Army of Two

Review
Plattform
XBOX 360
Vertrieb
Electronic Arts
Entwickler
EA Montreal
Erscheinungsdatum
-
Genre
Andere
USK
-
Army of Two [X360 , looki.de]

Gesamtwertung

83%/10

Grafik

Gut

Sound

Gut

Lanzeitspaß

Gut

Spieleinstieg

Sehr gut

Bedienung

Befriedigend

Army of Two

Nachdem wir uns kürzlich noch durch die viel versprechenden ersten Missionen des Coop-Spektakels Army of Two geballert haben, konnten wir uns bis zu diesem Test in aller Ruhe mit dem Spiel auseinander setzen. Je weiter wir uns allerdings durch die Kampagne kämpften, desto mehr Schwächen gaben sich für uns Preis. Um es euch vorweg zu nehmen: Nein, Army of Two ist nicht der erhoffte Hit geworden. Was den Titel daran hindert in höhere Wertungsregionen vorzustoßen und warum er sich aber dennoch lohnt, klären wir für euch im Review.

Alte Hasen im Söldnerbusiness!

Seit gut 15 Jahren sind die beiden Söldner Salem und Rios als Söldner unterwegs und arbeiten nun im Auftrag der privaten Organisation SSC, um scheinbar unlösbare Konflikte in Krisengebieten auf der ganzen Welt zu schlichten und deren Kernfiguren auszuschalten. In Army of Two schlüpft ihr in die Rolle der beiden Haudegen.

Sechs Missionen lang erwartet euch ein actiongeladenes Spielerlebnis, in dem vor allem eines ganz groß geschrieben wird: Teamwork! Salem und Rios sind immer zu zweit unterwegs und in ihrer Vorgehensweise unschlagbar.

Das Konzept von Army of Two kann man als eine Art Mischung aus gradlinigen Shootern wie etwa Gears of War und taktisch tieferen im Stile eines Ghost Recon ansehen. Ihr wählt zu Beginn des Spiels euren Charakter und werdet direkt in das jeweilige Krisengebiet abgeworfen. Um unbeschadet durch die einzelnen Missionen zu gelangen, gebt ihr eurem Kameraden Befehle. So könnt ihr ihn an die von euch gewünschte Position schicken, ihm befehlen die Stellung zu halten oder sich wieder mit euch zu formieren. Großer Bestandteil dieses Prinzips ist das so genannte Aggro-System.

Dieses ist folgendermaßen aufgebaut: Nimmt einer der beiden Söldner die Gegner unter Beschuss, lenkt er dadurch die Aufmerksamkeit verstärkt auf sich. Je länger sich die Aufmerksamkeit auf ihn richtet, desto leichter wird es für seinen Kameraden die Feinde zu flankieren und auszuschalten. Das Aggro-Meter zeigt dabei an, wem aktuell mehr Aufmerksamkeit (Aggro) gegeben wird. Ist die Anzeige komplett auf einer Seite gefüllt, ist der Kollege so gut wie unsichtbar.

Nach einer gewissen Zeit wird die Aggression belohnt und der entsprechende Charakter wird in den Overkill-Zustand versetzt, in dem er immensen Schaden anrichtet während das Spiel in Zeitlupe abläuft und der Kamerad vollkommen unsichtbar ist. Bei den Befehlen, die ihr eurem Blutsbruder erteilen könnt, habt ihr zudem die Möglichkeit zu bestimmen, ob dieser, je nach Situation, eher defensiv oder aggressiv vorgehen soll. Das Kommandieren klappt zum größten Teil auch sehr gut, allerdings mussten wir während unseres Tests leider vermehrt kleinere Mängel an der KI unseres Kollegen feststellen, der manchmal einfach nicht so wollte wie wir und dadurch häufig zu Boden ging.

Ist dies der Fall, ist das Spiel allerdings keinesfalls vorbei. Wird Salem oder Rios verletzt, kann sein Kumpane ihn wieder heilen. Dafür ist es aber meist sinnvoller, den Verletzten zuerst in Sicherheit zu schaffen. Man kann sich sogar tot stellen und so von sich ablenken. Dies klappt allerdings nicht immer, weil die Gegner dies auch durchschauen können.

Während man den Verwundeten hinter die nächste Ecke zieht, ist dieser löblicher Weise noch in der Lage, auf den Feind zu schießen und so Deckung zu geben. Auch hier kam es aus der Sicht der KI oft zu Problemen, so waren wir beispielsweise zu Beginn des Spiels in einem Gang, in dem giftiges Gas an bestimmten Stellen austrat. Wir gingen zu Boden und rufen unseren Kollegen zu uns, um uns zu helfen. Das klappte soweit auch ganz gut, allerdings zerrte dieser uns direkt in das Gas und damit mitten in unser Verderben hinein. Diese kleinen Schnitzer unterliefen bei uns zwar nicht regelmäßig, unterstreichen allerdings, dass der Titel ruhig noch ein wenig Feinschliff hätte vertragen können.

Steuerung mit einigen Tücken!

Ähnlich wie in Rainbow Six: Vegas kann man in Army of Two aus der Deckung heraus schießen. Im Gegensatz ist es hier allerdings nicht nötig, sich vorher via Knopfdruck beispielsweise an eine Wand zu stellen. Um der permanenten Action entgegen zu kommen hat man auf dieses Feature verzichtet. Stattdessen erkennen Salem und Rios die jeweiligen Objekte eigenständig und passen ihre Waffenhaltung beim Feuern dementsprechend an und Feuern so auch blind aus der Deckung heraus. Was sich eigentlich als cooles Feature erwies, barg auch einige Tücken in Sachen Positionswechsel während der Deckung. So hat man häufig mit Kameraproblemen zu kämpfen, was in hektischen Kämpfen bei uns nicht selten zu unnötig kritischen Situationen führte.

Als gelungen ist allerdings die Möglichkeit zu bezeichnen, bestimmte Gegenstände wie Autotüren oder Schilder als mobile Deckung zu missbrauchen und zusammen aufzurücken. Sowieso haben Salem und Rios einige außergewöhnliche Moves drauf. Zum einen kann der Eine dem Anderen Räuberleiter geben, um so höher gelegene Plattformen zu erreichen. In manchen Sequenzen werden Salem und Rios zudem noch eingekreist und müssen ihren Kopf Rücken an Rücken aus der Schlinge ziehen. Auch hier wird das Geschehen in Zeitlupe abgespielt und man nimmt ganze Horden an Gegnern aufs Korn. Leider sind die Szenen vorgegeben. Dabei schreit wiederum manch andere Stelle im Spiel nach diesem Feature. Ab und an darf man sogar die Steuerung eines Hovercrafts übernehmen und ordentlich auf die Tube drücken. Die Steuerung wirkt dabei allerdings nicht ganz ausgereift.

Pimp my Ballermann

Durch das Geld, das ihr während der Missionen verdient, könnt ihr in neues Equipment investieren oder euer vorhandenes Arsenal gehörig upgraden. Dieses Feature erweist sich als sehr cool und erhöht den Wiederspielwert, weil ihr euch häufig auf ein kleines Arsenal beschränken werdet und dieses erst komplett ausbauen wollt. So werdet ihr andere Waffen erst im zweiten Anlauf in ihrer ganzen Pracht genießen. Außerdem lohnt es sich, beide Protagonisten mit unterschiedlichen Kalibern auszustatten. So kann man selber mit einem dicken Kawemmsmann für große Augen beim Gegner sorgen, während der Partner mit einem Scharfschützengewehr oder mit einem mit einem Schalldämpfer versehenen Gewehr aus dem Hinterhalt für Ordnung sorgt. Ihr werdet schnell sehen, dass Erfolg sehr abhängig von der Wahl eurer Waffen ist und das ist auch gut so.

Insgesamt gibt es eine Vielzahl verschiedener Gegnertypen. Neben normalen Soldaten machen euch auch einige, mit Dynamit bestückte wahnsinnige Selbstmörder sowie extrem gepanzerte Kriegsmaschinen das Leben schwer. Letztere lassen sich ausschließlich durch erfolgreiches Flankieren aus dem Verkehr ziehen. Spielt ihr alleine kann das bei mehreren dieser Brocken durchaus zum Problem werden. Gerade gegen Ende des Spiels zieht der Schwierigkeitsgrad dadurch frappierend an und wir haben die KI unseres Kameraden nicht nur einmal verflucht.

Was bringt euch die beste Taktik, wenn eure Befehle nicht so ausgeführt werden wie geplant? Ganz klar, den Bildschirmtod. Nach den ersten Missionen dachten wir wirklich, dass sich Army of Two von dem Shooter-Einheitsbrei abheben könnte. Das Potenzial ist auf jeden Fall vorhanden, allerdings machen viele Schwächen, gerade in Sachen KI, dem ganzen einen Strich durch die Rechnung.

Manchmal braucht euer KI-Partner eine halbe Ewigkeit bis er versteht, welchen Gegner er eigentlich auf's Korn nehmen sollte. Prinzipiell ist die KI eigentlich gut gelungen, wenn man bedenkt, wie viele Gegner sie bei einem Spiel dieser Art zu beachten hat. Dennoch muss man einfach sagen, dass sie nicht komplett ausgereift ist und den Spielfluss merklich trüben kann.

„It's not a mode, it's a genre!“

Wem bislang zuviel gemeckert wurde, der sollte jetzt Obacht geben, denn spielt ihr Army of Two zusammen mit einem Freund, geht das Konzept voll und ganz auf und spielt sich einfach köstlich. Egal, ob über Splitscreen, System Link oder Internet; der Coop-Modus rockt die Hütte. Erst hier entfaltet das Spiel sein ganzes Potenzial.

Das Resultat ist ein Erlebnis, dass es in dieser Komplexität noch nicht gab und den Titel ordentlich punkten lässt. Wir kennen kein anderes Spiel, in dem der Teamfaktor im Coop-Modus so grandios eingefangen wird, wodurch Army of Two schon jetzt einen Platz in der Spiele-Hall of Fame redlich verdient hat. Also schnappt euch einen Kumpel und ballert drauf los. Es lohnt sich.

Weg von langweiliger Standardkost ist hier die Devise. Na gut, vielleicht nicht ganz, denn auch hier gibt es einen Versusmodus. So richtig interessant wird es erst, wenn ihr den Modus Kriegsgebiet wählt. Hier tretet ihr gegen ein zweites Zwei Mann-Söldnerteam an. Anfangs allerdings nur indirekt, viel mehr müssen hier verschiedene Missionsziele absolviert werden, bei denen euch auch vom Computer gesteuerte Soldaten das Leben schwer machen.

Wer die Kampagne durch und immer noch nicht genug von der Coop-Hatz bekommen hat, sollte sich den gelungenen Multiplayer-Modus anschauen, der ebenfalls versucht, neue Wege einzuschlagen.

Der Modus ist sehr facettenreich, sobald ihr beispielsweise einen bestimmtes Missionsziel erfüllt, gilt es plötzlich ein anderes Ziel vor dem gegnerischen Team zu verteidigen bzw. einzunehmen. Auch hier könnt ihr eure Kohle in mächtigeres Arsenal stecken und so bei euren Gegnern für schweißtriefende Hände sorgen.

Leider wird das Multiplayer-Erlebnis durch die geringe Anzahl an Maps getrübt, aber EA wäre nicht EA, wenn sie nicht schon weitere Inhalte in Planung hätten, und EA wäre nicht EA, wenn sie dafür nicht ein gewisses Entgelt verlangen. Aber wir lassen uns natürlich gerne eines Besseren belehren.

Vom audiovisuellen Standpunkt aus gesehen macht Army of Two einiges her. Salem und Rios sind dermaßen detailliert in Szene gesetzt, dass man am liebsten vor Begeisterung durch das Wohnzimmer springen möchte, wenn man sich dann allerdings viele der Areale näher betrachtet, bleibt man wegen der ernüchternden Sterilität dann aber doch lieber sitzen. Selten hat man in Sachen Grafik einen so zwiespältigen Eindruck von einem Spiel bekommen. Man hat das Gefühl, dass die Designer während ihrer Arbeit an dem Spiel entweder sehr launisch gewesen sein müssen oder einfach zeitlich überfordert waren. Der Sound ist hingegen durchgehend gut geworden. Höchstens die teils etwas laschen Waffensounds hätten ein wenig mehr Aufmerksamkeit verdient. Die deutsche Synchronisation ist ebenfalls sehr gut gelungen, ohne es allerdings mit den englischen Originalsprechern aufnehmen zu können.

Fazit

Nachdem ich Army of Two ausgiebig gezockt habe, muss mein Gesicht wohl die Gesichtszüge von Two Face aus Batman haben. So ernüchternd und teilweise frustrierend die Erlebnisse im Singleplayer-Modus gewesen sind, umso begeisternder waren sie im Multiplayer. Gerade der Coop-Modus ist schlicht und einfach genial und wird mit Sicherheit für Freudentränen bei eingefleischten Coop-Zockern sorgen. Auch die anderen Modi heben den Mehrspielerpart erfreulich von der restlichen Online-Brigade ab. Einen neuen Ablöser von Halo 3 oder Call of Duty darf man hier aber nicht erwarten, dafür fehlt es ihm einfach an Umfang und Langzeitmotivation. Wie ich im Artikel schon schrieb, muss man den Entwicklern enormen Respekt dafür zollen, dass sie ein unglaublich intensives Coop-Erlebnis erschaffen haben, was es in dieser Form noch nicht gegeben hat. Das Spiel ist zwar nicht perfekt, eines hat es aber mit Bravour geschafft: Es konnte die viel zu lang geschlossenen Pforten eines wahren Coop-Spiels aufbrechen. Man darf gespannt sein, welche Geheimnisse nun in dieser unerforschten Höhle auf uns Spieler warten.

Army of Two [X360 , looki.de]

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