Fracture
LucasArts steht nicht nur für qualitativ hochwertige Produkte, sondern auch für die Fähigkeit aus neuen Franchises schnell ganze Universen zu erschaffen, diese wachsen und gedeihen zu lassen und zum Megaerfolg zu führen. Genannt seien hier nur die Monkey Island-Reihe, die Indiana Jones- und nicht zuletzt die Star Wars-Spiele. Mit Fracture wirft das Unternehmen als bald einen Titel auf den Markt, der nicht nur ein völlig neues Spielerlebnis bieten, sondern auch in die Fußstapfen der eben genannten treten soll. Wir waren zu Besuch in London, um uns ein genaueres Bild vom Entwicklungsstand des ambitionierten Spiels zu machen. Und wir wurden nicht wirklich enttäuscht.
Lucas Arts hatte keine Kosten und Mühen gescheut. In einem unscheinbaren Gebäude in der Londoner City hatte man eine sehr edle Lounge für die Presse hergerichtet. In gemütlichen Ambiente duften wir den Titel nicht nur anspielen, sondern auch ausführliche Interviews mit den Entwicklern führen. Alles um auf den einen Nenner zu kommen: Fracture dürfte halten, was es verspricht. In einer Präsentation wurde und die zweite, von drei Spielumgebungen nähergebracht. Nachdem man in den Videos bisher nur eine zerstörte amerikanische Großstadt gesehen hatte, verschlug es uns nun in eine karge Wüstenlandschaft, die natürlich für das Terrain Deforming-Feature mehr als geeignet ist.
Leider unterschied sich die Umgebung vor allem vom Stil her kaum von der bereits bekannten, was uns etwas enttäuschte.
Diejenigen, die Fracture nicht kennen
sollten zunächst einmal wissen, dass es sich bei dem Titel um einen 3rd Person-Shooter handelt, der 150 Jahre in der Zukunft spielt. Die Erde wurde durch Naturkatastrophen und Kriege regelrecht entstellt, die Ordnung ist zusammen gebrochen und der Spieler schlägt sich als noch namenloser Held durch die Gefahren dieser Umgebung. Nachdem der Protagonist von einem hilfsbereiten Oberst der noch bestehenden Army aus dem Sumpf der Kriminalität des Untergrunds herausgeholt wurde, entdeckte man schnell, dass er eine Art Auserwählter sein muss und stattete ihn mit der neusten Waffentechnik aus, um die Erde vor einer angreifenden Bedrohung zu schützen. Ihm zur Seite stehen natürlich auch andere Soldaten, die allerdings unabhängig vom Spieler agieren. Dabei unterscheidet sich Fracture eigentlich nur in einem Punkt wirklich von anderen Spielen des Genres, nämlich durch das Terrain Deformation-Feature.
Der Titel gibt dem Spieler die Möglichkeit so gut, wie jeden Untergrund zu seinem Vorteil zu manipulieren. So kann er die Erde erzittern und in die Höhe schießen lassen, um sich etwa Wege zu schaffen, um höhere Plattformen zu erreichen oder sich Deckung zu geben. Umgekehrt kann er den Boden auch Richtung Erdkern drücken. Dadurch eröffnet sich tatsächlich eine völlig neue Welt des Gameplays.
Zahllose taktische Möglichkeiten offenbaren sich, neuartige Rätsel entstehen und so weiter. Gerade Ersteres ist bei den recht aggressiven Gegnern, die zwar momentan noch nicht durch die beste KI, aber immerhin durch ungemeine Durchschlagskraft und recht gutes Teamwork auffallen, wichtig und darf im Spiel nicht vernachlässigt werden, wenn man nicht schnell unter der Erde liegen will. Da man auch nicht speichern kann, wann man möchte, sondern Fracture ein Checkpoint-System benutzt, darf man sich also auf taktische Gefechte einstellen. Dadurch gewinnt der Titel Charmepunkte, da talentierte Egoshooter-Narren sich in einen Kampfrausch spielen können und Taktik-Shooter-Fans die Chance haben, ihre Leidenschaft in aller Ruhe und mit ziemlicher Handlungsfreiheit in den Kämpfen auszuleben.
Leider hält sich Selbige in Sachen Story sehr in Grenzen. So soll es keine Sidemissions geben, sondern lediglich verschiedene Wege, eine Mission zu erfüllen, was heutzutage schon obligatorisch erscheint. Bedenken müssen wir auch bei der Spielzeit äußern. Wie uns die Entwickler eingestanden, werden Hardcorespieler wohl nicht mehr als 8 Stunden für die Geschichte benötigen. Normale Gamer dürfen aber wohl mit einer druchaus höheren Spielzeit rechnen. Glücklicherweise wird es einen ausgeklügelten Multiplayermodus geben, der mit Rankingsystemen und mehr daherkommt. Dabei soll er bekannte Spielmodi, wie Deathmatch und Capture the Flag, aber auch einzigartige Varianten bieten, die das Terrain Deformation-Feature optimal nutzen. Auch die eigentlich angestaubten Modi, die gerade angesprochen wurden, dürften durch das Deformating neuen Schwung erhalten. Da kann man sich wohl auf einige Stunden genialen Multiplayerspaß freuen. In Sachen Singleplayer sind wir aber noch skeptisch, ob das Hauptfeature tatsächlich über die ganze Spielzeit hinweg interessant bleibt.
Immerhin wurde uns versichert, dass die Geschichte so konzipiert wurde, dass sie stark genug ist, um dem Spieler ins Geschehen zu ziehen und an den Protagonisten zu fesseln.
Man will dabei die perfekte Balance zwischen kurzen, aber pregnanten Zwischensequenzen und dem Action orientierten Gameplay gefunden haben. Da sind wir gespannt, denn ansonsten bietet Fracture, zumindest von dem, was wir bisher gesehen haben, zwar durchaus interessante Missionen, jedoch nichts wirklich Neues und an die spielerische Qualität eines Gears of War kommt es nicht heran. Aber das kann sich ja in der finalen Version noch ändern. Diese soll nämlich eine noch unbekannte Zahl von unterschiedlichen Waffen enthalten, die ähnlich neuartig sind, wie die, die das Terrain Deformation möglich macht. Da man so ziemlich alles zerstören kann, durchaus vorstellbar. Da man leider immer nur eine Primärwaffe zur gleichen Zeit tragen kann, sollten diese aber gut platziert sein.
Man kann dem Titel einen gewissen Suchtfaktor nicht absprechen, zumindest die Demo hat richtig Spaß gemacht. Es steuert sich intuitiv und ist dynamisch. Über die grafische Gestaltung kann man streiten. Der eigentlich realistische Look, der immer mal durch comicartige Elemente untermalt wird, ist einfach Geschmackssache. Insgesamt fanden wir das Demolevel aber etwas zu bunt, wohin gegen man absolut nichts gegen die technische Seite der Grafik sagen kann. Keine Texturefehler, keine PopUps, alles glatt gebügelt. Hervorragend.
Und auch die Framerate blieb so gut wie immer konstant, selbst wenn man quasi das ganze Level deformierte und zugleich achtzig Gegner auf einen zustürmten. Übrigens werden sich die Xbox 360 und die PlayStation 3-Version nicht unterscheiden. Und für beide sind wohl auch Zusatzinhalte geplant.
Ersteindruck
Fracture hat uns in London im Großen und Ganzen überzeugt. Trotzdem muss es erst noch beweisen, ob es auch unabhängig vom genialen Deformation-Feature genug zu bieten hat, um den Spieler bei der Stange zu halten. Gerade die geringe Eigenständigkeit der beiden bisher gezeigten Spielumgebungen, sowie die kurze Spielzeit und einige andere kleine Mankos machen uns etwas sorgen. Dafür ist die technische Seite bereits genauso ausgereift, wie die Versprechungen der Entwickler. Sollten sie alles halten, was sie ankündigten, könnte uns tatsächlich ein sehr guter 3rd-Person-Shooter ins Haus stehen, der, wer weiß, vielleicht den Grundstein für ein neues Universum legen könnte.
VIDEO
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