Fight Night Round 4

Review
Plattform
XBOX 360
Vertrieb
Electronic Arts
Entwickler
Electronic Arts
Erscheinungsdatum
-
USK
12
Fight Night Round 4

Gesamtwertung

90 %/10

Grafik

9

Sound

8

Lanzeitspaß

9

Spieleinstieg

10

Bedienung

9

Fight Night Round 4

Die Glocke ertönt und der Schmerz vibriert in eurem Körper im Einklang mit dem fürchterlichen Ton. Euer Coach konnte nur das Nötigste flicken, das zu geschwollene Auge aber bleibt das größte Hindernis. Schwach und ausgepowert torkelt ihr zurück in den Ring, den übermächtig wirkenden Gegner im Visier. Ihr denkt an die sieben vorausgegangenen Runden, an eure Fehler. Die vergeblichen Versuche seine Deckung aufzubrechen, die belanglosen Jabs, die vergebenen Konterchancen und das sinnfreie Herumgetänzel. Ihr denkt an seine gute Deckungsarbeit, seine harten Körpertreffer, das energiesparende herumstehen und das gute Ausweichen. Und ihr denkt an die 20.000 Zuschauer in Las Vegas, die ihr nun wohl erstmal nicht zu Gesicht bekommen werdet. Denn dieser Kampf scheint verloren.

Der Ringrichter gibt das Gemetzel frei. Mit letzter Kraft attackiert ihr euren Gegner mit schlappen, kurzen Körperschlägen. Der schwerfällige Koloss steckt sie locker weg, holt aus und wird nur durch euer Klammern am finalen Schlag gehindert. Doch Sekundenbruchteile später stößt er euch schon wieder von sich und holt zum Haymaker aus, dem tödlichsten aller Schläge in Fight Night Round 4. Ihr seid zu schwach euch zu wehren. .

Gleißendes Scheinwerferlicht, abgehalfterte Seile und der kalte Boden des Rings sind die letzten Dinge, die ihr seht, bevor die harte Realität euch das Licht ausknipst.

Du und Ali.

Das Rampenlicht gehörte nach diesem Kampf wohl jemand anderem. Doch wie man bereits an diesem Beispiel erkennen kann, fordert Fight Night Round 4 euch heraus. Es ist kein simples Button-Smashing-Spiel, sondern ein intelligentes Boxspektakel, das man nur durch taktisches Vorgehen und viel Übung zu meistern vermag.

Alle, die den vor rund drei Jahren erschienenen Vorgänger gespielt haben, dürften aus den obigen Zeilen auch schon einige Neuerungen herauslesen können. Wer sich nun fragt, wieso gerade Electronic Arts sich soviel Zeit lässt, um ein Sequel zu einem erfolgreichen Sportspiel herauszubringen, dem sei gesagt, dass der vierte Teil der Fight Night-Serie einen qualitativen Sprung gemacht hat, der lobenswerter kaum sein könnte.

Wenn wir uns persönlich entscheiden könnten, ob auch ein FIFA nur alle drei Jahre erscheint und wenn man mir versprechen würde, dass sich die Fußballsimulation in ähnlichem Maße verbessern könnte, würden wir die Wartezeit liebend gern auf uns nehmen. Doch beginnen wir ganz von vorn.

Obwohl die Menüs von Fight Night Round 4 eher nüchtern daher kommen, verbergen sie doch ungeahnte Komplexitäten. So überrascht vor allem der Onlinemodus mit schicken Neuerungen, zu denen wir später noch kommen. Der Karrieremodus beschäftigt sich wieder mal mit dem Aufstieg eines ausgewählten oder selbst ersten Boxtalentes, dass die Leiter bis hin zur Legende erklimmen will. Wer sich dabei für eine Eigenkreation entscheidet, kann nicht nur zwischen vielen vorgefertigten Gesichtern wählen, sondern auch sein eigenes via Xbox Live benutzen. Man kann sich vorstellen, dass da einige Furcht einflößende Grimassen herauskommen. Natürlich muss dann auch noch das Körpergewicht und die Größe angepasst und der eigene Kampfstil ausgewählt werden.

Dieser wird durch das Verteilen von Punkten für unterschiedliche Attribute festgelegt. So kann man schnelle und wendige, aber auch langsame und durchschlagskräftige Boxer oder eben die unspezialisierte Synthese aus beiden erschaffen. Hat man das alles erledigt, geht's auch schon los. Zunächst einmal boxt man sich in der Amateurliga etwas warm, findet durch ein ausgereiftes Tutorial ins Spiel und gewöhnt sich an die komplexe, aber sehr intuitive und intelligente Steuerung. Anfangs darf man noch einfach drauflos schlagen, da die Gegner sich schnell als einfaches Kanonenfutter herausstellen. Hat man es dann zum Profi geschafft, beginnt der eigentliche Leidensweg. In einem sehr spartanischen Kalendermenü setzt man Trainings, Erholungsphasen und Kämpfe an. Leider ist das auch schon so gut wie alles, denn auch wenn die Kämpfe an sich spektakulär inszeniert werden, so vermisst man doch den ganzen Trubel drum herum. Das Training stellt sich als elementarer Bestandteil des Karrieremodus heraus. Zwar kann man dieses auch automatisch ableisten ohne selbst einzugreifen, wird aber belohnt wenn man sich darauf einlässt.

Unterteilt wird das Sparring in sechs Minispiele, die allesamt Laune machen und unterschiedliche Aspekte eures Kämpfers trainieren. In jeder Einheit kann man so drei Fertigkeiten ausbauen, zwei erleiden einen minimalen Verlust. Logisch, denn schließlich vernachlässigen spezialisierte Trainingseinheiten auch bestimmte Punkte des Körpers. So ist Konditionstraining der Schlagkraft nicht unbedingt förderlich.

Mit voller Konzentration in den Ring!

Habt ihr den Pflichtteil hinter euch gebracht, geht's endlich in den Ring. Mit steigendem Ansehen kommen selbstredend bessere Gegner auf euch zu. Insgesamt kämpft man sich durch neun Ränge, die man sich durch das Absolvieren verschiedener Missionen erarbeitet. So muss man anfangs beispielsweise ein bestimmtes Turnier gewinnen, später dann Weltmeister in einer Klasse werden und den Titel verteidigen und so weiter. Hat man die Aufträge für einen Rangaufstieg alle erfüllt kämpft man gegen einen Abschlussgegner, der einem nochmals alles abverlangt und steigt bei einem Sieg endgültig auf. Im späteren Spielverlauf fordern euch die Kontrahenten extrem.

Wer nur auf den Buttons herumdrückt, wird schnell auf die Bretter geschickt. Taktisches Vorgehen ist also Pflicht. Und hier kommt die unglaublich komplexe, aber wie angesprochen eben auch intuitive Steuerung ins Spiel. Die ist mal wieder das Herzstück des Spiels und wurde stark überarbeitet. So ist die Deckungsarbeit jetzt eine ganze Ecke anders. Man kann sich nicht mehr nur unter Schlägen wegducken, sondern diese auch durch Sidesteps parieren und gegebenenfalls schlagkräftig kontern. Auch kann man sich nun nicht mehr unendlich lange hinter der eigenen Deckung verstecken, da diese jetzt aufgebrochen werden kann. Passiert das, steht man einige Zeit deckungslos im Ring herum. Noch schlimmer wird es, wenn man benommen geschlagen wird. Hier zählt dann nur noch der Rückzug. Schläge werden noch immer mit dem rechten Analogstick und dem rechten Trigger vollführt. Dabei reagiert der Stick auch immer noch auf die jeweilige Bewegung. Ein kurzes Antippen nach Links bedeutet einen Jab, während eine Halbkreisbewegung von Rechts über Unten nach Links einen Uppercut darstellt. So kann man die verschiedensten Schläge ausführen. Da das Kampftempo im Gegensatz zum Vorgänger ordentlich angezogen hat, können nun auch schneller, bessere Combos geboxt werden. Die Buttons sind dann noch zum Klammern, Wegstoßen und so weiter da. Mit diesem Repertoire kann man sich die unterschiedlichsten Kampfsituationen vorstellen und eine fast unendliche Anzahl an Reaktionsmöglichkeiten.

Das sorgt vor allem im Onlinemodus oder im Offline-1-gg.-1 für eine unglaubliche Motivation. Apropos Multiplayer: Der ist nicht nur ausgefeilt, sondern auch ein essenzieller Bestandteil des Spiels. Neben Ranglisten- und Freundschaftsduellen wird euch auch in jeder Gewichtsklasse eine individuelle Weltmeisterschaft geboten. Das ist quasi ein Endlos-Ranglistenspiel, das euch für Monate an die Mattscheibe fesseln kann, wenn ihr ganz oben mitmischt

Fazit

Fight Night Round 4 ist technisch, wie spielerisch immer noch aller erste Güteklasse. Zwar liegen die meisten Neuerungen im Vergleich zum drei Jahre alten Vorgänger im Detail, doch die leicht verbesserte und immer noch grandiose technische Seite und das stark verbesserte Steuerungssystem rechtfertigen einen Kauf, selbst wenn man im Besitz des dritten Teils ist, genauso, wie der tolle Multiplayer- und der hervorragende Karrieremodus. Zu meckern gibt es fast nichts. Zu beanstanden ist wohl nur, dass man in den drei Jahren, in denen sich der Titel seit dem Erscheinen von Fight Night Round 3 in Entwicklung befand, doch mal auf die Idee hätte kommen können, auch um die spektakulären Kämpfe herum, eine Story oder wenigstens ein wenig mehr Trubel zu errichten. Denn nach dem Glanz des Sieges erwarten einen nur ernüchternde Statistiken und Menüs. Alles in allem ist das aber vernachlässigbar, so dass man Fight Night Round 4 auch Nicht-Box-Fans ans Herz legen kann, da die Intensität des Schauspiels und die Schönheit und Perfektion des Gameplays jeden packen dürfte. Der Titel ist nicht nur unglaublich gut, sondern meiner Meinung nach auch spannender als jeder echte Boxkampf.

Fight Night Round 4

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