Gesamtwertung69%/10 |
GrafikGut SoundSehr gut |
LanzeitspaßMangelhaft SpieleinstiegGut |
BedienungBefriedigend |
Gewinnt 3x zwei Freikarten für den Kinofilm!
Mit 300 bewies man bereits im April dieses Jahres, dass eine epische Heldensage ebenfalls als Drehbuch eines anspruchsvollen Hollywoodblockbusters dienen kann. Denn neben der beeindruckenden Präsentation glänzte der Film vor allen Dingen durch die heroische Hintergrundgeschichte. Diesem Beispiel folgend soll die komplett am Computer entstandene Adaption Die Legende von Beowulf von Regisseur Robert Zemeckis eine ähnlich positive Reaktion bei den Kinozuschauern auslösen; wir haben uns indes mit der NextGen-Umsetzung des Films auseinander gesetzt. Warum das Spiel jedoch den Charme und die Action des gleichnamigen Kinofilms nicht verinnerlichten konnte, klärt unser Review.
Ich bin Beowulf!
Der Fokus des Films liegt in erster Linie auf den Schlachten gegen eine Überzahl an Feinden, knallharter Action und der epischen Inszenierung. Ähnlich verhält es sich auch im Spiel, in welchem ihr in die Rolle des Kriegers Beowulf schlüpft und Jagd auf Grendel, einem menschenfressenden Ungetüm macht. Dazu reist der Held zusammen mit zahlreichen loyalen Recken sowie dem treuen Freund Wiglaf in das kalte Dänemark, wo er am Hof von König Hrothgar schließlich auf das Monster trifft und einige Zeit später sogar nach dem Thron giert. Dass die Herrschaft aber gleichzeitig mit einem Fluch, einem finsteren Pakt mit einer Dämonenkönigin, einhergeht weiß Beowulf noch nicht.
So gilt es für den Spieler sich Monstern und anderem Ungetüm Dänemarks anzunehmen. Dabei stehen ihm - wie oben bereits erwähnt - einige Recken zur Seite, die sich durch kleinere Befehle leiten sowie durch Gesänge animieren lassen. Letztere werden hierbei vom Spieler angestimmt, indem er die jeweils auf dem Bildschirm eingeblendeten Tasten im angegebenen Rhythmus betätigt; dies erinnert stark an Titel wie Guitar Hero, wirkt jedoch weitaus einfacher und fordert wenig. Zum Einsatz kommen die beschrieben Kampfgesänge indes lediglich in bestimmten Situationen, in welchen Steine oder schwer zu öffnende Tore ein Hindernis für den Spieler darstellen und weggeschafft werden müssen. Weitere moralsteigernde Kräfte sind dagegen stets einsetzbar. Fernab der Moral der Recken scheint die KI der unterstützenden Mannen die Schwachstelle des Systems zu sein; diese wirkt zeitweise sogar dümmlich. So gilt das Spiel für Beowulf als verloren, wenn sämtliche Recken besiegt sind, was viele Spieler zwar fordern mag zugleich jedoch auch enorm frustriert.
Bezieht man nun die oftmals defensive und nichtsnutzige Haltung der Recken mit ein, so sollte schnell klar sein, dass ein Schutz zumindest eines Recken stets in den Aufgabenbereich des Helden fällt. Bei größeren Gegnermassen sowie weitläufigem Terrain kann sich dies hierbei oftmals als schwierig erweisen.
Ein weiterer Faktor, der das Spiel ab und an frustrierend erscheinen lässt, ist der Wut-Modus, den Beowulf zeitweise aktivieren kann, sobald sich seine Lebenspunkte dem Ende zuneigen. Hierbei färbt sich der Bildschirm blutrot und der Held entwickelt eine riesige Kraft, die er sowohl gegen Feinde als auch gegen seine eigenen Verbündeten einsetzen kann. So tötet man nicht selten den ein oder anderen Recken beim Versuch eine Horde Krieger niederzustrecken. Da sich diese stets an Beowulfs Fersen heften ist das im Verlauf des Spiels keine Seltenheit. Aufgrund der Tatsache, dass der Protagonist nach der Beendigung des Wut-Modus erst einmal einige Sekunden kampfunfähig hin und her torkelt, wird dieser daraufhin ebenfalls oft getötet. Immerhin lassen sich zumindest Gefallene nach einer Schlacht in einem mystischen Kreis stets wiederbeleben, während sich Beowulfs Lebensanzeige im Laufe der Zeit selbstständig füllt.
Held oder Monstrum?
Den Gegensatz zum Wut-Modus stellt indes der Heldenmodus dar, dessen Anzeige bei heldenhaft getöteten Gegnern steigt. Ab einem bestimmten Niveau lassen sich dann moralfördernde Kräfte einsetzen, die den Protagonisten und ebenso seine Recken stärker machen.
Darüber hinaus werden bei Abschluss einer Mission für die Weise wie Gegner zur Strecke gebracht wurden, Punkte vergeben, die dann wiederum die Gesinnung des Helden widerspiegeln und zu guter Letzt das Ende des Spiels bestimmen. Weiterhin können mit Hilfe dieser Punkte jeweils gute oder böse Kräfte angeeignet und verbessert werden. Leider beschränken sich diese auf ein Minimalstes, worüber Rollenspieler schlicht und einfach enttäuscht sein dürften. Ebenso enttäuschend ist das Waffensystem, welches dem Helden zwar eine Vielzahl an nutzbaren Waffen bietet, die während dem laufenden Spieler immer wieder an dafür vorgesehenen Spots aufgenommen werden können, jedoch bereits nach wenigen Treffern auseinander fallen. Auch auffindbare legendäre Waffen, die, so könnte man annehmen, ewig halten, zerspringen nach nur wenigen Schlägen in alle Einzelteile.
Zum Trotz vieler Spieler konnte man es ebenfalls nicht schaffen den Schwierigkeitsgrad auf einem gleichbleibenden Niveau zu halten. So wirken einige Stellen zeitweise unfair und schier unmöglich, wohingegen die Kämpfe zuvor mit Leichtigkeit zu bewältigen worden sind. Das Gameplay ist indes, wie es bereits bei Conan der Fall war, eine schlechte Kopie des aus God Of War bekannten Spielsystems.
So werden vor allen Dingen bei Bosskämpfen interaktive Aktionen vom Helden ausgeführt, die der Spieler durch Drücken eines bestimmten Buttons einleiten muss; dabei erscheint der zu betätigende Knopf auf dem Bildschirm. Wo dieses Spielprinzip jedoch immens fordert und höchste Konzentration bedingt, beschränkt es sich bei Beowulf auf einige wenige Befehle, die schnell und einfach von der Hand gehen. So schließt man beispielsweise Endkämpfe rasch und unkompliziert ab, da hier oftmals nur auf drei sich wiederholende Kombinationen zurückgegriffen werden muss.
Überdurchschnittlich gute Technikkost
Nicht zuletzt aufgrund mangelnder Klasse in Sachen Gameplay und Innovation liegen die Stärken des Titels ganz klar auf der technischen Seite. So weiß die Grafik zumindest durch schöne Kampfanimationen und malerische Hintergründe zu überzeugen. Auch die Gestaltung der Hauptcharaktere fällt im Vergleich zum direkten Konkurrenten Conan weitaus besser aus, wodurch Charaktere und deren Gesichter weniger kantig und grob wirken. Diese Liebe zum Detail ist auch bei den Zwischen- und Endgegnern, den monströsen Widersachern, zu erkennen. Schade nur, dass sich die normalen Gegner gleichen, wie ein Ei dem anderen und auch die Recken nicht durch facettenreiches Aussehen glänzen, was sich im Bezug auf die Übersichtlichkeit durchaus negativ auswirkt.
Besonders im Wut-Modus wird man so nicht mehr zwischen Freund und Feind unterscheiden können. Schade auch, dass zahlreiche Texturen verwaschen und oft eintönig wirken sowie Blutspritzer mehr als lächerlich anzusehen sind. Musikalisch griff man, wie bereits im Vorfeld bekannt wurde, auf die Feder der angesehenen Komponisten Sascha Dikiciyan und Cris Velasco zurück; diese schafften es einen wirklich beeindruckenden Soundtrack zu erstellen, der die verschiedenen Teile des Spiels nahezu perfekt untermalt. Leider jedoch stechen diese epischen Klänge aufgrund des lauten Kampfgeschreis und zahlreiche Sprachsequenzen nicht immer so deutlich hervor, wie man es sich vielleicht gewünscht hätte. Die deutschen Synchronsprecher können indes vollends überzeugen, verschaffen dem Spiel die filmtypische Atmosphäre und wirken stets authentisch und glaubhaft. Großes Lob kann abschließend den Soundeffekten ausgesprochen werden. Hier summen beispielsweise die Schwerter in der Luft, wenn damit ins Leere geschlagen wird.
In Sachen Steuerung wird ein erfahrener God Of War-Spieler mit Sicherheit keine Probleme haben, da diese sehr einfach gehalten wurde sowie schnell und eingängig zu erlernen ist. Dies ist nicht wirklich verwunderlich, da sich die Aufgabe des Spielers größtenteils auf das Buttonsmashing beschränkt. Das Kombosystem, welches nicht der Rede wert ist, beschränkt sich ebenfalls auf einfache Tastenfolgen.
Ein Coop-Modus, ein gänzlich ausgefeiltes Recken- oder ein verbessertes Helden- bzw. Waffensystem hätten hierbei sicherlich einiges ausbügeln können. Für Fans des gleichnamigen Films oder dem genreähnlichen 300 ist der Titel mit Sicherheit ein Pflichtkauf. Wer bereits von Conan enttäuscht war, sollte hier vorerst die Demoversion anspielen oder das Geld gleich in einen hochwertigeren Titel investieren.