Gesamtwertung93%/10 |
GrafikSehr gut SoundSehr gut |
LanzeitspaßSehr gut SpieleinstiegGut |
BedienungSehr gut |
Schaut man sich bewegte Bilder zu Marios neuem Vorab-Hit an, hüpft und watschelt einen der rote Klempner in Windeseile schwindelig. Da springt er von Planet zu Planet, wird durch die Luft geschleudert oder kämpft mit der Anziehungskraft der kleinen Himmelskörper. Innovativ? Ja! Übersichtlich? Nein! Dabei waren die Mario-Spiele doch immer sinnbildlich für einen einfachen Zugang und jede Menge Spaß. Nach wenigen Minuten konnte jeder Neuling ein paar Gumbas einstampfen. Der Spaß kommt bei Super Mario Galaxy schon beim Zusehen nicht zu kurz. Doch spielt sich der Titel auch so locker und leicht wie es aussieht? Oder macht das neue Konzept Nintendos neues Zugpferd eigenwillig und bockig?
Eins ist jedem Videospieler klar, ohne eine deftige Entführung erhebt sich Mario wohl kaum von seiner gut eingesessenen Couch zu erheben. Damit der Klempner seinen heimischen Pilzvorrat zurücklässt, reicht eine kleine Straftat von Bowser nunmal nicht aus. Der lässt sich jedoch nicht lumpen und nimmt diesmal Prinzessin Peach mitsamt Schloss mit und verfrachtet sein neues Eigentum an einen unbekannten Ort im Universum. Die Reise führt also kurzerhand ins Weltall, welches Mario mit der Hilfe fremdartiger Wesen, den Lumas, zu erschließen lernt.
Die fordern von ihm als Gegenleistung lediglich, dass er ihnen einen Haufen Sterne besorgt. Mit deren Kraft kann der bärtige Held dann immer weiter ins All vorstoßen und rückt somit Bowser und die Prinzessin nach und nach in erreichbare Nähe.
Immer das Gleiche mit Peach
Das galaktische Abenteuer beginnt ganz friedlich an einem Festtag im Pilz-Königreich und Mario ist auf dem Weg zum Schloss der Prinzessin, als der Spieler die Kontrolle übernimmt. So lässt sich die Steuerung ein wenig üben, bevor es plötzlich ins Weltall geht und die Gesetzmäßigkeiten der Erde außer Kraft gesetzt werden. Wer sich jedoch bereits mit einem der Vorgänger in die dritte Mario-Dimension gewagt hat, fühlt sich auch mit Wiimote und Nunchuk in den Händen direkt wohl. Schließlich wird für die grundlegende Bewegung des Helden kaum Gebrauch von der Bewegungssensorik gemacht. Lediglich um eine Drehattacke auszuführen gilt es, die Wiimote ein wenig zu schütteln. Mit dem Pointer kommt hingegen eine Neuerung ins Spiel.
Dieser wird für die Aufnahme oder den Abschuss von Sternenstaub genutzt. Diese glitzernden Krümmel sind überall im Universum verstreut und erfüllen im Grunde drei recht unterschiedliche Zwecke. Zunächst lassen sie sich auf arglose Feinde oder andere Ziele abschießen. Manche Gegner werden dadurch kurzzeitig betäubt und eine kleine Pflanze spuckt bei Beschuss beispielsweise Münzen aus. Zudem bringt das fleißige Sammeln der Körner weitere Leben ein und da die Fundstücke eine Delikatesse bei den freundlichen Luma sind, kann man sie gelegentlich eintauschen, um besondere Planeten oder Galaxien zugänglich zu machen.
So einfach kann das Reisen im Weltall sein
Ist die Steuerung noch so einfach zu erlernen, erschwert die größte und gewichtigste Neuerung den schnellen und sorglosen Einstieg leider ein wenig. Die kleinen Planeten bedürfen nämlich ein wenig Gewöhnung, weil bei Super Mario Galaxy im wahrsten Sinne alles drunter und drüber geht. Mal ist der kleine Held kopfüber auf dem Bildschirm aktiv und mal schaut man ihm direkt auf die Mütze. So ist es anfangs schwierig abzuschätzen, ob man dem grimmigen Gumba gerade auf den Kopf oder direkt vor das Gesicht springt.
Vielleicht hätte eine freie Wahl der Kameraperspektive in solchen Fällen geholfen. Dann würde man aber vermutlich einen Großteil seiner Zeit mit der Suche nach einem möglichst optimalen Blickwinkel verschwenden. Zudem hat man sich ohnehin recht zügig an die merkwürdigen Welten und den immer wieder kopfüber auf dem Boden stehenden Mario gewöhnt. Dann sitzt auch wieder jeder Sprung und schon bald ertappt man sich dabei, wie man Spielchen mit der Gravitation spielt. Komplett festgelegt ist die Kameraeinstellung aber nicht.
Per Knopfdruck lässt sie sich in größeren Arealen nämlich hinter den Rücken des Helden drehen und nahezu jederzeit darf man ebenso durch die Augen des Klempners auf die Planeten schauen. Keine schlechte Sache, denn die eigenartig geformten Planeten bieten meist einen interessanten Anblick und die Vorfreude auf das Erkunden entfernter Himmelskörper steigt. Super Mario Galaxy ist eben ein schöner Anblick. Die Welten wurden liebevoll designt und toll in Szene gesetzt, während die Charaktere mit dem serientypischen Charme und schönen Animationen daher kommen. Besonders gut sind die Lichteffekte im All gelungen, die die Ränder der Planeten und Protagonisten sanft umhüllen. So hübsch hat Marios knollige Nase bisher noch nie den Bildschirm geziert.
Mario, du schaust blendend aus
Ja, es hat sich einiges geändert. Schönere Grafik, verrücktere Welten und die Verwendung von Sternenstaub sind die besten Beispiele. Dazu gesellen sich noch einige neue Kostüme, die Mario besondere Fähigkeiten verleihen. Die Feuerblume ist hinlänglich bekannt, Bienenpilz und Geisterpilz beispielsweise nicht. Die sind eine weitere Neuerung im neuen Jump and Run. Mit einem Bienenpilz hüllt sich Mario in ein flauschiges Insektenkostüm und kann dann kurze Strecken fliegen und an Honigwaben entlang krabbeln. Als bärtiger Geist ist er stattdessen in der Lage sich unsichtbar zu machen. Die neuen Fähigkeiten sehen aber nicht nur lustig aus, sie ermöglichen auch mehr Variation beim Level- und Rätseldesign. Doch keine Sorge, der Kern des Spiels ist immer noch an das großartige Super Mario 64 angelehnt.
Auch in Super Mario Galaxy reist der Retter der Prinzessin von Welt zu Welt, um dort Münzen und Sterne zu sammeln. Erstere verschaffen ihm zusätzliche Leben, Letztere öffnen die Wege zu weiteren Welten. Die leuchtenden Sterne winken stets als Belohnung für besondere Aufgaben. Mal gilt es einen mächtigen Gegner auszuschalten, mal eine Reihe von Rätseln zu lösen. Hier haben die Entwickler ihre ganze Kreativität walten lassen und die Chancen, die ein Universum voller unterschiedlicher Galaxien und Planeten bietet, deftig ausgenutzt. Egal ob im Königreich der Bienen, auf einem Spielzeugplaneten oder in einer galaktischen Müllhalde, stets wird der Spieler vor neue Aufgaben gestellt. Hier wechselt ständig die Gravitation, da befindet man sich plötzlich im kugeligen Inneren eines Planeten und immer wieder trifft man auf clevere Bosskämpfe.
Wie wäre es zum Beispiel mit einem riesigen Roboter, der fast einen ganzen Planeten umspannt und dessen empfindliche Kuppel man nur über einen Weg an den Beinen erreicht? Hin und wieder wechselt das Spielgeschehen sogar in eine zweidimensionale Ansicht und erinnert dann umso mehr an die Ursprünge der Serie.
Luigi? Der bedient den Sternenstaub-Blaster!
Als biete der Titel nicht schon genug Abwechslung, gibt es zudem Galaxien, die aus einem kleinen Minispiel bestehen. Diese machen meist verstärkt Gebrauch von der Bewegungssensorik. Abhängig von der Neigung der Wiimote balanciert Mario etwa auf einer Kugel an zahlreichen Hindernissen und Gruben vorbei oder gleitet auf einem Rochen in einem Rennen über das Wasser. Doch auch wenn es sich dabei eher um kleine Einschübe handelt, bieten sie doch eine erfrischende Abwechslung zum sonstigen Spiel. Wer Angst hat, wenn er alleine die bunten Level voller Bösewichte durchstreift, darf sich ohne schlechtes Gewissen einen Freund oder eine Freundin einladen. Der Gast ist schließlich nicht zum reinen Zuschauen verdammt, sondern kann im Mehrspielermodus ins Spiel eingreifen. Während der eine Spieler Marios Geschicke lenkt, übernimmt der andere die Funktionen des Pointers, also vor allem das Sammeln und Abschießen des Sternenstaubs. Um Zwist zu vermeiden sollte man aber in Erwägung ziehen, sich abzuwechseln. Ein Partner ist aber nicht zwingend notwendig, schließlich hat es auch seinen Reiz gleichzeitig aus dem Gravitationsfeld eines Planeten zu hüpfen, auf einen schlecht gelaunten Kettenhund aufzupassen und dabei mit dem Pointer über den begehrten Staub zu fahren. In Verbindung mit der fröhlich-motivierenden und eingängigen Hintergrundmusik geht einem dann immer wieder ein Satz durch den Kopf: Einen Stern hole ich noch!