GC09: Dark Void
Hach, diese Storykonstruktionen wieder: In ferner Zukunft macht die Menschheit eine interessante Entdeckung - eine Parallelwelt, der die Menschen den Namen "Void" geben. Dass diese nicht ganz unbewohnt ist, versteht sich wohl von selbst. Heraus kamen die sogenannten "Wächter", eine außerirdische Spezies, die nun ein destruktives Auge auf die Menschheit geworfen hat.
Und wer hält die extraterrestischen Aggressoren ab? Natürlich ein einzelner, Jetpack-befeuerter Mann. Und das sind - Trommelwirbel - ausgerechnet wir. Nun gut, solange der wackelige Story-Rahmen einigermaßen hält, um einen vielversprechenden Action-Titel nicht aus selbigen kippen zu lassen, soll uns das auch fast egal sein.
Denn Dark Void sieht in der Tat bisher weitestgehend gut aus. Während der aktuell noch laufenden gamescom hatten wir zweimal die Möglichkeit, den Titel unter die Lupe zu nehmen - solange es die drängelnden Besucher und der enge Zeitplan erlaubten.
Iron Man's unehelicher Bruder
Lauschten wir in der Business Area auf einer Präsentation noch gespannt mit anderen Kollegen und sahen eine Mission vor unseren Augen, durften wir nach einem feschen Presseschildchen-Move auch etwas später selbst Hand an den Titel legen, der vor kurzem auf Januar 2010 verschoben wurde. Erst hieß es wegen der Konkurrenz, nun heißt es, wegen des neu integrierten Hover-up-Features. Was von beidem richtig ist, ist schnurz, stattdessen zündeten wir schon einmal die Triebwerke des Jetpacks warm. Erst flogen wir feindlichen Stationen entgegen und machten diese mit unserem angebrachten Maschinengewehr dem Erdboden gleich, was vergleichsweise noch verdammt einfach war, später wichen wir den bleihaltigen Angriffen gegnerischer Gleiter aus, die uns mit allem beharkten, was das Alien-Sortiment hergibt.
Nach ein paar Ausweich-Loops und raschen Luftdrehern hatten wir die Faxen aber dicke und statteten den UFO-förmigen Flugzeugen einen geradezu intim-nahen Besuch ab. Wir klammerten uns an den Kanten des Gefährts fest, lockerten das Pult der Gleiterkonsole und... mussten auf eine andere Seite des Vehikels umspringen, weil uns die Bordkanone im Visier hatte.
Eine komplette 360°-Drehung um die Außenhaut der stählernen Bedrohung später und wieder angelangt an der Steuerungskonsole, richteten wir mit einer zittrigen Hand ein Kabelwirrwarr an, woraufhin das Gerät ungefährlich wird. Nun noch schnell auf die Oberfläche des Gleiters geschwungen und dem Bord-Piloten an den nicht existierenden Haaren nach oben geschleift. Ein Nahkampf entsteht, vor unseren Augen erscheinen Buttons - aha, ein (einfaches) Quicktime-Event. Wir schlagen dem eher einem Roboter ähnelnden Bastard die Waffe aus der Hand und werfen ihn zu Boden. Ein festhaltender Tritt auf den Hals und eine mächtige Salve in die Denkzentrale später können wir die Kontrolle des Gleiters übernehmen... oder darauf pfeifen und wie gehabt mit dem Jetpack weiterdüsen.
Dass der Luftkampf abgesehen von anfänglichen Steuerungsquälereien so gut funktioniert, wie er soll, liegt wahrscheinlich auch an der Erfahrung der Entwickler von Airtight Games, die sich in der Vergangenheit beispielsweise mit dem legendären Crimson Skies einen Namen machen konnten. Doch auch auf zwei Füßen spielt sich Dark Void flott und spaßig. In der Third-Person-Perspektive infiltriert Ihr beispielswese offensiv gegnerische Schiffe, um sie danach in die Luft zu jagen. Interessant ist die zuweilen vertikale Ausrichtung des Leveldesigns: Bei gut geschützten Flugstationen fliegt Ihr von unten durch den Kern, könnt Euch an Kanten festhalten und dabei Geschossen ausweichen oder zurückballern und Euch Stück für Stück bis ins Innere des Monstrums vorarbeiten. Hier zerschlagt Ihr auf Knopfdruck das Herz des Schiffes, die Steuerungskonsole. Danach bleibt Euch noch etwas Zeit, bis das Ding in die Luft geht. Grafisch und akustisch geht Dark Void vollkommen in Ordnung, auch wenn es im derzeitigen Stadium nicht mit echten Genre-Brocken mithalten kann. Aber vielleicht bleibt bis Januar ja noch etwas Zeit, um mehr als nur ein Schwebe-Feature einzubauen und der Konkurrenz davon zu fliegen. Den konnten wir uns dann doch nicht verkneifen.
Ersteindruck
Dark Void wird nach der bisherigen Zeit, die wir mit dem Titel verbringen konnten, mit Sicherheit ein mehr als nur solider, wahrscheinlich sogar recht guter Third-Person-Shooter/Plattformer. Aber eben doch irgendwie kein Highlight, zumindest hat es aktuell den Anschein. Das Rumdüsen mit dem Jetpack will einige Minuten gelernt sein und macht auch Spaß, aber irgendwie kann ich es mir schlecht vorstellen, das Gameplay auf eine einigermaßen moderate Spielzeit zu strecken, ohne dabei repetitive Missionen und letztlich Langeweile aufkommen zu lassen. Das vertikale Missionsdesign gefällt mir richtig gut und wurde schick in Szene gesetzt, die QTE-Nahkämpfe glänzen mit fiesen Finishern und auch technisch geht Dark Void in Ordnung, aber es bleibt wie es ist: Mir fehlt bisher noch die Abwechslung. Also bitte Capcom, zeigt uns einfach noch mehr und ich könnte meinen bisherigen Eindruck vielleicht verwerfen.









