GC09: Singularity
Auf der gamescom 2009 in Köln hatten wir zahlreiche Termine mit unzähligen Top-Spielen - und wir hatten immer diesen verdammten Zeitdruck. Da war es ausgerechnet Singularity, mit dem wir dank integriertem Time Manipulation Device die Zeit nach Belieben vor- und zurückdrehen konnten. Ein Tool, dass man sich auch für die Realität wünscht: Der Braten ist mal wieder tiefschwarz, weil man ihn im Ofen vergessen hat?
Kein Problem, einmal mit der Hand auf das schwarze Elend gezeigt und schon ist es so knusprig und braun, wie es sein soll. Euer Hund kackt Euch immer noch in die Wohnung, weil er sich immer noch daran gewöhnen muss, an der Tür zu warten und zu signalisieren, dass er "mal muss"? Kein Problem, lasst das Tier altern - irgendwann muss Hundegerd es ja mal draufhaben. Das Spiel mit der Zeit steht im Mittelpunkt von Singularity - stimmt das Timing oder hätten wir die Uhr am liebsten vorgedreht?
Absturz mit Folgen...
Was so passiert, wenn russische Wissenschaftler mal wieder Schabernack treiben, erfahrt Ihr im Ego-Shooter aus dem Hause Raven Software am eigenen Leib. Als Co-Pilot einer Aufklärungsmaschine legt Ihr auf einer mysteriösen Insel eine Bruchlandung hin, auf der eigentlich längst verbotene Experimente vermutet werden.
Das ominöse Element 99 stellt dabei sicher, dass Euer Inseltrip alles andere als friedlich verläuft - das Zeug ist verantwortlich für garstige Mutanten und zumeist alles andere als erfreuliche Zeitphänomene.
Doch diese dürft Ihr mit dem eingangs erwähnten Time Manipulation Device (TMD) auch zu Eurem eigenen Vorteil nutzen. Der Heimwerkerkönig wäre beispielsweise stolz, wenn er sehen würde, wie Ihr eine total brüchige Plattform mit dem TMD wieder in ihren Ursprungszustand versetzt.
Denn auch die zerstörteste Brücke war irgendwann mal intakt. Damit Ihr aber nicht die ganze Zeit zwischen den eigentlichen Waffen und dem TMD hin- und herwechseln müsst, könnt Ihr selbiges auch als Todbringer einsetzen. Wer jetzt aber denkt, dass er einen waffenstarrenden Söldner in Windeseile zu einem Säugling verjüngen kann, der irrt.
Das Spiel mit dem Alter klappt nur in die andere Richtung: Blitzschnell setzt der Feind ein Meer aus Falten an, wird brüchig und zerfällt schließlich zu Staub. Tja, Life is short.
Wer hat an der Uhr gedreht?
Im Laufe des Spiels erwarten Euch zudem unter anderem die feindlich gesinnten Geister ehemaliger Wissenschaftler und Wachschutzleute, die Ihr mit irdischen Waffen solange nicht angreifen könnt, bis Ihr sie mit dem TMD "real" habt werden lassen - das Ganze erinnert etwas an die Animus-Kraft aus Legendary, mit der unverwundbare, transparente Pandorabüchsen-Wesen erst "irdisch" gemacht werden mussten, ehe sie um die Ecke gebracht werden konnten. Etwas Kopfzerbrechen bereitete uns die Tatsache, dass jeder mit dem TMD interaktive Gegenstand einen bläulichen Schimmer trägt, was unserer Meinung nach den Spieler noch zu sehr leitet, anstatt ihm Raum für Experimente zu geben. Wir hoffen, dass sich der Schimmer deaktivieren lässt - vielleicht auf höheren Schwierigkeitsgraden -, und man noch mehr mit dem TMD anstellen kann, als wirklich nur die zum Weiterkommen relevanten Objekte zu verändern und Gegner per Alterungsprozess ins virtuelle Nirvana zu schicken.
Nun gut, dicke Projektile darf man auch postwendend zum Absender zurückschicken, aber so super neu ist das ja auch nicht. Singularity hat daher aktuell noch ein Problem: Wären Konsorten wie die neueren Prince of Persia-Teile oder TimeShift nicht gewesen, wäre der Name wirklich Programm und die Idee quasi "einzigartig".
Dem ist aber nicht so und daher MUSS Raven Software noch genügend eigene Ideen implementieren, um den Shooter auch wirklich vom Einheitsbrei abzuheben. Grafisch klappt das nämlich nicht, denn abermals muss die Unreal Engine 3 herhalten, an der man sich eigentlich schon fast satt gesehen hatte.
Dennoch kann man nicht leugnen, dass die Bilder, die Singularity auf den Schirm zaubert, zuweilen fantastisch aussehen. Ordentliche Effekte, hübsch ausgeleuchtete Level - vielleicht kein Highlight, aber mehr als nur schick anzusehen.
Ersteindruck
Um auf die eingangs gestellte Frage zurückzukommen: Nein, wir haben die Zeit nicht vorgedreht, sondern gespannt gelauscht und selbst Hand an Singularity gelegt. Das war uns das Spiel wert. Nur irgendwie werde ich den Eindruck nicht los, dass das hoch angepriesene Konzept hinter dem Titel gar nicht so neu ist, wie es zuerst den Anschein hat. Zeitlupen-Ballereien á la F.E.A.R., Gefechte zwischen Mutanten und Söldnern gab es bereits in S.T.A.L.K.E.R., das eigentliche Spiel mit der Zeit kennen wir aus den neueren Prince of Persia-Teilen sowie dem sehr ähnlich gelagerten TimeShift und das Geister-irdisch-werden-lassen erinnert an Legendary. Dennoch wollen wir Singularity keineswegs Potenzial absprechen, denn das hat der Titel allemal. Und wenn ich erst an den coolen E-99-Revolver denke, geht mir sprichwörtlich einer ab. Es ist schließlich ein tolles Gefühl, das eigene Projektil selbst gezielt auf den Feind lenken. Auch die Instandsetzung oder der beschleunigte Alterungsprozess von Objekten ist verdammt cool - schnell mal einen Kran rosten lassen und ihn auf eine Gruppe Gegner stürzen lassen, herrlich! Nur schade, dass es noch keinerlei Infos über den Mehrspielermodus gibt. Hier erhoffe ich mir ein interessantes Gameplay, gerade wegen des TMDs.









