GC09: James Camerons Avatar - The Game
12 Jahre ist es her, dass der Regisseur, Produzent und Drehbuchautor James Cameron mit "Titanic" einen der wohl bekanntesten und auch erfolgreichsten Streifen der Filmgeschichte inszenierte. Danach zog er sich ein wenig aus dem Geschäft zurück, um an neuen Filmtechniken zu arbeiten. Und was bietet sich aktuell besser an, als mit einer neuen Technik aus dem Urlaub wiederzukommen? Cameron hat seinen neuesten Film "Avatar" komplett in 3D gedreht - und mischt damit im derzeitigen Trend mit. Was im Kino zu einem Erfolg werden könnte, kommt parallel dazu aber auch als Spiel zum Film heraus - ebenfalls in 3D. Wir haben uns das SciFi-Spektakel auf der gamescom in Köln angesehen und sind etwas verwirrt. Warum, erfahrt Ihr unten.
Jurassic Planet
Irgendwie passte das Setting bei Publisher und Entwickler Ubisoft in Köln schön zum Spiel. In der Pressebox saßen die Journalisten, schauten sich bei tropischen Temperaturen an, welchen Eindruck "James Camerons Avatar - The Game" macht, und schwitzten mit den Protagonisten aus Courage einfach mal mit.
Während es bei uns jedoch friedlich und gesittet zuging, tobte auf dem Fernseher die Hölle. Wir beobachten gerade einen Schwebegleiter, eine Mischung aus Hubschrauber und Flugzeug, der sich den Weg zwischen offensichtlich schwebenden Steinen freischießt, um einen Landeplatz zu erreichen. Funksprüche dringen an unser Ohr, während sich vor uns eine wunderschön anzusehende, tropische Dschungellandschaft entfaltet. Riesige Bäume ragen aus dem Boden, verwachsen mit einer dichten Vergetation aus Gras, Moos, bunten Sträuchern und Büschen. Die Demo zeigt eine von später insgesamt 16 Karten und nimmt nach der Landung rasant an Fahrt auf.
Im typischen Look eines 3rd-Person-Shooters soll sich der Spieler darum kümmern, dass eine Basis gesichert und dafür strategische Punkte besetzt werden. Ein paar Sekunden sind vergangen, da bricht plötzlich ein riesiger Fantasie-Dinosaurier aus dem bunten Urwald. Den ersten Gedanken an "Jurassic Park" schnell verdrängend beobachten wir eine kleine Zwischensequenz, in der sich der Dino eindrucksvoll präsentiert. Gut gebrüllt, Vieh!
Dann bricht ein wahres Soundgewitter auf uns ein. Es wird geschossen, dass die Rohre glühen und nach wildem Kreischen beißt das überdimensionale Tier ins virtuelle Gras. Auf den folgenden Wegen kommen immer wieder Tiere aus dem Gebüsch gesprungen, oder vermeintlich harmlose Flora wie riesige, fleischfressende Pflanzen, wollen uns spontan ans Leder. Was ist denn hier passiert und wo sind wir eigentlich gerade gelandet?
Pandoras Büchse
Nicht ganz ohne Hintergrund nennen die Menschen diesen Planeten Pandora. In rund 200 Jahren landen sie dort nicht etwa, um Flora und Fauna zu bewundern und ein paar interessante Proben zu nehmen, sondern weil dort wertvolle Bodenschätze lagern, die es auf der ausgelutschten Erde nicht mehr gibt. Der Raubabbau der in die Welt eingedrungenen Menschen wird jedoch durch eine zweite Kraft auf dem Planeten begrenzt.
Die Einwohner, die so genannten Na'vi, sind den Menschen verständlicherweise nicht gerade freundlich gesinnt und verteidigen ihren Planeten mit voller Fahrt voraus. Während die Menschen also mit Maschinengewehren, Flammenwerfern und großen Fahrzeugen über den Planeten herfallen, stellen sie sich mit Keulen und Bögen dem Feind. Unterstützung erhalten sie dabei von der üppig vorhandenen Flora und Fauna des Planeten. Offensichtlich haben die Menschen hier also den Deckel der falschen Büchse angehoben. Dennoch wollen sie nicht kampflos aufgeben und so ist es die Aufgabe des Spielers, im Auftrag der federführenden Organisation RDA für Ruhe auf dem Planeten zu sorgen, oder aber im Gewand der Na'vi die Menschen von der Oberfläche zu fegen. In der Filmvorlage haben die Erdenbewohner herausgefunden, dass sich der menschliche Geist in den Körper eines Na'vi transferieren lässt und so wird diese Prozedur bei dem Ex-Marine Jake Sully durchgeführt, der ab der Hüfte gelähmt ist.
Im Laufe seiner Mission stolpert er allerdings in eine Liebesgeschichte mit einer Na'vi-Dame und muss sich irgendwann zwischen beiden Parteien entscheiden. Das Spiel handelt noch vor dem Film und so ist es an Euch, den Kampf auf dem Planeten in eine neue Phase zu manövrieren - mit Waffengewalt versteht sich. Dafür stehen Euch nicht nur Fahrzeuge wie ein Buggy, der Schwebegleiter oder ein Mech-Roboteranzug à la "Matrix" oder "Riddick" zur Verfügung, sondern auch eine ganze Reihe an eindrucksvollen Waffen, die sich für jeweils unterschiedliche Na'vi-, Pflanzen- oder Tiergegner eignen. So reagieren Pflanzen vor allem auf den Flammenwerfer, während Dinosauriern mit Raketen oder Projektil-Waffen zu Leibe gerückt wird.
Es grünt so bunt...
Dass Cameron für dieses Projekt rund 14 Jahre gebraucht hat, überrascht vielleicht auf den ersten Augenblick angesichts der nicht ganz neuen SciFi-Handlung gepaart mit kleinen Pocahontas-Einflüssen. Doch war es nicht die Handlung, die soviel Zeit beanspruchte, sondern die Technik hinter dem gewünschten Ergebnis. Sowohl der Film als auch das Spiel sollen dreidimensional wirken.
Obwohl an dieser Stelle fraglich ist, wer mit der entsprechenden 3D-Technik privat aufwarten kann, macht der Titel optisch bereits einen recht soliden Eindruck. Die Wälder auf dem nicht nur grünen, sondern vor allem bunten Planeten sind ansehnlich in Szene gesetzt und die bedrohliche und aggressive Grundstimmung des Konfliktes wird gut transportiert - wenn auch nicht immer mit überdimensionalem Detailreichtum. Leser, die an dieser Stelle eine schlecht gemachte Film-Versoftung erwartet haben, werden sicherlich umdenken müssen.
Und so erwähnt auch Ubisoft gerne, dass Cameron den Entwickler persönlich ausgewählt und vor über dreieinhalb Jahren auf die Idee angesprochen hat. Während die Physikeffekte Gegner durch das Gebüsch fliegen lassen, sorgt ein schöner Tag-/Nachtzyklus für stimmige Lichtspiele in dem Dschungel. Kommt es beispielsweise zum Kampf mit einem der riesigen Tiere, entfachen sich dynamische Schlachten, in denen unser Soldat nicht nur schießen, sondern beispielsweise auch dem großen Hammerkopf des Dinos ausweichen und in die Büsche springen muss, sobald der einmal in Fahrt gekommen ist. Glücklicherweise wurde er in der Demo von anderen, KI-gesteuerten Soldaten unterstützt, so dass ein Kampf sich nicht länger als zwei Minuten hinzog.
Mit Dankeschön-Punkten
Neben den klassischen Waffen dürfen wir als Spieler in "Avatar" auf zusätzliche Spezialfertigkeiten zurückgreifen, um dem Feind eins oder zwei auszuwischen. Wer viel arbeitet, erntet im Laufe des Spielverlaufs nämlich immer mehr "Effort Points". Diese können sodann beispielsweise in die besonderen Spezialfertigkeiten investiert werden. Danach lassen sie sich über den Left Bumper anwählen und haben - je nachdem, ob man als Mensch oder Na'vi unterwegs ist - unterschiedliche Wirkungen. Als Na'vi kann man sich beispielsweise in einen Stealth-Modus versetzen und den Gegner überraschend wie aus dem Nichts angreifen oder ihn infiltrieren. Außerdem sahen wir einen AoE-Angriff, der allen Gegnern in der Nähe Verletzungen zufügte.
Obwohl die Präsentation für eine handfeste Aussage zu kurz war, scheinen die bevorzugten Standard-Angriffe beider Fraktionen dagegen klar aufgeteilt. Zwar kann der Na'vi auch mit einer Art Bogen wuchtigen Schaden austeilen, doch konzentriert sich die Rasse offensichtlich auf Nahkampfangriffe. Nicht zuletzt, weil sie die riesigen Tiere und Karnivoren für sich nutzen können. Die Menschen lassen scheinbar lieber Gewehre, Raketen und Granaten für sich sprechen und versuchen dadurch, die Aliens davon abzuhalten, sich ihnen im Kampf zu nähern. Schade, dass wir nichts über den Multiplayer-Modus erfahren haben, der bei diesem Setting sicherlich für reichlich Laune sorgen würde. Die Karten scheinen angenehm großzügig auszufallen und das "Effort Points"-System in Kombination mit den unterschiedlichen Angriffs-Vorlieben der beiden Parteien könnte zu spannenden Matches führen.
Ersteindruck
Ich erwähnte oben, wir seien nach der kleinen Präsentation etwas verwirrt gewesen. Das liegt nicht etwa an dem schon jetzt ordentlich aussehendem Spiel, der Handlung oder den Fraktionen. Vielmehr ist es so, dass man bei "Avatar" auf Dreidimensionalität setzt und es entsprechend bewirbt, obwohl die technischen Geräte dafür längst nicht so verbreitet sind, dass eine Konzentrierung auf diesen Punkt in unseren Augen wirklich Sinn machen würde. Doch irgendwer muss Technik immer vorantreiben und vielleicht spielen wir in zehn Jahren alle mit einem 3D-Fernseher. Wir wollen "Avatar" aber keinesfalls seinen Reiz und sein mögliches Potential absprechen. Gerade die wunderbar inszenierten Kämpfe gegen die riesigen Fantasie-Urviecher, das allgemein konfliktreiche und spannende Setting gepaart mit einer soliden Optik und den aufwertbaren Spezialfertigkeiten könnten aus "Avatar" einen interessanten, wenn auch nicht unbedingt übermäßig innovativen 3rd-Person-Shooter machen - abgesehen von der 3D-Technik.
