Gesamtwertung72%/10 |
GrafikBefriedigend SoundSehr gut |
LanzeitspaßBefriedigend SpieleinstiegGut |
BedienungSehr gut |
Schon zum Release der PC-Version von F.E.A.R. im Oktober 2005 gingen die Meinungen über den Horror-Shooter weit auseinander. Wo Viele den Titel als Meilenstein der Videospielgeschichte sahen, kritisierten Andere ein schwaches Leveldesign sowie eine innovationslose Story. Nichtsdestotrotz genoss man in Fankreisen großes Ansehen und ging daher ebenfalls dem Wunsch vieler begeisterter Spieler nach, F.E.A.R. auf die NextGen-Konsolen aus dem Hause Microsoft und Sony zu portieren. Dass jedoch auch dieser Schritt Vivendis auf harsche Kritik stoßen würde, war angesichts einer zu diesem Zeitpunkt technisch veralteten 1:1 Umsetzung nicht verwunderlich. Entsprechend argwöhnisch wurde somit der Release der Standalone-Erweiterung F.E.A.R. Files, welche neben dem bekannten Extraction Point auch das neuste Addon Perseus Mandate beinhaltet, angesehen. Zu Recht? Wir geben die Antwort in unsrem Xbox 360-Review.
Nimm zwei!
Wo PC-Spieler auf die beiden Erweiterungen Extraction Point und Mission Perseus separat zurückgreifen müssen, bietet Vivendi Xbox 360-Besitzern die Möglichkeit beide Addons auf einer DVD getrennt voneinander und ohne das Hauptprogramm spielen zu können. Dies glückt durch eigenständige Speicherstände, die auch ein Durchspielen der ersten Erweiterung um die weiterführende Kampagne zu starten, nicht erfordern. Ein Anspielen des Hauptspiels aufgrund Fortsetzung der Geschichte ist hingegen mehr als ratsam.
Letztere knüpft in Extraction Point genau dort an, wo die Storyline in F.E.A.R. so abrupt abbricht; so steht auch im Addon die Jagd nach dem Psychopaten Paxton Fettel und seiner Armee an Replikanten, in erster Linie jedoch dem Auffinden verschiedener Teammitglieder, im Vordergrund. Ebenfalls darf man sich auf ein Wiedersehen mit den Schergen der Unterwelt sowie dem Mädchen Alma, dessen Geheimnis immer noch nicht gänzlich gelüftet worden ist, mehr oder minder freuen. Dabei kämpft und gruselt man sich durch sechs Kapitel, welche wiederum in kleinere Zwischenmissionen gegliedert sind, und auf mittlerem Schwierigkeitsgrad eine Spielzeit von knapp sechs Stunden bieten.
Die Perseus Mandate-Kampagne hingegen bedient sich, ähnlich wie es in Half-Life: Blue Shift der Fall ist, einem komplett anderen Blickwinkel. So schlüpft der Spieler in die Rolle eines Mitglieds eines zweiten F.E.A.R.-Squads, welches das ominösen Verschwinden des ersten Teams aufklären und damit die Umstände der fehlgeschlagenen Mission ergründen soll.
Und auch hier wird man von Fettels Klonen gejagt und von Visionen sowie unheimlichen Halluzinationen auf heftigste geplagt Ausgangspunkt ist wiederum das Mädchen Alma. Die Spielzeit ist dabei ähnlich dem ersten Addon mit circa sechs bis sieben Stunden eher als gering anzusehen, was ebenfalls durch die lediglich sieben Kapitel unterstrichen wird.
Hab ich alles schon gesehen!
Da die größten Unterschiede der Erweiterungen wohl im Storyverlauf und dem Setting zu finden sind, lassen sich sowohl Leveldesign, wie auch KI und Atmosphäre der beiden zusammenfassend bewerten. So sind die einzelnen Missionen im Vergleich zum Hauptspiel wenig spektakulär gestaltet und glänzen des Weiteren auch nicht durch Detailreichtum.
Die Bürogebäude, die zahlreichen unterirdischen Gänge, Lagerhallen, Schrottplätze, alles scheint wenig neu und auf irgendeine Weise bekannt, was in erster Linie an den Texturen und den auftauchenden Gegenständen liegt. Weiterhin erschrecken und schockieren zwar die zahlreichen Blutlachen an Decke, Boden und Wänden sowie herumliegenden Leichen, jedoch ist dem Spieler auch dieses Bild sehr wohl aus dem Hauptspiel vertraut. Ein weiterer Kritikpunkt ist die Linearität der einzelnen Missionen, Hauptgrund für die kurze Spielzeit des Titels. So sind zahlreiche Türen verschlossen und Gänge versperrt, weshalb dem Spieler nur eine Richtungsoption offen bleibt; spielerische Freiheit oder gar eine eigenständige Suche nach Fluchtwegen gibt es nicht. Darüber hinaus würzen zwar geskriptete Ereignisse wie das Erscheinen von Alma, ein überraschender Hinterhalt, kurzzeitige Visionen oder das bekannte Flimmern das Spielerlebnis, unterstreichen letzten Endes jedoch nur die Grundstruktur des Levelaufbaus.
Dennoch kommen die Addons nicht ganz ohne Verbesserungen daher und bieten zumindest drei neue Waffentypen sowie einige wenige neue Gegner, die den Spieler zusätzlich fordern sollen; gefordert wird dieser aber in erster Linie durch den stark schwankende Schwierigkeitsgrad, der sowohl einfachste Shooterelemente, als auch taktisch anspruchsvolle Aktionen, wie beispielsweise die geschickte Platzierung mobiler Geschütztürme, verlangt. Zu guter Letzt bewegt sich die KI der Gegner auch in den Erweiterungen auf allerhöchstem Niveau.
Angestaubte Grafik und guter Sound
Auch wenn Fans des Hauptspiels in Sachen Missionsgestaltung mitunter noch ein Auge zudrücken konnten, kann über die angestaubte und in die Jahre gekommene grafische Präsentation der F.E.A.R. Files nicht hinweggesehen werden.
Zwar bewegen sich die Effekte, die Texturen und auch die Schauplätze nicht auf unterstem Niveau, jedoch können die Entwickler damit auch keinen Blumentopf gewinnen. So wirken Feuer und Wasser mehr als altbacken und auch die Räumlichkeiten, in denen sich der Spieler bewegt zeugen nicht von Detailreichtum und grafischer Finesse. Zugegeben, tut dies der überaus gelungenen gruseligen Atmosphäre keinen Abbruch, jedoch beweisen aktuelle Shooter wie beispielsweise Call Of Duty 4 was man wirklich aus der NextGen-Konsole heraus kitzeln kann. Umso verwunderlicher angesichts dieser Tatsache somit die Framerateeinbrüche in der Mission Perseus-Kampagne bei hohem Gegneraufkommen sowie größeren Explosionen.
Das krasse Gegenstück zur angestaubten Grafik bildet die soundtechnische Gestaltung der beiden Addons. So trägt die Hintergrundmusik sowie erschreckenden Effekte, wie man sie eigentlich nur aus hochwertigen Horrorstreifen kennt, einen großen Teil zur Atmosphäre bei.
Jeder Schritt wird dabei vor allen Dingen des Nachts angesichts flackernder Lichter und der bekannten Rauschfrequenz zu Qual. Des Weiteren lassen Schreie durch röhrenartige Gänge, das Hecheln der Bestien der Dunkelheit und nicht zuletzt das schrille Auftauchen Almas das Blut in den Adern gefrieren. Einziger Schwachpunkt ist die nicht sauber abgemischte Synchronisation, wodurch Konversationen im Vergleich zur Musik und den Effekten meist zu leise wirken. Auch die Lippen der Charaktere bewegen sich nicht immer synchron zu dem Gesprochenen.
In Sachen Steuerung gibt es weder Unterschiede zum Hauptspiel, noch zu anderen Shootern, weshalb diese gewohnt leicht und unkompliziert von der Hand geht. Somit besteht in diesem Bereich kein Anlass zur Kritik.