Blue Dragon

Review
Plattform
XBOX 360
Vertrieb
Microsoft
Entwickler
Mistwalker
Erscheinungsdatum
-
Genre
RPG
USK
12
Blue Dragon [X360 , looki.de]

Gesamtwertung

86%/10

Grafik

Gut

Sound

Gut

Lanzeitspaß

Gut

Spieleinstieg

Sehr gut

Bedienung

Gut

Blue Dragon

Rollenspiele sind Mangelware auf der Xbox 360 – das weiß inzwischen so gut wie jeder. Wie schon seinerzeit auf der ersten Microsoft-Konsole, sind auch für den 360-Nachfolger nur knapp eine Hand voll RPG-Titel erhältlich. Da wären zum einen The Elder Scrolls IV: Oblivion, welches es mit seiner epischen Geschichte bei uns im Test immerhin auf fette 91% geschafft hat. Zum anderen steht demnächst mit Two Worlds, welches am 29. August von Zuxxez erscheinen soll, der nächste große Rollenspiel-Hit an, der sicherlich eine ähnliche Wertung absahnen wird. Anders als die zwei eben erwähnten Rollenspiele, geht Blue Dragon hingegen einen etwas anderen Weg.

Ein RPG nach alter Tradition

Noch vor dem offiziellen Verkaufsstart der Xbox 360 gab Microsoft bekannt, das man sich die Dienste von Hironobu Sakaguchi, dem geistigen Vater der Final Fantasy-Reihe, sichern konnte. Weiter hieß es, dass von dessen Entwicklerstudio Mistwalker – sollte keinesfalls mit Skywalker verwechselt werden – für die Entwicklung von insgesamt drei Xbox 360 exklusiven Titeln verantwortlich zeigen wird.

Das RPG Blue Dragon, welches in Zusammenarbeit mit dem Dragon Ball Erfinder Akira Toriyama entstand, sollte dabei als erster richtungsweisender Titel für den japanischen Markt erscheinen.

Unserer Meinung nach eine weise Entscheidung, bedenkt man, dass die PlayStation im Land der aufgehenden Sonne nach wie vor einen derzeit besseren Stand hat als die Xbox 360 und sich die Herzen der japanischen Spieler hauptsächlich mit Rollenspielen erobern lassen.

Die Handlung von Blue Dragon ist schnell erklärt: Seit nunmehr zehn langen Jahren wird das Königreich Jebral von schrecklichen Katastrophen heimgesucht. Das Unheil kündigt sich stets mit dunklen Wolken an, die auch an diesem Tage im friedlichen und kleinen Dörfchen Talta den Himmel verfinstern. Kaum ist die Sonne nicht mehr zu sehen, erscheint auch schon eine mysteriöse Kreatur, die aus dem Erdreich emporsteigt. Dabei zeigt diese stets nur einen Teil ihres anscheinend gewaltigen Körpers – die Rückenflosse. Die Bewohner von Talta haben dem Monster daher den passenden Namen Sandhai gegeben. Wie schon so oft müssen die Bewohner mit ansehen wie die Kreatur ihre Häuser und herrlichen Bauten in Schutt und Asche legt und flüchten sich daher auf einen nahe gelegenen Berg in Sicherheit.

Doch nicht alle sind so schlau, sich dem Zorn des Sandhais zu entziehen und so kommt es, dass sich ihm drei mutige junge Recken entgegenstellen. Da wären zum einen die eigentlich zurückhaltende Dorfschönheit Kluke und zum anderen der toughe Jiro.

Dritter im Bunde ist der kleine und mutige Shu, dessen Rolle ihr in diesem fantastischen Abenteuer übernehmt. Gemeinsam gelingt es ihnen, den Sandhai auszuschalten, jedoch zieht die Kreatur sie zuvor noch in eine klaffende Erdspalte. Dort unten finden die Drei dann heraus, dass der Sandhai gar kein fieses Lebewesen, sondern eine monströse Maschine ist, die von einer alten Zivilisation gebaut worden ist. Noch während sie am rätseln sind, wer das ordentliche Stück Technik wohl gesteuert hat, werden sie auch schon hoch in die Lüfte, an Bord einer fliegenden Festung teleportiert.

Diese war anscheinend wohl schon länger da, hat sich jedoch in dem dunklen Wolkennebel im Verborgenen gehalten. An Bord der fliegenden Festung, treffen sie auf drei Fieslinge, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht haben, die Welt zu tyrannisieren. Drahtzieher der Tyrannen ist der gemeine alte Nene, der gemeinsam mit seinen Komplizen General Szabo, einem schlagkräftigen Kampfroboter sowie dem kleinen Deathroy, einem Wesen unbekannter Herkunft, versucht, die drei Kleinhelden aufzuhalten.

Der Stoff aus dem Helden sind

Wie ihr bereits an der Einleitung von Blue Dragon sehen könnt, bietet der Titel den perfekten Stoff für eine rundum gelungene Rollenspielunterhaltung.

Mehr sogar: Dank dem Entwicklerdreiergespann, das aus Hironobu Sakaguchi, Akira Toriyama und Nobuo Uematsu, der sich mit seinen Final Fantasy-Soundtracks selbst ein Denkmal gesetzt hat, besteht, ist es sogar gelungen, den Charme damaliger Final Fantasy-Zeiten aufs Neue wieder aufleben zu lassen.

Ihr schlüpft wie bereits erwähnt in die Rolle des jungen Shu und verfolgt zusammen mit seinen Freunden den Spuren der Zerstörung des fiesen Nenes, um diesem das Handwerk ein für allemal zu legen. Auf eurer abenteuerlichen Reise durch die fantasievolle Welt stoßt ihr dabei immer wieder auf die Spuren der längst vergessenen Zivilisation und findet mit Marumaro und Zola zwei weitere, sehr hilfreiche Weggefährten.

Diese sind nämlich genau wie Kluke, Jiro und Shu mit magischen Fähigkeiten ausgestattet. Um diese allerdings entfesseln zu können, müssen die drei zunächst einmal magische Kapseln schlucken. Ist dies geschehen, können sie ihre Kräfte freisetzen und zudem mächtige Schattenwesen heraufbeschwören, die ihnen in ihrem Kampf zur Seite stehen.

Je nach Charakter unterscheiden sich diese Schattenwesen voneinander und so kommt es, das über Kluke ein feuerspeiender Phönix, über Jiro ein riesiger Minotaurus und über Shu ein mächtiger blauer Drache wacht.

Ganz wie in alten Zeiten

Blue Dragon erinnert jedoch nicht nur in Optik und Sound an die alten und ruhmreichen Final Fantasy-Tage, sondern versteht es auch aus spielerischer Sicht heraus betrachtet, die damaligen Zeit perfekt einzufangen. In Blue Dragon wird nämlich ebenfalls wie in alten Tagen gekämpft und zwar, wie für das japanische RPG typisch, in rundenbasierender Form. Kommt es zum Kampf, wird auf einen neuen Bildschirm umgeblendet. Von dort aus könnt ihr euren Helden unterschiedliche Befehle erteilen und aus einem reichhaltigen Menü Schlagkombinationen, Magiearten oder Kombos die jeweils gewünschte Angriffs- beziehungsweise Verteidigungsform auswählen. Erfreulich dabei ist, dass die Kämpfe genretypisch nicht mehr automatisch per Zufallsprinzip gestartet werden, sondern sich je nach Wunsch austragen lassen.

Habt ihr keine Lust, lauft ihr einfach an den Gegnern vorbei, welche sich genau wie ihr auf der Oberwelt und in den umliegenden Dungeons tummeln. Das Umgehen der Gegner kann dabei sogar zu eurem Vorteil genutzt werden. Ihr habt nämlich die Möglichkeit, euch von hinten an einen Feind heranzuschleichen und diesen dann per Überraschungsangriff zu attackieren. Das verschafft euch aus taktischer Sicht heraus nicht nur einen deutlichen Vorteil, sondern verleiht dem Titel auch etwas an Tiefe und Abwechslung.

A propos Abwechslung: Wie es sich für ein waschechtes Rollenspiel gehört, bildet das Hochstufen der einzelnen Protagonisten das Herzstück des Spiels. Die Erfahrungspunkte und Skillpunkte, die ihr euch während den zahlreichen rundenbasierenden Kämpfen verdient, sorgen in regelmäßigen Abständen dafür, das eure Charaktere eine Stufe aufsteigen und auf diese Weise ihre Grundwerte verbessern. Und auch die Schattenwesen steigen auf, wozu die eben erwähnten Skillpunkte verwendet werden.

Mit diesen könnt ihr euch nämlich euren Charakter so zurechtbiegen, wie er am besten zu euch und eurem Kampfstil passt. Hierbei könnt ihr jederzeit eure Klasse wechseln, was euch obendrein sehr viel Freiheit in der Charaktergestaltung bietet. Vom Schwertmeister, Kriegermönch, Kampfmagier, Heilmagier, Schildmagier, Assassine, Beeinflussungszauberer bis hin zum Alleskönner dürfte hier eigentlich für jeden der passende Kampfstil dabei sein.

Gutes Rollenspiel – jedoch keine Innovationen

Dass die Welt von Blue Dragon riesig ist, braucht hier eigentlich nicht mehr groß erwähnt werden. Schon alleine die Tatsache, dass das Spiel auf insgesamt drei DVDs ausgeliefert wird, sollte genügen, um klar zu machen, dass hier ordentlich Zeit investiert werden muss.

Wer folglich nicht mindestens 50 Spielstunden investieren möchte, der sollte einen großen Bogen um dieses Spiel machen. Aber mal ehrlich, ist die riesige Spielwelt mit ihren zahlreichen Spielstunden die dieses Genre erst ausmachen nicht genau das, was RPG-Fans haben wollen? Jedenfalls bietet Blue Dragon genau dies und wird daher Fans der Rollenspielhits von gestern verzücken. Obgleich der Titel mit wenig Innovationen daherkommt und auch für das Genre, bis auf die tolle Story mit ihren entzückenden Charakteren, so gut wie nichts Neues bietet.

Wie schon erwähnt, bietet unsere Testversion insgesamt drei Discs, von denen jede einen kompletten Akt der Storyline beinhaltet, die obendrein mit einem packenden Finale abgeschlossen wird. In wie weit sich die europäische Version von unserem Rezessionsexemplar unterscheidet, können wir derzeit leider noch nicht sagen, zumal diese eine DVD mehr beinhalten wird. Richtig gehört, die deutsche PAL-Version wurde auf insgesamt vier Spieldiscs gepackt. Wir gehen an dieser Stelle einfach mal davon aus, das eine weitere Disc nötig war, weil neben der englischen, französischen und japanischen Fassung, auf dieser dann zusätzlich auch eine deutsche sowie italienische Version enthalten sein wird.

Aus grafischer Sicht heraus betrachtet, setzt der Titel aufgrund des gewollt alten Looks logischerweise keine Maßstäbe. Trotzdem kann sich Blue Dragon, gerade wegen seinen liebevoll animierten Protagonisten und der zauberhaften Spielwelt mit ihren bunten Farben, durchaus sehen lassen.

Darüber hinaus bietet der Titel hervorragend in Szene gesetzte Videosequenzen, die perfekt in das Spiel integriert wurden und immer wieder aufs Neue zu begeistern wissen. Während dem gesamten Abenteuer verzaubert der Soundtrack aus der Feder von Nobuo Uematsu immer wieder euer Gehör und bietet darüber hinaus eine erstaunlich gute Synchronisation, die jeweils in der englischen, französischen und japanischen Fassung vorliegt.

Während den Videosequenzen werden zudem verständliche englische Untertitel eingeblendet, was gerade für diejenigen interessant ist, welche die japanische Originalsprachfassung vorziehen. Ärgerlich sind hier eigentlich nur zwei Punkte: Erstens, dass unserer Testmuster keine deutsche Sprache bietet und zweitens, dass nur während der Zwischensequenzen und an bestimmten Stellen im Spiel eine Sprachausgabe geboten wird.

Denn in den meisten Gesprächen – und davon gibt es im Spiel eine ganze Menge – wird darauf verzichtet und es werden lediglich nur Textzeilen geboten. Das versprüht zwar ein gewisses Flair, wäre sicherlich aber auch anders möglich gewesen. Daher gibt es in der Endwertung auch einen kleinen Punktabzug. Ansonsten ist der Titel aber rundum gelungen und dürfte für mehrere Wochen Spielspaß sorgen.

Fazit

Yeah – so muss ein Rollenspiel auf der Xbox 360 aussehen! Blue Dragon versprüht den Charme längst vergangener, jedoch nie vergessener Spielzeiten älterer Final Fantasy-Spiele und wird dabei eigentlich nie langweilig. Sicher, der Titel bietet wenig Neues und auch keinerlei spielerischer Innovationen, dafür hat er aber ein ausgeklügeltes Kampf- und Charaktersystem und bietet darüber hinaus eine zauberhafte Geschichte, die einen einfach mitreißt und so schnell nicht mehr loslässt.

Blue Dragon erfindet das Rollenspielgenre garantiert nicht neu, bietet allerdings nun endlich auch japanischen PlayStation-Spielern die Gelegenheit, mal ins Xbox 360-Lager hineinzuschnuppern oder gar zu wechseln, zumal jetzt endlich mehr Rollenspieltitel erhältlich sind, als dies noch bei der ersten Xbox der Fall war. Kurz gesagt: Wer rund 50 Spielstunden Zeit mit sich bringt, wird diese sicherlich nicht gelangweilt vor diesem Titel verbringen. Für Rollenspielfans der alten Tage ist Blue Dragon sowieso ein Pflichtkauf!

Blue Dragon [X360 , looki.de]

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