GTA 4
Das Merchandising-Logo von GTA 4 könnte die Wellen, die das Spiel bereits jetzt schlägt und seine Bedeutung für die nächste Generation der Videogames kaum deutlicher machen. Warum? Weil selbst der große Teil der Spieler, die das Game noch nie live sehen durften, es heißer erwarten, als den nächsten Sommer und die, wie wir, die es begutachten und in Action erleben konnten, bei der bloßen Erwähnung der Zahl 4 unwillkürlich an den im April erscheinende Blockbuster denken müssen. Rockstarmitarbeiter sind bescheiden. Sie meinen, man habe an GTA 4 die nötigen Änderungen vorgenommen, um das Spielerlebnis bodenständiger und realistischer zu gestalten. Sie versuchen einem doch tatsächlich einzureden, dass man alle GTA-Elemente, die die Fans so lieben, nur optimiert habe, so dass atmosphärisch, wie cineastisch ein rundum gelungenes Gameplay auf den Zocker wartet.
Was für eine Untertreibung!
Es ist Nacht. Wir stehen auf einem kleinen Container, und begutachten die Umgebung. Gerade flogen vor uns die Fetzen.
Weil die Gewerkschaftler doch tatsächlich meinten, sie könnten unsere Arbeiter von der Baustelle fernhalten, weil die Arbeitsbedingungen für Selbige nicht ausreichend seien, nahmen wir die Angelegenheit selbst in die Hand. Eine Sniper geschnappt und auf ein, der Baustelle gegenüberliegendes, Hochhaus gefahren, schalteten wir zunächst die Wachposten aus. Es fällt uns schwer, nicht bereits jetzt von der gigantischen Skyline zu schwärmen, die wir auf dem Dach des Wolkenkratzers erblickten. In kurzen Cutscenes stürzten die toten Wachposten von ihren höher gelegenen Arbeitsplätzen. Dabei beeindruckte uns vor allem die grandiose Physikengine, die nicht nur einen lebensnahen Ragdoll-Effekte auf den Bildschirm zaubert, sondern natürlich auch Objekte auf jegliche Interaktion, sei es eine Explosion oder auch nur der Wind, realistisch reagieren lässt. Auch das überarbeitete Schadensmodell ist äußerst ansehnlich. Wir begaben uns wieder auf den Boden der Tatsachen und räumten als nächstes auf der eigentlichen Baustelle auf. Dabei überzeugte uns vor allem das stark verbesserte Zielsystem, das es endlich zulässt, bequem zwischen Autoaiming und frei bewegbarem Fadenkreuz zu wählen.
Glücklicherweise kann Niko nicht mehr einfach in die Gegnerhorden rennen und einen Widersacher nachdem anderen ausschalten. Er muss sich viel mehr Deckung suchen und aus dieser dann auf die Gegner feuern. Dabei kann er normal Zielen, muss dafür aber etwas Schutz preisgeben. Wild anstürmende Gegner können aber auch durch Sprayen niedergestreckt werden. Im Gegensatz etwa zu Kane und Lynch oder Metal Gear Online funktioniert das Deckungsfeature wunderbar und fördert das authentische Spielgefühl, dass der neue GTA-Teil in seiner Gänze zu vermitteln weiß.
Wir versteckten uns also hinter einem geparkten Auto und schossen uns den Weg frei. Da die KI deutlich verbessert wurde, unterstützten sich die Feinde offensichtlich gegenseitig. Als sich drei Mann abwechselnd Feuerschutz gaben, wurde es uns zu bunt und wir warfen aus der Deckung heraus eine Granate. Endlich ist es Rockstar auch gelungen, uns die ungefähre Wurfkurve Selbiger deutlich zu machen.
Die Explosion raubte uns den Atem. Während das virtuelle New York City momentan vor allem tagsüber in der Ferne noch etwas flackert und unscharf wirkt, übertreffen die Details, die wir in der Nähe erspähen können in Sachen Detailreichtum und Aussehen unsere kühnsten Erwartungen. Eine so wunderschöne Explosion beispielsweise durften wir bisher nur sehr selten oder vielleicht sogar noch nie in einem Konsolenspiel begutachten. Obwohl die Stadt beinahe so groß sein wird, wie San Andreas und auch noch in die Vertikale geht, sieht jeder Straßenzug anders aus. Selbst die Risse in den Wänden sind an einem Ort gänzlich anders, als an einem anderen. Auch die drei Bezirke, virtuelle Abbilder von Brooklyn, New Jersey und Manhattan haben alle ihren ganz eigenen Stil. Während in Brooklyn beispielsweise zahllose verschiedene Graffitis Gangaktivitäten zeigen, zeichnen New Jersey triste Einfamilienhäuser mit Vorgärten aus. Das Highlight ist dabei natürlich Manhattan, das gerade in der Nacht zum Staunen anregt und vor Glamour beinahe zu platzen scheinen.
Und hier schließt sich auch der Kreis. Nachdem wir nämlich mit unserem Raketenwerfer den genial animierten Hubschrauber, der den Gewerkschaftsboss aus der misslichen Lage befreien sollte, elegant vom Himmel geschossen haben und die Szenerie vor uns ihren Reiz langsam verliert, drehen wir uns um und starren auf ein gigantisches Lichtspiel, dass sich vor Niko ausbreitet.
Für einen kurzen Moment verlieren wir uns in der Spielwelt und werden erst durch das Klingeln des virtuellen Handys in die Realität zurückgeholt. Am Apparat ist unser Cousin, der uns dazu überredete, in Amerika ein neues Leben anzufangen. Obwohl uns Rockstar noch nicht wirklich etwas zu Story verraten wollte, drang durch, dass Niko nicht nur wegen der Aussicht auf den American Dream den Ozean überquerte, sondern dass er auch wegen eines aus seiner Vergangenheit bekannten Charakters Europa verließ. Im Laufe des Spiels soll Niko Selbiger wieder einholen und die Suche nach der ominösen Person ein zentrales Spielelement werden.
Dabei scheint sich das Missionsdesign im Großen und Ganzen nicht verändert zu haben. Noch immer kann man Aufträge von Klein- und Großkriminellen annehmen und für sie die Drecksarbeit machen. Natürlich wird es viele neue Wege geben, eine Mission zu bewältigen und auch die Aufgaben an sich dürften vielfältiger werden. Genaues konnten wir dazu allerdings noch nicht erfahren.
Wir verabreden uns also mit unserem Cousin, um den abgeschlossenen Auftrag zu feiern. Im Übrigen wird das soziale Netzwerk, dass man in GTA 4 aufbauen wird, eminent wichtig für den Spielverlauf. So werden euch Freunde eher Gefallen tun, als Bekannte, die ihr ignoriert. Um den sozialen Status bei einer Person positiv zu beeinflussen, verabredet man sich mit ihr etwa zum Drink oder um eine Runde Darrt zu spielen. Die Dantes sollte man allerdings einhalten, denn sonst reagiert der ein oder andere auch schon mal etwas ungehalten. Wie es im Spiel mit potenziellen Liebeleien aussieht, wurde leider noch nicht verraten.
Wir holen also unseren Cousin ab und hauen mit ihm ordentlich auf den Putz. Das Geniale dabei: Nachher sind Beide so betrunken, dass sie schwankend versuchen ihr Gleichgewicht zu halten. Das ist nicht nur ungemein lustig und zeigt, was die Grafik- und die Physikengines drauf haben, etwa wenn sich Niko beispielsweise in einem nicht geskripteten Event an einer Laterne wieder aufrichtet, sondern macht euch das Leben schwer, sobald ihr versucht euren mit dem Leben fertigen Cousin zurück in seine Wohnung zu bringen und so dieses kleine Minispiel abzuschließen. Durch die perfekten Verschwimmeffekte und die, für einen Betrunkenen angemessene Schlängellinien-Fahrweise, die Niko an den Tag legt, fühlt man seinen Suff nämlich nicht nur unglaublich authentisch mit, sondern hat auch allerlei Probleme damit, nicht allzu auffällig zu fahren. Natürlich passiert uns aber gerade das.
Die Polizei im Nacken
Endlich hat Rockstar eine Möglichkeit gefunden, die Polzeijagd nicht nur realistischer, sondern auch die damit verbundene Flucht überhaupt in den machbaren Bereich zu verschieben. Wir erinnern uns, dass man die Gesetzeshüter früher ab dem zweiten Stern nicht mehr gänzlich abschütteln konnte und ein Pay and Spray aufsuchen musste, um die lästigen Kletten loszuwerden. In GTA 4 wird es, je nach Stern, einen bestimmten Radius geben, der auf der Karte angezeigt wird, in dem die Polizei den Spieler noch auf dem Schirm hat. Dabei ist das Areal natürlich umso größer, je mehr Sterne man sich erarbeitet hat. Verlässt man die Fläche und kann untertauchen, ohne anderen Beamten über den Weg zu laufen, so verschwinden die Sterne automatisch. Eine nötige Änderung, die auch dem Spielspaß zuträglich ist, da man sich einiges einfallen lassen muss, um den Cops zu entkommen.
Wir verlassen also die Area und unser Auto, verstecken uns hinter einem Eckhaus und warten darauf, dass die Sterne erblassen. Danach brauchen wir ein neues Vehikel, um uns unserer nächsten Mission zu widmen. Im Gegensatz zu seinen Vorgänger wird GTA 4 nicht mehr einfach Autos zum Einstiegen bieten. Diesmal muss man schon die Fensterscheibe einschlagen, eventuell die Alarmanlage abtöten und die geparkte Karre kurzschließen. Das dauert seine Zeit und sollte möglichst nicht von Gesetzeshütern beobachtet werden. Aus dem fahrenden Verkehr heraus ist es natürlich weiterhin möglich, arme Autobesitzer ihres Vehikels zu entledigen. Polizeiautos werden auch mit einem kleinen Computer ausgestattet sein, über den man etwaige Geschäftskollegen und Feinde aufspüren kann.
Leider konnten uns die Rockstarmitarbeiter ansonsten nichts weiter sagen, noch zeigen. Antworten auf Fragen, wie etwa was es mit dem ominösen Multiplayer auf sich hat, was für Musik und welche Channels man im Spiel hören darf und wie viele Missionen der Titel bieten wird, bleibt uns also vorerst vorenthalten. Nur soviel. Mit einer ähnlichen Storylänge, wie bei San Andreas darf auf jeden Fall gerechnet werden.
Ersteindruck
Ich bin kein Freund vom Hyping. Aber was ich von GTA 4 bisher zu sehen bekam, und das waren letztlich Ausschnitte aus der ganzen Stadt, hat mich so dermaßen beeindruckt, dass ich es kaum erwarten kann, im April selbst zum Pad zu greifen. Mag sein, dass das virtuelle New York City selbst zu groß für Next-Generation-Konsolen ist, um es bei maximaler Fernsicht ohne Flackern auf die Mattscheibe zu zaubern. Ansonsten kann die Grafik aber gänzlich überzeugen, vom überarbeiteten und deutlich verbesserten Gameplay ganz zu Schweigen. Das größte Geschenk, dass die Entwickler uns allerdings machen konnten, war, dass sie das typische GTA-Flair offensichtlich wieder einmal perfekt eingefangen haben, so dass sie uns mit dem neuen Liberty City einen riesigen Spielplatz für Erwachsene präsentieren können, der die Spielwelt meiner Meinung nach ähnlich stark revolutionieren wird, wie seinerzeit GTA 3.

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