Banjo Kazooie: Schraube Locker

Review
Plattform
XBOX 360
Vertrieb
Microsoft Game Studios
Entwickler
Rare
Erscheinungsdatum
-
Genre
Andere
USK
6
Banjo Kazooie: Schraube Locker

Gesamtwertung

73 %/10

Grafik

8

Sound

Ungenügend

Lanzeitspaß

7

Spieleinstieg

7

Bedienung

7

Banjo Kazooie: Schraube Locker

Um die Jahrtausendwende war das Entwicklerstudio Rare für hochwertige und innovative Spiele bekannt. Überdies trugen die Briten mit ihren Must-Have-Titeln maßgeblich zum Erfolg der Konsolen aus dem Hause Nintendo bei. Conker's Bad Fur Day, Perfect Dark, GoldenEye und Banjo Kazooie sind nur einige Beispiele, die damals zu so gut wie jeder Spielesammlung zählten. Doch Zeiten ändern sich. Rare entwickelt heute nicht mehr ausschließlich für Nintendo, sondern gehört mittlerweile zu den Microsoft Game Studios, wo in den letzten Jahren die Fortsetzungen der genannten Klassiker entstanden. Leider blieben diese meist weit unter dem Niveau der Vorgänger, wodurch Rare gewaltig an Ansehen verlor. Umso gespannter also die Erwartungshaltung angesichts des dritten Teils der Banjo Kazooie-Reihe. Imageschaden oder Prestigegewinn, lautet also die Frage, die wir in unserem Review zu klären wissen.

Wenn zwei sich streiten…

Dass auch Helden nach ihren Taten eine Auszeit brauchen, wird ihnen wohl niemand verdenken können. So genießen Bär Banjo und sein getreuer Begleiter, die Vogeldame Kazooie, nach ihrem letzten Kampf gegen die fiese Hexe Gruntilda das Leben in vollen Zügen.

Das Motto der Beiden: Auf Sport kann getrost verzichtet werden, auf Pizza nicht. So wachsen die Bäuche des Duos, jedoch ebenfalls die Gefahr. Denn während die Feinschmecker arglos ihre Pizzen verdrücken, schleppt sich die tot geglaubte Grunty aus ihrer letzten Ruhestätte und sinnt auf Rache an dem Heldenduo. Wäre da nicht ein kleines Problem: Bis auf ihren Kopf hat die Hexe alle Körperteile verloren. Hierbei kommt nun der Lord of Game (kurz L.O.G. genannt) ins Spiel, der den Zwist zwischen den drei Akteuren ein für alle Mal beenden möchte. Aus diesem Grund saugt er Banjo und Kazooie die überflüssigen Pfunde wieder ab, gibt Grunty ihren Körper zurück und katapultiert alle kurzerhand in ein Paralleluniversum; in L.O.G.s Showdown Town sollen sie sich nun zahlreichen Herausforderungen stellen. Dem Gewinner winkt dabei die Herrschaft über Spiral Mountain.

Doch von diesem Ziel seid ihr anfangs noch weit entfernt. Zuerst einmal gilt es das Dorf Showdown Town zu erkunden. Dieses dient euch dabei als Zentrum von welchem ihr aus sechs verschieden artige Welten betreten könnt, sofern ihr die unterschiedlichen Dimensionstore öffnet.

Leider jedoch sind diese vorerst versperrt und können nur durch Spielkugeln, die als Schlüssel dienen, entriegelt werden. Diese wiederum überreicht euch der Herr der Spiele in seiner Fabrik höchstpersönlich, wenn ihr in den verschiedenen Welten ausreichend Puzzleteile, so genannte Jiggys, gesammelt habt. Verdienen könnt ihr euch die Teile, indem ihr Aufgaben löst, Rennen für euch entscheidet und Spiele gewinnt. Die benötigten fahrbaren Untersätze dürft ihr euch dabei in Mumbo Jumbos Werkstatt selbst zusammenbasteln, doch dazu später mehr.

Bleiben wir erst einmal bei den Spielewelten, die sich in Größe und Aufmachung stark unterscheiden. So verschlägt es euch beispielsweise in das Innere einer NextGen-Konsole, auf eine Tropeninsel oder in ein Museum. Fröhlich bunt und mit vielen Anspielungen auf alte Rare-Titel geht es dabei in diesen zu, wodurch die Brücke zu Klassikern und den Vorgängertiteln geschlagen wird. Die Anzahl an Herausforderungen und Sammelgegenständen ist dabei immens, sodass ihr einige Zeit brauchen werdet um eine Welt erfolgreich zu verlassen, oder gar Showdown Town zu erkunden. In der Oberwelt habt ihr nämlich nicht nur die Möglichkeit, Fahrzeuge zusammenzuschrauben, sondern auch Entwürfe und Ersatzteile zu erwerben, eure Fähigkeiten zu verbessern, oder euch an Minispielen zu versuchen.

Jump n' Drive?

Etwas weniger abwechslungsreich geht es indes bei den Herausforderungen der einzelnen Welten zu. Während die ersten Rennen mit den selbst zusammengeschraubten Vehikeln auf der Jagd nach dem ersten Platz anfangs noch spaßig wirken, verkommen die Wettkämpfe schnell zur monotonen Fahrzeughatz. Ob Rare vielleicht insgeheim an einer Konkurrenz zu Nintendos Mario Kart gearbeitet hat? Zumindest machen die vehikellastigen Aufgaben den Anschein. Diese werden lediglich durch einige Transportaufträge, die ihr mit Hilfe eines magischen Schlüssels bewerkstelligen müsst, aufgepeppt. Der Schlüssel dient dabei als Magnetstrahl, mit welchem ihr Steine, Kokosnüsse oder andere Gegenstände von A nach B bewegen müsst. Ab und an dürft ihr mit euren Fahrzeugen zudem gegen Gruntilda in den Kampf ziehen, die ihr Mobil mit Spezialfähigkeiten stetig verbessert; erledigt ihr die Hexe erwerbt ihr die notwendigen Teile um euer Fahrgerät ebenfalls mit der jeweiligen Fähigkeit zu versehen. Der Schwierigkeitsgrad variiert dabei nur gering, sind sich die Spiele doch zu ähnlich. Auch die KI trägt ihren Teil zu einer einsteigerfreundlichen Rennsimulation bei, da die Gegner meist leicht zu schlagen sind.

Autos aus dem LEGO-Baukasten

Zusammengesetz wird die Konstruktion dabei in Mumbo Jumbos Werkstatt, die sich im Zentrum von Showdown Town befindet. Der Ersatzteilkatalog umfasst dabei über 100 Teile, die ihr wahlweise im Kampf, in einem Shop für bare Münze, oder beim Erkunden der Welten erwerben könnt; auch Baupläne von verschiedenen Sätzen lassen sich in einem dafür vorgesehenen Shop kaufen. Selbstverständlich habt ihr ebenfalls die Möglichkeit, eigene Pläne zu entwerfen und diese dann online zu tauschen.

Das Konstruieren selbst geht einfach von der Hand und gründet auf dem Baukastensystem. Zusätzlich greift euch Mumbo Jumbo unter die Arme, solltet ihr Motor, Sitze oder Bereifung vergessen haben. Ob ihr das Vehikel jedoch wasser-, flug- oder landfähig konzipiert, sowie mit Waffen, Sprungfedern oder anderen Gimmicks verseht, bleibt euch überlassen. Einzig die Attribute solltet ihr im Auge behalten; erhöht ihr also beispielsweise das Gewicht des Vehikels, verringern sich automatisch Beschleunigung und Geschwindigkeit.

In grafischer Hinsicht wird man indes positiv überrascht, der Teufel jedoch steckt im Detail. So wirken die verschiedenen Welten abwechslungsreich, knallig bunt und überaus detailliert. Auch die Effekte, insbesondere die Wasserspiegelungen sind durchaus gut gelungen und die gegebene Weitsicht freut das Spielerherz. Erst auf den zweiten Blick werden die Mankos ersichtlich. Dabei gehören schwammigen Texturen oder die irreführenden Größenverhältnisse nur zu den geringeren Problemen; schwerer wiegen die oftmals auftretenden Popups und Slowdowns sowie Framerateeinbrüche in weiten Arealen. Auch die Ladezeiten hätten kürzer ausfallen können. Besitzer eines nostalgischen Röhrenfernsehers müssen übrigens die Lupe in die Hand nehmen; da Rare den Titel in erster Linie für HD-Fernseher entwickelte, fallen die Bildschirmtexte auf alten Geräten viel zu klein aus.

Dieser Umstand wäre dabei weniger tragisch, wenn zumindest die Sprachausgabe diesen wieder wett machen würde. Doch ganz im Gegenteil, wird man doch lediglich mit Pieps- und Brummtönen, die die Protagonisten von sich geben, verwöhnt. Viel Lesestoff also für den Spieler, der dafür jedoch in Nostalgie verfallen darf.

Fazit

Man hätte fast meinen können, Rare hätte sich mit einem Paukenschlag aus der Durchschnittlichkeit befreit, das Genre des Jump''Runs revolutioniert und endlich eine hochwertige Fortsetzung abgeliefert - doch dem ist leider nicht so. Wenig charmant, wenig fordernd, wenig abwechslungsreich und wenig einfallsreich präsentiert sich Schraube locker dem Jump'n'Run-Fan. Die Gründe sind dabei vielfältig; zum einen ist die Hintergrundgeschichte kaum von Interesse, die Figuren und die Welt indes blass und farblos. Zum anderen fixierte man sich beim Gameplay zu sehr auf das Montieren der Vehikel und die Rennen, wodurch das Spiel ab einer gewissen Zeit monoton und einseitig abläuft. Jump'n'Drive, oder Build'n'Ride wäre wohl die passendere Genrebezeichnung für diesen Titel gewesen. Gameplaytechnisch gesehen ist dieser Titel somit weit entfernt von NextGen und auch die technischen Mankos überwiegen den grafischen Features.

Banjo Kazooie: Schraube Locker

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