Gesamtwertung87%/10 |
GrafikGut SoundSehr gut |
LanzeitspaßSehr gut SpieleinstiegSehr gut |
BedienungGut |
Komm' mit kleiner Spatz! Auf Ruinen im Schneegestöber der Umgebung einer winterlichen Stadt, umgeben von Festungsmauern und gekrönt von einem gewaltigen, prunkvollen Schloss sitzt ein kleiner Vogel und macht sich abflugbereit. Mit schnellen Flügelschlägen nähert sich der kleine Spatz dem geschäftigen Wald aus Stein, ehe er sich auf einem Dach niederlässt und sein Geschäft erledigt. In einer nie dagewesenen Epik wird der sich zu einem schwarz-weiß durchsetzte Klumpen formende Vogelkot in einer dramatischen Kamerafahrt eingefangen.
Mit einem Platsch ist es geschehen. Der Vogel hat sein Tagessoll erreicht und zielgenau einen weiteren Menschen mit einem Schneeball aus Exkrementen beschenkt, unseren Helden. Das Schicksal unseres alter Ego scheint bereits in den Kinderschuhen besiegelt zu sein.
In einer zwielichtigen, verschneiten Gasse in der Altstadt Bowerstones beginnt das Abenteuer unseres namenlosen Helden, der von seiner Schwester Rose liebevoll einfach nur kleiner Spatz genannt wird. Angelockt von den Geräuschen eines fahrenden Händlers machen sich die beiden Geschwister, die sich in einem fadenscheinigen Holzverschlag einen Schlafplatz teilen, auf den Weg zum Marktplatz um dem Treiben auf den Grund zu gehen. Vier Jahre sind seit dem ersten Fable-Teil vergangen, im Spiel sind es über fünfhundert. Dementsprechend neu und gleichzeitig bekannt werden dem Fable-Fan bereits die ersten Minuten in Fable 2 vorkommen. Die einst glänzende Stadt Bowerstone ist gewachsen und der Abschnitt, den man aus dem Vorgänger kennt, ist zur Altstadt degradiert, reichlich heruntergekommen und gilt als Aufenthaltsort einiger schurkischer Persönlichkeiten mit denen wir direkt am Anfang auch schon Bekanntschaft machen.
Der fahrende Händler, Schlüsselperson zum heroischen Schicksal des Helden, gehört zu eben jener Bevölkerungsgruppe und dreht abergläubischen Dorfbewohnern jeglichen Plunder an, angeblich jedes Stück mit geheimnisvollen magischen Kräften ausgestattet. Unter all den reichlich unspektakulären Gegenständen, zum Beispiel dem undurchsichtigen Zauberspiegel, der den Betrachter wunderschön machen soll, benutzt man ihn in völliger Dunkelheit, befindet sich eine schöne Spieluhr. Diese Spieluhr soll dem Käufer, glaubt man dem Händler, jeden Wunsch erfüllen. Eine rosige Aussicht für zwei obdachlose Kinder im Winter, die sich nichts sehnlicher Wünschen, als in einem so schönen Heim zu wohnen, wie im Schloss Fairfax in dem der beliebte Lord Lucien haust, der sich nach dem Tod seiner Familie aus Trauer nicht mehr in der Stadt hat sehen lassen.
Kleiner Spatz
Fünf Goldstücke trennen die beiden vom Kauf der Dose, fünf Goldstücke, die sie nicht haben und mit denen sie eine lange Zeit auf der Straße überleben könnten. Doch etwas Mysteriöses geht vor.
Aus dem Nichts taucht eine blinde Frau auf, die die Kinder zum Kauf der Spieluhr ermutigt, weil sie tatsächlich ein großes magisches Artefakt sein soll, was der Händler nicht ahnt. Also beginnt die erste große Aufgabe im Leben vom kleinen Spatz. Als Laufburschen und Kammerjäger verdingen sich Bruder und Schwester und schaffen es im Laufe des Tages genug Geld für die Spieluhr zusammenzukratzen.
Im Schein des Vollmonds wird die Uhr ausprobiert und die Enttäuschung ist groß. Nachdem die Spieluhr in bunten Lichtern und seichten Klängen verschwunden ist, legen sich die armen Kinder hin, empfangen von einem Hund, den sie am Tag vor bösen Kindern gerettet hat, und schlafen ein.
In der Nacht geht Ihr Wunsch scheinbar in Erfüllung und werden von einem Abgesandten auf das schöne Schloss Fairfax eingeladen, da Lord Lucien sie gerne sehen wolle und von dort aus nimmt das ungerechte Schicksal seinen Lauf. Doch, was im Schloss geschieht, möchten wir euch lieber selbst erleben lassen und behalten weitere Ausschweifungen in der Geschichte des Spiels für uns.
Dient der Prolog eher als eine Art Tutorial, fängt mit dem Jugendlichenalter einige Jahre später das eigentliche Spiel an. Früh werdet Ihr mit den ersten Entscheidungen konfrontiert, die Euren Pfad im Verlauf des Spiels hell und dunkel gestalten werden. Denn, genau wie in Fable 1 dreht sich im Nachfolger alles um die Gesinnung und das Handeln eures Helden und den Weg, den ihr einschlagen werdet um Euer schlussendliches Ziel zu erreichen. Wie ihr euren Weg gestaltet, liegt dabei ganz euch, euren Entscheidungen und eurem Handeln. Manchmal müsst ihr auch böse handeln um ein gutes Ziel zu erreichen, eine gänzlich reine, weiße Weste wird man zum Ende hin eher schwer behaupten können, ebenso wie auch die meisten schwarzen Kluften weiß gesprenkelt sein werden, denn die Welt von Fable 2 bietet soviel Charme, dass man einfach garnicht die ganze Zeit böse sein kann, auch wenn man es anfänglich vorhat. Selbst die Gauner und Monster, die unserem Held in der Welt auflauern haben einen gewissen Witz und Charme, die sich in der ganzen Welt wie ein roter Pfaden ziehen.
Immer wieder entdeckt man sich bei einem leichten Schmunzeln oder herzhaften Lachen. Genauso, wie man sich freuen kann, kann man in Albion aber auch trauern. Teilweise so sehr, dass man sich wünscht eine gewisse Tat nicht begangen oder eine gewisse Entscheidung nicht gefällt zu haben. Gewissensbisse begleiten den Fable-Spieler die ganze Zeit. Verstärkt wird die Schwere der zu fallenden Entscheidungen durch das Fehlen einer Laden-Funktion. Hat man sich für etwas entschieden, ist dies nicht wieder rückgängig zu machen, außer man besinnt sich so schnell neu, dass man vor dem automatischen Speichern die Konsole neustartet - ein wirklich geniales Stilmittel. Speichern kann man übrigens so oft man möchte. Man kann das System auch ein wenig austricksen. Eine der ersten Missionen wird es sein, Sklaven aus einem Banditenlager zu befreien. Hat man sich den Schlüssel angeeignet, kommt prompt einer der überlebenen Sklavenhändler auf den Held zu und macht ihm ein zweifelhaftes Angebot.
Überlässt man die Sklaven ihm, winkt eine Stange Gold. Abzusehen ist hier, dass es für diese Entscheidung negative Moralpunkte gibt, man also eine böse Gesinnung erhält, für die Freilassung der Geiseln positive und ein gesteigertes Ansehen in der Bevölkerung. Nun kann man das Angebot des Sklavenhändlers annehmen, das Gold einstreichen, ihn dann umbringen, den Schlüssel an sich nehmen und die Sklaven trotzdem freilassen. Die Gesinnung gleicht sich aus, man erhält die Anerkennung, die man verdient und man kann mit dem Geld in die nächste Kneipe verschwinden. Böse oder gute Taten haben aber nicht nur unmittelbare Auswirkung auf euch und euer Aussehen, manchmal verändert sich auch die Umgebung in entscheidenem Maße. Das fängt schon im Prolog an. Helft ihr der Wache von Bowerstone, verkommt die Altstadt zum leblosen Stadteil mit mein paar Händlern, die täglich ihre Waren feilbieten. Helft ihr der Unterwelt, blüht die Altstadt auf und wird zum Umschlagplatz der Unterschicht und den Kriminellen der Stadt.
Zwischenmenschlich
Durch die Liebe, den Hass oder die Furcht des Volkes euch gegenüber steht und fällt euer Erfolg und Ansehen. Durch selbstlose Aktionen erhaltet ihr Handelsrabatte oder Waren und Dienstleistungen, die anderen nicht zur Verfügung stehen würden. Auch durch das Gegenteil, durch Furcht aufgrund von bösartigen Taten oder das Wirken von Zaubern können Rabatte erzielt werden. Der Hass der Menschen, der durch reine Antipathie und asozialem Verhalten zustande kommt beschert euch wiederum Aufpreise und die Ignoranz der Bürger. Da hilft nur einschleimen. Macht ihr trotz eurer guten Taten zu wenig Eindruck auf die Menschen, könnt ihr mit ihnen auf vielfältigste Weise interagieren. Durch das Erschlagen von besonders gefährlichen Gegnern oder das Erfüllen von bestimmten Quests erhaltet ihr Trophäen, mit denen ihr überall dort, wo viele Menschen sind, ordentlich angeben könnt.
Verstärkt das mit gekonnten Siegerposen und lasst euch tolle Statuen von euch an verschiedenen Orten aufstellen um den Personenkult um Euch ordentlich anzukurbeln. Kinder mögen besonders lustige Gesten und Schokolade oder Spielzeugschwerter, während reiche Damen auf besonders teuren Schmuck und tolle Kleidung stehen. Kurzum, macht euch selbst zum sympathischen Helden oder gefürchteten Tyrann. Selbstlosigkeit zahlt sich aus, Grausamkeit aber auch. Hauptsache ist, ihr seid berühmt. Im späteren Verlauf des Lebens seid ihr durch eure Taten so berühmt und begehrt, dass ihr euch vor verlockenden Angeboten gar nicht mehr retten könnt. Massenweise verlieben sich die Bewohner Albions in Euch und wollen euch heiraten oder einfach nur mal kurz mit euch in die Kiste hüpfen. Wollt ihr heiraten, müsst ihr euch ein Haus kaufen um dort eure Familie gründen zu können. Einen besonders großen Einfluss auf das Wohlbefinden der Familie hat das Haushaltsgeld, dessen höhe ihr selbst bestimmen könnt und euch jeden Morgen vom Konto abgezogen wird.
Durch das Übernachten in den eigenen vier Wänden erhaltet ihr besondere Boni, macht ihr eure Familie besonders glücklich, erhaltet ihr mit Glück ein paar wertvolle Geschenke von eurer Frau. Bekommt ihr ein Kind und lasst euch zu selten zuhause sehen, kann es auch passieren, dass euch die ganze Familie verlässt. Dann kann das Haus auch weiterverkauft oder vermietet werden. Um für eure Abenteuer gut gerüstet zu sein, reicht es nicht einfach nur mit der neusten Kreation eures Friseurs, cool posierend und angebend durch die Lande zu streifen.
Die Miete erhält man alle fünf Minuten in Echtzeit, auch wenn die Konsole nicht eingeschaltet ist. Das ist eine besonders lukrative Form des Geldverdienens in Fable 2. Kauft günstig ein und verkauft für das doppelte oder vermietet zu diabolischen Preisen um euch ein kleines Vermögen anzueignen. Doch Vorsicht: Zu hohe Preise sind schlecht für eure Moral und Ansehen. Hat man sich sehr viele Häuser in seinen Besitz gebracht, kann man es mit viel Geduld, Ansehen und vor allem Geld auch zum König vom Albion schaffen.
Das dies allerdings nicht mal eben so nebenher gemacht ist, dürfte klar sein. Hat man einfach nur unglaublich viel Geld, kann man sich zumindest das schicke Schloss Fairfax kaufen, dass am Ende des Spiels zum Verkauf steht. Aber nicht nur der Immobilienmarkt steht euch offen, auch mit guten Berufen wie Schmied oder Holzfäller könnt ihr eure Geldbörse aufbessern. Diese werden in einer Art Minispiel präsentiert, in dem ihr zum richtigen Zeitpunkt zuschlagen müsst. Je länger ihr einen Beruf ausübt werdet ihr befördert und erhaltet mehr Geld. Natürlich stehen auch böse Berufe wie Attentäter oder Sklaventreiber zur Verfügung. Diese verschaffen euch zwar Ansehen in der Unterwelt, Bürger werden euch jedoch meiden. Ein besonderes Feature, ob innovativ oder nicht, ist der ständige Begleiter, euer eigener, treuer Hund. Der sieht nicht nur knuffig aus, man kann ihm auch tolle Tricks beibringen: Bällchen holen, Männchen machen, Schätze suchen, Kehlen durchbeißen.
Hol's Köpfchen!
Man verliebt sich einfach in den kleinen Wau-Wau und will ihn nach einiger Spielzeit einfach nicht mehr und hütet ihn wie einen Augapfel. Mit Halsbändern, die ihr auf dem Markt kaufen könnt, könnt ihr dem Tier einen Namen geben. Der Hund will aber bei Laune gehalten werden, fürchtet er sich, will er beispielsweise mit einem Leckerli aufgemuntert werden, ist er verletzt humpelt er und jammert und muss mit dem Hunde-Elixier, das ihr zu Beginn erhaltet, geheilt werden. Besonders wertvoll ist der Hund im Aufspüren von Schätzen und vergrabenen Wertsachen. Riecht die Spürnase etwas wertvolles, bellt er und führt euch zur Schatztruhe oder zum Grabungsort. Auch Feinde kann der Hund erschnuppern und fängt bei Gefahr an zu knurren. Auch im Kampf beteiligt sich unser vierbeinige Freund aktiv. Haben wir die Gegner soweit, dass sie auf dem Boden liegen, macht sich der Hund nützlich und setzt zum Biss an.
In Bücherläden kann sich der Held Lektüre zur Abrichtung des Hundes kaufen um ihm weitere Tricks, Kampfstufen oder Schatzsucherfähigkeiten beizubringen. Der beste Freund des Helden richtet sich ganz nach seinem Herren. Seid ihr guter Gesinnung, ist auch euer Hund eine leuchtende Erscheinung, sehr zur Freude der Bewohner Albions, die sich sofort in den Kleffer verlieben. Seid ihr böse und aggressiv wird auch euer Hund zur furchterregenden Erscheinung und verbreitet Angst und Schrecken unter euren Mitmenschen.
Albion
Albion ist eine sehr freundliche und lustige Welt. Trotz der finsteren Machenschaften einiger Gruppierungen, fühlt man sich in der Welt einfach wohl. Auch die dunkle Bruderschaft in ihrer finsteren Burg und ihren pechschwarzen Kluften bestehen auf die freitäglichen Pokerabend und halten unseren Helden für den bösartigsten Menschen Albions, weil er als Initiationsritual flauschige Küken verspeist hat.
Hat man zum Beispiel einen der vielen Gauner umgehauen, beklagt sich sein Kumpane, dass er jetzt die Frau am Hals habe oder wie unfair man doch gewesen sei, schließlich wollte der Erschlagende einen vorher ja nur ein bisschen umbringen. Überall begegnet dem Helden die Unschuldigkeit Albions und die Liebe, die Lionhead in jedes Detail des Spiels gesteckt hat. Als Held wird man gefeiert, wo man geht und steht. Dieser freundlichen und gemütlichen Welt böse zu begegnen, bedarf einiger Überwindung. In Albion bewegt man sich fast ausschließlich zu Fuß vorwärts.
Es stehen zwar auch Kutschen zur Verfügung, wirklichen Gebrauch von den holprigen Holztaxis machten wir in unseren Testrunden allerdings nicht. Um es besonders Anfängern leichter zu machen, sich in Albion zu orientieren, wird beinahe jedes Ziel auf der Karte markiert und mit einem leuchtenden Pfad angezeigt. Diesem muss man einfach folgen um sein Ziel zu erreichen. Dieser kann in den Optionen allerdings auch ausgeschaltet werden, möchte man die Gegend lieber auf eigene Faust erkunden. Erkunden lohnt sich, tausende Schätze und Geheimnisse warten auf jeden Abenteurer.
Zu jedem Punkt auf der Karte den euer Held schon einmal bereist hast, sowie zu speziellen Quests, Sonderangeboten, zur eigenen Familie und Stellenangeboten kann er, wie schon im Vorgänger, schnell reisen. Das heißt, ihr sucht euch einen Ort aus, eine gewisse Spielzeit vergeht, je nach Entfernung sogar Tage und der Held befindet sich nach der Ladezeit sofort beim Ziel. Ladezeit? Wie im Vorgänger ist Fable 2 in Gebieten aufgeteilt, eine völlig freie Welt gibt es also wieder nicht. Die Gebiete sind jedoch weitaus größer und mit viel Liebe zum Detail per Hand gestaltet. Die Ladezeiten können etwas lang geraten, halten sich aber in den Grenzen des Zumutbaren. Hat man es generell eilig von einem Ort zum anderen zu kommen, kann man die Strecken innerhalb eines Gebietes auch sprintend überbrücken, so kann dem Helden jedoch der ein oder andere Schatz durch die Finger gehen. Überall in der Welt von Fable gibt es abseits der Haupt- und Nebenquests interessante Dinge zu erleben. Die uralten, einsamen Dämonentüren wollen, dass ihr etwas für sie erledigt, zum Beispiel sollt ihr ein paar tolle Tricks mit eurem Hund vorführen oder für Publikum sorgen, sodass sie ihre neueste Arie vortragen kann.
Ist die Tür mit euren Anstrengungen zufrieden, öffnet sie sich für euch und enthüllt einen großen Schatz. Überall in Albion wird außerdem von den gigantischen Schätzen der Gargoyles gesprochen. Diese lassen sich bergen, wenn ihr die in der Welt verstreuten Steingargoyles mit einem gezielten Schuss einer eurer Fernwaffen zerstört. Wirklich seltsame Relikte aus alten Tagen sind die unheimlichen lebenden Statuen, die zum Beispiel auf Friedhöfen ihre merkwürdigen Posen zum besten geben.
Diese Statuen verlangen ein Ausdrucksmittel von Euch, wenn ihr an ihre Geheimnisse heranwollt. Nach ein paar falschen Versuchen, will die Statue allerdings nichts mehr mit euch zu tun haben. Wie im Vorgänger sind auch überall Silberschlüssel-Truhen am Wegesrand verteilt. Um an die Schätze dieser Truhen zu gelangen braucht ihr eine gewisse Anzahl an silbernen Schlüsseln. Diese zu finden ist nicht schwer, euer Hund ist ein Experte im Auffinden dieser Schlüssel. Müssen wohl mit Fleisch eingerieben sein.
Meine Profession? Held natürlich.
Albion ist ein gefährlicher Ort voller Monster und Banditen. Je bekannter ihr werdet desto häufiger haben es auch Attentäter auf euch abgesehen, die anfangs recht schwer zu besiegen sind. Gegen Ende des Spiels fühlt man sich jedoch wie ein echter Superheld und lächelt nur noch über die Bemühungen eurer Feinde, euch etwas anzutun. Um diesen Heldenstatus zu erreichen, muss allerdings erstmal ausreichend Erfahrung gesammelt werden. Gesammelt ist hier der richtige Ausdruck, ihr bekommt keine Erfahrung durch das bloße Töten eurer Gegner, je nachdem welche Angriffe ihr wie gekonnt einsetzt lassen verwundete und getötete Gegner Erfahrungskugeln fallen, die per Knopfdruck eingesammelt werden müssen. Dabei gibt es vier verschiedene Farben, die die Bereiche Stärke, Können, Willenskraft und allgemeine Erfahrung repräsentieren. Stärkeerfahrung dient zum Ausbau eurer körperlichen Kraft und der Perfektion im Verwenden von Nahkampfwaffen, wie Schwertern oder Kriegshämmern.
Könnenserfahrung ermöglicht euch schneller anzugreifen und präziser mit Armbrüsten, Gewehren und Pistolen umzugehen. Die neuen Fernwaffen haben übrigens ein erstklassiges Design und besonders die Steinschlosspistolen sehen im Kampf besonders lässig aus. Mit dem Einsammeln der roten Erfahrungskugeln erhaltet ihr Willenskrafterfahrung die ihr zum Erlernen und Ausbau von Zaubern verwenden könnt.
Allgemeine Erfahrung dient als Zusatz, der zu den anderen Erfahrungspunkten hinzuaddiert wird. So können auch Attribute gesteigert werden, die ihr im Kampf eher selten genutzt habt. Je nach Waffen- und Zauberart ergeben sich unterschiedliche Auswirkungen auf Schaden, Schnelligkeit und Effektivität eines Angriffs. Die eigentlichen Kämpfe sind sehr action- und abwechslungsreich gestaltet. Besonders coole Kämpfe ergeben sich mit der Kombination aller drei Kampfstile. Perfekt gesetzte Schläge, Schüsse und Zauber werden mit eindrucksvollen Kamerafahrten in Zeitlupe in Szene gesetzt. In manchen Kämpfen, in denen besonders viele Kettenangriffe und starke Hiebe eingesetzt werden, kommt man aus den stylischen Zeitlupeneinlagen garnicht mehr raus.
In späteren Kämpfen kann gezielter geschossen und stärker zugeschlagen werden, abgetrennte Körperteile sind später keine Seltenheit, ein Kontrast zur sonst so harmlosen Welt. Ein Negativaspekt an der Kampfsteuerung ist die knifflige Auswahl der Zaubersprüche. Diese müssen im Menu einzeln angewählt und aufgereiht werden. Im eigentlichen Kampf hat man jedoch kaum die Muße, sich erst einen Zauber zur passenden Situation auszuwählen und bleibt dann lieber beim Flammeninferno. Hier hätte man sich wirklich ein paar Gedanken mehr machen müssen. Die Zaubersprüche sind jedoch äußerst hübsch in Szene gesetzt. Besonders Sprüche wie Klingen, in denen sich eine Reihe magischer Schwerter in die Gegner bohren, sind wahre Augenöffner. Generell sind die Effekte in Fable 2 sehr hübsch gestaltet. Sonnenaufgänge, Mondschein und das Schneegestöber am Anfang vermitteln im Zusammenspiel mit der verträumten Städtchen und Landschaften in Fable 2 eine märchenhafte Atmosphäre, der man sich nicht entziehen kann.
Alles wirkt aus einem Guss und das liegt vor allem an der liebevollen Kleinarbeit, die die Entwickler in die Gestaltung der hübschen Welt mit seinen lustigen und fiesen Bewohner gesteckt hat. Hier wird nicht auf pure Grafikpower mit high-end Texturen gesetzt sondern ähnlich wie im Online-Rollenspiel World of Warcraft auf einen stimmigen, bunten Comic-Look, der trotz der technischen Untergebenheit einfach viel hübscher und plastischer wirkt, als ein hochgepumptes Grafikspiel, das vorwiegend auf die Darstellung besonders vieler Polygone setzt. Auch aus akustischer Sicht hat Lionhead alles richtig gemacht. Eine exzellente Sprachausgabe, tolle Soundeffekte, ein stimmungsvolles Hauptthema und atmosphärische Hintergrundmusik vermischen sich zu einem rundum gelungenem Gesamtergebnis. Gekonnt wechselt die akustische Begleitung von ruhiger Musik ins stürmische, wenn es in den Kampf geht, passt sich den Umgebungen an und bleibt in einigen Szenen gekonnt ganz aus und setzt auf ein einsames Stakkato von Buschtrommeln um die Dramatik der Handlung zu unterstreichen.
Und als dann der Abspann lief und ich als strahlender Held durch die Gassen der Stadt gelaufen bin, fragte ich mich ohne Unterlass, ob diese jetzt die richtige Entscheidung gewesen sei. Ein Umstand, der besonders durch das im Prinzip genial gelöste Speicherungssystem verstärkt wird. Es gibt einfach kein zurück. Jede Entscheidung bindet. Durch falsche Entscheidungen kann der Held oder seine Umweld schwere Schicksalsschläge erleiden. Da hilft nur eines: Noch einmal durchspielen. Und das fällt bei Fable 2 ganz und gar nicht schwer. Im Gegenteil, das Spielprinzip lädt gerade dazu ein, noch einmal von vorne zu beginnen, einen anderen Weg zu gehen oder denselben Weg zu optimieren. Doch eins ist klar: Fable 2 macht sehr viel Spaß und spielt stellenweise mit den Emotionen und begeistert mit einem tollen Humor, doch die ganz großen Spielemomente und der letzte Tick zur Genialität fehlen einfach zum Prädikat Meisterwerk. Ich jedenfalls sehe über die Macken hinweg, die Lionhead vielleicht aus fehlender Zeit nicht berichtigen konnte, starte meine Xbox 360 und freue mich schon, noch einmal in die Welt Albions einzutauchen und dem Wirt in Bowerstone guten Tag zu sagen. Vielleicht kauf ich mir ja noch das Schloss, wer weiß?
Du bist Gladiator, der Held der Spiele im Kolosseum. Besiege Deine Gegner und erkämpfe Dir die Cance auf 10.000 €. zum Spiel...
Fable 2 im Test.
Was halten Sie vom neuen Spiel von Lionhead Studios?
Teilen Sie Ihre Meinung mit anderen Yahoo!-Usern.