Gesamtwertung74%/10 |
GrafikGut SoundSehr gut |
LanzeitspaßBefriedigend SpieleinstiegGut |
BedienungBefriedigend |
Hollywood-Streifen und Videospielespiele Ein tödliche Mischung. Wie oft haben die beiden es schon miteinander versucht, nur um verdammt schnell wieder auf der Nase zu landen? Ehrlich gesagt, möchten wir es gar nicht genau wissen. Nun bekommt auch die Bourne-Reihe ihr eigenes Spiel verpasst. Prinzipiell sollte sich Jason Bourne, der schon in den Filmen und Büchern immer für einen Arschtritt gut gewesen ist, ganz ausgezeichnet in einem Videospiel machen, ob Sierra ihn aber auch im Spiel eine gute Figur machen lässt? Kann Jason dem Wertungskeller entkommen oder sich gar die Ehrenmedaille erschuften? Dies und mehr erfahrt ihr in unserem Test zu Das Bourne Komplott.
Auch wenn der Name etwas anderes vermuten lässt, im Großen und Ganzen richtet sich Das Bourne Komplott nach dem Plot des ersten Bourne-Films, Die Bourne Identität. Anstatt allerdings komplett auf die Handlung des Streifens zu setzen, werden euch immer wieder spielbare Spielabschnitte in Form von Erinnerungen aus Bournes Vergangenheit vorgelegt. So macht zu Anfang beispielsweise auf, den afrikanischen Diktator Wombosi das Handwerk zu legen, um gegen Ende Zeuge davon zu werden, wieso und weshalb Jason letztlich angeschossen im Meer treibt. Kennern des Films dürften diese vielen neuen Szenen durchaus munden, schließlich werden hier Details offenbart, die nie auf Celluloid gebannt wurden.
Hau aufs Mett!
Wer Bourne kennt, weiß, dass der Junge mit allen Wässern gewaschen ist. Die Regierung steckte satte 30 Millionen Dollar in seine Ausbildung zur absoluten Killermaschine. Allerdings ist Bourne, der im Spiel nebenbei bemerkt nicht von Matt Damon verkörpert wird, nicht nur in der Lage, jedem noch so viel auf sich haltendem Typen gepflegt die Kinnlade zu malträtieren, sondern ist darüber hinaus noch ein Meister der Wummen, der jedem pubertierenden Affen den Eiter sauber von der Stirn pusten kann aus 500 Metern versteht sich. Weiter hat Bourne auch nie das Problem gehabt, sein Bier nicht bestellen zu können, egal in welchem Land er sich gerade befindet, schließlich spricht er unfassbar viele Sprachen. Wie sagt man so schön im Ruhrpott? Der Typ weiß, wie man ordentlich aufs Mett haut.
Dementsprechend rabiat gehts auch im Spiel zur Sache. Im Prinzip lässt sich das Spiel in drei Sparten unterteilen Ihr prügelt euch in sehr cool inszenierten Kampfsequenzen mit euren Feinden, ballert euch in der Third Person-Ansicht durch sehr lineare, wenn auch hübsche Levels und brettert zwischendurch im Auto durch aufgesetzt wirkende Fahrpassagen.
Hatten wir noch gar nicht erwähnt, dass Bourne natürlich auch das Lenkrad beherrscht wie kein Zweiter? Soll nicht wieder vorkommen. Aber fangen wir beim besten Teil an Den Schlägereien. Diese kommen entweder an vorgegebenen Stellen vor oder werden dann eingeläutet, wenn ihr euch einem der Gegner nähert. Die Kamera schwenkt dann meist in eine übersichtliche Einstellung, in der beide Kontrahenten gut sehen sind. Hier könnt ihr leichte und harte Schläge austeilen, beide Arten miteinander kombinieren und selbstverständlich Angriffe blocken. Bei jedem Treffer lädt eure Adrenalin-Anzeige auf. Diese ist ein drei kleine Leisten unterteilt. Sobald eine dieser Leisten voll ist, könnt ihr zu einem Takedown ansetzen, in welchem ihr euch eure Umgebung zu Nutze macht, um einen vernichtenden Finishing Move auszuführen.
Habt ihr genügend Adrenalin gesammelt, könnt ihr sogar bis zu drei Schergen auf einmal ausschalten. Im Gegensatz zu einzelnen Takedowns, wird hier eine Quicktime-Sequenz eingeläutet, in der ihr schnell den richtigen Button zur richtigen Zeit drücken müsst.
Die Takedowns sind wirklich allesamt herausragend in Szene gesetzt und kommen den Kloppereien aus dem Film verdammt nah. Es werden Bekanntschaften mit Waschbecken und Pinkelbecken gemacht, Köpfe fliegen in Sicherungskästen, Schädel werden dazu missbraucht, um für lau an diese leckeren Getränke aus dem Automat zu kommen und vieles mehr. Es ist wirklich erstaunlich, wie viele verschiedene Animationen die Entwickler in diese Kämpfe integriert haben. Zwar werdet ihr früher oder später dieselbe Animation ein zweites Mal sehen, dennoch werdet ihr nach jedem Takedown ein zufriedenes Lächeln tragen. Von Zeit zu Zeit läuft euch dann auch mal ein Endgegner vor die Fäuste, der nicht nur einiges mehr einstecken, sondern selbst auch auf Takedowns zurückgreifen kann. Um hier ungeschoren davon zu kommen, müsst ihr ebenfalls ein leider zu leicht geratenes Quicktime-Event überstehen. Und auch wenn die Kämpfe prima präsentiert werden, wirklich viel Tiefgang bieten sie nicht. Ihr habt lediglich eine Handvoll Kombos zur Auswahl und auch das Blocken bzw. Kontern der gegnerischen Takedown-Versuche entpuppt sich als recht simpel. Fast schon zu simpel.
Ballern mit Macken
Den größten Teil des Spiels ballert ihr euch aber mit diversen Wummen, die ihr von euren Gegnern absahnt, durch die einzelnen Levels. Bourne kann jeweils eine Pistole und eine größere Bleispritze der größeren Gangart, wie MGs oder Shotguns, mit sich führen. Um das Geballer ein wenig anspruchsvoller zu machen, haben die Entwickler ein Deckungssystem integriert, welches dem eines Gears of War oder Dark Sector ziemlich ähnelt, ohne dabei allerdings so verlässlich zu sein. Ziemlich häufig hatten wir Probleme, Bourne während der Gefechte so zu positionieren, wie wir es wollten.
Eine Funktion, von der einen in die nächste Deckung zu hechten, wäre hier eine willkommene Option gewesen. Auch in euren Feuergefechten könnt ihr euer Adrenalin dazu nutzen, mehrere Feinde auf einmal auszuschalten. Auch hier gilt: Je mehr Leisten gefüllt sind, desto mehr Gegner schickt ihr ins Nirwana. Die hier eingeleitete Sequenz erinnert dabei ein wenig an Stranglehold, ohne dabei allerdings so cool rüber zu kommen.
Eine weitere ganze nette Idee ist der so genannte Bourne-Instinkt. Aktiviert ihr ihn, werden euch explosive Gegenstände wie Fässer oder Tanks angezeigt, Gegner leuchten auf und Bourne kann diese mit einer kleinen Zielhilfe besser aufs Korn nehmen. Außerdem werden euch die Missionsziele auf dem Radar angezeigt, so dass ihr stets wisst, wo ihr lang müsst. Leider ist dieses Features mehr ein nettes Gimmick, als eine Bereicherung für das Spiel. Schade eigentlich, denn die Grundidee ist gut. Auch das eigentlich Zielsystem müsste eigentlich viel präziser sein Nicht nur, dass die Steuerung recht schwammig ist, zielt man auf den Kopf eines Gegners, muss das nicht immer gleich heißen, dass man auch trifft.
Sowieso halten die Gegner teilweise mehr aus, als man ihnen zutrauen würde und auch die KI ist bei Weitem nicht die beste. Letztlich machen die Feuergefechte jedoch genügend Spaß, auch wenn hier durchaus mehr drin gewesen wäre.
Viel Film - zu wenig Spiel?
Hört sich alles recht linear an, oder? Ist es im Prinzip auch Das Bourne Komplott ist auch mehr ein interaktiver Film, als ein reinrassiges Spiel. Eine echte Sprung- oder Kletterfunktion gibt es nämlich nicht. Müsst ihr beispielsweise über einen Abgrund springen, reicht ein Knopfdruck und euch wird eine kleine Sequenz gezeigt, wie Bourne zu Sprung ansetzt. Wirklich gefordert werdet ihr hier nicht. Dennoch: Wenn Bourne wie beispielsweise in der Szene in der amerikanischen Botschaft in der Schweiz verfolgt wird und ihr ihm in vorgegeben Quicktime-Events seine Haut rettet, kommt Stimmung auf. Der Inszenierung sei Dank.
Hetzjagd der Sinnlosigkeit
Erinnert ihr euch noch an die geniale Verfolgungsjagd aus dem ersten Teil, in dem Bourne mit Marie in ihrem Mini durch die Straßen der Schweiz gebrettert ist? Die Entwickler haben diese wohl bis kurz vor der Fertigstellung des Spiels verschwitzt haben. Chef, ich will ja nix sagen, aber wir haben die Verfolgungsjagd vergessen Aaargh! Egal, schustert schnell was Sinnloses zusammen! Das passt schon . So oder so ähnlich dürfte die Situation wohl gewesen sein, wenn man sich die extrem aufgesetzt wirkende Fahrsequenz anschaut. Eine hässliche Stadt, eine Fahrphysik, die Link, der Butler programmieren könnte, sowie ein Verkehr, bei dem man sich mit der Hand vor die Stirn klatschen muss. Unnötig, miserabel, einfach schlecht!
Zwar kann man auch hier den Bourne-Instinkt nutzen, um eine Zeitlupensequenz einzuläuten, um besser manövrieren zu können, aber vergessen wir das
Punkten kann Bourne bei der Präsentation. Die meisten Areale sehen wirklich sehr gut aus, die Charaktere wirken auch aus nächster Nähe sehr lebensecht und das Geschehen läuft die meiste Zeit angenehm flüssig. Auch die Cutscenes sind sehr gut geworden und vermitteln gekonnt die Atmosphäre der Filmvorlage. Die meisten Gegenstände in eurer Umgebung lassen sich während der Schusswechsel zerlegen und verleihen dem Spiel sogar einen kleinen taktischen Aspekt. Versuche ich nun, meinen Feind direkt aufs Korn zu nehmen oder konzentriere ich mein Feuer auf das Auto neben ihm, um ich und seine Kollege mit in die Luft zu sprengen? Auch zur Deckung dienende Gegenstände wie Holzkisten oder Statuen lassen sich auseinander nehmen, um Gegner hilflos im freien Schussfeld stehen zu lassen. Leider bezieht sich dies nicht auf die gesamte Umgebung und die zerstörbaren Gegenstände stechen förmlich aus dieser heraus, so dass euch schon Grenzen gesetzt sind.
Einen ebenfalls negativen technischen Eindruck hinterlasse die zahlreichen Clippingfehler.Gegner stecken plötzlich in Schränken fest oder bleiben an Tischen und Kanten hängen. Auch die Kamera erschwert euch und selten das Spiel, vor allem in den Faustkämpfen kann das schnell mal zur Orientierungslosigkeit führen.
Passt wie die Faust aufs Auge...
Glücklicherweise kann man die Soundeffekte und die musikalische Präsentation hingegen nur als gelungen bezeichnen. Das Spiel bietet die aus dem Film bekannten Stücke und sogar Bournes Synchronstimme aus der deutschen Fassung hat es ins Spiel geschafft. Richtig satt hören sich die Schlaggeräusche an. Die kommen in den Kämpfen so gut rüber, dass man den Schmerz fast schon selber spüren kann. Hier wurde wirklich erstklassige Arbeit geleistet. Die deutsche Version wurde zwar geschnitten, wodurch einige Soundeffekte, wie das Knacken bei Knochenbrüchen, oder einige Takedownanimationen fehlen, allerdings wirken sich diese Schnitte ganz und gar nicht auf den Spielspaß aus.
Das Bourne Komplott im Test.
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