Brütal Legend

Review
Plattform
XBOX 360
Vertrieb
Electronic Arts
Entwickler
Double Fine Productions
Erscheinungsdatum
-
Genre
Action
USK
18
Brütal Legend

Gesamtwertung

88 %/10

Grafik

9

Sound

10

Lanzeitspaß

9

Spieleinstieg

8

Bedienung

8

Brütal Legend

Wenn wir einmal annehmen, dass das Leben ein Metal-Album wäre, dann würde es so aussehen wie "Brütal Legend". Tim Schafer und sein Team von Double Fine haben sich ordentlich ins Zeug gelegt, Plattencover zu einer Welt geformt, Headbanger zu einer Armee gemacht, prominente Musiker zu Anführern, den Humor zur Staatssache und den Metal zum Zelebrations-Zentrum eines Spiels, das seinesgleichen sucht. Dabei ist es eben nicht nur die Geschichte eines Roadies - es ist viel mehr, als es zu sein scheint.

Der Mythos

Lange Zeit wussten viele Menschen wohl nur wenig mit dem Namen und dem Logo von "Brütal Legend" anzufangen. Es zeigte einen langhaarigen, muskulös-beleibten Typen, der eine Axt und eine Gitarre in den Armen hält und bestimmt an komische Götter glaubt. Nein, dieses Vorurteil wollen wir gar nicht revidieren. Doch ist Eddie Riggs mehr als das: er ist Roadie mit Leib und Seele. Als Held der metallischen Bühnenpräsenz glaubt er an seine Mission, den Metal in die Welt zu tragen, indem er Boxen schleppt, Gitarren repariert, der Band bei allen Belangen hilft und dabei seriös und ohne eigenem Vorteil versteckt hinter dem Vorhang agiert - außerhalb der Scheinwerfer.

Denn er ist nicht wegen des Ruhms da, sondern damit die Band gut aussieht. Das macht ihn in der realen Welt zum besten Roadie der Welt, bis ihm ein Bühnenunfall ein ungeahntes Schicksal zuteil werden lässt: Blut tropft in seine Gürtelschnalle und befördert ihn kurzerhand in eine Fantasy-Welt, in der Raptor-Elche und verchromte Stachelschweine durch die Gegend laufen, nahezu jeder Hügel und jede Höhle Blickfang eines Plattencovers sein könnten und Eddie sich spontan wie zu Hause fühlt.

Inmitten einer dämonischen Zeremonie erwacht er in der fremden Welt, schnappt sich die erstbeste Axt und Gitarre und zeigt den anwesenden Kuttenträgern, wie handgemachte Musik den Körper zum Brennen bringt und eine scharfe Klinge Köpfe vom Rumpf trennt. Ohne zu wissen, was genau ihm widerfahren ist, nimmt er die Situation mit typischem Jack Black-Humor. Und der lässt den Spieler in den kommenden Stunden nicht mehr los!

Genau wie die Story navigiert der sensibel abgestimmte und meist perfekt auf den Punkt gebrachte Witz stets zwischen extremen Kitsch, Albernheit, Parodie und einer wunderbar liebevollen Hommage an eine Musikrichtung, die selbst in richtigen Männern wahre Gefühle offenbaren kann: Rache, Gewaltlust und natürlich Zusammenhalt.

Gib mir eine würdige Armee

Und Geschlossenheit erfährt Eddie früh in seinem noch jungen Abenteuer, während er sich ein zweites Mal durch Horden von Mönchskutten kämpft und plötzlich feststellt, dass unter einer Kapuze der Kopf einer hübschen Rockgöre steckt. "Oh Mann, jetzt sag mir nicht, dass ich die ganze Zeit geile Frauen erschlagen habe", bleibt sein einziger Kommentar, als seine baldige Kampfgefährtin Ophelia (hat jemand Shakespeares Hamlet erwähnt?) Eddie in ihre Geschichte hineinzieht. Denn es gibt Probleme im Reich des Metals, weil Lord Doviculus die Menschen unterjocht und nur eine bislang dreiköpfige Rebellion dagegen vorgeht. Eddie springt ein, macht was er am besten kann, nämlich organisieren, und will so zur Rettungsaktion beitragen. Findige Videospieler wissen, dass "organisieren" oft nur ein Synonym für "mach du es allein" ist, doch trifft dies bei "Brütal Legend" keinesfalls zu. Statt einfach mit Axt und Gitarre bewaffnet allein in den höchsten Turm in die höchste Etage zu latschen und dort dem Oberfiesling die Lichter auszupusten, trifft die Story den Spieler immer wieder mit dem Überraschungshammer.

Denn zu Eddies ersten Aufgaben gehört das Rekrutieren einer anständigen Armee. Die Truppe, bestehend aus Headbangern, Metal-Miezen und haufenweise anderen Charakteren, erreicht im Laufe der Spielzeit beachtliche Ausmaße und führt immer wieder zu abstrusen Story-Wendungen im positiven Sinne. Eines der Highlights des Spiels, das auch im Multiplayer Verwendung findet, sind die sogenannten Bühnenschlachten. Auch hier setzt "Brütal Legend" nicht auf längst verdaute Brocken, sondern weiß neue Innovationen einzubringen. Ohne zu viel verraten zu wollen: Diese großen Kämpfe sind ein Freudenfest der Unterhaltung, und das in einer gelungenen Mischung aus Assault-Momenten, Strategie und purem Hack & Slay. Während es darum geht, so viele Fans wie möglich auf seine Seite der Show zu bringen, wollen Team-Befehle an die Armee ausgesprochen, Merchandise-Stände verteidigt und anrollende Gegner dem Erdboden gleichgemacht werden. Wenn Not am Mann herrscht greift Eddie selbst zur Axt bzw. Gitarre und schmeißt sich ins Getümmel, um Gegner zu betäuben, herumzuschleudern, ihnen die Gliedmaßen abzutrennen oder ihre Gesichter zu schmelzen.

Metzeln! Aber bitte nur Erwachsene

In Sachen Gewalt nimmt "Brütal Legend" dabei kein Blatt vor die Axt, allerdings wird das teils in Zeitlupe illustrierte Gemetzel durch den farbenfrohen Comic-Stil immerhin leicht entschärft. Allein aufgrund der Gore-Effekte lohnt sich aber der gut gewählte, rot strahlende USK-Sticker auf der Verpackung.

Auch die Ausdrucksweise unserer Helden entspricht dem üblichen, vulgären Rock-Klischee und vergisst dabei jegliche Etikette eines jugendfreien Videospiels. Auf humorvolle Weise wird der Spieler zu Beginn des Abenteuers gefragt, ob er obszöne Verbalitäten und übertrieben dargestellte Gewalt, solange sie für die Story elementar wichtig sind, wünscht. Antworten wir dann bei allen drei Fragen mit "ja", so wird umgehend drei Menschen von einem Ungeheuer der Kopf weggebügelt, ohne dass die Szene irgendeinen Mehrwert für die Story bietet - soviel zur Relevanz für die Geschichte.

So gelungen die humoristischen Einspieler und vor allem auch die treffsicheren Sprüche und One-liner von Eddie Riggs-Sprecher Jack Black sind, so gewählt liest sich die hochkarätige Liste an Nebendarstellern und Cameo-Auftritten. Neben Tenacious D-Mitglied Kyle Gass sind Größen wie Tim Curry, Rob Halford, Lita Ford und natürlich auch Lemmy Kilmister als rauchender Heiler mit dem grundsoliden Namen "Kill-Master" zu sehen und hören. Mit von der Partie ist auch der oft für wahnsinnig gehaltene Rockstar Ozzy Osbourne, der unter dem Namen "Hüter des Metals" als Werkstattmeister der Titanen in der Unterwelt fungiert und unsere Fahrzeuge und Waffen auf den neuesten Stand bringt. Hier können wir uns neue Gitarrensaiten (inkl. Politur) kaufen, um Gegner zu lähmen, unsere Axt mit Rasierklingen bestücken lassen oder unserem Teufel eine neue Chrom-Ramme kaufen, um damit besser Raptor-Elche überfahren zu können. Teufel ist der Name unseres Hot Rods, der früh im Spiel dazukommt und uns die Reisen durch die große Welt auf spielerische und für die Tierwelt schmerzhafte Art und Weise versüßt. Er kann - genau wie unsere "Zauberfertigkeiten" - fast jederzeit und überall durch ein Gitarrensolo im Stil eines simplifizierten "Guitar Hero" herbeigerufen werden.

Verdammt ... gut

Gezahlt werden die Waffen-, Fahrzeug- und Armee-Upgrades in der für die Welt typischen Währung Feuertribut. Sie zeigt uns, wie sehr wir in der Gunst der Titanen stehen und wir erhalten sie durch das Lösen von Haupt- wie auch Sidequests. Während die erhaltenen Punkte bei den storybedingten Missionen als nettes Nebenprodukt abfallen, sind sie häufig der einzige Grund, weshalb man die Nebenmissionen in Angriff nimmt. Obwohl auch die Story kleinere Längen aufweist, insgesamt aber immer wieder mit interessanten und überraschenden Wendungen um die Ecke kommt, sind die Aufgaben am Rande unseres Abenteuers einen kleinen Kritikpunkt wert. Hier mal ein kleiner Angriff auf eine Patrouille, dort einem Mörser-Spezialisten ohne Kenntnisse unter die Arme greifen, dahinten mal ein Rennen fahren. Keine Frage, abwechslungsreich, witzig und gelungen integriert sind die Sidequests auf jeden Fall - beim ersten Spielen. Danach verblassen die zu repetitiven Aufgaben leider angesichts des guten Hauptstrangs. Zu anstrengend sind sie jedoch nie, da sie oft in wenigen Sekunden oder höchstens Minuten beendet sind und schon freut man sich über neue Feuertribut-Punkte, die beim "Hüter des Metals" gegen grundsolide Gewaltobjekte ausgegeben werden können.

Dass das Spiel einen derart hohen Spannungsboden fast durchgehend aufrecht erhalten kann, liegt nicht nur an der durchgeknallten und irgendwie doch durchdacht wirkenden Handlung. Eine gute Optik mit herausstechenden Gesichtsanimationen und sauberen Effekten tun ihr Übriges.

Dazu gesellt sich eine gute deutsche Synchronisation, die Blacks Originalstimme beinhaltet und auch die Helden des Metal- und Rock-Olymps versiert in Szene setzt. Wer möchte, kann optional aber auch die Originalstimmen wählen. Ganz zu schweigen von einem Soundtrack, der - vorausgesetzt man steht auf handgemachte Gitarrenmusik für stahlharte Kerle - ein wahrer Ohrenöffner ist. Das bedeutet aber keinesfalls, dass "Brütal Legend" sich nur an Hörer von Motörhead, Judas Priest oder Dragonforce richtet.

Wem das noch nicht reicht, der kann sich im Online-Multiplayer weiter austoben. Bei "Brutal Legend" ergibt sich der aus der Bühnenschlacht des Solo-Spiels. Je mehr Fans, desto größer und besser ausgerüstet die eigene Armee. Bis zu acht Spieler können sich eine aus drei Fraktionen wählen und auf sieben Karten ihre Soli aufs Parkett meißeln. Auch hier kann Eddie selbst die Waffen zur Hand nehmen und auf alle Aktionen zurückgreifen, die ihm im Solospiel zur Verfügung stehen.

Fazit

Gottverdammt, das Spiel rockt! Mit "Brütal Legend" bekommt Ihr ein voll verchromtes Abenteuer-Spektakel, an dessen Ideenvielfalt sich die Spielwelt hoffentlich lange erinnern wird. In einer positiv absurden Mischung aus liebevoller Hommage, Albernheit, Kitsch und triefendem, aber humorvoll gemeintem Helden-Epos präsentiert sich das wirklich spielenswerte Leben eines Musik-Roadies, der zu mehr auserkoren ist. Eddies Abenteuer weiß durch eine gute Präsentation, einen heftigen Soundtrack, die spannende Story und derben Charakteren zu überzeugen. Schade, dass während der Spielzeit kleinere Längen auftreten. Aber Tim Schafer hat es geschafft, mehrere Genres und wunderbare Ideen einfließen zu lassen, ohne dass sie aufgesetzt oder gar fehl am Platz wirken und er hat einen Protagonisten geschaffen, der dem Spieler sofort ans Herz wächst. Eddie ist der God of Metal!

Brütal Legend

Ist der Artikel hilfreich? Dann bookmarken Sie ihn bei:

Hilfe?

3D Multiplayer-Games: Dark Orbit

Mach Dir einen Namen im Dark Orbit. Allein oder mit Verbündeten wagst Du Dich in weit entfernte Sternen- systeme vor und kämpfst um 10.000 € zum Spiel...

Yahoo! Spiele-Forum

Brütal Legend im Test. Was halten Sie vom neuen Spiel von Double Fine Productions?

Teilen Sie Ihre Meinung mit anderen Yahoo!-Usern.

Link zum Forum

Zum Games Guide-Forum · Zum Online-Spiele-Forum

 

 

 

Yahoo! Highlights:

Filmblog
Spiele Highlights
Video Suche
DFB Pokal
Autonews
Reiseplaner
Mehr...

 

Aktuelle Videospiele News:

PC: Modern Warfare 2: Fragen und Antwort...
iPhone
GC: Miyamoto ist enttäuscht, dass Star F...
PS3: Ubisofts Guillemot: Prince of Persi...
PS3: EA: MoH ist 'einfach atemberaubend'
PS3: Heavenly-Sword-Macher Ninja Theory:...
PC: R.U.S.E.: Beta ab dem 30. November
Activision Blizzard
X360: Fight Night Round 4: DLC im Dezemb...
Diablo 3
PC: WoW: Details zum neuen Dungeon-Syste...
God of War 3
Tony Hawk: Ride
Overlord-Reihe
Darksiders: Wrath of War

Weitere Spiele Reviews:

WII: Overlord: Dark Legend
Oben
X360: NHL 10 vs. NHL 2K10
PC: Torchlight
Ultimate Alliance 2 [WII , Mag64]
Final Fantasy: Echoes of Time [WII , Mag...
PC: Heroes over Europe
PC: Fallout 3: Mothership Zeta
NHL 10
PC: Sacred 2: Ice & Blood
PC: Die Sims 3
Anno: Erschaffe eine neue Welt
WII: Muramasa: The Demon Blade
Anno: Erschaffe eine neue Welt [WII , Ma...
DS: Star Wars Battlefront: Elite Squadro...

Vorschau auf neue Spiele:

PC: Divinity 2: Ego Draconis
WII: Cursed Mountain
Split/Second
PC: Mafia 2
PC: Battlefield 1943
PC: F.E.A.R. 2: Project Origin
PC: Section 8
WII: The Kore Gang
PS3: Heavy Rain
GC09: Dark Void
Batman: Arkham Asylum
X360: Fight Night Round 4
PS3: FIFA 10
X360: Forza Motorsport 3
PS3: Battlefield: Bad Company 2