Def Jam: Icon

Review
Plattform
XBOX 360
Vertrieb
Electronic Arts
Entwickler
EA Chicago
Erscheinungsdatum
-
Genre
Andere
USK
18
Def Jam: Icon [X360 , looki.de]

Gesamtwertung

82%/10

Grafik

Sehr gut

Sound

Sehr gut

Lanzeitspaß

Gut

Spieleinstieg

Gut

Bedienung

Gut

Def Jam: Icon

Mit Def Jam: Icon veröffentlicht Electronic Arts in Zusammenarbeit mit dem Entwicklerteam von EA Chicago nunmehr den dritten Teil des Def Jam-Franchises und betritt mit diesem erstmals NextGen-Territorium. Eine ideale Gelegenheit also, neue Spielideen- sowie Konzepte umzusetzen und ein Prügelspiel zu schaffen, das es in dieser Form noch nicht gegeben hat.

Wie schon der Vorgänger Def Jam: Fight for NY bietet der neuste Teil der Serie nicht nur simple Arcade-Prügelkost, sondern bekam erneut einem Storymodus spendiert, der allerdings deutlich stimmiger und nicht so überzogen daherkommt, wie noch beim zweiten Teil. Im so genannten Build a Label-Modus (Gründe ein Label) schlüpft ihr in die Rolle eines selbst erstellten, männlichen Charakters, den ihr in eigentlich fast jeder Hinsicht eurem Vorstellungsbild nachempfinden könnt. Mit dem F.A.C.E.-Creator könnt ihr angefangen bei der Körpergröße, bis hin zur Gesichtsform, der Haar- sowie Augenfarbe so ziemlich alles verändern, was ihr wollt. Hinterher könnt ihr euer virtuelles Alter-Ego sogar stilecht mit den angesagtesten Hip-Hop-Utensilien einkleiden. Egal ob Muskelshirts, Longsleeves, Westen, Jacken, Mützen oder Hosen, was die Stange auch hergibt, es kann sofort angezogen werden. Im Laufe des Spiels werden zudem weitere Kleider und Accessoires freigeschaltet, so dass ihr immer wieder den Kleidungsstil euren individuellen Wünschen anpassen könnt.

Habt ihr euch einen Charakter erstellt, müsst ihr euch mit diesem aus der Gosse bis ganz nach oben hocharbeiten, um eines Tages eine Ikone der Hip-Hop-Industrie zu werden. Ihr beginnt als Besitzer eines kleinen, noch unbekannten Musiklabels und müsst zunächst einmal dafür sorgen, dass sich viel versprechende Künstler bei euch unter Vertrag stellen. Das ist allerdings leichter gesagt als getan, denn die Hip-Hopper müssen zunächst einmal davon überzeugt werden, dass sie bei euch besser aufgehoben sind, als bei einem anderen Label. Richtige Überzeugungskraft leistet ihr, in dem ihr den Künstlern aus alltäglichen Scherereien heraushelft und beispielsweise nervigen Paparazzis oder Stalkern, die immer wieder die Stars belästigen oder bedrängen, ordentlich eins auf die Mütze gebt. Genügt das nicht, sorgen Journalisten für die nötige positive Berichterstattung, natürlich nachdem ihr auch diesen eine ordentliche Zigarre verpasst habt.

Wart ihr überzeugend, schließen sich namhafte Größen wie Method Man, Ludacris, Sean Paul, Lil Jon oder Redman eurem Musiklabel an und nehmen fortan Platten für euch auf, mit denen euer Etat wächst. Den verdienten Zaster investiert ihr hinterher in das Marketing und PR-Aktionen des nächsten Songs und hofft, dass dieser ein großer Erfolg wird, der hinterher noch mehr Kohle in die Portokasse fließen lässt. Allerdings ist es nicht nur wichtig gute Musik zu produzieren, sondern in der Szene auch optisch etwas herzumachen, um auch der Damenwelt zu gefallen. Folglich solltet ihr den ortsansässigen Läden des Öfteren einen Besuch abstatten und euch mit neuen Klamotten, einer trendigen Frisur sowie fetten Klunkern eindecken. Auch die Zufriedenheit eurer Künstler solltet ihr nicht aus den Augen lassen, denn nur zufriedene Künstler sind produktiv und spülen Geld auf euer Konto. Haltet sie also immer gut bei Laune und erfüllt ihre Wünsche. Ihr seht, im Build a Label-Modus geht es also nicht nur primär darum, anderen Hip-Hop-Größen die Grütze aus dem Schädel zu kloppen, sondern auch, eure Stars bei Laune zu halten und die anschließend blühenden Geschäfte ordentlich zu managen. Und dies möglichst, bis ihr das angesagteste Musiklabel der Stadt seid. Damit euch bei all diesen Aktionen nicht die Übersicht verloren geht, könnt ihr das alles direkt von eurer Bude aus managen. Hier habt ihr Einsicht in euer E-Mail-Postfach, könnt den derzeitigen Kontostand eures Musiklabels prüfen und zudem die aktuellen Verkaufscharts prüfen.

Reichhaltiges Spielmodi-Angebot

Wem das alles zu kompliziert und langatmig ist, der sollte sich den anderen Spielmodi von Def Jam: Icon widmen, die immer wieder zu einem schnellen Spiel einladen. Wer sich ohne Regeln und Konsequenzen in den Kampf stürzen möchte, der ist bei Throw Down richtig aufgehoben. Hier könnt ihr aus verschiedenen Kampfschauplätzen, welche sich in Tankstelle, Der Club, 106 & Park, Der Block, Das Penthouse, Das Dach, Executive Suite sowie Das Afterhours frei wählen und anschließend mit einem vorhandenen oder selbst erstellten Kämpfer losbatteln.

Der Beatings with Bass-Modus funktioniert ähnlich, jedoch müsst ihr in diesem ohne DJ auskommen und könnt auch keine Gefahrenzonen aktivieren. Vielmehr geht es hier darum, im Takt der Musik zu kämpfen und darauf zu achten, welche Gefahren der Beat aktiviert. In My Soundtrack habt ihr die Möglichkeit, euren eigenen Soundtrack in das Spiel zu laden und so eurem Kontrahenten, wie auch beim Throw Down, ordentlich entgegenzusetzen. Hierzu müsst ihr lediglich eine neue Playlist namens Def Jam Icon auf eurer Festplatte erstellen und diese mit euren Lieblingsliedern füllen. Ein tolles Feature das obendrein auch gleich einen Erfolg freischaltet!

Da die Steuerung zu Spielbeginn sehr anspruchsvoll ist, kommt es Def Jam: Icon zu gute, das auch ein Trainingsmodus angewählt werden kann. Diesem sollten alle Spieler, inklusive Def Jam-Veteranen, unbedingt einen Besuch abstatten, da man sich hier mit den gängigen Kontrollen und der neu hinzugekommenen DJ-Steuerung vertraut machen kann. Neben den üblichen Moves wie Schlag, Block, Wurf und Provokationskombos bietet der Titel nämlich eine innovative DJ-Steuerung, mit der sich die Spielumgebung mit in das Kampfgeschehen einbinden lässt. In jedem Schauplatz gibt es verschiedene Gefahrenzonen, die so genannten Hot Spots, welche sich aktivieren lassen, sobald man anfängt die Musik im Spiel zu steuern. Wahlweise habt ihr hier die Möglichkeit zu Scratchen oder den Song zu Switchen. Das funktioniert folgendermaßen: Greift euren Kontrahenten mit einem Grab und befördert diesen mit einem Wurf in eine der zahlreichen Gefahrenzonen. Da dieser nach dem Fall etwas benommen ist habt ihr nun ausreichend Zeit mit der LT-Taste die DJ-Steuerung einzuschalten und mit dem R-Bumper durch schnelles drehen einen Scratch auszuführen und eine Big Beat-Gefahr zu aktivieren. Habt ihr alles richtig gemacht, wird je nach Schauplatz einer der Hot Spots ausgelöst, welcher eurem Gegner zusätzlichen Schaden zufügt und den Level in Mitleidenschaft zieht. Da bersten Fensterscheiben, Zapfsäulen explodieren, Hydranten speien Wasserfontänen, Dampfleitungen brechen – was es letzten Endes auch ist, fast alles in den unterschiedlichen Kampfarenen kann mit in das Spielgeschehen einbezogen und zerstört werden.

Ein wirklich innovatives Feature, bei dem auch endlich das Grafikpotenzial der Next-Generation-Konsolen zeigen kann, was es zu bieten hat.

Explosive Präsentation – träge Spielbarkeit

Auch wenn die Präsentation von Def Jam: Icon großartig aussieht und seinesgleichen sucht, so kann dies leider nicht über einige Defizite in der Spielbarkeit hinwegtrösten. Der Spielverlauf gestaltet sich während den Kämpfen leider etwas träge und hätte schneller und dynamischer ausfallen dürfen. Ärgerlich ist auch, dass jedem Kämpfer nur ein kleines Repertoire an Moves zu Verfügung steht, weshalb es immer wieder zu den gleichen Animationsabläufen kommt, die allerdings allesamt hervorragend in Szene gesetzt worden sind. Die Protagonisten glänzen mit zahlreichen Details, lassen sogar Verletzungen an Gesicht und Kleidung erkennen, bewegen sich sehr geschmeidig über den Bildschirm und agieren zudem äußerst realistisch. Überhaupt gibt es aus audiovisueller Sicht heraus überhaupt nichts zu beanstanden. Das gesamte Spielgeschehen wird immer wieder mit zahlreichen Effekten und grafischen Spielereien ordentlich in Szene gesetzt und die Kampfschauplätze garantieren ein abwechslungsreiches Spielgeschehen, das mit seinen vielen Gefahrenzonen immer wieder aufs Neue zu begeistern weiß.

Die explosive Präsentation wird eigentlich nur noch von den Soundeffekten und der stimmigen Musik übertroffen, die der eigentliche Star des Spiels ist. Mit namhaften Künstlern wie beispielsweise Lil Jon, Sean Paul, Redman, T.I., Big Boi, Ludacris und Fat Joe sind hier zahlreiche hochkarätige Interpreten vertreten, die eure Ohren mit ordentlichen und basslastigen Hip-Hop-Tracks verwöhnen. Ärgerlich ist hier eigentlich nur, dass das gesamte Spiel lediglich in englischer Sprache vorliegt und es keinerlei deutsche Untertitel gibt. Spieler die der englischen Sprache nicht so mächtig sind, werden es deshalb, gerade in Bezug auf den Story-Modus, etwas schwerer haben. Ansonsten wurde hier aber alles richtig gemacht.

Fazit

Was soll man da noch großartig sagen? Electronic Arts und das Entwicklerteam von EA Chicago haben es geschafft und im dritten Teil des Def Jam-Franchises fast alles richtig gemacht. Die gelungene Grafik, der herausragende Sound, das innovative Kampfsystem mit der neuen DJ-Steuerung, sowie die abwechslungsreichen und interaktiven Schauplätze mit ihren explosiven Gefahrenzonen lassen den Titel zum Besten der gesamten Serie avancieren. Einzig und allein der etwas träge Spielverlauf sowie die fehlenden deutschen Untertitel trüben hier etwas den Gesamteindruck. Das sollte aber kein Grund sein, weshalb man dieses herausragende Spiel nicht in seine Sammlung aufnehmen sollte. Und dank des My Soundtrack-Spielmodi, in dem man seine eigenen Musikstücke mit in das Spiel einbinden kann, ist der eigentlich eher auf Hip-Hop-Fans ausgelegte Titel, auch für Verfechter des schwarzen Sprechgesangs durchaus interessant. Mir hat es jedenfalls einen Heidenspaß bereitet meinem Hass-Hip-Hopper Sean Paul ordentlich die Kauleiste zu polieren. Viel geholfen hat es aber leider nicht, denn ich werde weiterhin täglich mit neuen Musikeinlagen im Radio von ihm malträtiert.

Kurz gesagt: Def Jam: Icon ist, auch wenn es leider nicht für den Genrethron gereicht hat, auf jeden Fall einen Blick wert und sollte in keiner gut sortierten Beat´ em up-Spielesammlung fehlen. Wer allerdings ein Problem mit dem trägen Spielverlauf hat und ein etwas schnelleres Kampfspiel für seine Xbox 360 sucht, der sollte sich doch lieber am bereits länger erhältlichen Dead or Alive 4 orientieren.

Def Jam: Icon [X360 , looki.de]

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