Gesamtwertung80%/10 |
GrafikGut SoundSehr gut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Auch wenn ich als Kind lieber mit Transformers und Star Wars gespielt habe, war der Gedanke, als Cowboy den Wilden Westen unsicher zu machen, schon immer sehr aufregend. Schon mit Law of the West hatte ich vor Jahrzehnten eine Menge Spaß. Leider gab es im Laufe der Jahre viel zu wenig gelungene Ableger, die sich dem Szenario rund um rauchende Colts widmeten. Nachdem die PC-Gemeinde bereits seit September letzten Jahres durch die Prärie reiten darf, kommen nun endlich auch Konsoleros für eine Hand voll Doll ähm Euro in den Genuss mit Billy und Reverend Ray den Westen aufzumischen.
Die Zwei lustigen Drei
Call of Juarez erzählt die Geschichte von zwei verschiedenen Charakteren. Billy die Kerze ist Halb-Maxikaner, der schon als Kind ziemlich häufig von seinem Stiefvater misshandelt wurde und nicht in der Lage war, später sein Leben so zu führen wie er wollte. Er beschließt, nach dem legendären Schatz von Juarez zu suchen, um sich und den Anderen seines Heimatörtchens Hope zu beweisen, zu was er in der Lage ist.
Unglücklicherweise bleibt seine Suche ohne jeglichen Erfolg und er macht sich wieder auf den Weg nach Hause.
Dies allerdings nur um seine Eltern ermordet vorzufinden. Der zweite Handlungsstrang bezieht sich auf den ehemaligen Revolverhelden und nun überzeugten Pfarrer Ray. Während seiner Predigt stürmt eine Frau in sein Gotteshaus und warnt ihn, Schüsse auf der Farm seines Bruders, dem Stiefvater Billys, gehört zu haben. Ray eilt zu der Scheune, allerdings kommt er zu spät. Sein Bruder und dessen Frau sind bereits tot und lediglich ein mit Blut geschriebene Nachricht ziert das Tor: Call of Juarez. Wie es das Schicksal so will, trifft Ray gerade dann ein, als auch Billy ankommt, welcher natürlich nun als der Mörder dasteht. Vollkommen perplex nimmt Billy Reißaus. Ray schwört Rache und nimmt die Verfolgung auf.
Indiana Billy?
Dies sind die ersten Momente des Spiels, in denen ihr die beiden Protagonisten kennen lernt. Allerdings wird der Unterschied im Gameplay erst später deutlich.
Allgemein lässt sich sagen, dass die Passagen mit Billy eher darauf ausgelegt sind, unauffällig durch die Mission zu schleichen und eure Gegner meist hinterrücks mit Pfeil und Bogen auszuschalten. Weiterhin müsst ihr einige Plattform-Passagen meistern.
Im Gegensatz zu Ray ist Billy in der Lage, sich an Felsvorsprüngen hochzuziehen und sich mit seiner Peitsche im Stile gewissen, nach einem Hund benannten Manns über Abgründe zu schwingen. Das klappt zwar nach einer gewissen Eingewöhnungszeit ganz gut, wirkt aber letztlich nicht wirklich rund. Auch die Schleichpassagen, in denen ihr von Busch zu Busch kriecht, ziehen das Spiel unnötig in die Länge. Hier müsst ihr euch wie zu oft in Gedukd üben, da die Gegner ewig brauchen, bis sich mal dazu entschließen, euch den Rücken zuzudrehen. Das Schlimmste ist, wenn ihr fast am Ziel angekommen doch noch entdeckt werdet und vollkommen hilflos das Zeitliche segnet.
Dann dürft ihr nämlich die ganze Passage nochmals spielen. Letztlich haben wir den direkten Weg gewählt, uns dem Kampf gestellt und sind damit weitaus schneller ans Ziel gekommen.
Von bleihaltigen Bibelzitaten
Die Missionen mit Reverend Ray sind hingegen sehr auf Action ausgelegt. Ziemlich linear kämpft euch von Speicherpunkt zu Speicherpunkt und mäht dabei mit Revolvern, Gewehren und Dynamit alles nieder, was euch auch nur schräg anschaut. Dabei könnt ihr auf den so genannten Konzentrations-Modus zurückgreifen, in dem ihr in Zeitlupe euren Feinden das Licht auspustet. Außerdem könnt ihr einen eurer Revolver einstecken und in den Schnellfeuermodus wechseln, was gerade in Nahkämpfen sehr nützlich ist.
Wie es sich für einen Reverend gehört, hat Ray natürlich immer die Bibel mit sich. Ihr könnt sie während der Feuergefechte sogar zücken und für eure Widersacher einen passenden Spruch zitieren. Das wirkt nicht nur cool, sondern ist bei manchen Stellen sehr hilfreich, da eure Gegner kurze Zeit aufhören auf euch zu schießen, um euren Worten zu lauschen.
In späteren Missionen könnt ihr euren Podex dann auch auf den Sattel schwingen und mit Pferden durch die Landschaft reiten. Das ist zwar einerseits ganz nett, richtig überzeugen können die Reiteinlagen allerdings nicht. Euer Gaul wirkt irgendwie leblos und man hat aufgrund der schwammigen Steuerung nie wirklich das Gefühl, ihn völlig unter Kontrolle zu haben. Gerade die Feuergefechte während ihr euch auf dem Rücken eures Rosses befindet sind sehr unpräzise. Hier wäre Lock on-Funktion sehr wünschenswert gewesen. In weiteren Passagen des Spiels müsst ihr euer Geschick noch diversen Revolverduellen beweisen. Ihr seht einen Countdown und müsst dann schnellstmöglich eure Bleispritze zücken und euer Gegenüber zielsicher auszuschalten.
Dabei könnt ihr nach links und rechts den feindlichen Kugeln ausweichen. Allerdings haben wir das Spiel auf dem normalen Schwierigkeitsgrad durchgespielt, ohne dieses Dodge-Feature überhaupt genutzt zu haben. Ebenfalls nett gemeint sind die Faustkämpfe. Leider fehlt es ihnen aufgrund der Animation an Dynamik, wodurch sie teilweise fast schon unfreiwillig komisch wirken. Glücklicherweise kommen sie aber auch nicht häufig vor. Eine weitere Besonderheit ist das sich selbst ausbreitende Feuer. Schade nur, dass das Spiel so gut wie keinen Nutzen daraus zieht. Hier wurde viel Potenzial verschenkt.
Besser, aber bei Weitem nich perfekt
Wer die PC-Version schon gespielt hat, der wird feststellen, dass die Xbox 360-Fassung lediglich eine paar kleine Veränderungen mit sich bringt, welche prinzipiell nichts am eigentlichen Spielverlauf ändern.
So regeneriert sich eure Gesundheit, ähnlich wie in Call of Duty 3 oder Halo, wieder von allein und die aus der PC-Variante bekannten Whiskeyflaschen werden lediglich genutzt um dies zu beschleunigen. Ebenfalls neu ist ein Icon, das euch anzeigt, ob ihr von euren Gegnern entdeckt werden könnt oder nicht. Außerdem wurde das Intro ein klein wenig anders gestaltet, was aber nicht der Rede wert ist. Das Spiel wirkt auf der Xbox 360 zudem einen Hauch hübscher, was aber erst aufällt, wenn man beide Versionen direkt miteinander vergleicht. Darüber hinaus wurden der neuen Version drei exklusive Kapitel verpasst, die ihr während der Kampagne freispielt und die danach separat anwählbar sind. Als Ersatz für das fehlende Quicksave-Feature bekommt man viele Checkpoints spendiert, um nicht unnötig Frust aufzubauen.
In Hinsicht auf Präsentation ist Call of Juarez ein zweischneidiges Schwert: Einerseits wirken die Szenarien äußerst stimmig und sind detailliert.
Die Lichteffekte sind wirklich sehr hübsch und kommen gerade auf einem HD-Fernseher sehr gut rüber. Im Gegensatz zu den hübschen Umgebungen stehen die leblosen Charaktermodelle, welche teilweise fast schon einen zombieähnlichen Anschein machen. Wirklich gut gelungen ist hingegen die Synchronisation, jedenfalls in der englischen Fassung. Das deutsche Pendant kann sich zwar auch hören lassen, allerdings kommt erst mit der englischen Sprachausgabe wirkliche Western-Stimmung auf.
Wie steht es mit einem Mulitplayerpart? Klar, den gibt es natürlich auch und er lässt sich relativ angenehm spielen. Wirklich vom Hocker reißen tat er uns während unserer Test-Sessions allerdings auch nicht. Deathmatch, Team Deathmatch oder Modi, in denen ihr gemeinsam Banküberfälle durchzieht, wissen zwar zu gefallen, können aber nicht langfristig motivieren.