Gesamtwertung85%/10 |
GrafikGut SoundSehr gut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegSehr gut |
BedienungSehr gut |
Dass es auch für japanische Rollenspiele in Europa durchaus einen Markt gibt, bewiesen bereits jüngst Titel wie Enchanted Arms oder Blue Dragon. Und dennoch gibt es immer wieder Vertreter des Genres, denen eine müde und innovationslose Story, schlechte Grafik oder eine schwache Synchronisation nachgesagt wird; viele dieser Negativbeispiele prägten dabei in der Vergangenheit den Ruf der Rollenspiele aus Fernost. Immer größer also der Wunsch nach erfrischenden sowie hochwertigen Titeln, die ein möglichst langes und intensives Spielerlebnis bieten ohne in alte Klischees zu verfallen. Inwieweit nun das bereits seit Juni in Japan erhältliche RPG Eternal Sonata diesem Wunsch nachgeht und warum der Titel dies sei vorab gesagt den Spieler stundenlang an die Konsole fesselt, klärt unser Looki-Review.
Traum oder Realität?
Die Geschichte, die in Eternal Sonata erzählt wird, ist die des polnischen Komponisten Frédéric Chopin, welcher auf dem Sterbebett liegend von einer märchenhaften und friedlichen Welt träumt. Diesem Traum gibt sich der junge Musiker voll und ganz hin, taucht in diesen ein und wird nicht zuletzt zum aufopfernden Helden, der diese Fantasiewelt vor dem Untergang bewahren soll. So spinnt in dieser ein finsterer Graf die Fäden und unterdrückt das Volk mit hoch besteuerten Waren und versucht zeitgleich, eine loyale Armee zu schaffen, die es ihm ermöglichen, soll die Schlinge um die Bevölkerung weitaus enger zu ziehen. Um dies zu verhindern, bedient sich der Spieler zahlreichen steuerbaren Charakteren, darunter der große Komponist Chopin selbst, die sich mit aller Macht gegen den Grafen zur Wehr setzen, zeitgleich jedoch immer tiefer in die Geheimnisse der fabelhaften Welt eintauchen und sie ergründen.
Da hierbei zu Beginn die Schicksale verschiedener Charaktere beleuchtet werden, wechselt man ständig den Ort des Geschehens. Weiterhin stellen überraschende Wendungen, ergreifende Geschichten und nicht zuletzt die Frage nach der Rolle und dem Verbleib des träumenden Chopins die Grundlage einer sehr gut erzählten Geschichte.
Rundenbasierende Echtzeitkämpfe
Sicherlich ist die Überschrift des Abschnitts in sich etwas widersprüchlich, jedoch beschreibt diese genau das Kampfsystem in Eternal Sonata. So wird bei Kampfbeginn eine Uhr gestartet, die jedoch nur bei Bewegung eines Charakters oder bei einem Angriff weiterläuft. Damit umgeht man nicht nur lästige Aktionspunkte, wie sie in anderen Rollenspielen eingesetzt werden, sondern erhält sich die Möglichkeit, den Kampf sozusagen in Echtzeit abspielen zu lassen, wodurch der Spielfluss nicht gestört wird. Nicht zuletzt hierdurch sind mehrere Attacken pro Zeitspanne möglich, bevor gegebenenfalls ein weiterer NPC oder ein Gegner an der Reihe ist.
Schön, dass Attacken gegnerischer Einheiten auch geblockt werden können, sofern während des Angriffs zum richtigen Zeitpunkt der B-Knopf gedrückt wird; somit ist hier ein schneller Finger gefragt. Ein großes Plus verdient sich der Titel durch einen abgespeckten Koop-Modus, der es ermöglicht mit zwei weiteren Mitspielern die Kämpfe auszutragen.
Dabei übernimmt jeder Spieler die Rolle eines Charakters und handelt, kämpf, heilt und setzt Gegenstände sowie Spezialfähigkeiten selbstständig ein. Leider jedoch ist dieser Kooperationsmodus auf den eigentlichen Kampf beschränkt, wodurch nur der erste Spieler die Kontrolle während der Weltsicht beibehält. Abgerundet wird das Kampfsystem durch verschiedene Spezialattacken, die die einzelnen Protagonisten ausführen können und dem Fotomodus, welcher eine sinnvolle und abwechslungsreiche Möglichkeit darstellt um Gold zu verdienen. Ganz wie in der N64-Umsetzung Pokemon Snap kann der Spieler während eines Kampfes Fotos von den Gegnern schießen, um sie später teuer bei einem Händler zu verkaufen. Hierbei bringen Bilder auf denen das Monster in voller Größe dargestellt wird selbstverständlich mehr Gold als nur bestimmte Teile, wie der Kopf des Ungetüms. Taktischen Tiefgang bieten indes die Schatten- und Lichtspezialangriffe, die in der jeweiligen Umgebung ausgeführt werden können. Dabei kommt es darauf an, ob in einem dunklen Verlies oder auf einem hell erleuchteten Blumenfeld gekämpft wird. Natürlich variieren die verschiedenen Attacken in Stärke und Schaden sowie einzelne Bereiche der Schlachtfelder, wodurch auch helle und dunkle Stellen gleichzeitig auf diesem zu finden sein können. Wo jedoch die Spezialangriffe taktischen Tiefgang gewähren, werden alteingesessene Rollenspieler in Sachen Attribute, Fähigkeiten und Ausrüstung eine herbe Enttäuschung erleben. So vergibt der Computer bei einem Levelaufstieg eines Charakters die Attribute automatisch und auch den Fähigkeiten mangelt es an Komplexität.
Märchenhafte Präsentation
Während das Kampfsystem sowie die Story überwiegend durch viel Originalität und Innovation glänzen, verfolgt Eternal Sonata mit der grafischen und soundtechnischen Präsentation einen ganz eigenen Stil.
So sind die Texturen schlicht und einfach gehalten ohne dabei trist zu wirken was ebenfalls die Kulisse, welche von riesigen bunten Blumenwiesen, über idyllische Dörfer durch die ein kleiner Bach fließt, bis hin zu größeren Städten, in denen ein Marktplatz als Zentrum des Dorfes von zahlreichen Menschen besucht ist. Weiterhin wird das märchenhafte in der Präsentation durch die in Japan typischen Charaktere im Manga-Look sowie großartigen Effekten wie Wasser- und Lichtspiegelungen unterstrichen.
Während des Kampfes kann der Titel mit überaus gut gelungenen und vor allen Dingen abwechslungsreichen Monstern, jedoch mit schlichteren und einfacheren Effekten, überzeugen. Stets weitergeführt wird die Story indes mit filmreifen, wenn auch bei einzelnen Bewegungen der Charaktere etwas kantig wirkenden Zwischensequenzen; als Schmankerl für viele Musik- sowie Geschichtsliebhaber haben Entwickler ebenfalls einige Bilder wichtiger Orte und Personen aus Chopins Leben, sowie einige Partituren, welche angesehen werden können ins Spiel integriert. Soundtechnisch werden weiterhin sämtliche in dieser Höhe gerechtfertigten Erwartungen vollends erfüllt.
Die gute englische Sprachausgabe mit deutschen Untertiteln rückt hierbei aufgrund einer erstklassigen musikalischen Untermalung erstmals in den Hintergrund, denn nicht zuletzt gestalten die zahlreichen Stücke Chopins diese äußerst klassisch und klavierlastig und beeindrucken vor allen Dingen durch die Harmonie zwischen Spiel und Musik. So haben es viele vielleicht kaum für möglich gehalten, Klassik mit einem actionlastigen RPG, welches durch Kämpfe und schnellem Gameplay geprägt ist, zu verknüpfen. Dies ist den Entwicklern und Sounddesigner jedoch gelungen, wodurch ein technisch überragender Titel mit märchenhaftem Aussehen und wunderschönen Klängen geboten wird.
Eternal Sonata ist gemacht um den Spieler zu verzaubern und in den Bann zu ziehen und nicht um Maßstäbe in einzelnen Bereichen zu setzen. Dass dies durchaus gelingt bestätigen dabei nicht zuletzt die zahlreichen Stunden Spielzeit die der Titel bietet und meine Wertung.