann das finale Produkt überzeugen? Mit Katana-Schwert und Kanone begaben wir uns die Welt der Yakuza und berichten euch in unserem Review, ob das Konzept aufgeht.
Meine Braut, ihr Vater und ich...
Der Tag hat so schön angefangen. Mit eurer Verlobten schlürft ihr gemütlich einen Kaffee und bereitet euch schon mal mental darauf vor in Kürze ihren Vater nach seinem Segen zu fragen. Doch es kommt wie so oft anders als erwartet. In dem Anwesen des zukünftigen Schwiegervaters angekommen, bekommt ihr gleich den Revolver der Yakuza zu schmecken und könnt nur zusehen, wie euer Schwiegervater samt eurer Liebsten verschleppt wird. Das schreit natürlich nach Bleikost. So begebt ihr euch in den ersten Abschnitten durch das Anwesen und könnt den alten Herrn mit letzter Kraft befreien. Leider fehlt von seiner Tochter jede Spur und so macht ihr euch auf, den Schergen das Handwerk zu legen.
Controlling-Revolution?
So weit zur Story. Nicht sonderlich originell, dennoch für einen Action-Shooter wie Red Steel durchaus passend. Die Geschichte wird euch in Comic-Schnippseln á la Max Payne präsentiert ohne dabei neue Akzente zu setzen. Was allerdings sofort auffällt ist die relativ schlechte Synchronisation. Relativ lieblos und manchmal schon ins Lächerliche tendierend leidet die ansonsten gute Atmosphäre an dieser Sprachausgabe. Die englische Originalversion zeigt, dass es besser gehen kann. Was hebt den Titel aber denn nun von dem Ego-Shooter-Einheitsbrei ab? Klar, die neue Steuerung der Wii. Mit der Wiimote steuert ihr das Fadenkreuz des Protagonisten. Zielt ihr auf eines der Enden des Bildschirms, beginnt ihr euch zu drehen. Je weiter ihr mit dem Fadenkreuz abdriftet, desto schneller dreht ihr euch. Den Nunchuk nutzt ihr auf der anderen Seite für eure Bewegungen. C- und Z-Button dienen zum Springen sowie zum Ducken.
Wie schaut's mit dem Öffnen von Türen und dem Nachladen der Waffen aus? Nun, die Entwickler haben für solche Aktionen keinerlei Buttons belegt. Um Türen zu öffnen, müsst ihr lediglich den Nunchuk mit einer ruckartigen Bewegung nach unten schwenken. Auch das Auffüllen eurer Bleispritze funktioniert auf dieselbe Weise. Ein weiteres nettes Feature des Spiels ist das Umkippen von Tischen und anderen Gegenständen, hinter denen ihr dann Deckung suchen könnt. Ähnlich wie beim Türenöffnen nutzt ihr dafür auch den Nunchuk, allerdings mit einer Bewegung nach oben. Dieses Feature erweist sich allerdings schnell als nette Dreingabe als ein wirkliches Spielelement. Während des gesamten Spiels nutzt man es kaum.
Laufen euch die ersten Gegner über den Weg, solltet ihr ein ruhiges Händchen beweisen. Denn die neue Steuerung erweist sich anfangs nämlich als recht gewöhnungsbedürftig, geht aber nach einiger Zeit gut von der Hand. Das Spiel bietet je nach Vorliebe drei verschiedene Geschwindigkeitseinstellungen für euren Cursor. Zu Anfang sollte man sich aber noch nicht an der schnellsten versuchen, der Mittelwert lässt sich nach kurzer Zeit gut spielen. Der Langsamste bietet zwar die beste Präzision, dafür dreht ihr euch aber weitaus langsamer um die eigene Achse. Während ihr den A-Knopf haltet, visiert ihr euren Gegner an. Bewegt ihr nun die Wiimote zum Bildschirm, zoomt die Kamera auf den Feind zu, was euch das Zielen erleichtert. Schon den Überblick verloren?
Keine Angst, die Steuerung habt ihr ziemlich schnell verinnerlicht und dirigiert euren Helden recht präzise durch die Levels. Dennoch hat man nie wirklich das Gefühl, die volle Kontrolle zu haben. Schnell hat man die Wiimote mal zu weit nach oben gehalten und verbringt erneut Zeit mit dem Justieren der Kamera. Dies kann nicht nur nerven, sondern im Eifer des Gefechts auch schnell mal zum Tod führen. Hier wäre eine Auto-Adjust-Funktion gerade für Neulinge wünschenswert gewesen.
Mecki Messer kann et besser!
Red Steel bietet neben den Schusseinlagen auch die hoch angepriesenen Schwertkämpfe. Diese funktionieren folgendermaßen: Je nachdem in welche Richtung ihr die Wiimote bewegt, setzt ihr verschiedene Schläge an. Die räumliche Erkennung klappt dabei einwandfrei. Mit dem Nunchuk blockt ihr hingegen gegnerische Attacken und pariert diese, um danach erneut anzugreifen. Weiterhin könnt ihr euch mit dem Analogstick um den Feind tänzeln und seinen Attacken mit kleinen Sprüngen ausweichen. Was sich anfangs noch sehr viel versprechend anhört, sorgt spätestens nach dem fünften Kampf für Ernüchterung. Die Kämpfe bieten gute Ansätze, aber letztlich zu wenig Tiefgang und Dynamik. Wildes Herumfuchteln und gelegentliches Blocken führt schneller zum Erfolg als taktisches Vorgehen. Im späteren Verlauf des Spiels nerven die Kämpfe fast schon, weil sie stets auf dieselbe Weise ablaufen.
Die künstliche Intelligenz der Gegner lässt ebenfalls oft zu wünschen übrig. Zwar suchen sie selbstständig Deckung, aber viel mehr auch nicht. Hat man die Steuerung gemeistert, rennt man ohne große Probleme durch die Levels und ballert ohne große Gegenwehr alles nieder. In diesem Zusammenhang macht das bereits erwähnte Duck&Cover-Feature mit dem Umwerfen von Tischen auch nur selten wirklich Sinn.
Meist nutzt ihr es nur, um eure Gesundheit aufzufrischen, um danach wieder Rambo-like durch die Räume zu marschieren. Das Spiel nutzt wie zuvor auch Halo oder Call of Duty 2 bzw. 3 ein sich regenerierendes Health-System. Obwohl dieses Feature an sich oft eine gute Figur in einem Titel macht, macht es das Spiel hier allerdings ein wenig zu leicht.
Next Gen Grafik?
Aus grafischer Sicht reißt das Spiel leider ebenfalls keine Bäume aus. Zwar ist Red Steel eines der bislang hübschesten Spiele im Startaufgebot, diese Qualität wäre aber auch auf dem GameCube locker drin gewesen. Abgesehen von netten Explosionen und Partikeleffekten beim Auseinandernehmen eines Raums und einigen hübsch anzusehenden Szenarien, wirkt sie gerade in Korridoren oft trist und verwaschen.
Dazu kommt noch, dass die Framerate sehr oft schwankt. Zwar bleibt sie stets in einem spielbaren Bereich, allerdings trägt sie ihren Anteil zu dem insgesamt gesehen eher trüben Bild bei. Hier wäre mit Sicherheit mehr drin gewesen. Aber was jetzt nicht ist, kann ja vielleicht in dem nächsten Teil mal werden.
Der Sound ist ebenfalls ein zweischneidiges Schwert. Der Soundtrack kann einerseits auf ganzer Linie überzeugen und auch die Waffensounds kommen recht wummig rüber, aber die Sprachausgabe wirkt andererseits, wie schon erwähnt, oft unprofessionell und aufgesetzt. Nett sind allerdings die Nachladegeräusche aus dem Lautsprecher der Wiimote.
Red Steel hat auch einen Multiplayermodus zu bieten. Wie das gesamte Spiel ist dieser aber auch nichts Halbes und nichts Ganzes. Mit maximal vier Spielern könnt ihr euch an einem Fernseher mit einer Hand voll Modi austoben. Bei geteiltem Bildschirm verliert man als Spieler allerdings schnell den Überblick und das Ganze schnell an Reiz. Ein Onlinemodus fehlt leider völlig.