Gesamtwertung87%/10 |
GrafikGut SoundGut |
LanzeitspaßSehr gut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Die Zelda-Reihe ist nicht nur eine der beliebtesten und bekanntesten Spieleserien aller Zeiten, sie hat sich auch über viele Teile hinweg den Status einer fast 'Unkritisierbaren' erarbeitet. Obwohl Link sich jedes Mal aufs Neue einem Abenteuer stellen muss, dass mindestens schon zum Teil durch seine Vorgänger bekannt ist, sorgen die überarbeiteten, aber bekannten Elemente nicht etwa für Frust unter den Fans, sondern viel mehr für ein Gefühl der Tradition, die in immer neuen Farben und Varianten erstrahlt.
Aus diesem Grund könnte auch kein Spiel besser als Zugpferd für die neue Wii geeignet sein, als The Legend of Zelda: Twilight Princess. Ob sich die Transformation vom GameCube- zum Wii-Titel nicht nur in finanzieller, sondern auch in spielerischer Hinsicht gelohnt hat, sollen die folgenden Zeilen klären.
Schatten und andere Gefahren
Alles beginnt so friedlich: An einem ganz normalen Tag hilft Link, wie immer, seinen liebenswerten Dorfbewohnern, wodurch man die Gangart des Spiels im übrigen recht schnell verstehen lernt. Doch das Szenario ändert sich beinahe zu plötzlich. Gerade als sich Link auf eine Reise nach Hyrule vorbereitet, werden zwei seiner Freunde und er von dunklen Gestalten überfallen und niedergeschlagen. Als er im Kerker von Twilight Hyrule, dem dunklen Gegenpart der Hauptstadt, erwacht, ahnt er nicht, dass ein genauso riesiges, wie wunderbar melancholisches Abenteuer auf ihn wartet, indem es an ihm liegt, die Ausbreitung und Existenz der Schattenwelt, die über das Königreich hereingebrochen ist und die Menschen in unsichtbare Schatten verwandelt, zu stoppen und zu zerschlagen.
Hilfe erhält Link bereits zu Beginn durch ein neues Mitglied in der Zelda-Familie. Midna, ein kleines, pelziges Wesen, dessen Herkunft man über das ganze Spiel hinweg anzweifelt und das weder besonders vertrauenswürdig, noch freundlich ist, stellt zunächst einmal die einzige Verbündete dar. Dieses Paradoxon passt zur traurig angehauchten Grundstimmung des Spiels und ist nur typisch für das innovationsarme, allerdings trotzdem wahnsinnig fesselnde Gesamtwerk. Ein weiterer Weggefährte ist diesmal ein Pferd, das Links Wege nicht nur beschleunigt, sondern ihn auch auf seinem Rücken kämpfen lässt. Die Steuerung des Tieres stellt sich zu Anfang zwar als etwas schwammig heraus, wird aber schon nach ein paar Kämpfen auf dem Rücken des Pferdes, die im übrigen äußerst beeindruckend sind, in Fleisch und Blut übergehen.
Ebenso neu ist, dass sich Link des öfteren einmal in einen Wolf verwandelt. Diese Metamorphosen sind zwar perfekt in die Geschichte integriert, letztlich vermisst man aber einen eindeutigen, spielerischen Grund für die neue Gestalt, zumal die Möglichkeiten, die sich daraus ergeben, nicht wirklich komplett ausgenutzt wurden. Lediglich das etwas andere Kampfverhalten des Wolfs bringt Abwechslung mit sich. Links Schwert ist jedoch die bedeutend motivierendere Waffe, als die Reißzähne des Wolfs. Diese kommen aber immer zum Einsatz, wenn Link nach Twilight Hyrule reist. Trotz der sichtbaren Melancholie, die die dunkle Welt ausstrahlt, überzeugen die zwei Reiche nicht wirklich. Man muss schon wissen, dass sie nicht zu einander gehören, um dies auch zu bemerken.
Nachdem mit Windwalker eines der ästhetischsten Spiele der letzten Jahre geschaffen wurde, besannen sich die Entwickler von Twilight Princess wieder auf traditionelle Werte von Zelda. Fans der Reihe dürften schnell erkennen, dass das Spiel so ziemlich alle erfolgreichen und beliebten Rätsel, Gegenstände und Schauplätze der zahlreichen Vorgänger enthält, mit Innovationen allerdings geizt. Es wirkt wie ein Lexikon, das alle Schätze der Zeldareihe in überarbeiteter Form für den Spieler bereit hält. Minispiele wie Angeln und Tiere eintreiben, Link versucht sich nämlich des öfteren als Cowboy, lockern die starre und unausweichlich auf das Ende zu steuernde Geschichte etwas auf.
Auch wenn die Rätsel nicht an die Komplexität früherer Zeldaspiele heranreichen, so ist zumindest die zweite wichtige Gameplay-Säule, der Kampf, spektakulärer als je zuvor. Und das obwohl Neuerungen, wie Finishing Moves nicht wirklich zum Setting passen.
Dennoch, auf Grund der grafischen Umsetzung und natürlich des neuen Controllers bekämpft man das Böse gern und geht kaum einem Gegner aus dem Weg. Dabei ist der Schwierigkeitsgrad immer angemessen. Richtig gefährlich wird es eigentlich nur, wenn man gegen einen der besonders kreativ gestalteten Endgegner in den Kampf zieht oder man nahe von Abgründen Stellung bezieht, da Link und auch seine Wolfsgestalt diese gern einmal beim Zuschlagen übersehen.
Twilight Princess bleibt seinen Wurzeln treu
Während sich das Gameplay der Zelda-Games in den letzten Jahren nur unwesentlich veränderte, waren es logischerweise die technischen Fortschritte, die eine Neugestaltung des Bekannten auf eine aufregende Art und Weise möglich machten.
Durch die verträumte, aber dennoch traditionelle grafische Umsetzung merkt man sofort, dass man ein Werk spielt, dass vor Geschichte nur so strotzt. Fragt sich, was letztlich das Neue an Twilight Princess ist, dass es spielenswert macht? Die Antwort ist so einfach, wie sie dringend eine Erklärung benötigt. Wer glaubt, der neue Controller mache den Unterschied, der irrt zum Teil. Zwar bemerkt man die Steuereinheit nach wenigen Minuten tatsächlich nicht mehr und versinkt voll und ganz ins Spiel. Es ist aber viel mehr die prachtvolle und liebliche Neugestaltung bekannter Orte, die den Spieler in seinen Bann zieht. Sowohl Links Heimatdorf, als auch Hyrule dürften für Erinnerungen sorgen. Ihren Teil zur hervorragenden Atmosphäre tragen auch die perfekt designten Charaktere bei, deren Seelenzustand man von ihren Gesichtern geradezu deutlich ablesen kann. Kinder wirken beispielweise etwas verschreckt und schüchtern, Erwachsene besorgt und ängstlich.
Selbst Link, der bekanntlich nie etwas von selbst sagt, wirkt irgendwie menschlich. Leider sieht man dem Spiel im Laufe der Reise seine GameCube-Wurzeln nur allzu deutlich an. Neben den grandios gestalteten Orten, gibt es auch verpixelte und verschwommene Texturen in Dungeons und anderen Umgebungen zu entdecken. Twilight Princess nutzt die Kraft der neuen Konsole nur bedingt aus. Letztlich haben es die Designer aber geschafft, diese Mängel durch sehr viel Kreativität auszubügeln.
Noch ein Wort zum Controller: Auf Grund der geschickten Tastenbelegung bemerkt man bald gar nicht mehr, dass man eine Innovation in den Händen hält. Lediglich im Kampf, wenn Nunchuk und Fernbedienung für Attacken geschüttelt werden müssen oder man per Steuereinheit auf dem Bildschirm etwas anvisiert, wird die Anwesenheit des Controllers offensichtlich. Zelda steuert sich so eingängig und gradlinig wie eh und je.
Ob das nun ein positiver oder negativer Aspekt des Spiels ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Eins ist jedoch klar. Wiis Steuereinheit ist nicht nur für Sportspiele, sondern auch für andere Genres geeignet. Durch Twilight Princess übersteht er seine Feuertaufe hervorragend, wenn gleich auch weniger innovativ als gedacht.