Gesamtwertung73 %/10 |
Grafik7 SoundUngenügend |
LanzeitspaßUngenügend Spieleinstieg7 |
Bedienung9 |
Nun hat sich die Wii mit unzähligen Verkäufen zum finanziellen Gewinner des "Konsolenkrieges" gemausert und schafft es dennoch höchst selten, sogenannte Core-Gamer länger vor die Mattscheibe zu bewegen. Vielmehr überschwemmen billige Party-Spielchen den Spielemarkt der Konsole. Dabei würde die Wii steuerungstechnisch ideale Voraussetzungen für einen guten Ego-Shooter bieten. Da wundert es doch auf den ersten Blick, dass nahezu kein Vertreter dieses beliebten Genres auf der Wii punkten konnte. Dies dachten sich wohl auch die Entwickler von "The Conduit", die das Argument, die Wii biete eine ungenügende technische Ausstattung für einen guten Shooter, nicht akzeptieren und sich zur Aufgabe gemacht, die Grafik der Konsole auf ein neues Level zu hieven.
Doch gleich nach den ersten, gespannt erwarteten, Spielsekunden macht sich eine erste Ernüchterung breit. Ohne einleitende Zwischensequenz wird der Spieler verwirrt in die Haut des Helden Michael Ford geschickt, der in Form eines Tutorials durch enge Gänge gehetzt wird.
Noch bevor man sich über die tadellos funktionierende Steuerung freuen kann, stellt man ernüchtert fest, dass Ego-Shooter auf der Wii anscheinend nicht hübscher aussehen können. Obwohl man den Entwicklern zugestehen muss, dass einige Texturen recht hübsch aussehen und der Spielfluss dabei nicht durch Einbrüche der Perfomance unterbrochen wird, wirken die linear gestalteten Levels wie ein Relikt aus älteren Zeiten. Hat man jedoch erst den schlechten Ersteindruck verdaut, fallen einem die positiven Elemente des Spiels auf, die vielen Kritikpunkte (zunächst) vergessen lassen.
Besonders hervorzuheben ist dabei die Steuerung, die schon nach Sekunden in Fleisch und Blut übergeht. Michael Ford und die Waffen lassen sich direkt und intuitiv steuern, was schnelle Feuergefechte zur Folge hat, die einem nach einer gewissen Zeit das Gefühl geben, ein wahrer Meisterschütze zu sein.
Gewöhnungsbedürftig hingegen ist die Handhabung der Granaten, deren gezielter Wurf einiges an Fingerspitzengefühl erfordert, da während einer Wurfbewegung des Nunchucks mit der Wii-Remote genau gezielt werden muss, was gerade bei Anfängern häufiger zu Fehldetonationen führen kann.
Die gute alte Erde ist bei Außerirdischen anscheinend ein äußerst beliebtes Reiseziel. Anders sind die dauerhaften Invasionen nicht zu erklären, die ein Held in Gestalt eines Spielers des Öfteren abwehren muss. Dieses Szenario ist auch der Kernbestandteil der Story von "The Conduit". Doch war den Entwicklern diese ausgelutschte Idee anscheinend nicht genug , weshalb sie noch mit einer ordentlichen Brise Verschwörung Storysuppe würzen. Auf den Punkt gebracht wird Michael Ford Spielball unterschiedlicher Organisationen, während sich böse Außerirdische mithilfe von Portalen (Conduits) die Erde einverleiben wollen.
Normalerweise kann man bei einer vernünftigen Präsentation einer solchen stereotypischen Geschichte gerade bei Ego-Shootern ein Auge zudrücken. Dass sich beide Augen beim Verfolgen der Story jedoch zwingen müssen, nicht zuzufallen, kann nicht als gutes Zeichen gesehen werden. Zwischensequenzen sind nicht vorhanden und Informationen über die Zerstörungswut der Außerirdischen sind nur über Funkgeräte zu erhalten, die mehr oder weniger auffällig in den Levels verstreut platziert sind. Ärgerlich sind zudem die deutschen Untertitel der englisch ablaufenden Gespräche. Diese sind zwar ordentlich übersetzt, leider jedoch oftmals an unglücklichen Stellen platziert, so dass man schon genau mitlesen muss, auch wenn ablaufende Gefechte dies gerne verhindern. Besonders blöd ist dieser Umstand, wenn just im schärfsten Scharmützel wichtige Informationen auf diese Weise vermittelt werden. Andere Details werden dem Spieler lediglich durch ein kurzes und dennoch langweiliges (Text-)Briefing vor den Missionen vom Arbeitgeber vermittelt. Damit machten sich die Entwickler besonders einfach.
Was bringt mir die kühnste Alieninvasion, wenn ich die Auswirkungen dieser außerirdischen Idee nicht mit visuellen Sinnen erfassen kann. Vielmehr rennt Ford zumeist durch dröge, lineare aufgebaute Innenlevel und ballert alles weg, was ihm vor die Flinte läuft. Beim Leveldesign bedient man sich altbekannter Ware von der Ego-Shooter-Stange: Ein Flughafenterminal, irgendwelche dubiose Untergrundtunnel, hässliche Bürokomplexe oder gelegentliche Scharmützel an der frischen Luft. Dass Gegenstände und Mobilar eingesteckte Treffer gleichgültig ignorieren, hebt die künstliche Inszenierung der Level nur weiter hervor. Dabei haben doch die Entwickler bei der Gestaltung der Wummen durchaus Kreativität bewiesen.
Neben den obligatorischen Standardwaffen wie Pistole, Shotgun oder Maschinengewehr gesellen sich außergewöhnliche Alienwaffen oder fortschrittliche Schießeisen der geheimnisvollen Geheimorganisation "Syndikat" dazu. Vor allem hier kann die Grafik punkten. So sehen die Waffen in der Nahansicht sowie die verschiedenen Schussvarianten sehr nett aus.
Moment, verschiedene Schussvarianten? Manche Waffen bieten zwei Schussvarianten die sich in Munitionskosten und Wirken unterscheiden, was dem Gemetzel einen Hauch Taktik verleiht. Diese ist aber eigentlich vollkommen unnötig, da sich die Gegner als besseres Kanonenfutter präsentieren, indem sie liebend gerne nacheinander angreifen oder schlichtweg zu spät reagieren. An deren Intelligenz liegt also nicht, dass der Schwierigkeitsgrad manchmal fordernd bis frustrierend wird.
Schuld daran sind teilweise undurchschaubare Respawn-Punkte der Gegner und gewisse Situationen, in denen erst eine Flut von Conduits zerstört werden muss, bis die Angriffswellen abreißen. Glücklicherweise verhindert zur Mitte des Spiels ein Anzug, der Lebenspunkte regeneriert, häufig ein vorschnelles Ableben, da man dann auf Medipacks nicht mehr zwingend angewiesen ist. Für Abwechslung im altgedienten Gameplay soll ein Gerät namens ASA (Alles Sehende Auge) sorgen, das Unsichtbares sichtbar macht.
Seien es verschlüsselte Botschaften, Geheimgänge, Minen oder Türöffner. Per Signal gibt das Gerät zu verstehen, dass irgendwas in der Nähe verborgen sein muss. Es ist sogar so schlau, sich in Computer zu hacken. Leider war das auch schon alles, was das ASA zu leisten imstande ist und bietet demnach nichts, was es nicht in einer anderen Form schon in anderen Genrevertretern gegeben hätte.
Berthold Brecht prägte einst den Satz: "Das Gegenteil von gut ist gut gemeint." Viele Dinge an "The Conduit" sind gut gemeint. Tatsächlich bietet das Spiel für konsolenübergreifende Zocker absolut nichts Neues. Veraltetes Gameplay, veraltetes Leveldesign und austauschbare Story sind enttäuschende Variablen in einem grundsätzlich spaßigen Spielvergnügen. Die Grafik kann den hoch gesteckten Erwartungen nicht entsprechen und schürt den Gedanken, dass Ego-Shooter auf der Wii einfach nicht vernünftig darstellbar sind. Alle Hoffnung liegen nun auf den Schultern von "Red Steel 2", das mit seinem Cel-Shading-Look einen anderen Weg einschlägt.
Besser als "gut gemeint", also wirklich "gut", sind die Steuerung und der Multiplayermodus, die das Spiel dann doch noch für Genrefans interessant machen. Die Bedienung geht mit kleinen Abstrichen lockerleicht von der Hand und garantiert spaßige Mehrspielerduelle. Potential ist also durchaus vorhanden. Potential, das im sicherlich erscheinenden Nachfolger alleine mit einer überzeugenderen Inszenierung hoffentlich besser ausgeschöpft wird.
Bei XBlaster ist die Welt, wie wir sie kennen, Vergangen- heit. Als Mechpilot kämpfst Du zur Belustigung der Menge und monatlich 10.000 € zum Spiel...
The Conduit im Test.
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