GC09: Mafia II
Nach diversen Storymissionen, die man in Form von Trailern und Walkthroughs bereits beschnuppern konnte, stellen die Mafia 2-Entwickler 2K Czech auf der diesjährigen GamesCom vorallem die unterstützenden Nebenmissionen in den Mittelpunkt. Denn auch das Drumherum gehört zu einem erstklassigen Free-Roaming-Abenteuer à la Mafia und GTA dazu. Also machen wir uns zusammen mit den Entwicklern in den verdammt bequemen Sesseln des 2K-Stands im Business Center bequem, lehnen uns zurück und schauen einmal, was es Abseits der gut 18 Spielstunden füllenden Hauptmissionen im Sandbox-Modus der großen Stadt Empire Bay zu tun gibt:
Hauptdarsteller Vito Scaletta macht es sich bei einem schönen Bier in der Wohnung seines guten Freundes Joe gemütlich. Im Hintergrund sieht man wie Joe die letzten Geschäftlichen Details mit den zwei freundlichen Huren klärt, die heute Abend zu Gast waren und begleitet sie zu Tür. Während die eine Dame sich noch in der Dusche frisch macht, bekommt der Spieler das Steuer in die Hand. Wir schauen uns in der gemütlichen, kleinen Wohnung um, machen einen Abstecher in die Küche und schauen, was es so leckeres im Kühlschrank gibt.
Wir entscheiden uns in einem sehr interessant gestalteten Inventar für ein deutsches Bier der Marke "Stolz" und hören prompt das Telefon klingeln. Wir führen Vito zum Wahlscheibentelefon auf dem schicken Beistelltisch im Flur. Kollege Guiseppe ist dran. Wir sollen gefälschte Papiere abholen. Während sich auch die letzte Bordscheinschwalbe auf den Weg nach Hause macht, suchen wir uns ein nettes Outfit aus dem Kleiderschrank und machen uns bestgekleidet auf den Weg. Im Flur erleben wir zufällig gescriptete Familiendramen und eine Frau, die die Treppenabsätze schrubbt. Alles in Mafia 2 wirkt sehr lebendig und dabei niemals gestellt oder steril. Die zufälligen Ereignisse sind weit gefächert und wirken niemals fehl am Platz und unterstreichen den großstädtischen Charme von Empire Bay.
Kaum aus dem Haus, bahnt sich schon das nächste Problem an. Unsere Freundin vom Prostituierten-Dienst um die Ecke hat mit ihrem Auto einen Unfall gebaut. Der zweite Unfallfahrer lässt nicht locker, verlangt Genugtuung und geht agressiv auf die Dame los. Als Gentleman dulden wir so ein Tun natürlich nicht und gehen dazwischen.
Das lässt sich der junge Mann mit dem erhitzten Gemüt nicht bieten und es kommt zur Schlägerei. Nach ein zwei Volltreffern schicken wir den Mann zu Boden und erhalten bewundernde Worte von der hübschen, käuflichen Dame. Nachdem diese Episode hinter uns gebracht wurde, geht es weiter zum eigentlichen Job.
Diese, häufiger vorkommenden Subquests lassen zu keiner Zeit Langeweile aufkommen und helfen dabei den Charakter des Hauptdarstellers, der Nebenpersonen und den Zeitgeist der 50er Jahre näher kennenzulernen.
Auf der Fahrt zum Auftrag fällt uns vorallem eines auf: Verdammt, sieht die Stadt gut aus. So eine schicke, frei erkundbare Stadt gab es noch nie. Weder in GTA IV noch in Prototype oder ähnlichen Spielen. Nachdem die City von Lost Heaven aus dem ersten Teil schon äußerst gut aussah, setzt Empire Bay noch eine große Schüppe darauf und präsentiert eine Welt voller Straßen, Bahnen, Häusern, Gassen, Menschen, Tieren und Geschichten. Es wirkt schon im Vorbeifahren ungeheuer detailliert.
Man kann sich spielend leicht vorstellen, wie der ein oder andere einfach mal die Missionen sausen lässt, aus dem Auto steigt und die tolle Aussicht bei einem Spaziergang durch die Stadt genießt. Hunderte Locations können übrigens tatsächlich betreten werden. Darunter auch Bars, Kneipen, Restaurants und Geschäfte.
Auch die leider nicht lizenzierten Autos sind schön detailliert und fahren sich sehr realistisch, inklusive Schadensmodell. Anders als mit modernen Autos sollte man sich bei diesen schweren Schiffen besser nicht auf die Reibungskraft der verbauten Bremsen verlassen. Lieber garnicht erst schnell fahren, was mit den durchschnittlichen Autos der Zeit eh nicht möglich war. Untermalt wird der Ausflug mit der Musik der Zeit. Wenn das Spiel fertig ist, versprechen die Entwickler über 100 Tracks der der 40er und 50er Jahre lizensiert und eingebaut zu haben.
Zurück zur Geschichte: Im Treppenhaus zu Guiseppes Wohnung erhalten wir in einer der kleinen, aber feinen Zwischensequenzen einen Auftrag von Steve. Er will uns für eine Aktion engagieren, die gehörig Mumm und Feuerkraft benötigt. Es winkt natürlich Bares. Da wir unseren gehobenen Lebensstandard ja irgendwie finanzieren müssen, sagen wir zu und machen uns auf den Weg.
Bei Guiseppe decken wir uns mit Knarren, Baseballschläger und die allseit beliebten Molotow-Cocktails ein. Wie es der Zufall so will, erwarten uns draußen prompt zwei lebensmüde Aushilfsganoven und wollen uns von unserem schwer verdienten Geld erleichtern. Mit einem Schwenk der eben erworbenen Bleispritze machen wir den beiden allerdings klar, wer hier der Gangster auf der Straße ist, sodass die beiden sich alsbald unter schüchternen Entschuldigungen schleunigst aus dem Staub machen. Auf das Gefühl des Triumphes folgt gleich die kalte Dusche.
Ein übereifriger Polizist hat das Geschehen verfolgt und stellt uns prompt zur Rede, ob wir einen gültigen Waffenschein für das Schießeisen vorzuweisen hätten. Haben wir natürlich nicht, sodass wir jetzt vor die Wahl gestellt werden. Sollen wir den Polizisten versuchen zu überwältigen, bestechen oder unser Heil in der Flucht suchen? Da wir keine Lust auf dreimal Lebenslänglich haben und sowieso immer knapp bei Kasse sind, laufen wir einfach weg. Kurz darauf schrillt schon die Trillerpfeife des Polizisten durch die staubgeschwängerte Stadtluft. Der Polizist hat unsere Beschreibung zur Fahndung ausgeschrieben, sodass jeder Polizist in der Stadt weiß, wie wir aussehen. Da bleibt uns nur auf Schleichwegen zum nächsten Bekleidungsgeschäft zu laufen. Wir kaufen uns einen astreinen, grauen Anzug mit Hut und entsprechen so nicht mehr dem Fahndungsraster. Ab sofort werden wir nicht mehr gesucht und können uns ungestört fortbewegen. Es dauert nicht lange, da begehen wir schon das nächste Verbrechen und knacken das nächste Auto, dass uns in die Finger gerät. Hier haben wir die Wahl, ob wir das Auto schnell und laut oder leise und unauffällig öffnen möchten.
Wir entscheiden uns für die zweite Option und schließen das Auto kurz. Aber jetzt: ab zum Auftrag.
An den Lagerhäusern angekommen, werden wir mit der aktuellen Situation vertraut gemacht. In einer kleinen Kamerafahrt über die Gebäude wird uns klar: Schleichen ist angesagt. Zuviele Wächter, zuviele Knüppel. Außerdem sind Schießereien bei der Polizei recht unbeliebt und die ist in Empire Bay nie weit. Die Entwickler erklären uns, dass sie für Aufträge immer für eine passende Umweltstimmung sorgen. Dieser Tageszeiten- und Wetterwechsel geht aber fließend von sich. Abrupte Wetterumschwünge soll es also nicht geben. In dieser Mission ist es diesig, dunkel und regnerisch um die heimliche Atmosphäre zu unterstreichen. Wir schleichen uns also im Dunkeln an den Wachen vorbei, schalten hier und da einen Uniformierten leise mit dem Knüppel aus und schleifen seinen betäubten Körper in eine dunkle Gasse.
Haben wir uns zu den Objekten unserer Begierde vorgearbeitet, zücken wir unsere hoch entflammbaren Schnapsflaschen und werfen die Explosiven Behälter auf die teuren Autos in der Lagerhalle. Leider bleibt es nicht bei den Autos, alles in der Umgebung scheint zu explodieren.
Da haben wir wohl ein paar Benzinfässer oder Lösungsmittel übersehen. Und klar. Wie war das mit der Polizei in Empire Bay? Sofort steht die Bullerei auf der Matte. Nach einem kurzen Feuergefecht, in dem wir die Reifen der Polizeiautos plattschießen, schwingen wir uns in ein verbliebenes Sportauto und machen uns davon. Natürlich hat die Polizei direkt eine Fahndung nach dem Auto ausgerufen. Also verstecken wir uns in einer dunklen Gasse vor der Polizei, bis diese an uns mit Vollgas vorbeigerast sind und machen uns gemütlich zum nächsten Body Shop, der unserem Auto eine neue Lackierung nebst Nummernschild verpasst. Anders als in anderen Spielen, kostet das aber richtig Geld und sollte nur bei Autos gemacht werden, die wirklich was wert sind. Man kann seine fahrbaren Untersätze in diesen Shops auch noch mit einigen neuen Ersatzteilen wie Reifen, besseren Motoren und anderem Geprotze aufmotzen. Das brauchen wir im Moment aber nicht und belassen es bei der Beseitung der Polizeifahndung. Die Polizei behelligt uns nicht weiter, wir machen uns auf den Weg zur nächsten Telefonzelle und machen schon den nächsten Auftrag klar. Ein Tag in Leben eines Mafiosis in der schönen Stadt Empire Bay. Dunkel und kriminell, aber schön wie die Nacht.
Ersteindruck
Was hab ich mich gefreut, als ich auf dem Terminplan vom ersten Tag der GamesCom 2009 einen Besuch bei 2K Games entdecken konnte. Endlich würd ich Mafia 2 zu sehen bekommen - den Nachfolger eines meiner absoluten Lieblingsspiele. Und ich wurde nicht enttäuscht. Bei aller Objektivität, die einem Redakteur abverlangt wird, kann man einfach nicht anders und muss in freudiger Erwartung auf die fertige Version ein enthusiastisches "Verdammt Geil!" in die Welt hinausrufen. Dieses Spiel hat das Potential, oder besser die Bestimmung, endlich das zu schaffen, an dem Mafia 1 knapp gescheitert ist, nämlich GTA IV vom Free-Roaming-Thron zu stoßen. Wunderschöne Zwischensequenzen gepaart mit grandios gestalteten Charakteren würzen die tolle Handlung mit den genial integrierten Nebenauftragen und Subquests zu einem Spielerlebnis der besonderen Art. Die großzügige Prise Action im Auto und zu Fuß tut ihr übriges und kleidet den sowieso schon perfekt inszenierten Storykörper in ein fulminantes Actionkostüm. Wenn jetzt noch die kleinen Fehlerchen, wie Framerate-Einbrüche und Tearing gefixt werden, sollte es niemanden mehr geben, der groß etwas zu meckern haben wird, auch wenn der für viele Spieler sehr wichtige Mehrspielermodus fehlt. Bis Anfang 2010 ist aber noch ausreichend Zeit um die Engine zu optimieren und ein Mafia 2 auf den Markt zu bringen, dass die Spielewelt mit seiner Kraft erzittern lässt; wie gesagt, bei aller Objektivität.









