Gesamtwertung94%/10 |
GrafikSehr gut SoundSehr gut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegSehr gut |
BedienungSehr gut |
Gerade in der letzten Zeit wurden uns sehr viele Spiele mit traumhaften Trailern und großen Versprechungen angepriesen, die einen sehr großen Hype um den jeweiligen Titel aufbauten. Nicht selten wurden die Spiele aber letztlich nicht ihrem im Vorfeld aufgebauten Ruf gerecht und man blickte oft in enttäuschte Gesichter. Es gibt aber wiederum gewisse Ausnahmen. Spiele, bei denen man schon beim ersten Blick weiß, woran man ist. Der bloße Gedanke, dieses Spiel endlich selber zocken zu können verursacht nervöses Zucken in den Händen, die schon eine um ein Gamepad greifende Form angenommen haben. Gezeigte Trailer dienen in diesen Fällen nicht nur als Appetitanreger, sondern ganz einfach als Bestätigung für eine potenzielle Killer-Applikation. Call of Duty 4 ist klar eines dieser Spiele.
Nie mehr Zweiter Weltkrieg! Nie mehr! Nie mehr!
Als wir vor kurzer Zeit noch das aktuelle Medal of Honor testeten, merkten wir schnell, dass die Thematik rund um den zweiten Weltkrieg in Hinsicht auf Shooter gnadenlos ausgelutscht ist. Es fehlten Innovationen, es fehlte der Aha!-Effekt, es fehlten Gänsehaut-Erlebnisse. In den wenigsten Fällen erkennen dies die Entwickler früh genug, um der Gemeinde bei ihrem nächsten Projekt ein neues Spielerlebnis zu vermitteln.
In diesem Fall hat das Entwickler-Team von Infinity Ward, welche sich schon für den erfolgreichen zweiten Teil verantwortlich zeichneten, ein Auge bewiesen und setzen im mittlerweile vierten Teil der Call of Duty-Reihe auf ein neues Setting, welches in der heutigen Zeit angesiedelt ist.
Der russische Ultranationalist Sakajew stellt eine große Bedeutung für die Welt dar. Um seine eigenen Machenschaften zu verheimlichen, lenkt er die Amerikaner mit einem Pseudo-Konflikt, der auf den Mord des arabischen Präsidenten beruht, im Nahen Osten ab. Während die Großmacht sich nicht über die Ausmaße der Bedrohung im Klaren ist, hängt sich eine kleine Einheit der britischen S.A.S an Sakajews Fersen.
Der Spieler übernimmt während des Spiels die Rollen zweier Soldaten besagter Mächte. Zum einen schlüpft ihr in die Rolle des US Marines Paul Jackson, während man auf der anderen Seite in der Haut von Soap Mac Tavish steckt, um mit ihnen ein unvergleichliches und nervenaufreibendes Monster von einem Spiel zu durchstehen.
Dramatik pur!
Ganz ehrlich, wir könnten euch jetzt die vielen verschiedenen wirklich unfassbaren Szenen näher beschreiben, die euch im Spiel erwarten. Allerdings ist das, was euch in den rund 20 Missionen erwartet, schwer in Worte zu fassen. Ihr müsst es einfach selbst erlebt haben. Nur so viel sei gesagt: Es ist brachial, spektakulär, atemberaubend Call of Duty 4 stellt in Sachen intensive Daueraction alles in den Schatten. Was ihr in den rund acht Stunden in der Einzelspieler-Kampagne erlebt, wird euch packen und bis zum Ende nicht loslassen. Dabei werden euch Szenen geboten, die es in dieser Form und Dramatik noch nicht gegeben hat.
Von dem furiosen Auftakt an Bord eines Frachters bis hin zu Miterleben eines atomaren Schlags aus nächster Nähe oder in der Rolle eines Scharfschützen, die eine derart beklemmende Atmosphäre schafft, dass man sich am liebsten in die Ecke verkriechen und nach Mami schreien möchte; Das Spiel schafft es, dass man sich als Spieler als Teil des Krieges sieht. Dies geschieht durch das enge Zusammenarbeiten mit euren treuen Kameraden, die euch jederzeit zur Seite stehen und euch Spüren lassen, dass ihr zur Gruppe gehört und dass sie alles Erdenkliche tun würden, um mit euch euren Auftrag erfolgreich zu überstehen.
Die Feinde stellen weiterhin, gerade auf den höheren Schwierigkeitsgraden, kein Kanonenfutter, sondern ein wirkliche Bedrohung dar. Sie verstehen es nicht nur scharf zu schießen, sondern kesseln euch ein oder greifen euch von der Flanke an, wenn ihr nicht vorsichtig seid. Stupides Drauflosrennen wird direkt mit dem Bildschirmtod bestraft. Taktisch kluges Nutzen der abwechslungsreichen Areale ist also Pflicht und ein schneller Finger am Abzug unabkömmlich. Umso schlimmer wird es, wenn eure Gegner dann noch ihre Kampfhunde auf euch loslassen. Darüber hinaus erlebt ihr nicht nur geniale Einsätze an Land, sondern nehmt von Zeit zu Zeit auch hinter den Bordkanonen diverser Vehikel Platz. Und auch hier kommt zu keiner Zeit ein Gefühl von Langeweile auf. Im Gegenteil, die Szenen beispielsweise an Bord eines Helikopters, in dem ihr auf dem Boden aufräumt, während ihr Zeuge werdet, wie der zweite Heli vom Himmel geholt wird, passen sich hervorragend an. Umso besser noch, wenn ihr landet und die Action nahtlos weitergeht. So und nicht anders hat ein Feuerwerk auszusehen. Es geht aber auch anders: In einer Mission am Anfang kappt ihr zum Beispiel den Strom eines zu infiltrierenden Hauses. Mit aktiviertem Nachtsichtgerät schleicht ihr euch dann vorsichtig rein und könnt in aller Ruhe beobachten wie sich eure verwirrten Gegner hilflos im Dunkeln tappen und sich vor Angst fast in die Hose machen. Einfach phänomenal!
Chuck Norris würde weinen
Während eurer Einsätze könnt ihr jeweils zwei Waffen mit euch herumtragen. Zwar werden euch diese zu Beginn vorgegeben, ihr könnt fallen gelassenen Ballermänner aber jederzeit nach Belieben ersetzen. Dabei gilt es die Feuerkraft von Gewehren wie der M16A2, der P90, der G3 und vielen, vielen mehr zu erfahren. Weiter habt ihr jederzeit einige Granaten dabei, mit denen ihr eure Gegner blenden, ausräuchern oder über die Barrikaden schicken könnt. Wie schon in den alten Teilen der Serie steht bei der Action das Zielen mit Kimme und Korn eine große Rolle. Aus der Hüfte heraus zu zielen ist zwar auf kurzer Distanz wirksam, präzise wird es aber erst mit angelegter Wumme, gerade weil die Entwickler bei der Konsolenvariante eine clevere Zielhilfe implementiert haben, die euch das Leben auf dem Schlachtfeld ein wenig erleichtert.
Erneutes Anvisieren schaltet auf den nächsten Gegner. Im Prinzip hat sich aber an der eigentlichen Handhabung im Vergleich zu den Vorgängern nicht viel verändert. Ihr seid weiterhin in der Lage, euch zu ducken oder bei Bedarf auf den Boden zu schmeißen. Um schnell von einer Deckung zur nächsten zu kommen, kann man auf die nützliche Sprintfunktion zurückgreifen. Machten eure Gegner in den alten Teilen noch Bekanntschaft mit eurem Gewehrkolben, wenn sie euch zu nah kamen, bekommen sie nun euer Kampfmesser zu spüren. Rambo wäre stolz.
Hohe Hindernisse erklimmt ihr ganz einfach auf Knopfdruck. Bei der Steuerung besteht kein Grund zum Meckern. Die Empfindlichkeit lässt sich je nach Wunsch verändern. Nach kurzer Zeit dirigiert ihr euer Alter Ego durch die Missionen, als wenn ihr nie etwas anderes gemacht hättet.
Womit Call of Duty 4 aber klar den Vogel abschießt, ist die audiovisuelle Präsentation, die mal eben die neue Referenz darstellt. Die Grafik sucht ganz einfach ihresgleichen und nicht selten hat man wirklich das Gefühl, das Geschehen auf dem Bildschirm wäre real. Neben den unheimlich liebevoll gestalteten Arealen und unfassbar scharfen Texturen, sind es vor allem die unglaublich weichen Animationen euer Kameraden und Gegner, die euch begeistern werden. Besser geht es wirklich kaum noch. Kaum zu glauben, dass die Leute von Infinity Ward hier dieselbe Grafikengine wie bei Call of Duty 2 nutzen.
Das Schönste dabei: Das Spiel läuft konstant mit 60 Bildern pro Sekunde. Einzig die Explosionen hätten unseres Erachtens ruhig noch ein wenig pompöser gestaltet werden können.
Die akustische Untermalung ließ diese Gedanken allerdings schnell wieder aus Schädeln verschwinden. Dreht die Boxen auf und lasst die Wände wackeln, hier gibts ja so was von auf die Ohren.
Wenn euch bei diesem 5.1 Overkill schon nicht warm um euer Ballerherz wird, dann spätestens bei dem orchestralischen Soundtrack aus der Feder von Harry Gregson-Williams, welcher die dramatischen Erlebnisse auf dem Schirm köstlich unterstreicht. Alle, die skeptisch gegenüber deutscher Sprachausgabe sind, können wir beruhigen. Zwar zwingt euch das Spiel lediglich mit deutscher Synchro Vorlieb zu nehmen, allerdings ist diese wirklich sehr professionell und das Kampfgeschrei kommt während der Schlacht sehr authentisch rüber. Ein klarer Schritt nach vorne im Vergleich zum Vorgänger.
Wer sich selbst zu den Glücklichen zählen konnte, die an dem Beta-Test des Multiplayer-Modus teilnehmen durften, wird wissen, dass dieser ein Brett sondergleichen ist. Was sich anfangs noch als Standardkost ausgibt, entpuppt sich nach kurzer Zeit als facettenreiche Zuckerkrone des Spiels, welche euch mit Sicherheit für die nächsten Wochen vor den Bildschirm ziehen wird. Durch das coole Rangsystem schaltet ihr binnen kürzester Zeit neue Modi, neue Waffen und so genannte Perks bzw. Extras frei. Diese Perks lassen sich wohl am ehesten als Spezialfähigkeiten bezeichnen, die jeder Spieler individuell wählen kann.
So ist es am Spieler seinen eigenen Charakter mit einer beliebigen Waffe und dem gewünschten Stil die eigene Note zu verleihen. Mit diesen Perks könnt ihr beispielsweise schneller nachladen, seid für das feindliche Radar nicht zu erkennen, könnt längere Distanzen laufen, verfügt über mehr Gesundheit und, und, und. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Herausforderungen, die ihr meistern könnt, um so schneller befördert zu werden, was wiederum in neue Extras resultiert. Dieses Prinzip motiviert einfach unheimlich stark und man verliert sich regelrecht darin.
Auch in Hinsicht auf Spielmodi sind dem Spieler keine Wünsche offen gelassen worden. Neben den obligatorischen Modes wie Free for All oder Team Deathmatch, wurden coole Varianten wie etwa Sabotage, in dem die Teams versuchen müssen, eine Bombe zu platzieren, oder Herrschaft eingebaut. Hier muss man im Battlefield-Stil Kontrollpunkte einnehmen und halten. Es gibt sogar einen Old School-Stil, in dem die Waffen und Power Ups überall auf der Map verteilt sind und die Charaktere schneller rennen uns springen können. Jeder, der mit Shootern auch nur entfernt etwas zu tun hat, wird hier den passenden Mode finden. Versprochen!