Gesamtwertung79 %/10 |
Grafik7 Sound10 |
Lanzeitspaß7 Spieleinstieg9 |
Bedienung8 |
Auf der diesjährigen E3 waren Nintendo-Fans sich nicht sicher, ob sie lachen oder weinen sollten über das Line-Up der Messe. Zwischen Wii Music und Animal Crossing wurde auch das Snowboard-Spiel Shaun White Snowboarding für die Wii gezeigt. Der Namensgeber Shaun White stellte es höchstpersönlich auf dem Wii Balance Board vor um das Publikum wenigstens etwas aufzuheitern. Auf dem Balance Board fuhr er eine Strecke hinab und kommentierte seine Stürze und Stunts auf dem Weg. Das Balance Board, das für ein Casual Game wie Wii Fit erfunden wurde, sollte nun auch die "Hardcore"-Zocker auf ihrem Weg begleiten. Ob das dem einzigen Hoffnungsträger der E3 2008 gelungen ist, lest Ihr im Review.
In der Trendsport-Szene ist Shaun White eine ganz große Nummer. Seit er 13 Jahre alt ist, ist er bei einem Modelabel unter Vertrag, hat 2006 die Olympischen Winterspiele gewonnen und ist amtierender Ticket to Ride Snowboard Tour-Sieger. Dem jungen Snowboarder wurde daher angeboten für ein Ubisoft-Snowboard-Spiel seinen Namen zu leihen. Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit halten wir nun in unseren Händen. Shaun White Snowboarding: Road Trip ist die Wii-Umsetzung der neuen Franchises.
Wie auf der E3 angekündigt, prangt ein großes "Wii Balance Board kompatibel"-Logo auf dem Cover des Spiels. Also geschwind das Balance Board abgestaubt und registriert. Das Spiel einmal gestartet, könnt Ihr beim Start des Singleplayer-Modus zwischen zwei Steuerungsschemen wählen. Wir entscheiden uns für das weiße Board, immerhin wollen wir stilecht einige Abfahrten nehmen.
Die Story des Einzelspieler-Modus ist denkbar schnell erzählt: Shaun White jettet um die ganze Welt um neue Pisten zu erleben. Seine Freunde jagen ihm hinterher um zusammen mit Shaun zu boarden. Ihr übernehmt als Spieler den Pulk an Freunden und erhaltet nach einigen erfolgreichen Wettbewerben jedes mal eine Meldung, dass der Profi-Snowboarder schon wieder an das andere Ende der Welt gereist ist und neue Pisten entdeckt hat, die Ihr anschließend ebenso befahren könnt. Ein Treffen mit dem sprunghaften Shaun zu arrangieren ist gar nicht so leicht. Aber es ist ja auch nicht Ziel der Sache Shaun White zu treffen, sondern die Lieblingslocations Eures Kumpels abzuchecken.
Ihr beginnt im heimischen Kanada, wo die ersten offenen Challenges das Tutorial darstellen. Hier macht Ihr Euch mit dem Umgang Eures Balance Boards bzw. Snowboards vertraut. Erfahrene Snowboarder haben zu Beginn definitiv weniger Probleme. Das Board wird vertikal zum TV ausgerichtet und Ihr stellt Euch mit der Hüfte zum Fernseher zeigend auf das Trittbrett. Je nachdem ob die Hacke oder die Fußballen des hinteren Beins belastet werden, beeinflusst Ihr die Lenkung des Boards. Bei Belastung des gesamten vorderen Fußes, hockt sich der Spielcharakter hin und nimmt an Geschwindigkeit zu. Gleichermaßen bremst Ihr, sobald Ihr Euch nach hinten lehnt. Um zu springen, dürft Ihr keinesfalls vom Board abspringen, denn das wird Shaun White Snowboarding: Road Trip mit einer Warnmeldung quittieren (und Euer Balance Board soll ja nicht durchbrechen). Stattdessen bedarf es eines besonders beherzten Drucks auf alle Gewichtssensoren, was am Anfang ziemlich ungewohnt ist.
Wer zuvor noch nie auf einem Snowboard gestanden hat, braucht seine Zeit um sich an die Balance Board-Steuerung in Shaun White Snowboarding zu gewöhnen. Mit etwas Körperkontrolle geht die Steuerung nach etwa 30 Minuten aber ziemlich gut von der Hand und auch komplexere Tricks werden in der Luft ermöglicht. Natürlich besitzen nicht alle von Euch ein Balance Board. Diese Spieler können auch einfach nur mit der Wiimote die Berge herunter heizen. Die Eingewöhnungszeit ist sehr kurz und eigentlich steuert man seinen Charakter direkt intuitiv richtig durch den Schnee. Das gute Tutorial hilft unsicheren Zockern aber gerne aus. Der einzige Mangel bezüglich der Steuerung stellt die etwas langsame Umsetzung der Tricks dar. Egal ob mit Balance Board oder Wiimote, nach der Eingabe dauert es manchmal etwas zu lange bis der Trick auch wirklich ausgeführt wird. Eine sichere Landung im kalten Weiß kann so nicht immer gewährleistet werden, auch wenn der Trick gut vorbereitet wurde.
Shaun White hat eine etwas merkwürdige Einstellung zu seinen Freunden. Er lädt sie zum Boarden auf allen Teilen der Welt ein. Mal geht es nach Chile, dann sogar in die Alpen oder nach Japan. Aber jedes Mal wenn Ihr ankommt, hat Shaun sich schon auf den Weg gemacht weitere Pisten kennen zu lernen. Wenigstens kommt Ihr weit rum. Habt Ihr alle verschiedenen Pisten freigeschaltet, werden nach Erfolgen in einzelnen Challengekategorien, weitere Aufgaben ermöglicht. Die Challenges gestalten sich folgendermaßen: Ihr bekommt zwei Aufgaben, wovon nur eine Pflicht zu bestehen ist. Ihr sollt zum Beispiel innerhalb zwei Minuten eine Piste hinab bis zur Ziellinie hinabheizen, sechs Mülltonnen von der Strecke einsammeln (Naturschützer, olé!), oder 6000 Punkte durch Tricks erfahren. Die optionalen Ziele sind höher gesteckt und schwerer zu erreichen.
Der Schwierigkeitsgrad ist noch so niedrig gehalten, dass zumindest die erste Aufgabe zügig zu erreichen sein sollte. Optionale Quests erfordern mehr Feingefühl als die Wiimote oder das Balance Board teilweise vermitteln können. Im Gegensatz zu den PS3- und Xbox 360-Versionen von Shaun White Snowboarding befahrt Ihr keine großen offenen Pisten und auch der Einsatz von Skiliften ist hinfällig. Die Strecken können lediglich linear nach unten hinab gefahren werden und Skigebiete über eine Übersichtskarte betreten werden. Habt Ihr eine Challenge vergeigt, ermöglicht die Wii-Version ein sofortiges Wiederholen der Aufgabe und auch während des Rennens kann direkt noch einmal von oben neu gestartet werden. Laufwege gibt es also keine mehr. Shaun White Snowboarding: Road Trip spielt sich aus diesem Grund eher wie das arcadige 1080° auf dem N64, was für Freunde der Arcade-Snowboard-Games sicher kein Nachteil ist.
Wer den relativ kurzen Singleplayermodus hinter sich gelassen hat, kann noch mit insgesamt bis zu vier Spielern den Multiplayer erforschen. Um hier aufdrehen zu können, müssen auch erst einmal allerhand Pisten freigeschaltet werden, da anfangs nicht wirklich viele Koop-Missionen oder Versus-Challenges zur Verfügung stehen. Leider scheint die Wii nur ein Balance Board registrieren zu können. Bis jetzt gibt es jedenfalls noch kein einziges Wii-Spiel das mit mehr als einem Balance Board kompatibel ist, so dass die drei weiteren Mitspieler wohl oder übel auf die Wiimotes zurückgreifen müssen. Außerdem ist auffällig, dass der Detailgrad der Strecken für den Multiplayer herunter geschraubt wurde. Die Wii scheint bei vier Spielern wohl an ihrem Leistungsmaximum angekommen zu sein. Auch im Singleplayer-Modus sind die Strecken leblos und können lediglich mit ein wenig Gestrüpp und Tannen aufwarten. Auch einen Wetterwechsel gibt es leider gar nicht, dabei würde dieser doch perfekt in ein Snowboard-Spiel passen.
Jeden Tag heiter Sonnenschein haben wir jedenfalls noch nie beim Boarden gehabt. Es gibt wenigstens ein paar wenige Rennen, die auch bei Nacht ausgetragen werden. Bei der Abfahrt kommt je nach Charakter aber ein sehr gutes Geschwindigkeitsgefühl auf, da aufgrund des starken Blur-Effekts die Umgebung um Euch herum verschwimmt. Die Weitsicht geht auch völlig in Ordnung, so dass Ihr nie befürchten müsst, plötzlich in eine Mauer zu rasen. Bei den verschiedenen Objekten auf der Strecke für Tricks hat Ubisoft wenig Vielfalt bewiesen. Die Rampen und Slides sehen nahezu immer gleich aus. Beim Soundtrack begeistern die unterschiedlichen Rock-Songs. Die Tracklist wurde angeblich in Zusammenarbeit mit Shaun White erstellt, der seinen persönlichen Geschmack stark hat einfließen lassen. Zu Don't Fear the Reaper und Blitzkrieg Bop macht das Boarden jedenfalls jede Menge Laune. Wem ein Track nicht gefällt, kann mit einem Druck auf das Steuerkreuz der Wiimote direkt zum nächsten Song übergehen. So gefällt uns das!
Nach meinen eher zwiespältigen Erfahrungen mit Skate It und der Balance Board-Unterstützung in Trendsport-Spielen, bin ich mit gediegener Stimmung an Shaun White Snowboarding: Road Trip herangegangen und bin nicht enttäuscht worden. Die Steuerung mit der einzelnen Wiimote funktioniert bis auf kleine Abstriche einwandfrei und auch das Balance Board macht seine Aufgabe nach einer Eingewöhnungszeit von etwa einer halben Stunde sehr gut. Wer schon einmal in Wirklichkeit auf einem Snowboard gestanden hat, wird alsbald die Parallelen zum realen Snowboarden feststellen. Je nach ausgewähltem Charakter gehen die Tricks gut von der Hand, auch wenn manchmal eine Verzögerung von der Eingabe bis zur Ausführung des Moves festgestellt werden kann. Fans arcadelastiger Snowboard-Spiele bekommen hier endlich mal wieder etwas geboten, denn in den knapp zehn Stunden Spielzeit werden immer wieder neue Charaktere freigeschaltet, neue Pisten und Challenges tun sich auf und zusammen im Mehrspielermodus kann wahlweise Kooperativ oder im Versus-Mode noch richtig die Sau rausgelassen werden. Der Schwierigkeitsgrad ist nie zu hoch, was wir sehr begrüßen, da sonst, gegenüber einer traditionellen Steuerung ohne Bewegungserkennung, Frust aufkommen würde. Da sich Shaun White Snowboarding: Road Trip keiner größeren Konkurrenz auf der Wii aussetzen muss und seit langem mal wieder ein Snowboard-Spiel auf einer Nintendo-Konsole mit spaßigem Arcade-Gameplay aufwarten kann, wird für Fans in jedem Fall eine Kaufempfehlung ausgesprochen. Aber Achtung! Die abgespeckte Wii-Version hat mit den PS3- und Xbox 360-Fassungen nicht mehr viel gemein, spielt sich wesentlich linearer und hat keinen Online-Modus. Wer also bis zum nächsten Winter etwas zu tun haben möchte, sollte regelmäßig seine Freunde für den lokalen Multiplayer zusammentrommeln.
In Seafight erforschst Du die abenteuerliche Karibik auf der Suche nach versteckten Schätzen und leicher Beute. 10.000 € auf den besten Spieler! zum Spiel...
Shaun White Snowboarding: Road Trip im Test.
Was halten Sie vom neuen Spiel von Ubisoft?
Teilen Sie Ihre Meinung mit anderen Yahoo!-Usern.