Gesamtwertung80%/10 |
GrafikGut SoundGut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungSehr gut |
Kein Thema ist alt genug, um daraus nicht ein Videospiel machen zu können. In diesem Fall befinden wir uns beim Zweiten Weltkrieg, einer der bekannteren Vertreter der Kategorie Wo bekomme ich ein hübsches Kriegsszenario her. Ein Glück, dass Videospiele ebenso bekannt für ihre kunstvollen Ausschmückungen geschichtlicher Fakten sind. Genauso Blazing Angels II. Ubisoft setzt euch als angehender Elitepilot hinter die Steuerknüppel historischer Flugzeuge, um in den Wirren des Zweiten Weltkrieges den Bau einer besonders gemeinen Waffe zu verhindern. Wie das so vonstatten geht und ob sich der Ausflug lohnt, klärt unsere Review.
Besonders fiese Waffen?
Ja, in Blazing Angels II hat das Dritte Reich ganz interessante Pläne in der Schublade, die im Kampf um die Lufthoheit eine entscheidende Rolle spielen könnten. Und was liegt da näher, als sich einen aussichtsreichen Piloten zu suchen, der sich nach und nach zum echten Alleskönner und Eliteflieger mausert, um den virtuellen Rechten zu zeigen, wer den Zweiten Weltkrieg wirklich gewinnen wird? Nichts! Also ab hinter den Steuerknüppel und fix dem Horizont entgegen geflogen.
OK. Wirklich tragend ist die Story nicht und wenn ich einmal ganz ehrlich bin, taten mir die Charaktere, ganz vorne ihr als Christopher Robinson, bei etwaigen Abstürzen nicht einmal sonderlich leid. Gut genug, um die 18 Solospielermissionen sinnvoll miteinander zu verbinden und den spannenden Luftkämpfen einen passenden Rahmen zu geben, ist sie aber auf jeden Fall. Neben ansehnlichen Zwischensequenzen erzählen, leider weniger ansehnliche, kleine Comicstrips die Hatz auf die experimentelle Waffe weiter. Umgangssprache ist bei beiden Formen Englisch, Deutsch wird untertitelt (Mitunter so schnell, dass man mit dem Lesen nicht nachkommt). Gleiches gilt für die Sprachausgabe während der Missionen. Sprechen eure Teamkameraden oder das Einsatzkommando zu euch, helfen den Nichteingeweihten ebenfalls nur deutsche Texte beim Verständnis der stellenweise durchaus wichtigen Anweisungen.
Ratatatatata... Treffer!
Blazing Angels II erhebt nicht den Anspruch einer Simulation. In der standardmäßigen Arcade-Steuerungs-Variante habt ihr den Flieger schon perfekt unter Kontrolle, bevor das Lied Über den Wolken aus eurem Mund einmal ganz zu vernehmen war. So muss eine Lernkurve aussehen, wenn hier überhaupt von Kurve gesprochen werden darf! Mit dem linken Stick lenken, den rechten zum Beschleunigen/Bremsen, zwei Tasten für Primär-/Sekundärfeuer. Mit diesen Grundbausteinen fliegt es sich schon recht ansehnlich. Eine Zielaufschaltung gibt es nicht, wird dank der präzisen Steuerung inklusive einer speziellen Kamera zur Feindsicht aber nicht benötigt.
Habt ihr einen Gegner im Visier und betätigt LS, schwenkt die Kamera auf den Feind und bleibt dort, während ihr in Ruhe euren flugfähigen Untersatz in Position bringen könnt. Schaltet ihr auf die Simulationsvariante, blendet das Geschehen zum einen in die Cockpitsicht (Diese lässt sich natürlich auch für die Arcade-Steuerung wählen), zum anderen gibt sich euer Fluggefährt gleich wesentlich realistischer. Flotte Flugmanöver erfolgen weniger leichtgängig, insgesamt geht irgendwie Wendigkeit verloren Realismus eben.
Erfreulich bei beiden Varianten ist das trotz eingängiger Steuerung unterschiedliche Flugverhalten der einzelnen Fliegertypen. Ein kleiner träger Doppeldecker, ein flotter Bomber, der große Bruder im Tarnkappendesign Jedes Modell hat seine Eigenarten und versprüht in den Wolken seinen eigenen Charme. Dass aus dem Vorgänger bekannte Geschwader-Befehlssystem befindet ebenfalls wieder auf der DVD.
Auf Knopfdruck schickt ihr eure zwei bis drei Flügelmänner zum Angriff, lasst euch Feuerschutz geben oder einfach still und brav im Hintergrund warten. In einigen Missionen dürft ihr eure kleine Staffel sogar gezielt auf feindliche Bodenziele ansetzen.
Spaß auf jeden Fall machen die anwechslungsreichen 18 Missionen. Einmal über Europa, von Rom bis nach Paris, ein kleiner Abstecher nach Moskau, ein kurzer Blick auf die Pyramiden und dann Richtung Himalaja. Überall gibt es Missionen zu erledigen, die Aufgaben dabei selbstverständlich weit gefächert. Wie kriegt man einen Passagier auf einen Zug, der nicht anhält? Richtig. Einfach darauf absetzen! Was macht man mit Dutzenden Fallschirmspringern, die nicht landen sollen? Korrekt. Abschießen! Ein Transportflugzeug muss beschützt, ganze Flotten zerbombt oder eine feindliche Schwadron infiltriert werden? Auch hier fliegen wir an vorderster Front! Den Höhepunkt bilden mehrstufige Endgegnerkämpfe. So wartet zum Beispiel ein ziemlich stabiler Zeppelin auf euch, der erst nach hartnäckigem Beschuss seiner Innereien in einer Feuersbrunst zergeht. Frust kommt dank sinnvoll gesetzter Checkpoints und automatischer Reparatur eurer Maschine nach langen Passagen selten auf.
Garagen für Männer
Die männliche Variante des kleinen Auto-Einfamilienhauses nennt sich Hangar und ist in Blazing Angels II mit 48 Flugzeugen auch ansehnlich gefüllt. Wer braucht schon Porsche, Jaguar und Co. wenn man Frauen mit Gotha Go 229, ME 110C, Meteor oder Me-163 Komet beeindrucken kann? Vor jeder Mission habt ihr die Wahl zwischen verschiedenen Fliegern, die größtenteils natürlich noch frei gespielt werden müssen.
Je nach Kategorie (Bomber/Jäger) und Typ variieren Geschwindigkeit, Manövrierfähigkeit und Trefferpunkte nebst der entsprechenden Bewaffnung. Maschinengewehre, Raketen (eine lenkbare Variante samt Verfolgerkamera ist ebenfalls zu finden), Rauchgranaten, Bomben und moderne Waffensysteme. Letztere zählen zu den experimentellen Waffen, auf deren Jagd ihr seid. Während dem Feind hier das Herz in die Hose rutscht, geht dem Waffennarr das Herz auf. Für erfolgreiche Abschüsse und erledigte Ziele häufen sich Prestigepunkte an, die in Upgrades (Gelten generell für alle Flugzeuge) investiert werden können. 30% schneller Nachladen, beschleunigte Kühlung der Waffensystem, mehr Prestigepunkte am Ende der Mission Sammler brauchen ein Weilchen, bis alles freigespielt ist.
Dazu zählen auch die verschiedenen Designs, die den Fliegern verpasst werden können. Durch Schieberegler ändert ihr Grundfarben, Aufkleber oder Muster, um damit richtig vor euren Freunden protzen zu können.
16 Flieger am Horizont, auf ihrem Weg zum
Mehrspielervergnügen! Xbox LIVE, System Link und Splitscreen. Nichts vermisst ihr bei gemeinsamen Schlachten mit bis zu 16 Freunden. Egal ob Alle-gegen-Alle-Schlachten oder kooperativ, zusammen in den neuen Capture the flag- und Epische Schlachten-Spielmodi. Ohne merkliche Ruckler rollt das Geschehen über den Bildschirm. Hier hatte schon der Vorgänger die Nase vorne und gibt seine besten Gene an Teil zwei weiter.
Optisch zeigt sich der Zweite Weltkrieg gar nicht rückständig. Der Himmel erstrahlt im Glanze der Morgensonne und entzückt das Auge mit kleinen Wölkchen, während weit oben die hübsch modellierten Flugzeugmodelle ihren Tanz aufführen. Gewitter erschweren das Fliegerleben, über den verschneiten Gipfeln des Himalaja herrschen zugige Winde, die euch hin und her schubsen, und am Boden gehen feindliche (animierte) Soldaten hinter Flak-Stellungen in Deckung, um euch Sekunden später unter Beschuss zu nehmen. Stellenweise zergehen sogar Gebäude am Boden unter eurem Beschuss! Gröbere Schnitzer, von leicht unsauberen und sich wiederholenden Texturen am Boden abgesehen, lassen sich nur im Zusammenhang mit dem Grafikaufbau dokumentieren. Die Sichtweite ist nicht optimal, Tearing stört den Gesamteindruck und kleinere Pop-Ups sind nicht zu leugnen.
Allen Grund zur Freude haben eure Ohren zwar nicht, vor Schreck im nächsten Bunker Deckung brauchen sie aber nicht zu suchen. Im Vordergrund dominieren die Betriebsgeräusche eurer Flugmaschine. Knatternder Motor, ein ratterndes Maschinengewehr und heulende Winde beim Sturzflug. Insgesamt wirkt die Soundkulisse jedoch zu künstlich, um euch direkt in den Luftkrieg reißen zu können. Die besagte fehlende deutsche Sprachausgabe passt da gut ins Bild.