Left 4 Dead 2
Anfangs noch eine der großen Überraschung während der Microsoft Pressekonferenz auf der diesjährigen E3, sorgte Left 4 Dead 2 schnell für große Aufruhr unter den Fans des ersten Teils. Kein Wunder! Left 4 Dead 1 ist noch nicht einmal ein Jahr auf dem Markt und viele Fans erwarteten eher die Valve-typischen Erweiterungen, die bislang mehr oder weniger ausblieben, als einen Nachfolger. Inzwischen rufen die Fans zum Boykott auf, während Valve eher ruhig an die Sache geht. Aber ist der ganze Ärger um den Nachfolger des beliebten Zombie-Shooters berechtigt oder handelt es sich schlicht um heiße Luft? Wir waren für euch in London, um uns das Spiel einmal näher anzuschauen. Was die fleischlüsternen Zombiehorden dazugelernt haben und was es Neues zu entdecken gibt, erfahrt Ihr in unserer Vorschau.
Vier neue Gesellen
Um es vorwegzunehmen: Der große "Aha-Effekt" stellte sich während unserer Session zu keiner Zeit ein. Zu gewohnt das Spielprinzip, zu vertraut die Spielmechaniken. Ja, was man uns bisher von Left 4 Dead 2 gezeigt hat, spricht keinesfalls für ein wirkliches Sequel.
Aber wir wollen ja nicht voreilig sein. Unser erster Einsatz machte uns mit den neuen Charakteren vertraut. Anstatt abermals mit den von uns inzwischen lieb gewonnen Haudegen Bill, Louis, Francis und Zoey durch dunkle, Zombie verseuchte Gassen zu hechten, machen wir uns mit den Neulingen Rochelle, einer farbigen Fernsehreporterin, dem Footballtrainer Coach, dem schmierigen Gauner Nick und halbstarken Mechaniker Ellis auf, um der untoten Brut Paroli zu bieten.
Dabei brennen uns die Augen - das gewohnt düstere Ambiente wurde zumindest in der ersten der insgesamt fünf Kampagnen durch einen sonniges Pflaster in Georgia ersetzt. Zeitlich spielt der Nachfolger vor den Geschehnissen aus Teil 1. Woher wir das wissen? Wir haben nachgefragt - Das Spiel selbst verrät nämlich mal wieder so gut wie nichts bezüglich der Hintergrundgeschichte. Zumindest noch nicht. Laut den Aussagen von Valves Chet Faliszek soll Left 4 Dead 2 aber einen weitaus größeren Aspekt auf die Story legen. Schade, dass wir nichts davon sehen konnten. Stattdessen gewährt sich uns ein bekanntes Bild zu Beginn der Mission.
Zusammen mit unseren drei Mitstreitern werden wir auf der Karte abgesetzt und finden einen mit einem bleihaltigen Festmahl garnierten Tisch vor uns. Healthpacks gibt es natürlich auch. Alles wird brüderlich geteilt und mitgenommen - wie schon im ersten Teil.
Schwing die Pfanne
Während sich unsere Augen langsam an die grelle Sonne gewöhnen, machen wir einen spektakuläre Entdeckung. Ein Bratpfanne - Her damit! Wie gerufen lässt die erste Meute untoter Bratpfannen-Versuchstiere nicht lange auf sich warten. Einige dumpfe Schläge später herrscht wieder Ruhe - die Bratpfanne scheint von guter Qualität zu sein. Blöd nur, dass wir sie wieder aus der Hand geben müssen, sobald wir wieder Blei sprechen lassen wollen. Zwar konnten wir lediglich die Pfanne und eine Feueraxt als neue Nahkampfwaffen ausprobieren - in der Vollversion wird es noch Cricket- und Baseballschläger, Kettensägen, und einiges mehr zu entdecken geben - dennoch kann man schon jetzt sagen, dass diese Waffen eher als nettes Gimmick statt als wirkliche Spielbereicherung anzusehen sind.
Schusswaffen sind nun einmal klar die bessere Wahl. Aber auch sonst hat sich im Zombie-Zerstücklungsalltag nicht so viel getan. Alle Charaktere können noch immer auf dieselben Waffentypen wie Scharfschützengewehr, Sturmgewehr, Shotgun oder Pistolen zurückgreifen. Zwar greift man nun auf andere Modelle zurück, einen spielerischen Unterschied zum Vorgänger gibt es hier aber nicht. Da kommt die neue Munition gerade recht.
In den Abschnitten findet Ihr ab und zu wertvolle Brandmunition. Mit gezielten Schüssen könnt Ihr mit diesen Geschossen ganze Gruppen der labbrigen Meute in Flammen aufgehen lassen. Allerdings solltet Ihr darauf achten, dem Feuerteufel nur aus sicherer Distanz freien Lauf zu lassen. Feuert Ihr aus nächster Nähe aus allen Rohren, lauft Ihr Gefahr, selbst Feuer zu fangen. Allerdings scheinen die Zombies noch nicht ganz so hirnlos zu sein, bei der Kleiderwahl haben einige von ihnen nämlich Vorkehrungen getroffen und den feuerfesten Schutzanzug angezogen. Diese Spitzbuben! Laut Aussagen der Entwickler wird man aber nicht nur Upgrades für die Munition finden, sondern auch seine Molotov-Cocktails oder Pipebombs verfeinern können. Wie genau, wurde nicht gesagt.
Chaarge!
Nach einigen Passagen trafen wir dann endlich auf einen neuen Special-Infected. Mit seinem monströsen rechten Arm hat der sogenannte Charger etwas von einem Mantafahrer. Werner-Leser wissen bescheid. Nichtkenner dürften ihn indes mit dem Tank verwechseln. Ähnlich stämmig gebaut rast der Bulle auf uns zu - und bleibt plötzlich an dem nächsten Zaun hängen. Regungslos. "Muss wohl ein Bug sein...", denken wir uns, während wir ihn hinterrücks mit Blei vollpumpen.
Na gut, zweiter Versuch. Der nächste Charger schnappt sich einen unserer Teamkollegen und dribbelt ihn wie einen Basketball bis wir ihn von seinem hässlichen Dasein erlösen. Der Charger passt im Prinzip gut in die Riege der Infected, allerdings scheint er weitaus weniger bedrohlich zu sein, als der Rest der Mannschaft. Ein wenig überarbeitet taumelt die Witch neuerdings durch die Levels, anstatt heulend in der nächsten Ecke zu hocken.
Tödlich wie eh und je. Smoker, Boomer und der geschätzte Hunter lassen Neuerungen allerdings vermissen. Welche weiteren üblen Abkömmlinge uns in der Fortsetzung erwarten werden, lässt sich leider noch nicht sagen. Das Schweigegelübde der Entwickler scheint zu halten.
Das von uns gespielte Szenario ließ zwar die düstere Atmosphäre des Vorgängers vermissen, versprühte allerdings dennoch einen nicht zu verkennenden Charme. Gerade der letzte Abschnitt auf einer halbzerstörten Brücke konnte uns mitreißen. Gestaute Autos und verlassene LKWs blockieren den Weg während die blendende Sonne uns die Silhouetten hunderter Zombiefieslinge entgegenwirft. Kleines Schmankerl: Während wir die Untoten aus der Distanz bearbeiten, ziehen einige Kampfjets des Militärs an der Brücke vorbei. Schade, dass man nicht unterstützt wird. Bedenkt man, dass man anscheinend nicht alleine in der Stadt unterwegs ist, wäre es cool gewesen, einige Sequenzen einzubauen, in denen man beispielsweise kurzzeitig Seite an Seite mit dem Militär kämpft.
Stattdessen bleiben wir allein und ballern weiter auf die Gegnerhorden ein. Anders als im Vorgänger reicht es hier nicht, Welle nach Welle zu plätten, um dann ungestört weiterzuziehen - Ihr müsst alles dransetzen Euch bis zum rettenden Hubschrauber-Landeplatz durchzuschlagen. Die Zombies lassen nämlich nicht locker und greifen immer weiter an.
Die Horden nehmen gerade zum Ende hin riesige Ausmaße an - Gleich zwei Tanks stürmen unaufhaltsam auch die Gruppe zu, gefolgt von einer unüberschaubaren Zahl untoter Gesellen. Hier macht sich richtige Panikstimmung breit, die sogar die des Vorgängers übertrifft. Man nimmt einfach nur noch die Beine in die Hand und versucht sich ohne Rücksicht auf Verluste in den Hubschrauber zu retten. Großartig!
AI Director 2.0
Abgesehen von diesem wirklich denkwürdigen Finale bot die von uns gespielte erste Kampagne "The Parish" leider kaum etwas, was man nicht schon mal gesehen hätte. Zwar war der AI Director 2.0 schon aktiv, wirklich viel konnte man aber noch nicht davon mitkriegen. Das neue System soll in der finalen Version für sich stets wechselnde Wettereinlagen sorgen und den Überlebenden stets andere Blockaden in den Weg stellen, sodass jeder Durchgang möglichst abwechslungsreich verlaufen soll. So ist bereits bekannt gegeben worden, dass es eine düstere Kampagne in einer Sumpflandschaft geben wird, in der man sich mit starken Regenstürmen, die den Spielern die Sicht rauben sollen, herumschlagen muss. Auch Wüstenabschnitte mit passenden Sandstürmen sind geplant.
Während unseres Aufenthalts in London konnten wir sowohl die PC-Version als auch die Xbox 360-Fassung von Left 4 Dead 2 spielen. Hinsichtlich der Technik ähneln die Versionen dem Vorgänger sehr. Im direkten Vergleich hat PC-Fassung noch immer die Nase vorn - Die Texturen sind viel schärfer und auch die Framerate der Konsolenfassung ist weitaus niedriger ausgefallen. Hier hätten wir uns ein wenig mehr Feinschliff gewünscht. Dennoch spielt sich die Xbox 360-Fassung wie schon der Vorgänger sehr gut, wer allerdings die Wahl hat, sollte sich nach dem aktuellen Stand der Dinge zu urteilen die PC-Version vormerken.
Ersteindruck
Nach den ersten Szenen, die ich von Left 4 Dead 2 im Vorfeld gesehen hatte, waren meine Erwartungen nicht allzu hoch angesiedelt. Leider hat es Valve während der Präsentation nicht geschafft, mich eines Besseren zu belehren. Das soll nicht heißen, dass Left 4 Dead 2 keinen Spaß macht. Das tut es nämlich definitiv. Dennoch hinterließ das Spiel einen bitteren Nachgeschmack bei mir. Es fühlt sich einfach nicht nach einem zweiten Teil an. Man bekommt altbewährte Kost lediglich ein wenig anders garniert aufgetischt. Klar, es schmeckt noch immer, das "Meine Güte, ist das köstlich!"-Gefühl kommt allerdings nicht auf. Man vermisst einfach die spielerischen Neuerungen. Nahkampfwaffen, neue Endgegner und neue Kampagnen gut und schön, in Sachen Gameplay tummelt man sich noch immer auf derselben Ebene. Ich möchte das Spiel und vor allem Valve nicht voreilig an den Pranger stellen - Dafür haben sie in der Vergangenheit einfach immer wieder bewiesen, dass ihnen sehr viel an der Community liegt - Ich hoffe aber inständig, dass sich bis zum Release im November noch etwas tut und man den Spielern beweist, dass Left 4 Dead 2 ein würdiger Nachfolger und sein Geld wirklich wert ist.









