Bionic Commando
20 Jahre ist es mittlerweile her, dass Capcom mit Bionic Commando für das Nintendo Entertainment System einen wahrhaften Actionklassiker auf den Markt gebracht hat. Unlängst ist es keine Seltenheit mehr, dass erfolgreiche Klassiker ein Remake oder einen längst fälligen Nachfolger spendiert bekommen. Capcom macht im Falle Bionic Commando gleich beides: Im vergangenen Jahr sorgte das Remake Bionic Commando: Rearmed, das für die Arcadeplattformen der Xbox 360 und PlayStation 3 veröffentlicht wurde, für begeisterte Retrofans. Am 22. Mai diesen Jahres kommt nun auch der langerwartete Nachfolger. Wir durften bei Capcom den ersten von drei Akten anspielen und uns mit Nathan "RAD" Spencer durch opulente Häuseschluchten schwingen. So wie Spider-Man eben, aber den Vergleich wollten wir uns eigentlich sparen.
Bionic Commando spielt zehn Jahre nach dem gleichnamigen Original. Nathan Spencer und dessen Partner Joseph "Super Joe" Gibson wurden nach der erfolgreichen Zerstörtung der Albatross-Waffe als Helden gefeiert. Vom einstigen Ruhm ist für Spencer jedoch nicht viel übrig geblieben. Zum Tode verurteilt, weil er einen Befehl seines ehemaligen Freundes und Vorgesetzten Gibson verweigerte, wartet er auf seine Hinrichtung.
Am Tage der Vollstreckung wendet sich jedoch das Blatt. Terroristen legen mal eben mit einer Massenvernichtungswaffe Ascension City in Schutt und Asche. So ist es an der Zeit ehemalige Helden zu reaktivieren. Nathan Spencer wird wieder gebraucht und ist als einziger Bionic Commando in der Lage, es mit den fiesen Terroristen aufzunehmen.
Gesagt, getan
Hier kommen wir ins Spiel. Ausgestattet mit einer unzureichenden Handfeuerwaffe machen wir uns auf die Suche nach unserem bionischen Arm. Das zentrale Spielelement wartet einige Ecken weiter auf seinen einstigen Besitzer und lässt Nathan zur gefährlichen Ein-Mann-Armee werden. Den Umgang mit diesem muss "RAD" nach der langen Zeit jedoch erneut lernen. In einem auch wirklich notwendigen Tutorial bekommen wir den Umgang mit dem Greifarm beigebracht. Die einzelnen Funktionen wie das eigentliche Schwingen sowie das Heranziehen und Werfen von Objekten sind recht schnell erlernt, das Timing jedoch braucht anfangs viel Übung.
So landen wir während des Trainings recht häufig im Abgrund und müssen die uns gestellten Aufgaben wiederholen. Hat man das Timing aber erstmal verinnerlicht, belohnt Bionic Commando den Spieler mit flottem Gameplay. Kurze Zeit später schwingen wir uns beinahe problemlos von Plattform zu Plattform, jagen einfache Trooper mit Waffengewalt oder einem stylischen Zip-Kick mit Hilfe unseres bionischen Arms über den Jordan und bewerfen größere Biomechs mit rumliegenden Objekten wie Felsbrocken und Autowracks.
Alle Aktionen sind nur noch mit einer geringen Fehlerquote behaftet, die aber nicht selten im Bildschirmtod endet. Neben Abgründen sollten auch Wasser (Nathan kann durch den schweren Arm nicht schwimmen), Feuer und atomare Wolken vermieden werden. Trotz der scheinbar recht offenen Spielwelt geben die Entwickler einen groben Weg vor, den ihr bestreiten müsst und realisieren diese Vorgabe durch den Einbau der genannten lebensbedrohlichen Gebiete. Einmal in einem solchen gelandet bleiben uns nur wenige Sekunden uns mittels unseres Greifarms aus der misslichen Lage zu befreien.
Unser Leben hängt sprichwörtlich am seidenen Faden, wenn Nathan wieder einmal über einem reißenden Fluss baumelt. Möglichkeiten zur Rettung sind in den meisten Fällen jedoch gegeben, so dass der Spielfluss nicht immer komplett unterbrochen wird.
Da der Alltag eines Bionic Commando quasi nur aus der stilvollen Fortbewegungsart und dem Auslöschen abwechslungsreicher Gegner besteht, haben wir den Dreh in soweit bald raus, dass nur noch wenig Frust aufkommt. Hier könnte jedoch auch das Problem des Nachfolgers liegen. Während unserer Anspielzeit nutzte sich das rasante Gameplay noch nicht ab, könnte nach drei Akten und zahlreichen Stunden Spielzeit jedoch einiges an Glanz verlieren. Könnte aber nur in so weit, wenn kommende Erweiterungen des Arms nicht die gewünschte Abwechslung bieten.
Im gesamten Spielverlauf können wir optionale Challenges bestreiten. Mal gilt es einen Move einige Male auszuführen, mal die gleiche Gegnerart auszuradieren.
Als Belohnung bekommen wir Boni in Form von Artworks und ähnlichem. Zwangsläufige Upgrades wie die Möglichkeit, Objekte mit dem bionischen Arm in die Luft zu reißen und zu werfen müssen eingesammelt werden und bringen frischen Wind in den Swing-and-Gun-Alltag.
Außerdem schalten wir nach einem besiegten Zwischenboss einen effektiven Adrenalinangriff frei. Für diesen müssen zwei Tasten gleichzeitig gedrückt werden, wenn die Adrenalinleiste dementsprechend voll ist. Damit dies der Fall ist, müssen lediglich ein paar Gegner besiegt werden.
Ob all das ausreicht um den Spieler über drei Akte bei Laune zu halten, müssen wir aber erst noch beim ausgiebigen Test herausfinden. Auch die Gestaltung der Areale spielt hier eine wichtige Rolle.
Den Großteil haben wir noch in der Stadt und in Innenlevels verbracht, durften aber auch eine Höhle bekunden. Außerdem zeigte Capcom bereits im vergangenen Jahr einige Spielszenen in einem wunderschönen Naturgebiet.
Abwechslungsreichtum wird im fertigen Produkt also eine entscheidende Rolle spielen. Denn auch wenn das Gezeigte bereits optisch sehr gelungen daher kam, ähnelten sich die gezeigten Bereiche von Ascension City teilweise zu sehr, so dass wir manchmal das Gefühl hatten, etwas schon einmal gesehen zu haben.
Um Spieler nach dem ersten Durchspielen weiter zu unterhalten, sollen zahlreiche Boni und sammelbare Extras zum erneuten Spielen eines Abschnitts motivieren.
Ersteindruck
Schaut man jemanden zum ersten Mal beim Spielen von Bionic Commando zu, macht sich Respekt breit, wenn der Akteur fehlerfrei von einem Punkt zum nächsten schwingt und nebenbei ein paar Trooper platt macht. Aber so schwer wie angenommen ist das Unterfangen dann doch nicht. Ja, man braucht seine Zeit im Tutorial um den perfekten Absprungpunkt zu finden und auch etwas Übung in den ersten paar Abschnitten. Hat man sich mit dem bionischen Arm jedoch erstmal angefreundet, kommt man in den Genuss eines erfrischend rasanten Spielprinzips. Die Story dient ihrem Zweck und schickt den Spieler von einem Punkt zum nächsten ohne dabei aber Bäume auszureißen. Muss sie auch gar nicht, schließlich steht hier das flotte Gameplay ganz klar im Vordergrund. Die technische Umsetzung unterstreicht die Ambitionen Capcoms hier einen gelungenen und zufriedenstellenden Nachfolger zu präsentieren.









