Gesamtwertung78 %/10 |
Grafik8 Sound8 |
Lanzeitspaß8 Spieleinstieg7 |
BedienungUngenügend |
Das Resident Evil-Debüt macht seinem Sujet alle Ehre und ist einfach nicht tot zu kriegen. Wieder einmal geistert der Klassiker des Survival-Horrors durch die aktuelle Konsolengeneration und verbreitet Schrecken und Angst. Dabei ist dieses Remake für die Wii nicht von dem Remake für den GameCube zu unterscheiden: Grafik und Inhalt sind nahezu identisch. Leider wurde auch die Steuerung nicht den Wii-Gegebenheiten angepasst. Stattdessen kann man auf den Classic-Controller zurückgreifen, um das Original-Feeling zu erhalten. Das ist Schade, denn Resident Evil 4 hat bewiesen, wie man durch die Wii-Steuerung aus einem genialen ein grandioses Spiel macht. Diese Chance wurde in Resident Evil Archives verpasst: Capcom überlässt den Spieler lieber den Launen einer Steuerung, die in die Jahre gekommen ist. Der Mechanismus dürfte bekannt sein: Entweder geht man nach vorne oder hinten oder man kann den Charakter um die eigene Achse drehen. Die Kontrolle von Chris und Jill ist immer noch genauso eine Geduldsprobe wie vor 13 Jahren. Auch wenn einige argumentieren, dass die unzureichende Steuerung sicher einen Teil des Charmes des Survival-Horror ausmacht: Der kalte Schauer des Grauens wird oft durch kochendheiße Wutausbrüchen ausgeglichen. Warum Capcom, warum?
Es bleibt also die Frage, wer sich das Spiel im Jahre 2009 antun will. Die Steuerung ist eine echte Hürde auf dem Weg in ein Horror-Szenario - doch wer diese nimmt, erhält ein Spiel, das selbst nach über einer Dekade nichts von seiner Faszination verloren hat. Erneut erkundet man das inzwischen bekannte Haus voller mysteriöser Geschehnisse und begegnet mutierten Kreaturen - erneut stellt sich tatsächlich das Feeling ein, das einem damals das Blut in den Adern gefrieren lies. Es braucht allerdings etwas Geduld, um die Magie von Resident Evil zu entdecken. Unbedarfte Spieler, die das Original nicht kennen und damit nicht mit der Steuerung vertraut sind, dürften so ihre Schwierigkeiten haben. Durchhalten lohnt sich jedoch.
Was Resident Evil nach wie vor perfekt beherrscht ist die Klaviatur des Horrors. Ein einsames Haus, spärliches Licht, dunkle Andeutungen, grauenerregende Vorahnungen: Gothic-Horror pur. Die Stimmung ist auch in der dritten Geburt des Klassikers noch so intakt wie damals. Selbst wenn es heute grafisch bessere Schocker wie Dead Space geben sollte: Die Atmosphäre von Resident Evil ist trotzdem (oder gerade deswegen?) dicht und packend. Zumal man nicht mit Gegnern überrannt wird, sondern jeder Mutant für sich zu einer Gefahr wird. Das liegt sicher auch an der hier nun schon oft monierten Steuerung. Aber auch an Macken, die sich im Nachhinein als Glücksgriff erweisen: Speicherstände sind ein rares Gut, das geschickt eingesetzt werden will; Munition ist nur begrenzt verfügbar und jeder Schuss muss sitzen; jede Wunde kann tödlich sein, denn im Gepäck ist nur wenig Platz für Heilkräuter. Resident Evil mag zwar aus heutiger Sicht unverzeihliche Design-Fehler aufweisen - das macht die Sache aber auch zur echten Herausforderung und der Spieler wird nicht verwöhnt wie in neueren Titeln wie BioShock. Jeder Fortschritt ist ein wirklich gewonnener Kampf. Zudem wurden der Neuauflage sagenhafte 12 Enden hinzugefügt.
Das Original ist ein hässliches Ding gewesen, glücklicherweise bekam der GameCube eine völlig neue Tapete. Das macht das Spiel selbst heute noch ansehnlich, auch wenn für die Wii nicht weiter an der Grafikschraube gedreht wurde. Zwar sieht Resident Evil in dieser Fassung kaum aus wie sein fünfter Nachfolger für PS3 oder Xbox 360 - aber dafür gibt es hier etwas, was heute in Videospielen eine fast schon vergessene Kunst ist: Eine ausgeklügelte Kameradramaturgie. Da in den meisten Titeln heute eine freibewegliche Kamera obligatorisch ist, ist das Experimentieren mit der eingeschränkten Sicht nur noch selten vorhanden. Zwar kann das auch die Nerven belasten, wenn ein Mutant aus einem ungünstigen Winkel angreift und der Spieler nicht sieht, wo die Waffe hinzielt - aber durch das geschickte Platzieren des Sichtfeldes entstehen auch Überraschungseffekte und kinoreife Szenen. Untersicht, verkantete Kamerawinkel, dunkle Gänge, die keine Rückschlüsse auf das Kommende zulassen - Resident Evil zeigt meisterlich, was man mit einer feste installierten Kamera in einem Spiel machen kann und wie der Mangel an Sicht ein Mehr an Atmosphäre bedeutet.
Das Prinzip "weniger ist mehr" gilt auch für den Sound. Zwar wurden die dunklen Drones und kratzigen Ambient-Flächen drei Jahre später von Silent Hill perfektioniert - doch Resident Evil zeigte schon, dass ein minimalistische Klangbild der Königsweg für einen Genre-Soundtrack ist. Die einnehmende Atmosphäre von Resident Evil Archives basiert zu einem großen Teil auf dem bedrohlichen Sound, der den Spieler direkt im Angstzentrum trifft. Als wären die Begegnungen mit den diversen Gegnern nicht schon Nervenkrieg genug, verstärkt der gelungene Klang die Eindrücke noch. Resident Evil gab damit den Ton für kommende Horror-Games vor.
Die Archive sind geöffnet und heraus schlurft ein oft kopiertes und nie erreichtes Original. Resident Evil hat nichts von seiner Faszination verloren und der neue Anstrich hat dem Spiel sichtlich gut getan. Leider wurde für die Wii das Spiel nicht weiter aufbereitet und man bekommt eine mit der GameCube-Variante fast identische Version. Ein Anpassen der Steuerung an die Wii-Verhältnisse hätte eine zwingende Kaufempfehlung ergeben und auch eine Verbesserung der immer noch nervigen Steuerung hätte dem Veteran der Horror-Game-Historie sicher nicht geschadet. So bleibt es bei einem Remake, das den Geist des Originals atmet, roh und unverfälscht ist. Zeit, die Fenster abzudunkeln und sich eine ordentliche Dosis Herzrasen abzuholen.
Bei XBlaster ist die Welt, wie wir sie kennen, Vergangen- heit. Als Mechpilot kämpfst Du zur Belustigung der Menge und monatlich 10.000 € zum Spiel...
Resident Evil Archives im Test.
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