Gesamtwertung80 %/10 |
GrafikUngenügend Sound8 |
Lanzeitspaß8 Spieleinstieg8 |
Bedienung8 |
Seit geraumer Zeit erfreut sich das Genre der Rail-Shooter vor allem in Arcade-Hallen großer Beliebtheit. Vor allem als 1996 The House of the Dead vom Automaten für den Sega Saturn portiert wurde, war die Freude bei Fans groß, denn endlich konnte man auch Zuhause der Zombie-Jagd frönen, ohne sein gesamtes Gehalt zu verspielen. Seither erschienen fast alle Nachfolger der bekannten Serie auch außerhalb der Spielhallen im Bundle mit einer Light Gun.
Dass die Wii perfekt für Light Gun-Shooter geeignet ist, sieht man an den Portierungen von Ghost Squad oder The House of the Dead 2 & 3 Return, die an die Gegebenheiten des Wii-Zappers angepasst wurden.
Mit The House of the Dead: Overkill hat Sega sich nun erstmalig entschieden einen dieser Genrevertreter extra für Nintendos Wii zu entwickeln. Wollt Ihr also wieder in die Fußstapfen von Agent G treten, kommt Ihr um diese Version gar nicht herum, Arcade-Hallen gehen nämlich leer aus.
Seine ursprüngliche Herkunft aus der Spielhalle kann aber auch der neuste Teil nicht abstreiten. Neben einem recht geringen Umfang, kommt zumeist die eher sporadisch vertretene Story zum Vorschein, die sich um den schon aus den Vorgängern bekannten "Agent G" und seinen Partner Isaac Washington dreht. Statt aber nach den Geschehnissen vom Vorgänger anzuknüpfen, schenkt Sega uns ein echtes Prequel zum ersten Teil, welches in den frühen Neunziger Jahren spielt und Agent G bei seinem ersten eigenen Auftrag zeigt. Der Anzugträger und sein schwarzer Kollege gehen auf die Jagd nach Papa Caesar, welcher für das vermehrte Vorkommen von Zombies verantwortlich ist und Isaac Washingtons Vater auf dem Gewissen hat.
Spielerisch bekommt Ihr es nun mit einem klassischen Light Gun-Shooter zu tun, wobei Ihr bei der Wii natürlich nicht auf die typischen Light Guns zurückgreifen müsst, sondern entweder mit dem Wii Zapper oder nur mit der Wiimote auf die Sensorbar zielt. Einerseits ist dies natürlich praktisch, weil Ihr keine Zusatzhardware zwangsweise nutzen müsst, aber wie bei jedem anderen Wii-Spiel auch, zielt Ihr mit der Wiimote nicht auf den Bildschirm und folglich auf den Gegner, sondern zeigt auf die Sensorbar. Von Nachteil ist das gerade bei Shootern, weil Ihr umdenken müsst. Zielt Ihr auf den Fernseher, registriert die Wii nur schlecht wen Ihr gerade wirklich erschießen wollt. Wer noch richtige Arcadeautomaten oder Light Gun-Action der alten Konsolen gewohnt ist, wird sich erst darauf einstellen müssen. Mehr als Schießen könnt Ihr auch in The House of the Dead: Overkill nicht, da sich der Spielcharakter wie auf Schienen automatisch durch die verschiedenen Kapitel bewegt und Ihr jederzeit einfach nur die Zombies zerpflückt.
Und das passiert auf äußerst brutale Art und Weise, denn auch dieser Teil der Serie hält sich in Sachen Blut und Splatter-Effekte nicht zurück. Je nach ausgerüsteter Waffe, denn diese könnt Ihr mit gewonnenem Geld zwischen jedem Level kaufen, pflügt Ihr Euch durch Massen faulendes Menschenfleisch. Wir bevorzugen hier das Maschinengewehr und die Schrotflinte, mit denen man besonders hohe Kill-Combos erspielt.
Besonders eindrucksvoll wirken gut platzierte Kopfschüsse und bescheren Euch freundlicherweise sogar mehr Punkte am Ende für die Statistik. Da Ihr Euch nicht auf den richtigen Weg durch die Stage konzentrieren müsst, haben die Entwickler stattdessen kleine goldfarbenen Gehirne versteckt, die Ihr ebenso wie die Zombies durchlöchern solltet um Artworks und Lieder des Spiels frei zu schalten.
Bei allem was Ihr bei The House of the Dead: Overkill erlebt, verlässt Euch nie das Gefühl, dass Ihr Euch gerade in einem 80er-Jahre B-Movie befindet. Dazu trägt die überaus verrückte Story genauso bei, wie die abgedrehte Aufmachung dieser. Bösewichte, die in die Vagina Ihrer toten Mutter kriechen, sprechen wohl für sich. Generell erinnert das Spiel stark an den Film Planet Terror, was besonders durch die interessanten Grafikfilter zustande kommt. Sogar Filmrisse werden auf witzige Art eingebaut und unterstützen den Charme von diesem Light Gun-Shooter. Die Machart ist auch dafür verantwortlich, dass The House of the Dead: Overkill nicht zwischen 0815-Light Gun-Shootern untergeht. Denn sind mir mal ehrlich: Hat man einen Railshooter gespielt, kennt man zumindest Gameplay-technisch alle anderen Genrevertreter. Was macht also dieses Spiel so besonders?
Den größten Reiz machen wohl die zwei doch irgendwie symphatischen Helden Agent G und Isaac Washington aus, die von einem Missgeschick ins nächste Stolpern und dabei dermaßen starken Gebrauch von Schimpfwörtern machen, dass Ihr mit den Ohren schlackert. Zusätzlich zur Musik, die perfekt zu den abstrusen Situationen passt, gefällt vor allem die muntere Schießerei zu Zweit. Wir haben uns dabei erwischt, wie wir immer wieder versucht haben Rekorde aufzustellen in den Highscores. Wer hat mehr Gegner bei weniger Munitionsverbrauch erschossen? Wer hat mehr Kopfschüsse auf dem Counter? So entstehen immer wieder Diskussionen, ob man ein Kapitel nicht noch einmal absolvieren soll um die Wertung des Levels zu verbessern. Mit einem weiteren Mitspieler ist The House of the Dead: Overkill aber leider auch relativ einfach geraten, wobei die Entwickler für erfahrene Spieler auch die Möglichkeit bereit gehalten haben, extra viele faulige Zombies zu aktivieren.
Wer dann immer noch nicht Gebrauch von den unendlich vorhandenen Continues macht, darf nach dem ersten Durchspielen in den Directors Cut-Modus wechseln. Wie es sich für ein Spiel im Stile eines alten Films gehört, gibt es natürlich noch massig herausgeschnittene Szenen, die für den nächsten Durchlauf aufgespart wurden und somit auch nach dem ersten Spielen weiter beschäftigen. Die Gegner stecken mehr ein, reagieren aggressiver und Continues sind von nun an auch Mangelware.
So sind die verschiedenen Szenarieren nie langweilig. Überhaupt wird Abwechslung in den Levels groß geschrieben, egal ob Ihr mit Booten durch ein Sumpfgebiet fahrt, Euch durch eine Geisterbahn ballert oder in einer Krankenstation verfaulte Ärzte bearbeitet. Glaubt Ihr, dass es nicht mehr Bescheuerter kommen kann, belehrt Euch The House of the Dead: Overkill eines besseren.
So viele verschiedene Settings es allerdings gibt, trotzdem ist auch dieser Light Gun-Shooter Genre-typisch kurz ausgefallen. Nach rund drei Stunden habt Ihr alles gesehen, wobei das noch lange nicht das Ende für die Zocksession bedeutet. Mit bis zu vier Spielern vor dem Fernseher könnt Ihr nämlich auch noch kleine Minispiele beginnen. Ehrlich gesagt hätte es uns verwundert, wenn Sega uns diese in einem Wii-Spiel erspart hätte. So matschig übrigens die verfaulten Zombies daher kommen, so gestaltet sich auch die Grafikqualität von The House of the Dead: Overkill, denn grafisch wird hier nicht wirklich alles aus der Wii herausgeholt. Die Texturen schwanken zwischen knackscharf und matschiger, als der Typ, dem wir gerade die Überreste seines Gehirns weggeblasen haben. Auch die Animationen sind sehr steif, was bei den Zombies zwar passend ist, bei den eigenen Charakteren aber für Stirnrunzeln sorgt. Die detaillierten Levels entschädigen da wenigstens teilweise, obwohl uns das ständige Ruckeln bei Kameraschwenks nicht entgangen ist. Das regelmäßige Stocken stört den Spielspaß aber nicht im geringsten.
Da ich den ersten und zweiten Teil von The House of the Dead wirklich ausgiebig gespielt habe, bin ich natürlich mit bestimmten Erwartungen an Overkill herangegangen. Aber diese musste ich schnell begraben, denn trotz des bekannten Gameplays fühlt sich der Light Gun-Shooter völlig anders an, als alle die ich je spielen konnte. Die Aufmachung und Storyline scheint direkt Quentin Tarantinos verrücktem Kopf entsprungen zu sein. Erwartet also alles, aber keine auch nur im Ansatz logische Geschichte rund um die Zombies und Ihre zwei gewalttätigen Bekämpfer.
Freundet Ihr Euch mit der B-Movie-Aufmachung an, habt Ihr viel Spaß und erfreut Euch an allerhand durchgeknallten Dialogen, actionreicher Schießereien und interessanten Endgegnern. Zu Zweit am Wii Zapper kennt die Begeisterung dann keine Grenzen mehr. Wir haben uns jedenfalls mit einem kühlen Bier köstlich amüsiert und durchaus vorhandene technische Defizite nicht mehr wahrgenommen. Spiele wie The House of the Dead: Overkill demonstrieren eindrucksvoll, wie wichtig ein spaßiger Multiplayer-Modus zusammen direkt vor dem heimischen Fernseher auch heute noch ist.
Mach Dir einen Namen im Dark Orbit. Allein oder mit Verbündeten wagst Du Dich in weit entfernte Sternen- systeme vor und kämpfst um 10.000 € zum Spiel...
The House of the Dead: Overkill im Test.
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