E3 09: Lost Planet 2 - First Facts
Kein Mensch friert gern. Niemand kämpft sich gerne durch endlose Schneelandschaften und klirrend kalte Eiswüsten, von ein paar wagemutigen Extremsportlern vielleicht mal abgesehen. Der Großteil von uns hält sich wohl doch lieber in warmen, tropischen Gefilden auf, in denen nicht permanent der Kältetod droht. Das hat auch Capcom erkannt - und präsentiert mit Lost Planet 2 die rundum verbesserte Fortsetzung ihres frostigen Action-Spektakels aus dem Jahr 2007.
Wir erinnern uns: Als Lost Planet: Extreme Condition erschien, verbuchte der japanische Software-Riese einen Achtungserfolg. Zum wirklichen Superhit hat's aber nicht gelangt, denn wie so oft waren die Probleme hausgemacht: Zwar begeisterte die imposante Grafik nebst turmhoher Riesenmonster, dafür nervte die völlig hanebüchene, irrelevante Story und die lahmarschige Bedienung des Hauptcharakters Wayne. Außerdem zerrte das Wärme-System an den Nerven: Waynes Lebensenergie sank nämlich unaufhaltsam gegen Null, so dass sich der Spieler nicht nur mit krabbelnden Insekten-Aliens rumschlagen, sondern nebenbei auch noch regelmäßig Wärmeenergie einsammeln musste - sonst flimmerte schnell der "Game Over"-Screen. Eisplaneten und digitale Frostbeulen sollen im Sequel nun der Vergangenheit angehören - Terraforming (und der Einsicht der Programmierer) sei Dank.
Tropen-Terror
Teil 2 setzt 20 Story-Jahre nach den Geschehnissen des Erstlings an. Mittlerweile ist aus dem unwirtlichen Eisplaneten ein schwüles Tropenparadies geworden. Das heißt aber nicht, dass Lost Planet 2 zum gemütlichen Dschungel-Trip verkommt. Im Gegenteil: Diesmal sind die unvermeintlichen Krabbel-, Flug- und Greifmonster nämlich noch mal ein ganzes Stück imposanter ausgefallen. Spätestens, wenn ein Levelboss seinen dröhnenden Auftritt hat, kommt ihr aus dem Staunen nicht heraus: Eine Fußballfeld-große Riesenechse, deren hämmernde Schritte den Erdboden erbeben lassen, nötigt auch abgebrühten Baller-Veteranen Respekt ab.
Nur gut, dass man sich den außerirdischen Mutationen nicht allein stellen muss - und damit kommen wir auch schon zur zweiten großen Neuerung. Lost Planet 2 ist nämlich auch in der Kampagne als Multiplayer-Shooter ausgelegt. Wo ihr im Vorgänger noch allein durch die Schneewüsten stapfen musstet, spendiert Capcom diesmal einen Koop-Modus für bis zu vier Spieler. Um die sechs Episoden der Kampagne zu überstehen, sind Teamwork und Taktik also unerlässlich.
Nur im Verbund sind solche Schwergewichte wie die Riesenechse zu besiegen: Während ein Spieler die Aufmerksamkeit des Monsters auf sich lenkt, erklimmen zwei Teamkameraden den schuppigen Rücken der Bestie und beharken sie aus der Nähe. Das letzte Teammitglied schließlich rennt in das weit geöffnete Maul des Giganten, um von innen (!) anzugreifen. Da bekommt der Kampfschrei "Ich gehe rein!" gleich eine ganz neue Bedeutung...
Damit sich jeder Spieler mit seiner Figur identifizieren kann, gibt es in Lost Planet 2 unzählige Möglichkeiten, seinen Spielcharakter an die eigenen Vorlieben anzupassen: Ob ihr einen männlichen oder weiblichen Helden spielen wollt, bleibt euch ebenso überlassen wie die Wahl der passenden Rüstungsteile, Waffen und Outfits. Selbst kleine Gesten und Bewegungen fallen ganz individuell aus. Allerdings bekommt ihr diese Gestaltungsfreiheit nicht geschenkt, ihr müsst die begehrten Sammlerstücke erst nach und nach freischalten. Die Kampfwerte der Charakter ändern sich allerdings nicht - die zahlreichen Design-Möglichkeiten befriedigen lediglich den Basteltrieb, haben aber keine spielerischen Auswirkungen. So kann sich kein Spieler beschweren, gegenüber seinen Truppenkameraden im Nachteil zu sein.
Grafik wie vom anderen Stern
Grafisch war Lost Planet 2 einer der Hingucker der diesjährigen E3. Wieder mal haben die Capcom-Coder ganze Arbeit geleistet: Gestochen scharfe Texturen, fließende Animationen und die bereits erwähnten Mega-Monster im XXL-Format sorgten für offene Münder. Die filmreife Inszenierung kann es mit aktuellen Hollywood-Blockbustern locker aufnehmen. Doch nicht nur optisch, auch spielerisch verspricht Lost Planet 2 seinen Vorgänger weit hinter sich zu lassen.
Die Entwickler haben sich die Kritik am ersten Teil zu Herzen genommen und alle Spielspaß-Stolpersteine entfernt: Diesmal sind die Charaktere schneller unterwegs (und sprinten sogar auf Knopfdruck nach vorne), es gibt mehr Waffen, benutzbare Robo-Anzüge - und die leidige Wärme-Energie ist zwar immer noch wichtig, allerdings dient sie diesmal "nur" zum Aufladen der Rüstungen und Waffen. Action-Fans dürfen also schon mal die virtuellen Wummen polieren!
Ersteindruck
Na also, Capcom, es geht doch! Die Japaner haben das einzig Richtige getan und den ganzen Ballast des ersten Teils rigoros über Bord geschmissen. Kein Eis mehr, keine wirre Hintergrundstory, keine schnarchige Bedienung - und schon macht die Demo zu Teil 2 mehr Spaß als der gesamte Vorgänger! Und dass es sich im Quartett gleich noch mal so schön ballert, wissen wir spätestens seit Electronic Arts' Zombie-Massaker Left 4 Dead. Leider steht noch kein Releastermin für Lost Planet 2 fest, aber die Wartezeit nehme ich gerne in Kauf - hier kommt etwas ganz Großes auf uns zu.









