Gesamtwertung89 %/10 |
Grafik9 Sound8 |
Lanzeitspaß9 Spieleinstieg10 |
Bedienung10 |
Das letzte Jahr war ein sehr gutes für alle FIFA-Spieler und die Reihe hatte seit Ewigkeiten im Konkurrenzkampf zu Pro Evolution Soccer sowohl spielerisch als auch vom Umfang her tatsächlich mal wieder die Nase vorn. Viele Tweaks am Gameplay machten das Spiel präziser, dynamischer und vor allem realistischer. Wenn man genau hinsah, fiel auf, dass sich die Entwickler sehr nach der Konkurrenz gerichtet hatten. Darüber hinaus sorgte gerade der grandiose Online-Modus für die Erfüllung eines kleines Traumes, in dem man die gelederten 90 Minuten erstmals mit 19 gleichgesinnten Spielern zocken konnte. In diesem Jahr setzt man natürlich auf die Stärken des letzten Ablegers, beschert aber darüber hinaus zahlreiche Verbesserungen, die einen Kauf auch für Besitzer von FIFA 09 durchaus lohnenswert machen. Wo kann FIFA in diesem Jahr auftrumpfen? Was ist neu? Wo liegen die Stärken, wo die Schwächen? Hier unsere Analyse zum Spiel.
Fangen wir bei der wichtigsten Neuerung an - der 360-Grad-Kontrolle. In diesem Jahr könnt ihr euren Spieler endlich frei nach Schnauze in alle Richtungen bewegen. Von diesem neuen Feature profitiert das Spiel enorm. Hat man sich erst einmal mit dieser Umstellung auseinandergesetzt, sind Spielzüge und Dribblings präziser denn je und geben dem Gameplay einen völlig neuen Tiefgang.
Das macht sich sowohl auf Seiten der Offensive als auch der Defensive bemerkbar - Die vielen Finten und Tricks, die ihr fabrizieren könnt, können so auf Seiten der Verteidigung besser ausgehebelt werden, wodurch die speziellen Dribblings scheinbar an wenig an Effektivität verlieren, was jedoch nicht der Fall ist. Stattdessen nutzt der Angreifer seine neuen Freiräume, welche ihm die neue Form der Kontrolle gewährt, besser aus und verlagert seinen Gegenspieler geschickt mit einer seiner Finten- und Dribblingvarianten. Die 360-Grad-Steuerung ist wirklich die beste spielerische Neuerungen seitens des Gameplays und eröffnet jede Menge neue Möglichkeiten.
Verzichtet man auch noch auf die vielen Steuerungshilfen, die FIFA 10 von vorn herein aktiviert, genießt man fast vollkommene Freiheit beim Aufbau seiner Spielzüge, sollte allerdings einiges an Übung mitbringen, da selbst scheinbar sichere Pässe und Abstauber ohne das richtige Quäntchen Fingergefühl kilometerweit daneben gehen.
Auf der Gegenseite gibt es einige neue Tricks zu sehen, von denen allerdings nur wirkliche Starspieler Gebrauch machen können. Die Dribblingstricks sind nämlich in fünf Stufen unterteilt und können dadurch erst gar nicht von Durchschnittsspielern ausgeführt werden. Ein weiteres sehr gelungenes neues Feature sind die verbesserten Zweikämpfe.
Die Spieler gehen beim Kampf um den Ball nun mit vollem Körpereinsatz zur Sache, was den Duellen in der Praxis sehr viel Dynamik verleiht und dazu noch klasse aussieht. Die Spieler versuchen den Gegenspieler wegzustoßen, Arme verhaken sich, das Gewicht wird sich entgegen geworfen. Das fühlt sich intensiv und authentisch an und kommt dem Spielgefühl ebenfalls sehr zugute.
Wer sich im endlich integrierten Trainingsmodus ein wenig umschaut, wird schnell erkennen, dass sich neben möglichen Trainingsmatches und dem Training von Standards auch ein weiteres neues Feature dazugesellt hat. Durch die sogenannten "Set Pieces" lassen sich die Laufwege Eurer Mitspieler festlegen. So könnt Ihr jeden Spieler einzeln anwählen, um die Gegenspieler beispielsweise durch ablenkende Manöver aus der Reserve locken. Einmal festgelegt, könnt ihr bis zu vier verschiedene Laufwege auf dem Digipad abspeichern, im Spiel abrufen und für Verwirrung beim Gegner sorgen. Dieses Feature ist im Prinzip recht leicht zu handhaben und verleiht den Standardsituationen jeweils die persönliche Note.
In Hinsicht auf schnelle Freistöße hat man sich wohl in den vergangenen Zeit verstärkt mit Konamis Konkurrenzprodukt auseinandergesetzt und versorgt den Spieler in FIFA 10 nun auch endlich mit der Möglichkeit, je nach Situation schnelle Freisöße ohne Unterbrechungen ausführen zu können, wodurch sich durchaus auch mal ein taktischer Vorteil für das eigene Team ergeben kann, als bei einem normalen Freistoß.
Hinsichtlich der Intelligenz des Torwarts muss man diesem Jahr wieder einmal einige Schwächen in Kauf nehmen. Zwar hat der Gute hier natürlich dazugelernt und lässt sich nicht mehr so schnell düpieren, dennoch sind Lupfertore noch immer viel zu leicht. Ebenfalls fällt auf, dass der Keeper den Ball bei Schüssen so gut wie nie festhält und die zahlreichen Abpraller nicht selten mit einem Abstauber-Tor enden. Weitere Schwächen findet man bei Flanken vor - So kommt der Torwart nicht häufig genug aus dem Kasten, um den Ball abzufangen, und schaut manchmal nur zu, wie der im langen Eck lauernde Stürmer ungestört punktet. Während unserer Testsessions ist uns auch aufgefallen, dass ziemlich viele Tor auch recht leicht über das kurze Eck gemacht werden konnten.
So etwas gehört definitiv nicht zum guten Ton. Von diesen teils zwar wirklich schon üblen Schwächen abgesehen, macht der Keeper insgesamt allerdings eine gute Figur. Zumindest ist hier ein deutlicher Fortschritt im Vergleich zu letzten Jahr zu sehen.
Wie schaut's denn in diesem Jahr mit der Ballphysik aus? Nun ja, wirklich deutliche Verbesserungen gibt es hier nicht zu entdecken. Noch immer fehlt es dem Ball scheinbar an Gewicht und manche Schüsse oder Kopfbälle nehmen ziemlich merkwürdige Flugbahnen an, was schon mal für Stirnrunzeln beim Spieler sorgen kann. Ebenso ist es sehr schade, dass es den Schüssen an noch immer Druck fehlt. Zwar sind Schüsse aus der Distanz wieder effektiver, es fühlt und hört sich aber noch immer ein wenig lasch an, wenn man abzieht. Das kann die Konkurrenz besser.
FIFA bot in der Vergangenheit schon immer einen gehörigen Batzen verschiedenster Modi. In diesem Jahr setzt man zwar weniger auf neue Modi, sondern verbessert die des Vorgängers konsequent. Der Be-a-Pro-Modus wurde beispielsweise um den Virtual-Pro-Modus erweitert.
Hier könnt ihr euren Spieler neuerdings mit euren eigenen Antlitz "verschönern", indem ihr euer Gesicht via Foto auf der offiziellen Website des Spiels und von dort ins Spiel laden könnt. Das sorgte schon in anderen Titel für einen spaßigen Zeitvertreib und funktioniert auch hier. Wichtiger ist allerdings die Tatsache, dass Ihr euren selbst kreierten Recken in jedem beliebigen Spielmodus nutzen und ihn so stetig zu verbessern könnt. Zahlreiche Herausforderungen sorgen dabei dafür, dass man auch wirklich vorankommen will und dementsprechend versucht, seine Spielweise möglichst variantenreich zu gestalten.
Neu mit dabei ist auch die Live Season. Wie der Name schon sagt, könnt ihr euch hier eure bevorzugte Liga aussuchen und euren Lieblingsverein nacheifern. Je Woche gibt es hier die neusten Ergebnisse aus der Liga und auch der Kader wird stetig angepasst. Es gibt sogar Statistiken inwieweit sich Eure Leistung von der des echten Teams unterscheiden. Das Ganze hat allerdings seinen Preis und so wird man pro Liga mit 400 MS-Points bzw. knapp fünf Euro zur Kasse gebeten.
Wer sich lieber als Manager versuchen will, erfreut sich über den verbesserten Manager-Modus, in dem ihr neben der eigentlichen Spiele freie Hand über die Finanzen eures Vereins habt und dementsprechend durchdacht investieren müsst, um erfolgreich zu sein.
Das Ganze wurde dabei weitaus realistischer als noch im Vorgänger aufgebaut und es ist jetzt schwieriger, den Rubel ins Rollen zu bringen. Insgesamt ist dieser Modus allerdings noch immer als nette Dreingabe, als als waschechtes Fussball Manager-Spiel anzusehen. Nachvollziehbar, schließlich möchte man seitens EA auch noch die hauseigene Fussball Manager-Reihe an den Mann bringen.
In Sachen Online-Modi bekommt Ihr in diesem Jahr so ziemlich dasselbe reichhaltige Angebot wie schon im letzten. So sind Spiele mit bis zu 20 Spielern möglich.
Allerdings konnten wir den Online-Modus wegen der leeren Server noch nicht wirklich testen, sind aber sehr zuversichtlich, dass dieser wieder einschlagen wird wie eine Bombe.
Auch optisch zeigt sich FIFA 10 nur leicht verbessert. Die Spieler weisen noch immer nur eine bedingte Ähnlichkeit zu ihren realen Vorbildern auf und hinken der Konkurrenz in dieser Hinsicht in diesem Jahr hinterher. Einen deutlichen Schritt nach vorne machte man allerdings in Hinsicht auf die Animationen. Nie zuvor gab es derart lebensechte Bewegungsabläufe zu sehen und es ist eine wahre Wonne, den Spielern bei ihrer "Arbeit" zuzusehen. Die Stadionatmosphäre ist ebenfalls nach wie vor ganz weit oben anzusiedeln und verschafft euch ein wirklich gelungenes "Mittendrin"-Gefühl. Schade ist allerdings, dass die jubelnden Fans mitsamt ihrer Gesänge noch immer nicht ganz überzeugend inszeniert wurden und die Fanblocks eher trist daher kommen.
FIFA 10 macht in diesem Jahr einen erneuten konsequenten Schritt nach vorne und spielt sich besser denn je. Die neue 360-Grad-Kontrolle verleiht dem Spiel endlich die Dynamik, die der Reihe schon immer gefehlt hat. Nie zuvor genoss man in einem FIFA-Spiel eine derart große Freiheit hinsichtlich des Aufbaus seiner Spielzüge. FIFA 10 spielt sich intuitiv, extrem flüssig und bietet viele neue Features, die mit Sicherheit sehr viel Anklang bei der Community finden werden. Die Atmosphäre ist noch immer die beste, die man im Genre finden kann, und auch der Umfang lässt kaum einen Wunsch offen. Die butterweichen Animationen sind zudem eine wahre Wonne und lehren der Konkurrenz das Fürchten. Und dennoch gibt es einige störende Faktoren, die meine Euphorie ein wenig zügeln. Der Torwart lässt sich noch immer zu leicht überrumpeln und weist auch bei seinem restlichen Spielverhalten einige Mängel auf. Ebenso fehlt es den Schüssen auch in diesem Jahr an Druck, wodurch das Abziehen aus der Distanz den inneren Kicker nicht ganz zufrieden stellt, und auch die Ballphysik lässt nach wie vor zu wünschen übrig. Trotz all dieser kleinen Macken, bekommt ihr mit dem diesjährigen Ableger das beste FIFA aller Zeiten spendiert, gegen das sich das kommende PES verdammt warm anziehen muss.
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