Far Cry 2 - Hands On
Das Highlight der diesjährigen Ubidays war ganz klar die spielbare Version von FarCry 2. Dementsprechend groß war auch der Andrang. Nach gefühlten drei Stunden Warterei konnten wir letztlich selbst Hand an den brandheißen Titel legen. Ob das Spiel seinen großen Erwartungen gerecht werden kann und wie es sich genau spielt, erfahrt ihr in unserem Hands On zu FarCry 2.
Hello, Africa! Tell me how ya doin'!
Open World Games sind ganz groß im Trend. Bewegungs- und Entscheidungsfreiheit scheint das zu sein, wonach es den meisten Gamern heutzutage trachtet. Für den Nachfolger des Kultkrachers FarCry aus dem Jahre 2004 bedienen sich auch die Entwickler aus dem Hause Ubisoft Montreal dieses Konzepts. Anstatt aber auf eine frei begehbare Stadt zu setzen, schicken sie den Spieler in ein liebevoll gestaltetes Afrika-Setting. Und wenn wir liebevoll sagen, dann meinen wir das auch. Ihr werdet mit einer wirklich ungemein lebendig wirkenden Umgebung bekannt gemacht. Zebras kreuzen euren Weg, die Sonne scheint friedlich über die Vegetation und die Vögel zwitschern im Hintergrund. Im Grunde eine traumhaft Idylle, aber natürlich sind wir nicht hier, um Urlaub zu machen, sondern um unsere Brötchen zu verdienen.
In FarCry 2 schlüpfen wir in die Rolle eines Söldners, der beauftragt wird, einen üblen Waffenhändler auszuschalten. Dieser Fiesling ist allerdings ein verdammt hohes Tier und um an ihn heranzukommen bedarf mehr als man meinen sollte. Es stehen Missionen für beide Seiten eines in Afrika tobenden Bürgerkriegs auf dem Plan.
Messer, Gabel, Schere, Licht...
Wir starten in einer dreckigen Sumpflandschaft. Hier treffen wir auf zwei Charaktere, welche uns mit ersten Instruktionen für unsere zu bestehende Mission vorbereiten. Eine Pipeline und ein Transmitter sollen also in die Luft gejagt werden. Klingt nach Spaß! Also ab in die nächste Karre und ab dafür. Aber wo zur Hölle gehts bloß lang? Ein Blick auf die Karte verrät uns die Position des ersten zu infiltrierenden Camps.
Das ist auch schon alles, wie und von wo wir dort hingelangen, ist uns überlassen. Wir entschließen uns, fürs Erste mit dem Wagen weiterzufahren und und ein kurzes Stück vor dem Camp auszusteigen und uns vorsichtig heranzutasten.
Wir wollen ja schließlich kein Aufsehen erregen. Die Fahrzeugeinlagen ähneln dem Vorgänger ziemlich stark und daher fühlt man sich gleich pudelwohl. Laut der Karte sollten wir gleich beim Camp sein, also drosseln wir das Gas. Da, auf dem Hügel! Ein Wachposten samt Scharfschütze. Noch hat er uns nicht bemerkt. Wir schleichen leise und unbemerkt durch das Dickicht an ihn heran. Die Büsche knistern. Wir müssen vorsichtig sein. Er dreht gerade seine Runden und ahnt nicht, dass wir uns inzwischen direkt hinter ihm befinden. Mit unserem Buschmesser schneiden wir uns unbemerkt ein Stück von ihm ab. Sauber, keiner hat was mitbekommen. Das Scharfschützengewehr nehmen wir mal mit, er wird es wohl eh nicht mehr brauchen. In kauernder Haltung verschaffen wir uns einen Überblick über das vor uns liegende Camp und werden dabei mit einem sehr coolen Feature vertraut gemacht.
Mit einem Fernrohr kann man das Camp in Ruhe inspizieren. Alles, was man entdeckt, wie beispielsweise Munitionsvorräte, Fahrzeuge und natürlich feindliche Soldaten, wird auf der Karte markiert. So kann man sich seine eigene Strategie samt Fluchtweg festlegen, was auch bitter nötig ist.
Der Feind ist nämlich alles andere als dumm. Das bemerken wir spätestens, als wir unser frisch erworbenes Snipergewehr ausprobieren. Anders als in anderen Shootern begreifen die Feinde nämlich, mit welchen Mitteln ihr versucht, gegen sie zu anzugehen. Nach dem zweiten ausgeschalteten Soldaten, fehlt jede Spur von den anderen.
Clevererweise haben diese sich verschanzt, weil sie genau wissen, dass wir sie ansonsten aus der Distanz in Visier nehmen. Dann halt auf die harte Tour. Mit unserem Sturmgewehr sind wir nicht zimperlich, sprinten ins Camp und nehmen die ersten Gegner aufs Korn. Obwohl wir erfolgreich sind, ist die KI nicht doof. Sie sucht Deckung und hält uns auf Trab während wir flankiert werden. Es hagelt Kugeln. Eine trifft. Halb so wild. Wir gehen in Deckung und holen die Kugel mit einer Kneifzange aus unserem Bein raus. Sehr cool gemacht, insgesamt soll es sogar über 60 verschiedene Heilungsanimation geben. Wir bekamen während unserer Session lediglich eine Hand voll zu sehen. Um unsere Lebensenergie wieder aufzufüllen geben wir uns eine Spritze aus einem unserer Medikits. So gut wie neu.
Beflügelt von unseren Heilpraktiken nehmen jagen wir eine Munitionskiste mit einer unserer Granaten hoch. BOOM! Die anliegende Hütte zerfetzt es gleich mit. Überall zerberstendes Holz und vor allem eines Feuer! Während wir die letzten Soldaten ausschalten bemerken wir gar nicht, wie es sich ausbreitet. Ehe wir uns versehen, sind wir umgeben von Flammen. Jetzt muss es schnell gehen.
Die Pipeline ausgemacht und die Sprengladung angebracht. Nichts wie weg! Mit dem nächsten Jeep machen wir uns aus dem Staub und erlaben uns an dem flammenden Inferno, was wir hinterlassen haben. Wirklich sehr cool, was man in Montreal auf die Beine gestellt hat. Ihr könnt förmlich zusehen, wie die gesamte Umgebung langsam in Flammen aufgeht. Durch den in Echtzeit berechneten Wind verschlägt es die Flammen in immer andere Richtungen, was es unberechenbar macht.
Brutzelnder Tiefgang
Endlich wieder Ruhe. Ein Blick auf die Karte zeigt unser nächstes Ziel. Ein ziemlich weiter Weg, der über einen Fluss führt. Am Ufer finden wir ein kleines Boot vor. Ausgezeichnet! Während wir behutsam über das angenehm kühle Nass schippern, ergötzen wir uns an der wunderschönen Umgebung. Unfassbare Schatten überall und jedes einzelne Blatt bewegt sich im Wind. Die Entwickler fordern uns auf, uns ein wenig an der Vegetation auszutoben. Wie schon Crysis könnt ihr auch hier jeden einzelnen Ast vom Baum holen. Bei den Bäumen vielleicht mehr Spielerei als Bereicherung, wenn es aber darum geht, die Holzhütten in den Camps zu zerlegen, aber mit Sicherheit ein geiles Feature. Aber weiter gehts. Wieder mit festem Boden unter den Füssen beobachten wir das nächste Camp. Ein ziemlich Großes diesmal. In einer verlassenen Hütte machen uns die Entwickler auf einen Flammenwerfer aufmerksam.
Da kommt Freude auf. Wir haben auch schon einen Plan, wie wir dieses Spielzeug für große Jungs für unsere Zwecke missbrauchen können. Langsam pirschen wir uns an das Camp. In der Nähe ein hoch stehender Wachposten. Gut zu wissen. Hände reibend stecken wir mit dem Flammenwerfer eine der Hütten in Brand und suchen anschließend Deckung in dem Hochposten. Den Rest macht erstmal der Wind. Das Feuer breitet sich aus, die Wachen geraten in Panik.
Unser Plan geht auf. Jetzt können wir die aufgebrachten Soldaten mit dem Scharfschützengewehr plätten. Mitten im Camp sehen wir einen Gastank. Diese Idioten! Ein Treffer sorgt für eine ausströmende Flamme. Ein Entwickler erklärt uns, dass wir auch solange hätten warten können, bis eine der Wachen an dem Tank vorbeiläuft und eben dann darauf hätten schießen sollen, sodass die Stichflamme ihn in Brand gesteckt hätte. Auf so eine miese Idee muss man erstmal kommen. Naja, jetzt wissen wir immerhin schon mal, dass die richtigen Leute bei dem Titel am Werk sind.
Ein zweiter Treffer lässt den Gastank zerbersten. Die Explosion ist so gewaltig, dass sie fast das gesamte Camp mitreißt. Gut, dass wir sichere Distanz bewahrt haben. Mit einem abgestellten Dünenbuggy wollen wir gerade das Weite suchen, als es uns plötzlich und mit ziemlicher Wucht aus dem Sitz haut. So ein Kack, wir haben einen Raketenschützen übersehen. Wars das jetzt? Der Bildschirm verdunkelt sich und wir sinken zu Boden. Als wir denken, dass es vorbei ist, hilft uns einer unserer Kollegen aus der Patsche, schaltet den Raketenschützen aus und richtet uns wieder auf. Diese Sequenzen sind nicht geskriptet, in FarCry 2 müsst ihr die Kontakte zu euren Verbündeten gut pflegen. Dann kommt es vor, dass sie euch im Kampf unterstützen und euch das Leben retten, wie es bei uns der Fall war.
Wir retten uns auf den nächsten Hügel und nehmen mit einem Paraglider Abschied vom FarCry 2-Stand und dem flammenden Inferno, das uns am Horizont hinterher trauert.
Ersteindruck
Die ersten Szenen aus dem neuen FarCry 2 ließen mich, ehrlich gesagt, kalt. Schließlich deuteten sie nicht unbedingt von spielerischer Innovation. Als ich das Spiel dann aber erst einmal selbst gespielt habe und feststellen konnte, wie viel spielerische Freiheit man genießen darf, verpuffte die Skepsis und pure Euphorie machte sich breit. Das Verhalten der Gegner, das wunderschöne Ambiente, das lebendige Feuer oder das dynamische Wettersystem all dies fühlt sich einfach unheimlich echt an und sorgt für ein erfrischend anderes Spielerlebnis. Auch technisch waren wir von FarCry 2 durchaus angetan. Die Konsolenversionen liefen schon recht gut, wenn es auch gelegentlich zu kleineren Rucklern und Tearing kam, und sahen dem PC-Pendant verdammt ähnlich, auch wenn dieses grafisch doch noch die Nase vorn hatte. Und obwohl das bisher Gezeigte in allen Belangen überzeugen konnte, blieb dennoch ein Wenig Skepsis bei uns zurück. Wird das komplette Spiel auf Dauer in Hinsicht auf die Missionen zu eintönig? Schaffen es die Entwickler, die lebendige Welt optimal in das Gameplay zu integrieren? Was wird der Multiplayer-Modus bieten? Wir sind schon auf die Antworten gespannt.
VIDEO
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