Gesamtwertung85 %/10 |
Grafik7 Sound8 |
Lanzeitspaß8 Spieleinstieg8 |
Bedienung9 |
Ihr verfolgt jede Woche alle Episoden von Dr. House, Emergency Room und Grace Anatomy? Fachbegriffe kennt ihr deswegen schon aus dem Stegreif? Jetzt fehlt eigentlich nur noch selbst einmal das Skalpell zu schwingen, jedoch gestaltet sich das ohne Medizinstudium eher schwierig. Aber keine Bange! Atlus scheint nach und nach alle Trauma Center-Spiele in Europa zu veröffentlichen, denn mit Trauma Center: New Blood steht nach "Second Opinion" schon der zweite Teil der Serie exklusiv für die Wii im Regal. Wir haben uns diese unterhaltsame Arztsimulation für Euch angeguckt und an hilflosen Patienten herumgeschnippelt.
Wer den Vorgänger kennt, weiß prinzipiell schon was einen erwartet, denn viel geändert hat sich gegenüber dem Erstling nicht. Die Story findet im Jahre 2025 statt, wo Ihr im eisigen Alaska zwei Ärzte im Alltag eines kleinen Krankenhauses begleitet. Beide haben sich aus einer großen Klinik versetzen lassen, um die Ruhe der Einöde genießen zu können und ihre Fähigkeiten zu verbessern. Die sehr junge Ärztin Dr. Blaylock begleitete ihr großes Vorbild Dr. Vaughn, da sie von einer mysteriösen Fähigkeit gehört hat, die nur er ihr vermitteln kann. Aber dazu später mehr!
Die Ereignisse an diesem verschlafenen Ort überschlagen sich, als am Klinikchef Tumoren gefunden werden und er das Montgomery Memorial Hospital schließen lässt. Widerwillig gehen die zwei jungen Ärzte zurück an das große Concordia Hospital und Dr. Vaughns Vergangenheit holt ihn wieder ein. Es ist die Rede von einer geheimnisvollen Infektion namens "Stigma" und Versuchen, die der aufstrebende Arzt vor langer Zeit durchgeführt hat. Mehr erfahrt Ihr aber in den sieben mehrfach unterteilten Episoden von New Blood. Die Story hat es jedenfalls in sich!
Spielerisch bleibt alles beim Alten. Neueinsteigern wird erst einmal der Umgang mit Skalpell, Laser, Tupfer und Co. beigebracht. Die Wiimote wird wie ein Pointer eingesetzt, ein kleiner Punkt auf dem Bildschirm zeigt Euch auch immer an, worauf ihr grade zielt. Eine der ersten Operationen ist zum Beispiel die Versorgung einer Schusswunde. Zuerst tupft Ihr die kleinen äußeren Wunden mit antibiotischem Gel ab um sie zu verschließen. Anschließend desinfiziert ihr den Brustkorb des Patienten und schneidet Ihn mit dem Skalpell auf. In liebevoller Kleinarbeit werden nun die Kugeln aus dem Herzen entfernt, wobei auch immer darauf geachtet werden muss, dass die Vitalanzeige des Schussopfers nicht zu sehr sinkt.
Mit der Nadel spritzt Ihr Aufbaupräparate in den Organismus um den Puls zu stabilisieren, aber das ist nicht die einzige Gefahr während des Eingriffs. Eine Zeituhr rennt unerbittert gegen Euch ab. Nach oft kaum mehr als fünf Minuten muss der Eingriff erledigt sein. Am Ende wird der Patient zugenäht. Das war noch eine der einfacheren Aufgaben, aber schon hier wird deutlich wie genau als Arzt gearbeitet werden muss, um keinen vorzeitigen Game Over zu erreichen.
Mit dem Nunchuck werden zig Operationswerkzeuge angewählt. Zur Auswahl stehen als Werkzeuge der Laser, der Drain (ein Schlauch zum Absaugen von Flüssigkeiten), der Forceps (eine Zange) und das Ultraschallgerät. Darüber hinaus wird mit noch kleinen Gegenständen, wie dem antibiotischen Gel, der Nadel, Spritze und einem Skalpell, gearbeitet. Mit der Wiimote werden Bewegungen 1:1 im Spiel umgesetzt. Dreht Ihr den Controller in Eurer Hand, so verändert sich auch der Winkel des Forceps den der Arzt gerade hält Die Steuerung ist so präzise, dass Spieler mit zittrigen Händen sich die Anschaffung aber gut überlegen sollten. Nicht nur einmal hatten wir Probleme damit einen sauberen Schnitt hinzubekommen. Die Sensibilität der Bewegungserkennung hat also auch seine Nachteile.
Jede OP wird versucht so realistisch wie möglich nachzustellen, aber immerhin spielt die Geschichte in der Zukunft und einige erfundene Hilfsmittel gibt es dennoch. So viel Realismus Trauma Center: New Blood auch bietet, zu trocken soll es dann ja auch nicht sein. Aus diesem Grund gibt es eine weitere Fähigkeit der Spielcharaktere, die sich die "Heilende Hand" nennt. Schon sehr früh übt ihr einen Stern mit der Wiimote auf den Bildschirm zu zeichnen. Haltet ihr nun während einer kritischen Situation während des Eingriffs den Z-Button gedrückt und zauber einen korrekten Stern auf den Bildschirm, so verlangsamt sich zum Beispiel die Zeituhr oder die Vitalitätsanzeige des Patienten geht nicht mehr runter. Das verschafft Euch wertvolle Zeit. Die Trauma Center-Spiele besitzen nicht umsonst den Ruf einen sehr knackigen Schwierigkeitsgrad zu haben. Selbst auf Easy tickt die Zeit so erbarmungslos schnell hinab, dass nur ein einziger falscher Handgriff das Ende bedeuten kann. Wer chaotisch drauf los schnippelt und auf die Tipps seiner Kollegen nicht Acht gibt, hat keine Chance.
Zum Glück kann man die verschiedenen Tutorials jederzeit noch einmal üben, weil man bei der Vielzahl an verschiedenen Eingriffen schon mal den einen oder anderen Kniff vergisst und die Hilfestellungen der assistierenden Ärzte immer schwammiger werden.
Nach der erfolgreichen OP wird ein Ranking vergeben. Je nach dem wie schnell man den Patienten gerettet hat, wie wenig Fehler passiert sind und Vitalität verloren wurde. Anschließend wird die nächste Episode eines Spielkapitels frei geschaltet Im Spielmenü kann vor jedem neuen Auftrag der Schwierigkeitsgrad verändert werden. Ihr müsst also nicht auf Normal oder Schwer weiterspielen, wenn ihr schon graue Haare vor Frust bekommt! Ein schönes Feature dieses Wii-Spiels ist der Koop-Modus, denn besonders ein eingespieltes Team kann vor dem Fernseher schnell und effizient zusammen arbeiten. So könnt Ihr zum Beispiel selbst gerade eine Stelle desinfizieren, während euer Partner schon anfängt den Körper aufzuschneiden. Das benötigt zwar eine menge Koordination und ist anfangs auch sicher unübersichtlich, aber hat man sich einmal zusammen gerauft, spielt sich Trauma Center: New Blood wesentlich leichter und es kommt richtiges Krankenhaus-Feeling auf, wenn man sich gegenseitig assistiert.
Trauma Center ist seit jeher in schöner Anime-Optik zu bestaunen. Der Gamedesigner Kiro Shakamoto hat sympathische Charaktere ins Leben gerufen, obwohl sie leider nur in Standsequenzen zu sehen sind. Der Stil erinnert stark an "Shin Megami Tensei: Persona 3", was ein Atlus-Rollenspiel ist. Animationen halten sich bis auf kleine Sequenzen wie das äußerst gelungene Intro in Grenzen.
Die Ingame-Grafik ist hingegend ernüchternd. Details sind Mangelware und auch der Körper ist so schemenhaft gestaltet worden, dass man sich fragt, ob das nur gemacht wurde, um das Spiel auch an Kinder verkaufen zu können. Es ist Fakt, dass man es hier mit einem sehr sensiblen Thema zu tun hat, da viele Menschen kein Blut sehen können und Ihnen beim Anblick eines offenen Herzens schlecht wird. Aber ob man sich deren Sympathien durch eine dermaßen grobe Grafik, ohne jegliche Effekte, erkaufen musste, ist zweifelhaft. Der Vorspann wird besonders Anhängern von Ärzteserien gefallen. Es ist wie das Intro von Dr. House inszeniert (um nicht zu sagen "kopiert"…) und wirkt extrem entspannt. Die Musik spiegelt viele verschiedene Stimmungen wieder. Sie tritt nie in den Vordergrund, was bei den komplizierten Operationen auch stören würde, aber setzt euch trotzdem unter Strom. Wenn die Vitalität eines Kranken kritisch wird, hört man immer lauter den Puls des Arztes und fühlt sich regelrecht in ihn hinein versetzt.
Ich bin bekennender Emergency Room-Fan und seit Dr. House sind Arztserien wieder so in Mode gekommen, dass die Veröffentlichung eines weiteren Trauma Center-Teils natürlich nicht lange auf sich warten lies. Gut so, denn der erste Teil hat schon viel Spaß gemacht und New Blood tritt konsequent in die Fußstapfen dieses Spiels. Die neuen "Engel in Weiß" sind beide sympathische Charaktere. Es ist Euch völlig selbst überlassen, ob Ihr lieber in den Kittel von Dr. Blaylock oder Dr. Vaughn steigen wollt. Spielerisch ändert sich gegenüber dem ersten Teil auch nichts, denn Ihr kümmert Euch nach wie vor um verletzte Personen, die auf Eure Hilfe angewiesen sind. Die Aufmachung von Trauma Center: New Blood lässt Genrefans das Herz aufgehen. Nur nach und nach schaltet ihr immer weiter neue Episoden à fünf bis sechs Missionen frei, was das Spiel wie eine Serie wirken lässt, und die Story um die gefährliche Infektion "Stigma" entfaltet sich allmählich. Das Intro der Arztsimulation erinnert stark an jenes der Serie Dr. House und lässt direkt die richtige Atmosphäre aufkommen. Aber genauso wie der Vorgänger "Second Opinion" ist der Frustpegel dank des hohen Schwierigkeitsgrades recht hoch. Wer sich im Koop-Modus von einem Freund aushelfen lässt, schont in jedem Fall seine Nerven. Und jetzt beginnt schon wieder das qualvolle Warten auf Trauma Center: Under the Knife 2.
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Trauma Center: New Blood im Test.
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