Sonic und der Schwarze Ritter

Review
Plattform
WII
Vertrieb
Sega
Entwickler
Sega
Erscheinungsdatum
-
Genre
Andere
USK
12
Sonic und der Schwarze Ritter

Gesamtwertung

68 %/10

Grafik

8

Sound

Ungenügend

Lanzeitspaß

7

Spieleinstieg

Ungenügend

Bedienung

7

Sonic und der Schwarze Ritter

Der blaue Igel ist zurück! Bereits zum fünften Mal beehrt uns das Sega-Wappen auf Nintendos Wii - zuletzt mit insgesamt eher abnehmendem Erfolg. Stellt sich die Frage, ob der possierliche Langstreckensprinter bei seinem neuesten Abenteuer überzeugen kann, oder ob der Abwärtstrend mit "Sonic und der Schwarze Ritter" ein neues Kapitel spendiert bekommt. Apropos neues Kapitel: Zum wiederholten Mal hat sich Sega gedacht, man könne dem Spiel doch mehr Pfiff geben, indem man weniger auf dem aufbaut, was Sonic früher einmal ausmachte, und stattdessen mit neuen Innovationen versucht, die Falten aus dem mittlerweile recht zerknitterten Gameplay zu bügeln.

Was ist hier passiert?

Ich möchte es gleich vorweg nehmen: Es hätte den Machern gut getan, bei dem zu bleiben, was der Blauman beherrscht: Eine Priese Geschicklichkeit gepaart mit rasanter Action und einiger Controller-Akrobatik. Man hat sich aber nun einmal anders entschieden und so wurde "Sonic und der Schwarze Ritter" zu einer Art 3rd-Person Schwertschwinger umgetauft. Gut, ein Schwert darf er schon seit längerem sein Eigen nennen.

Nun lässt es sich jedoch permanent mit der Wiimote bewegen. Besser gesagt: Die Spieler können damit herumfuchteln. Denn weder Steuerung noch Erläuterungen kommen in diesem Spiel besonders gut weg.

Aber beginnen wir von vorn - so wie es sich gehört. Unser tierischer Freund gelangt durch einen gar schrecklichen Vorfall in das Abenteuer. Merlina, die königliche Zauberin von Arthus, flieht vor ihrem Vater. Als dieser kurzerhand mörderische Truppen beschwört und ihr den Fluchtweg versperrt, kommt es, wie es kommen muss. Sie ersucht mit ihren Zauberkräften Beistand eines mächtigen Ritters. Was folgend vom Himmel fällt, sind ein blauer Igel und zwei Hotdogs. Das ganze Geschehen wird für Wii-Verhältnisse sehr schön in Szene gesetzt und auch der - zugegeben recht alberne - Humor deutet eine gute Richtung für das Spiel an. Sonic benötigt nicht viel Worte und haut durch seine allzu bekannten Sprintfähigkeiten die Monstertruppe aus den Latschen. Kurz drauf setzt er sich in den Kopf, auch den Obermotz, den dunklen Ritter höchstselbst, vom Pferd zu holen.

Merlina hält ihn jedoch auf. Weshalb, erfahren wir später: König Arthus besitzt die Schwertscheide von Excalibur, die ihn unbesiegbar macht. Der Scherge muss auf das gerechte Urteil durch die Pranke bzw. den Fuß des Igels also warten und zieht sich zurück. Soweit die Handlung, alles andere müsst Ihr selbst herausfinden, selbst wenn storymäßig bis auf eine Richtungsänderung zur Mitte des Spiels nicht mehr allzu viel kommt.

Sonic nicht in Bestform

Nach dieser Kurzeinlage der Arthus Saga im japanisierten Wii-Format finden wir uns inmitten von Wald und Wiesen wieder und begeben uns in das Tutorial, bei dem es nebenbei gleich zur Sache geht. Eigentlich geht es hauptsächlich zur Sache und die Erläuterungen kommen nur nebenbei. Da "Sonic und der Schwarze Ritter" aber eben nicht über eine deutsche Sprachausgabe verfügt, werden viele Spieler den Erklärungen in Form von weißen Lettern während des Spielens wenig Beachtung schenken und gerade anfangs die Level wiederholen oder gleich langsam durchspielen müssen. Ein Unding, derartige Spiele nicht auf deutsch zu vertonen - beachten wir einmal das Zielpublikum.

Bewegt wird Sonic mit dem Stick des Nunchuks, gesprungen wird mit der A-Taste. Wie bei anderen Sonic-Spielen besitzen wir keine frei begehbare Umwelt, sondern laufen in einer Art unsichtbarem Tunnel durch die Welt und sammeln währenddessen haufenweise Pick-Ups und die beliebten goldenen Ringe. Diese sind noch immer Grundstein der Gesundheit des Igels, wirken in dieser Märchenepisode ob ihrer Häufigkeit jedoch eher wie zwischendurch verfügbare Health-Packs. Das Kampfsystem ist schlicht gehalten. Je nachdem, ob die Wiimote horizontal oder vertikal geschwungen wird, macht das sprechende Schwert, welches der Spieler sehr früh an seine Seite bekommt, einen entsprechenden Streich. Kombos existieren kaum, abgesehen vielleicht von Sprung-Schlag-Attacken oder einem Schwertwirbeler bei entsprechender Wiimote-Bewegung. Dafür gibt es eine Spezialattacke: Hat der Blauman auf seinem Weg genügend Energie von roten Feen getankt, kann er durch einmaligen Druck auf die B-Taste die Zeit anhalten und Gegner direkt und über weite Strecken attackieren. Leuchtet das Schwert und reagiert der Spieler ausreichend flott, landet der Igel währenddessen perfekte Treffer. So läuft Sonic schwertschwingend durch die Level und verteilt ordentlich Haue. Darunter leidet wiederum der Spielfluss.

War Sonic früher ein Synonym für Geschwindigkeit, halten einen die Gegner nun beim Rennen auf oder schießen uns per Pfeil auch mal ab. Sonic muss also gerade bei den früheren Missionen immer wieder notgedrungen stehen bleiben, den Mobs ein Gefecht liefern und kommt erst dann langsam wieder in Fahrt. Dieser Trott der meisten Missionen wird nur durch gelegentliche Bosskämpfe oder Minispiele unterbrochen - auch wenn spätere Spielabschnitte hier besser wegkommen.

Hell und Dunkel

Die Bosse in "Sonic und der Schwarze Ritter" zu besiegen, ist gar nicht so einfach. Zum einen hat der Spieler mit den nicht immer sauber zu timenden eigenen Attacken zu kämpfen, was an der allgemein leicht schwammigen Steuerung liegt. Zum anderen weiß man gar nicht, wie man gegen einige Bosse vernünftig vorgehen soll. Eigentlich landet man immer an dem Punkt, den Boss angreifen zu lassen, während man selbst blockt, nur um danach entsprechend zu kontern.

Ein richtig harter Brocken ist beispielsweise ein Kampf gegen den Schwarze Ritter selbst. Hier wird einige Zeit dafür benötigt, ein ordentliches Mittel gegen ihn zu finden. Wer sich dafür schon einmal im Vorfeld vorbereiten möchte, erhält zwischen den einzelnen Missionen immer wieder die Möglichkeit, Sonic mit den neuesten Errungenschaften auszurüsten, die innerhalb der Missionen gefunden werden. Beispielsweise kann sich der Igel bessere Rüstungsteile oder Boni gegen bestimmte Schäden holen und geht so gestärkt ins nächste Level. Freigespielt werden nach und nach auch diverse Galerie-Bilder, Hintergrundsounds oder Wappenteile.

Eine andere Art der Abwechslung vom faden Kampfsystem und dem Alltagstrott eines Helden bieten die immer wieder eingestreuten Mini- bzw. Reaktionsspiele. Mal muss bei Bosskämpfen die Remote schnell geschüttelt werden, mal werden dem Spieler Tasten oder Richtungen vorgegeben, die innerhalb einer kurzen Zeit nachgemacht werden wollen. Beispielsweise, wenn wir der gebeutelten Bevölkerung Ringe schenken, um unsere Ritterlichkeit zu beweisen. Abwechslung bieten die Minispiele also, aber leider nur kurzweilig. Der Großteil des Spiels besteht aus dem Tunnellauf, dem Lösen weniger Rätsel, Springen und natürlich dem Niedermähen von Gegnern. Dafür kann "Sonic und der Schwarze Ritter" zumindest optisch punkten. Selbst wenn die Raserei auf größeren Fernsehern unscharf wirkt, sind die Spieloptik selbst sowie die Videosequenzen gut anzuschauen und nett inszeniert. Schlimmer hat es da die Zwischensequenzen erwischt, die weitestgehend als mit Ton unterlegte Standbilder daherkommen und eine insgesamt recht träge Geschichte weiter treiben, in der beinahe jeglicher Witz weitestgehend auf der Strecke bleibt.

Fazit

Sonic hat sich erneut in die Turnschuhe gezwängt und hilft Märchenwesen, die es nötig haben. Leider bleibt der Spielspaß dabei - vor allem anfangs - weitestgehend auf der Strecke. Zwischendurch schimmert immer wieder ein Sonic hervor, wie wir ihn kennen. Doch gerade die häufigen Schwertkämpfe, die den Spielfluss immer wieder unterbrechen, sind meiner Meinung nach eine Innovation in die falsche Richtung. Hier hätte Sega vielleicht auf Bewährtes zurückgreifen und Sonic einfach laufen lassen sollen. Während sich die Handlung im Hintergrund hält, wiederholen sich nach einiger Spielzeit die Missionsziele häufiger - auch die kleinen Minispiele können bald kaum noch als spritziges Erlebnis bezeichnet werden. Als langatmig haben sich einige Kämpfe gegen Bosse erwiesen. Was unter dem Strich übrig bleibt ist ein netter Zeitvertreib, der phasenweise an den alten Sonic erinnert, sich meist jedoch in den als Hürden entpuppenden Innovation verläuft.

Sonic und der Schwarze Ritter

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